Heimat – bei Gott zu Hause sein^- 17.11.18

Wer nach langer Zeit wie­der einmal in die Stadt kommt, in der er früher viele Jahre gelebt hat, mag sich fühlen als würde er wieder nach Hause kommen. Man geht durch die Straßen, spaziert durch die alten Gässchen. Hält einen Moment inne an der Stadtkirche, schlendert weiter durch die Fußgängerzone,  kommt vielleicht am alten Wohnhaus vorbei – und auf einmal ist alles wieder da. Die Ge­fühle, die Gerüche, die Stimmungen aus der vergangenen Zeit. Heimat – d.h. nach Hause kommen.

Gott als Begleiter auch in neuen Lebensräumen, dafür wirbt Paulus im 2. Korintherbrief im 5. Kapitel: „Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird, dass wir aber einen Bau haben, von Gott erbaut, der ewig bleibt“.  –  Wir sind Vorübergehende. Wir sind Weiterziehende, das bringt die Übersetzung Lu­thers hier zum Ausdruck. Im Süden Brasiliens sind wir zurzeit als Reisende und Botschafter des evangelischen Kirchenkreises Neustadt- Wunstorf unterwegs. Dort begegnen wir Paulo.  Im Hunsrücker Platt erzählt der 85 jährige von „Dei(u)tschland“, das er nur aus Erzählungen seiner Eltern und Großeltern kennt. Er freut sich über echte Gäste aus Deutschland. Heimat findet Paulo in seinem Glauben, da ist Trost und Geborgenheit.

„Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird“, weil Veränderungen sich nicht aufhalten lassen. Ein Rückweg in eine vermeintlich bessere Vergangenheit, in eine verlorene Hei­mat ist nicht möglich. Vielmehr führt ein Weg nach vorn, in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Ort – an dem Gottes Geist zu Hause ist und zum Bleiben in eine geistige Heimat einlädt. Die meisten Menschen verlassen ihre Heimat nicht freiwillig. Sie sind auf der Suche nach einem Ort, der zu einem Zuhause werden kann.

Morgen ist Volkstrauertag. Ein Tag der kollektive Trauer für die Opfer von Terror, Gewalt, Krieg  und Vertreibung als Folge der Weltkriege bis heute. Ein stiller Gedenktag – und ein Tag der besonderer  Aufmerksamkeit für die Heimatlosen und Heimatsuchenden.

Pastorin Dagmar Brusermann, theologischer Vorstand der Diakonischen Altenhilfe in Wunstorf