Faszination am Nachthimmel - 13.4.19

„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.“ Als meine Tochter klein war, wollte sie abends immer dieses Lied hören. Und am schönsten war es, die Gardine zurückzuziehen um den Mond tatsächlich zu sehen---- mal als helle Sichel, mal rund und leuchtend.

Tatsächlich fasziniert das Phänomen Mond die Menschen schon seit vielen Jahrtausenden. Kein anderer Himmelskörper bekommt so viel Aufmerksamkeit, über keinen gibt es so viele Mythen. Mit Ehrfurcht und Bewunderung schauten Menschen schon immer zum Mond , und viele meinen– auch wenn es wissenschaftlich in keiner Weise bewiesen ist-, dass der Mond unseren Schlaf, unsere Gesundheit, das Pflanzenwachstum und vieles andere im Leben regelt.

Sicher ist: der Erdtrabant lädt zum Träumen ein und beflügelt die Phantasie. In Liedern wird er besungen, in Märchen und Gedichten kommt er vor--- und mit seinen immer wiederkehrenden Veränderungen wurde er schon in den alten Kulturen zum Zeitmesser.

„Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen“, heißt es in der Bibel in Psalm 104, einem Loblied für den Schöpfer des Himmels und der Erde. Der jüdische Kalender richtet sich bis heute nach den Mondphasen, und auch unser Kirchenjahr hat dadurch seinen Rhythmus bekommen.

Morgen am Sonntag feiern wir in den Kirchen Palmsonntag. Wir hören dann wieder, wie Jesus bei seinem triumphalen Einzug nach Jerusalem wie ein König begrüßt wird. Doch die Tage seines Leidens und Sterbens stehen bevor: Gründonnerstag, Karfreitag – ein Weg, der schließlich auf Ostern hinführt. Auch dass in diesem Jahr das Osterfest so spät liegt, hängt mit den Mondphasen zusammen.

Der Mond als Zeitmesser- vielleicht sollten wir einfach mal wieder in den Nachthimmel schauen und uns am Dasein des Mondes erfreuen. Im Judentum wird einmal im Monat ein Mondsegen gefeiert. Dabei ist völlig klar, dass nicht der Mond selbst verehrt wird, sondern der, der ihn geschaffen hat, wenn mit Psalm 108 gebetet wird: „Lobet im Himmel den Herrn, lobt ihn in der Höhe! Lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, alle leuchtende Sterne!“

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf