Franz von Assisi - 22.9.18

Öffne ich die Terrassentür, ist sie da. Arbeite ich im Garten, verfolgt sie mich trippelnd. Sitzen wir draußen, kommt sie heran und hört uns zu, unsere treue Amsel. Oft erfreut sie uns mit ihrem Gezwitscher. Sie war es, die mich an Franz von Assisi erinnerte. Ich hatte schon manches über diesen Heiligen gelesen, diesen Einsiedler, gläubigen und heiteren Menschen, Anhänger von Jesus, Gründer des Franziskaner-Ordens, der sich eins fühlte mit der Natur in seiner ital. Heimat. Besonders die Tiere lagen ihm am Herzen. In einer Legende heißt es: Eines Tages wanderte er mit einigen seiner Brüder, und sie entdeckten auf einem Baum viele Vögel. „Ich will ihnen eine Predigt halten“ sagte Franz, und seine Begleiter schauten sich verwundert an. „Liebe Geschwister“ sagte er „Friede“. Da flatterten sie aufgeregt und ließen sich vor ihm nieder, schauten lauschend zu ihm auf: „Freut euch, denn Gott liebt euch alle. Euer Leben würde mir auch gefallen. Ihr könnt fliegen, wohin ihr wollt, kein festes Haus. Ihr lebt in den Bergen, auf Hügeln, in Felsen oder in Städten und Dörfern. Ihr nistet für kurze Zeit, seid wieder unterwegs. Ihr trinkt aus den Bächen. Obwohl ihr nicht sät, nicht erntet, habt ihr täglich Nahrung. Gott sorgt dafür, seid dankbar und vergesst das Loben nicht!“ Verständnisvoll öffneten sie ihre Schnäbel, flatterten mit den Flügeln und flogen davon, gesegnet mit dem Kreuzzeichen. --Was bringt wohl einen Menschen dazu, den Vögeln von Gott zu erzählen, ihnen zuzuhören und ihren Gesang auch als Predigt zu verstehen? Es waren übrigens nicht nur die Vögel, den Kontakt gab es auch zu anderen Tieren. - Und was bringt einen Menschen dazu, von der Sonne als Schwester, vom Mond als Bruder, von dem Bruder Wind und der Schwester Wasser, dem Bruder Feuer und der Schwester Mutter Erde zu singen, sie wunderbar zu beschreiben und dem Schöpfer dafür zu danken, wie er es in seinem Sonnengesang getan hat? Ein schönes Beispiel menschlicher Poesie? Staunende Freude über die Natur, wenn die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach fließen und der Mond einen lauschigen Sommerabend begleitet?  Bei Franziskus ist damit  auch eine tiefe Erkenntnis verbunden. Er sieht sich selber als Teil der Schöpfung, mit Jesus von Nazareth eng verbunden. Er ist überzeugt, dass er nur ein unbedeutender Teil in diesem großen Gotteswerk`Welt`ist. Eine solche Erkenntnis ist aber nicht nur einem Heiligen vorbehalten, denke ich. Kann sie nicht auch uns dankbar kommen?.

Er gilt als Vorreiter der Tierschützer und eröffnete durch die richtigen Worte seine neue Sicht auf die Welt, die Natur, das Leben und das Glück: Bis heute können wir viel von diesem Mann lernen, der,  so heißt es, der 1. Mensch war, der die Tiere und die Natur unbedingt schützen wollte. Er sah das nicht als Einschränkung, sondern als Lebensgewinn. „Wenn die Menschen auf die Tiere und die Natur Rücksicht nehmen, dann werden sie nicht ärmer, sondern reicher und heiterer und glücklicher!“

Ursula Wiebe, Prädikantin in Schloß Ricklingen