Die Flügel im Kofferraum - 21.1.17

Das Erstaunen über dieses wunderbare Erlebnis ist auch Tage später zu spüren, als sie ihre Zeilen an eine Freundin schreibt: „Das Blitzeis am Samstag überraschte uns nach einem Spaziergang in der Eilenriede. Wir schafften es noch bis an einen Ampelmast. Daran hielten wir beide uns fest. Die Füße rutschten hin und her. Wir hörten, wie Radfahrer stürzten, aber konnten überhaupt nicht helfen, weil wir – selbst an die Ampel geklammert – keinen sicheren Stand fanden. Da kam uns eine rettende Idee: Als wir gerade überlegten, wie wir die Schuhe ausziehen könnten, ohne hinzufallen, fuhr neben uns ein großer Mercedes in die freie Parklücke. Ein junger Mann stieg aus. Sicheren Schrittes kam er auf uns zu und fragte, ob er uns helfen könne. Zurück auf dem Fahrersitz fuhr er behutsam ganz dicht an uns heran und half uns nacheinander auf die Rückbank seines Autos. Seine Frau drehte sich vom Beifahrersitz um und erklärte, dass sie gerade aus Hildesheim gekommen seien, um in Hannover essen zu gehen. Wir beide stellten uns vor, die Hildesheimer nannten nur eben ihre Vornamen. In der Aufregung hatte ich sie auch gleich wieder vergessen. Vorsichtig kurvte der Fahrer um die nächsten Straßenecken, immer unseren Anweisungen folgend, bis vor unseren Hauseingang. Einzeln leitete uns dieser Unbekannte auf die trockenen Stufen und wartete, bis wir die Haustür sicher hinter uns verschlossen hatten. Wir haben uns zwar bedankt. Doch sind wir durch auf den Schreck nicht auf das Selbstverständliche gekommen, auf sein Nummernschild zu sehen. Aber wir sind sicher, dass die beiden ihre Flügel im Kofferraum verpackt hatten.“

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf allen Deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) Manchmal wird dieser beliebteste Taufspruch unserer Zeit auf ganz eigene Weise Wirklichkeit.

Mögen wir in diesen Tagen spüren, wann Engel an unserer Seite sind, die ihre Flügel im Rucksack oder Kofferraum verborgen halten, und wann es an uns ist, sich unserer Flügel zu erinnern.

Eine behütete Woche wünscht Ihnen Ihre Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und Wunstorf