Eure Rede sei Ja ja, nein, nein - 9.2.19

Liebe Leserinnen und Leser,

von Jesus wird dieser Satz überliefert: „Eure Rede sei Ja ja, nein, nein; was darüber ist, ist vom Bösen.“  Diese Aussage steht in der Bergpredigt, Matthäus Kapitel 5,  Vers 37. Im ersten Moment klingt dieser Satz selbstverständlich: wie soll es denn auch sonst gehen? Bis vor Kurzem erschien mir dieser Bibelvers so. Verständlich, aber nicht unbedingt wichtig.

In den Medien und in Gesprächen habe ich in den letzten Jahren häufiger von „es soll sein“, „vermutlich“ oder ähnliche Worte gehört, obwohl in der Angelegenheit, um die es ging, beweisbare Fakten vorlagen. Soll in einem solchen Fall die Wirklichkeit verschleiert werden? Oder wird eine unklare Ausdrucksweise gewählt, um sich nicht festzulegen?

Eine solche unklare Ausdrucksweise findet sich auch in Zeitungen, besonders in sozialen Medien. Was steckt dahinter? „Fake-News“, also Falsch-Nachrichten? Oder wird nur das als Wahrheit, als Fakt angesehen, was dem einzelnen Menschen nützt?

Manche mögen einwenden, dass man in manchen Fällen sogar von „sollen“ sprechen muss, wenn es  um Tatvorwürfe gegen Beschuldigte geht, das Gericht die Schuld aber noch nicht festgestellt hat. Das ist hier nicht gemeint.

Es geht um Redeweisen im Alltag. Warum scheint es leichter zu sein, eine Tatsache mit einem „sollen“ zu bezweifeln oder zu verschleiern als sich festzulegen? Ist das ein Ausdruck von Unsicherheit? Oder von Vorsicht, keinen eigenen Standpunkt zu nennen, der angreifbar machen könnte?

Auf unklare Aussagen kann sich letzten Endes niemand verlassen. Darum ist es besser, möglichst wenig – und wenn wirklich überlegt – mit „sollen“ zu beschreiben statt als Fakten zu benennen.

So treffen uns die Worte Jesu. Er erwartete damals eine eindeutige Rede, eine klare Aussage und kein Verstecken. Klar Worte können zum Leben helfen.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren