Ein Monat noch – 4 Sonntage und ihre Wochen - 3.11.18

Es kommt immer sehr plötzlich. Eigentlich alles, was wichtig ist: Geburtstage von Freunden und Familienangehörigen, Silvester, Weihnachten, der Advent; aber auch das Ende des Kirchenjahres. Im Jahreskreis der Kirche kommt eigentlich nichts plötzlich oder gar unerwartet. Alles bewegt sich auf etwas hin. Lediglich der eigene Schwerpunkt der Ausrichtung kann sich verschieben: Was ist mir am Wichtigsten in meinem Glauben? Auferstehungshoffnung, Vergewisserung, immer neu beginnen zu können?

Im letzten Monat des Kirchenjahres geht alles auf das Ende zu; hin auf die Fragen von Angst, Hoffnung, Tod, Sterben, Trauer, Gestaltung des Lebens und Zusammenlebens.

Gott – Menschen, Menschen – Menschen, Staat – Gesellschaft – Mensch.

Das ist das Thema für die 4.-letzte Woche im Kirchenjahr: Gestaltung von Gesellschaft, Macht, Verantwortung. Wie leben wir so zusammen, dass das gelingt, was den Menschen zum Guten dient? Wie kann ein gerechtes und friedliches Miteinander gelingen? Wie gibt es einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen von Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen, Ansprüchen und Interessen. Wer schaut darauf, dass niemand zu kurz kommt und alle in ihrem Recht unverletzt bleiben? In ihrem Recht als Geschöpf Gottes, als liebenswerter Wesen angesehen zu werden und als Mensch unter Menschen geachtet?

Wie organisieren wir den Ausgleich so vieler unterschiedlicher Ideen und Gedanken zu Wirtschaft, Ökologie, Gerechtigkeit, Verhältnismäßigkeit, den Ausgleich zwischen Arm und Reich, Schutz der Lebensgrundlagen für künftige Generationen, … Womit fangen wir an und was ist das, was die meisten Menschen bewegt? Oder gibt es Dinge, die hier gar nicht viele bewegen, die aber sehr drängend sind? Gibt es Wege die alle mitgehen werden und wie kann Politik, wie können gesellschaftliche Gruppen, Wege finden ein Miteinander zu erzeugen, in dem auf jeden Fall nichts liegen bleibt und aus dem Blick gerät, was sonst morgen oder übermorgen allen auf die Füße fallen würde? Der Weg zu einem friedlichen Miteinander ist nicht leicht – nicht in einer Familie, nicht in einem Ort, nicht in Schulen und Städten oder gar größeren Zusammenhängen wie Staaten und Gemeinschaften, wie der EU, ja noch nicht einmal in Kirchengemeinden ist es eine Selbstverständlichkeit.

Natürlich nicht; denn auch da leben ja nur Menschen miteinander und sind auf dem Weg und noch nicht am Ziel.

Schon Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi: „Lebt nicht wie die, die sich ihre eigenen Ansprüche und Gedanken zu ihrem 'Gott' gemacht haben und nichts anderes tun als sich um sich selbst und ihr Wohl zu sorgen. Sie sind gierig und werden untergehen. Ihr sollt leben wie Christus: Achtet einander, setzt euch Einer für den Anderen und die Andere ein, schaut auf das, was dem Miteinander dient. Wer so lebt kann getrost von Gott alles erwarten.“

Heinz Laukamp, Diakon im Kirchengemeindeverband der Region Südland im ev. - luth. KK Neustadt-Wunstorf