Der Papst feiert den Reformationstag - 27.8.16

Der Papst feiert den Reformationstag – jenen Tag, an dem evangelische Christinnen und Christen des epochalen Aufbruchs Martin Luthers gedenken. Der 31. Oktober steht für die reformatorischen Veränderungen, die zur Entstehung der evangelischen Kirchen, aber leider auch zur Spaltung der westlichen Christenheit führten. Der Papst begeht den Reformationstag und das zusammen mit den Lutheranern. Ist so etwas denkbar?

Vor 100 Jahre, ja selbst vor 20 Jahren hätte wohl keiner davon zu träumen gewagt, selbst wenn er ein noch so eingefleischter Ökumeniker gewesen wäre. Und doch: Lutherischer Weltbund, die Gemeinschaft von 145 lutherischen Kirchen in 98 Ländern, und Vatikan laden gemeinsam für den 31. Oktober 2016 nach Lund und Malmö ein, um dort mit einem Gottesdienst der Reformation zu gedenken und in die gemeinsame Zukunft zu blicken. Geleitet wird der Gottesdienst von keinem geringeren als Papst Franziskus selbst sowie dem Präsidenten und Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. Kirchengeschichtlich ein einmaliges Ereignis, das durch den geduldigen und intensiven Dialog der beiden Kirchen in den letzten 50 Jahren möglich wurde. 500 Jahre nach Beginn der Reformation ist es heute möglich, sich an vielen kirchlichen Erneuerungen des  16. Jahrhunderts gemeinsam zu freuen und für die Schuld aneinander, wie etwa in den Konfessionskriegen, um Vergebung zu bitten. In einer anschließenden Großveranstaltung in Malmö wird dann deutlich werden, dass unser gemeinsames christliches Zeugnis uns auch zum gemeinsamen Dienst in aller Welt ermutigt und verpflichtet. Die bereits bestehende internationale Zusammen­arbeit, z.B. im Bereich der Flüchtlingsarbeit und dem Klimaschutz, wird vorgestellt und vertieft werden.

Lund am 31. Oktober 2016 wird deutlich machen: In einer Welt, in der viele Gespräche abgebrochen werden, bezeugt das gemeinsame Reformationsgedenken den hohen Stellenwert des Dialogs. In einer Welt, die durch Gewalt und Kriege beherrscht wird, erzählt es die Geschichte von überwundenen Konflikten. In einer Welt, die sich über die Bedeutung von Glauben und Religion im Unklaren ist, berichtet es von der verwandelnden Kraft unseres gemeinsamen Glaubens, der uns zu mitfühlendem Dienst befähigt.

Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf