Denk mal - 7.9.19

Morgen ist in der Region Hannover der Großraumentdeckertag. Das hört sich spannend an und spricht unseren Forschergeist an. Überall um uns herum können wir interessante Orte und Technik erleben. Gleichzeitig findet auch bundesweit der Tag des offenen Denkmals statt. Das hört sich nicht so spannend an, allein schon, wenn man bei Wikipedia liest: „Ein Denkmal ist ein erhaltenes [Kunst]werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt.“ Die Umschreibung führt uns in eine falsche Richtung, ich würde eher sagen: über eine frühere Epoche. Ein Denkmal will dabei auch entdeckt werden, ein Denkmal ist nicht in unter fünf Minuten erfasst: Man braucht Stille zum Erleben oder einen guten Führer. Besonders spannend wird es immer dann, wenn wir sehen, was passiert, wenn die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft.

Viele der Denkmäler sind Kirchen - das gilt ebenso für die 31 morgen geöffneten Denkmäler in der Region Hannover. In ihnen erleben Menschen immer wieder aufs Neue, wie Stille, Enge, Höhe, Weite oder auch der Geruch des Denkmals uns berühren. Die umgesetzten Ideen unserer Vorfahren lassen uns aufmerksam sein und versetzen uns ins Nachdenken: Wie lange überdauern unsere heutigen Werke, unsere Gebäude, unsere Musik und Kunst? Wie nachhaltig ist die Kultur des 21. Jahrhunderts?

Der Tag des offenen Denkmals versetzt uns ins Staunen und macht demütig: Wir sind heute recht schlau, aber die Menschen damals hatten ein immenses Wissen. Wir können davon noch lernen. Denk mal, was ein Denkmal Dir geben kann. Wenn man Kinder ab fünf Jahren beobachtet, ist es sehr offensichtlich: Sie werden von sich aus ganz ruhig und häufig bleibt der Mund offenstehen. Sie sind beeindruckt bis überwältigt.

Überlegen Sie sich mal, was Sie morgen unternehmen wollen. Es könnte das werden, was der zweitkürzeste Psalm der Bibel, Psalm 131, Ihnen rät: Ja, ich ließ meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir. Ist das nicht eine tolle Sonntagsbeschäftigung im Reich früherer Epochen? Lassen Sie gerne Ihre Seele in einem Denkmal still werden, es kann Kraft geben für Vieles, was da kommt.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf