Das Staunen bewahren - 2.7.17

Zuerst steckten sie nur ihr Köpfchen heraus, betrachteten eine Weile die Welt, die sich ihnen da auftat, erblickten zum ersten Mal das Grün der Wiese, die bunten Blumen, das Wogen der Zweige im Wind, das Blau des Himmels…. Und dann schlüpften sie heraus, flogen davon in das Neue, Unbekannte. So verließen nach und nach fünf kleine Blaumeisen das Dunkel ihrer Nisthöhle in meinem Garten.

Zum ersten Mal. Bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie sie etwas zum ersten Mal entdecken: den Grashalm in ihrer Hand, den Käfer im Gras - und wie sie voller Staunen betrachten und schauen.

Für uns Erwachsene könnte es ein spannendes Spiel mit uns selbst werden:

Stellen Sie sich vor, Sie sehen alles zum ersten Mal. Stellen Sie sich vor, Sie lassen all die gewohnte Routine und alle Erfahrungen hinter sich. Sie öffnen die Tür an einem nach Sommer duftenden Sonnentag, blinzeln und schnuppern und entdecken draußen alles zum ersten Mal: die blühenden Hortensien vor dem Fenster, den flatternden Zitronenfalter, die weißen Wolken, die am Himmel vorbeisegeln, die sommerlichen Lichtpunkte, die in den Zweigen der großen Birke tanzen. Und du staunst und siehst: Gottes Welt ist schön.

So muss es dem Psalmbeter gegangen sein, als er in dem Psalm 104 sein Loblied auf Gott und die Schöpfung sang: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Und er schließt: „Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!“

In der Fülle des Sommers Gott loben und danken! Stell dir vor, dir gehen die Augen über vor Staunen über eine wunderbare Schöpfung, und du hast keinen Moment Anlass, an der Existenz Gottes zu zweifeln.

Und auch wer in dieser Ferienzeit verreist ist und über die unendliche Weite des Meeres oder auf die majestätisch hohen Berge schaut, kann dann vielleicht einstimmen:

Gott, deine Werke sind groß,

wir staunen über deine Wunder,

von deinem Segen leben wir,

Gott, wir danken dir.

 

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf