Keine Angst vor dem Fremden! - 27.2.16

Christinnen aus Kuba lehren uns das Beten

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: In ökumenischen Frauengruppen wird der Weltgebetstag vorbereitet. Er steht unter den Worten Jesu aus Matthäus 18: „Nehmt Kinder auf, und ihr nehmt mich auf.“ Kubanische Christinnen verschiedener Konfessionen haben ihren Glauben in Lied und Text zum Ausdruck gebracht und laden ein zum Mitfeiern für den kommenden 4. März. In 109 Ländern der Welt folgen frau und man dieser Einladung, auch in Deutschland. Doch zur selben Zeit, da viele Menschen in unseren Ortschaften über den Tellerrand der eigenen Konfession hinweg schauen und sich auf die Begegnung mit einer ungewohnten christlichen Kultur einlassen, stellen sich fremdenfeindlich eingestellte Menschen – unter ihnen sicherlich auch Christen – vor Flüchtlingsheime und -busse, beschimpfen und attackieren Flüchtlingskinder.

Was steckt dahinter? Neben anderen Motiven vermute ich, dass es die Scheu vor dem Fremden ist: die Sorge, etwas von seiner eigenen Identität zu verlieren, wenn so viele Menschen mit einer ganz anderen kulturellen Prägung in meinem gewohnten Umfeld auftauchen.

Den Weltgebetstag feiern wir seit vielen Jahren. Besonders Frauen im ländlichen Bereich, die großen Wert auf ihre eigene Identität legen, die überzeugte Katholikinnen und engagierte Protestantinnen sind, haben Freude an diesem ökumenischen Aufeinandertreffen. Und haben Lust darauf, einmal eine fremde Art des christlichen Gottesdienstes mitzufeiern. Nach Ägypten und den Bahamas ist es in diesem Jahr Kuba, bevor es dann in 2017 auf die Philippinen geht. Vielleicht werden kubanische Tangorhythmen uns am kommenden Freitag die Botschaft von Jesus Christus nahe bringen. Und im Anschluss an den Gottesdienst werden den Gästen stets typische Speisen aus dem jeweiligen Weltgebetstagsland serviert.

Das Fremde raubt mir nicht meine Identität. Im Gegenteil: Ich kann sie viel deutlicher erkennen. Und das Feiern des Weltgebetstages bereichert meinen eigenen Glauben in einer intensiven Weise – das liegt eben genau daran: an der Begegnung mit dem Fremden. Ich wünsche uns hier im Wunstorfer Bereich und in unserem Land Mut, gegen Fremdenfeindlichkeit anzugehen, und Offenheit für einen Austausch zwischen uns und Menschen anderer Religionen und Kulturen. Mit dieser Haltung bewegen wir uns auf christlichem Fundament.

Susanne v. Stemm, Schulpastorin am Höltygymnasium Wunstorf