Die „Magie“ des Lebens neu entdecken - 9.3.19

Wir leben in einer Gesellschaft, die häufig die Freude verlernt hat. Wir gehen besorgt durch unsere Tage, mit Angst um die Gesundheit, die Arbeitsstelle, den Weltfrieden oder die Umwelt. Und alle Sorgen sind berechtigt. Und gleichzeitig leben viele Menschen in dem immerwährenden gleichen Trott, was Arbeitszeit und -ort, Fernsehgewohnheiten und Tagesabläufe anbelangt. Das schafft Sicherheit, führt zu wenig Überraschungen und ist herrlich komfortabel. Aber ist das alles?

Die „Magie“ des Lebens findet dabei nicht statt. Nicht in der Sorge und auch nicht im üblichen Ablauf. Die „Magie“, also bezaubernde Momente, die uns staunen lassen und die uns Impulse geben, ist da, wo wir überrascht werden. Da sind Sorgen für eine Zeit lang vergessen, da wird ein bisheriges Weltbild infrage gestellt.

Es sind diese Momente, die nicht geplant sind, aber ein Lächeln ins Gesicht oder zumindest Glückshormone in den Körper zaubern, die uns überall passieren können: In den Bürohäusern dieser Welt, bei der Straßenmusik in der Innenstadt, am Steinhuder Meer oder auch in unseren Kirchengemeinden. Nur an einem Ort nicht: Zu Hause, wenn man dort allein ist. Da passiert nichts.

Ich bin immer wieder überrascht, wo und wann ein besonderer Moment auf mich wartet und das Großartige daran ist: man zehrt lange davon, erzählt die Erlebnisse und erinnert sich gerne.

Die aktuelle Fastenzeit, die am vergangenen Mittwoch begann, steht wie jedes Jahr unter dem Motto „7 Wochen ohne“. Bewusst Verzicht üben, um bewusst zu erleben. Manche verzichten auf Fleisch, auf Schokolade, auf Alkohol, auf Fernsehen, auf alles Mögliche. Die „7 Wochen ohne“ können uns aber auch verleiten zu „7 Wochen mit“ – 7 Wochen mit offenen Augen, mit neuen, ungewohnten Erlebnissen und mit der Begegnung mit bisher unbekannten Menschen. Fastenzeit als Bewusstseinserweiterung, das ist urchristlich. Nicht umsonst heißt es in einem bekannten Kirchenlied: Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen