Eine Kirchenburg, Paulus und Wunstorf - 17.9.16

In meiner Vikariatszeit war ich mit meinem Kurs zusammen auf Studienfahrt in Rumänien. Ein wunderschönes Land – südeuropäisch und doch ganz anders als Italien oder Spanien. Mit vielen orthodoxen Kirchen. Und auch Kirchenburgen – also Gotteshäusern mit einer Stadtmauer rings herum. In Trappold haben wir einen Tag auf so einer Kirchenburg verbracht.

Ihre alten Mauern sind moosbewachsen, abgetretene Stufen an einem steilen Hang führen zu ihr hinauf. Der erste Eindruck: Das ist eine Ruine.

Doch wenn man den alten Torbogen durchquert, erhebt sich die imposante Kirche zwischen Burghüterhaus, altem Pfarrgebäude und Torturm. Die Luft riecht nach alten Mauern und Sonne. Man wird wie in die Vergangenheit katapultiert: Wie viele Menschen auf diesen alten Pfaden wohl schon gestanden und gegangen sind?

Die Gemeinde um die Kirchenburg herum besteht gerade einmal aus 100 Gemeindegliedern. Verstreut über mehrere Dörfer. Gottesdienst findet immerhin noch einmal im Monat statt.

Dass diese Kirche überhaupt noch steht, hat die Gemeinde einem gebürtigen Berliner zu verdanken: Sebastian Bethge hat sich auf einer Rundreise durch Rumänien in die Burg verliebt. Als gelernter Maurer und Tischler lebt und arbeitet er heute dort, im Wettlauf gegen die Zeit, um die Burg vor dem Verfall zu retten.

Aber er ist nicht allein. Immer wieder kommen engagierte Menschen auf die Burg. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, die Kirche zu erhalten. Landschaftsarchitektinnen aus Dresden verbringen ihren Urlaub in Siebenbürgen und gestalten den Garten um die Kirche neu. Ein Orgelbauer verbringt auch seine Freizeit in der Werkstatt, um so viel wie möglich von dem alten Instrument zu retten.

Meine Vikariatskollegen und ich sind Paten für eine Orgelpfeife geworden.  

Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther: So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. Ihr alle seid der eine Leib Christi, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.

Seit dem 1. August bin ich mit einer vollen Stelle an der Ev. IGS. Ich freue mich darauf Sie und Euch in Wunstorf (besser) kennen zu lernen. Und ich bin gespannt, wie wir gemeinsam Gottes Gemeinde weiterbauen.

Pastorin Franziska Oberheide