Ende der Trübsal - 1.4.17

Ich schaue mir gerne gute Filme an mit Szenen aus dem Leben gegriffen. Echt und anschaulich, weil das Leben genauso sein kann. Neulich habe ich in unserem Ort eine solche Szene gesehen und miterlebt. Filmreif oder auch ein Motiv für einen Maler, der den beeindruckenden Moment im Bild festhält. Eigentlich war der Alltag noch grau in grau. Die Straße, der Fußweg, die Hauswände, vorbeifahrende Autos und die ältere Frau auf der anderen Straßenseite mit ihren grauen Haaren. Plötzlich kommt Farbe ins Bild: Ein roter Luftballon wird auf dem Fußweg vom leichten Frühlingswind sanft vorwärts getrieben. Die Grauhaarige hat ihn im Blick, freut sich und ist doch gleichzeitig besorgt, er könne auf die Straße getrieben werden und durch Autoräder zerplatzen. Mit leicht gebeugten Knien und ausgebreiteten Armen geht sie voran, als wolle sie den kleinen roten Ballon schützen - retten - fangen. Und dabei bewegt sie sich elastisch und behände. Sie wirkt auf einmal beschwingt, dynamisch und jung. Viel jünger als sie vorher aussah. Dieser rote Luftballon hat Farbe in ihr Leben gebracht. Welch eine Szene! Das Rot lässt das Grau verschwinden. Gibt wieder neuen Schwung. Genauso empfinde ich es, wenn ich die ersten Frühlingsblumen mit ihren leuchtenden Farben sehe. Die Natur erwacht, bricht auf. Nach der dunklen Jahreszeit, nach dem kalten, farblosen Winter erfreuen wir uns wieder am Licht, der Wärme und an der reichen Schöpfung Gottes, die uns in Bewegung bringt, uns Kraft gibt, beflügelt und das Grau aus unserem Leben vertreibt. Welch ein Geschenk! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund wieder fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.(Ps.103, 2-5) Wie gut passt dieses alte Wort aus dem Psalm Davids in unsere jetzige Zeit! Die Passionswochen nähern sich dem Ende. Die Zeit des Verzichts, des Wartens und der Trübsal haben wir bald überstanden. Sie muss dem nahestehenden Aufbruch zu etwas Neuem und der großen Freude, die wir mit der Auferstehung Jesu Christi erleben, weichen.

Angelika Dömland, Prädikantin in Luthe