Ja, ist denn noch Weihnachten?

In der Tat, die Weihnachtszeit ist erst zum 2. Februar zu Ende gegangen. Ich weiß von einigen Familien, in denen der Weihnachtsbaum noch bis in diese Woche hinein stehenbleiben sollte.

Dabei geht doch vieles auf Ostern zu. Beim Einkaufen fallen Osterartikel ins Auge, auch die ganz anderen Farben als in der Weihnachtszeit: hellgrün, gelb. Und die letzten Schoko-Weihnachtsmännern sind längst verkauft.

Auch wenn Sie sich jetzt wundern: Was soll das jetzt mit Weihnachten? Aus einem Gespräch an einem Weihnachtsfest vor wenigen Jahren. Da fragte jemand: „Ist etwa heute noch Weihnachten?“ Meine Antwort: „Natürlich, wir haben ja heute den ersten Weihnachtsfeiertag.“ Ein ratloser Gesichtsausdruck war die Antwort meines Gegenüber.

Wenn ich dann daran denke, dass im Einzelhandel Weihnachtsgebäck bereits an Anfang September zu bekommen ist (auch wenn es Herbstgebäck genannt wird), dann ist die Weihnachtszeit bis zum zweiten Weihnachtstag recht lang.

Könnte es sein, dass es unsere Hektik ist, die dafür sorgt, dass wir besondere Zeiten und Ereignisse immer mehr vorziehen? Und wenn es dann wirklich soweit ist (beispielsweise Weihnachten), hat man das Gefühl, das ist schon vorbei. Könnte es sein, dass wir immer mehr in der Zukunft leben, anstatt die Gegenwart bewusst zu erleben und auszukosten? Nach dem Motto: „Wenn Du gehst, dann gehe.“ Und nicht: „wenn du gehst, dann mach schon was anderes.“  „Wenn Spätherbst ist, ist noch nicht Weihnachten.“

Die Gegenwart bewusst erleben, daran erinnern Worte aus dem Buch Prediger „Ein jegliches hat seine Zeit.“ Und dann werden verschiedene Tätigkeiten aufgezählt wie „weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“  (Prediger Kapitel 3)

Hektik macht unseren Alltag nicht nur schneller und gehetzter, sie treibt uns aus der Gegenwart in die Zukunft. Damit könnten wir das Leben verpassen.

Ich wünsche Ihnen bewusstes Leben

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardof und Schneeren