Ein Licht für diese Welt - 15.4.17

„Nicht alle, die sterben, weinen, aber alle weinen, die geboren werden.“ Mit diesem sinnfälligen Satz versucht der Philosoph und Theologe Marsilio Ficinos im 15.Jahrhundert von Norditalien aus das dunkle Tor zum Mittelalter zuzustoßen. Endlich soll das Licht der Renaissance das Herz der Menschen erreichen. Die Seele des Menschen will er aufrichten. So wie es die zu Herzen gehenden Predigten Martin Luthers in Wittenberg bald vermochten. Man will das Mittelalter hinter sich lassen. Hatte es doch so viel Krieg, Angst, Pest und Gewalt über die Menschheit gebracht! Es hatte die Seelen verdunkelt. Die Welt sehnt sich nach Sinn und Schönheit. Ja, zu jedem Menschenleben gehört, dass uns auch Leid und Angst widerfährt. Schon zur Freude beim ersten Anblick eines Neugeborenen wird das Weinen des Kindes mitgeboren. Leben gibt es nicht ohne sein Gegenstück, den Tod. Mit beidem müssen wir uns auseinandersetzen. Doch auf welche Seite schaue ich zuerst. Wem schenke ich mein Herz? Dem Leben oder dem Tod? Dem Lachen oder dem Weinen? Manchmal vergeht einem das Lachen. Da erscheint einem sogar diese moderne Welt des 21.Jahrhunderts recht mittelalterlich. Etwa, wenn wir sehen, wie immer wieder Wellen von Gewalt über diesen Globus rollen und die Religion den Ideologien dienstbar gemacht wird. Wenn wir ständig diese modernen Todestänze sehen, sinkt uns der Mut. Wir sehnen uns nach einem Licht in unserer Seele. Wir brauchen diesen hellen Schein, der in uns leuchtet. Es geht um uns. Worauf vertraust Du? Wem glaubst Du? Vielleicht dem, der sagt: „Ich bin das Licht der Welt“? (Johannes 8,12) Nun, der so von sich spricht: Er war tot gewesen. Doch Gott hat ihn auferweckt. Jesus fiel ins Dunkel. Und er stand auf im Licht. Er lebt. Jesus hat das ewige Gesetz dieser Welt sichtbar gemacht. Darum nennt man ihn Christus, den Gesalbten Gottes. Durch ihn erkennen wir immer wieder neu, dass hinter allem Abgründigen in diesem Leben am Ende ein ewiges Licht leuchtet. Man kann es mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Man kann es aber glauben. Ostern ist ein Herzensfest. Gottes Licht leuchtet in uns. Wir nennen dies Glaube. Oder Liebe. Oder Hoffnung. Es sind diese Drei! Sie sind das Wichtigste in unserem Leben. Sie machen unser Leben hell.

Timan Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover