Lachen ist gesund - 6.5.17

... und das nicht nur im Ostergottesdienst! Der liegt zwar schon länger hinter uns, aber mich interessierte, wie es zu dem Osterlachen kam, von dessen vereinzeltem Aufleben in Gemeinden ich gelesen hatte: Im 14.Jahrh. ging es los und war bis ins 19.Jahrh. weit verbreitet am Ostersonntag. Luther tat es als albernes Getue ab, und es war ihm ein Dorn im Auge, wenn die Pastoren auf der Kanzel Handstand machten, Grimassen zogen, zweideutige Witze erzählten, wie Gänse schnatterten oder immer Kuckuck schrien. Oft beförderten sie auch laut gackernd ein Ei unter ihrem Talar hervor oder krochen auf allen Vieren quiekend durch die Kirche.

Er lehnte nur diese Auswüchse ab, Humor im Gottesdienst aber nicht: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein.“

Aber was sollte das Osterlachen eigentlich bewirken ? Der Grundgedanke war : Die Erlösung durch die Auferstehung Christi betrifft den Menschen mit Leib und Seele. Die Osterfreude soll zum Ausdruck gebracht werden. Es symbolisiert den Sieg über den Tod. Ich fand eine Erklärung des Tübinger Theologen Kuschel : Die Auferstehung Christi lässt sich als Gottes Gelächter über den Tod verstehen. Liturgie und Lachen müssen sich keinesfalls ausschließen. Er bedauert, dass kirchl. Autoritäten heute in vielen Fragen oft nicht den geringsten Spaß verstehen und unter Christen mehr gezittert und gezetert als gelacht wird.

Dabei spricht Jesus für den Himmel in Luk.6, 21 „Ihr werdet lachen“

Aufklärung und Rationalismus verbannten sogar in manchen Gegenden schon ab 18.Jahrh. solche ganzheitliche Osterfreude aus der Kirche. Sie klingt aber heute noch in einigen Psalmen und Chorälen an. „Da wird unser Mund voll Lachens sein und unsere Zunge voll Rühmens oder im Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, im 5. Vers „Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn…“ Natürlich bin ich bei meinen Erkundungen auf Witze gestoßen, die auf der Kanzel erzählt wurden, wie z.B: Über dem Portal einer großen Kirche steht „Das ist Gottes Haus, die Tür zum Himmel“- an der Tür „Während der kalten Jahreszeit bleibt diese Tür geschlossen.“

Ein Student, 1.Sem. im Predigtnachgespräch, hart diskutiert „Ob es die Auferstehung wirklich gibt, Herr Pfarrer, werden wir hier nicht entscheiden. Also sterben wir erstmal, und reden dann weiter.“

Im Examen sitzt ein ziemlich hoffnungsloser Fall, zus. gesunken vorm Prof. „Sie wissen ja überhaupt nichts - Können Sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem NT auswendig ? Zaghaft „Ja: Doch Freuet euch in dem Herrn“-“Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz ?“ Da strahlt der Kandidat „Und abermals sage ich, freuet euch.“-- Möge die Osterfreude uns immer begleiten!

Ursula Wiebe, Prädikantin