Guck mal, ein gelber Schmetterling - 23.3.19

„Oh, guck mal, ein gelber Schmetterling an eurem Busch“ rief ein kleiner Nachbarjunge, der mich im Garten arbeiten sah. Barfuß am 14.Februar 2019! Erstaunt sah ich auf seine Füße „Ach, so kann ich doch die Erde richtig spüren, die ist schon voll mit Frühling. Am liebsten würde ich immer so laufen. Jetzt fliegt da ein weißer Schmetterling, ganz hoch, der will dem lieben Gott bestimmt Danke sagen, weil es schon so warm ist. Fröhlich lief er ihm nach. Bisher hatte ich dankbar bei meiner sonnigen Arbeit Schneeglöckchen, Winterlinge und den ersten Krokus betrachtet und mich an dem Natur-Erwachen gefreut. Doch jetzt schweiften meine Gedanken plötzlich ab, und ich erinnerte mich an den Barfuß-Mann, den ich in einer Reha-Zeit, auch im Februar, kennengelernt hatte. Ich besuchte dort einen Gottesdienst in der Auferstehungs-Kirche. Beim Eintreten fiel mir eine Frau mit dunklen Haaren auf, die ganz aufrecht in der Kirchenbank saß. Bald merkte ich, dass sie zum Inventar gehörte. (Erinnerung an die Ausstellung `Besondere Frauen` in der Stiftskirche) Nach dem Gottesdienst wollte ich sie einmal näher betrachten. Wie interessant müsste es sein, wenn diese Figur von allem um sie herum erzählen könnte! Ganz in Gedanken stand ich davor und hörte plötzlich „Begrüßen Sie gerade unsere treueste Gottesdienstbesucherin?“ Neben mir stand der Herr mit dem langen Wollmantel und den Barfüßen, der mir schon beim Reinkommen aufgefallen war.“Ja, sie gefällt mir, aber noch begeisterter bin ich von dem riesigen bunten Chorfenster hinter dem Altar.“ Er nickte und bestätigte, dass es ein wunderbares Kunstwerk sei. Für mich war das Betrachten in dieser Stunde ein Genuss. Wie eine Predigt wirkte es auf mich: In einer Mandorla der Auferstandene, darunter ein Engel, nach oben zeigend. Über ihm das Lamm, das die Sünde der Welt trägt, ringsum Maria mit Kind, die Kreuzigung und das offene Felsengrab, zusammengefügt aus unzählig vielen kleinen Glasteilen. Hier einen Ostergottesdienst erleben! Während ich mir das ausmalte, hatte ich wohl auf die nackten Füße gestarrt. „Nicht wundern, ich laufe das ganze Jahr über barfuß, genau wie unser Herr auf dem gläsernen Kunstwerk. So bin ich ihm und auch der Erde, seiner Schöpfung, näher und kann ihn spüren.“ An diesem Sonntag konnte ich IHN auch ganz besonders spüren, sogar mit Strümpfen und Schuhen. Viel Freude zum echten Frühlingsanfang!

Ursula Wiebe  Schloß Ricklingen