Kirche – ein besonderer Raum und wann der Taufstein zum Stehtisch werden kann - 26.8.17

Im Urlaub schaue ich mir gerne Kirchen an. Ich setze mich dort in eine Bank, lasse den Trubel hinter mir und spüre den Eindrücken der Urlaubstage nach. Vor einem Gottesdienst  genieße ich auch zu Hause die Stille unserer Kolenfelder Kirche. Im Moment ist es aber laut in unserer Kirche. Zimmerleute, Maler, Verputzer, Elektriker gehen ein und aus. Der Kirchenraum ist kaum wiederzuerkennen: komplett eingerüstet, das Dach an mehreren Stellen offen, Orgel, Altar und Taufstein sind mit Folien und Abdeckplatten verhüllt. Unsere Kirche wird renoviert. Es war an der Zeit – zumal Holzbalken im Dach vom Pilz befallen sind.

Wenn wir mittags Kaffee für die Handwerker in die Kirche bringen, freue ich mich, dass die Handwerker ihr Fachwissen und ihre Arbeitskraft für unsere Kirche einsetzen. Mit dem Kaffeebecher in der Hand sagen sie, dass die Arbeit in einer Kirche für sie etwas anderes ist als die Arbeit in einem Wohn- oder Geschäftshaus. Ich höre das ich in doppelter Weise: einerseits haben sie mir erklärt, dass es handwerklich etwas anderes bedeutet, ob sie in einem 300 Jahre alten Gebäude arbeiten oder an einem Neubau. Andererseits klingt für mich auch mit, dass sie eine Kirche als einen besonderen Raum empfinden – auch wenn der Taufstein gerade als Stehtisch genutzt wird für ihre Kaffeebecher.

Kirche sind besondere Räume. Seit Generationen haben Menschen in unserer Dorfkirche fröhlich gesungen zur Hochzeit oder Kraft und Trost gesucht in schweren Zeiten. Wie viele Menschen haben an diesem Taufstein gestanden und haben Gott für das neue Leben Danke gesagt. Singen, Beten, Gottesdienste feiern – seit 300 Jahren ist unsere Kirche davon erfüllt und geprägt. Gut, wenn trotz Gerüsten und Baulärm zu spüren ist: die Kirche ist ein besonderer Raum.

Als Kirchenvorstand wollen wir unsere Kirche zum Innehalten und Feiern erhalten. Wir sind beeindruckt, dass so viele Menschen die Kirchenrenovierung unterstützen und damit zeigen, dass sie unsere Kirche im Dorf nicht missen möchten. Sicher freuen wir uns alle, wenn der Stehtisch wieder zum Taufstein wird.

Kirchen sind besondere Räume. Viele Menschen spüren das – auch heute, wo es nicht mehr so selbstverständlich ist wie vor 300 Jahren, Kirchenmitglied zu sein: die Kirche als Raum tut gut, weil wir dort in besonderer Weise Gott nahe sein können und Orientierung für unser Leben finden können.

Probieren sie es aus. Gehen sie in eine Kirche – morgen am Sonntag zum Gottesdienst oder einfach so zum stillen Zwiegespräch mit Gott. Ich wünsche Ihnen, dass sie Gottes Nähe spüren.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld