Jetzt warst du da - 3.6.17

Liebe Leserinnen und Leser,

jedes Jahr zu meinem Geburtstag erzählen mir meine Eltern, wie sie begonnen hat, meine Geschichte hier auf Erden. Da fallen so Sätze wie: „Jetzt sind wir ins Krankenhaus gefahren.“ Oder „Weißt Du noch, wie lange wir spazieren gegangen sind? Die Flure rauf und runter.“ Aber irgendwann – und besonders als Teenager habe ich diesen Zeitpunkt sehr herbeigesehnt - heißt es dann: „Jetzt warst du da. Herzlichen Glückwunsch!“ 

Wenn wir Geburtstag feiern, dann feiern wir den Tag, an dem unser Leben begonnen hat. Der Tag an dem es los ging, mit unserer Geschichte hier auf Erden. Auch die christliche Kirche hat einen solchen Geburtstag, an dem ihre Geschichte begann. Jedes Jahr an Pfingsten feiern wir ihn.

Es ist eine Geburtstagsfeier ohne Torte und Geschenke, aber dafür mit viel Musik und festlichem Rahmen in unseren Gottesdiensten. Auch wir erinnern uns gerne an das, was damals geschah und erzählen die Geschichte dieser ganz besonderen Geburt:

Die Jünger Jesu warten in Jerusalem. Sie wissen nicht genau, was da auf sie zukommt, noch wann es los gehen wird. So üben sie sich in Geduld und laufen die Straßen Jerusalems auf und ab. Der Geist Gottes wird kommen, soviel hatte ihnen Jesus noch verraten, bevor er in den Himmel aufgefahren war. Er soll sie für ihre neue Aufgabe bereitmachen, in aller Welt die frohe Botschaft von Jesu Sieg über den Tod zu verkünden. Und dann, endlich, als alle zusammensitzen, geht es los. „Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.“ (Apostelgeschichte 2,2-4; Neue Genfer Übersetzung)

Das berichtet die Apostelgeschichte über die Geburt der Kirche. Sie kam in die Welt, indem Gott seinen Geist zu den Jüngern schickte, so dass das Wort sich ausbreiten konnte. Die frohe Kunde ging von Jerusalem hinaus in alle Welt. Und so lebt die Kirche seitdem als ein Ort, an dem die frohe Botschaft weitergegeben und gelebt wird. Nicht nur hier in Wunstorf, sondern überall auf dieser Welt. Und auch nach fast 2000 lebt sie mit jeder und jedem von uns weiter. Jedes Jahr und jeden Tag aufs Neue – eine ganz eigene Geschichte, die es sich lohnt, immer wieder zu erzählen.

Pastorin Marit Ritzenhoff