Brücke der Hoffnung - 24.11.18

Ein kräftiger Windstoß weht den Kragen hoch, mein Blick geht zum Horizont: die Nordsee in der Ferne. Ich stehe in Harlesiel an der ostfriesischen Küste.

Ein denkwürdiger Ort: „Brücke der Hoffnung“ genannt. Auf Holztafeln viele hundert Metallplaketten mit Namen und Positionsangaben. Erinnerungen an Menschen, die auf See bestattet sind. Ein Reeder hat diesen Erinnerungsort am Hafen in Harlesiel anlegen lassen. Obwohl es diese Einrichtung erst seit einigen Jahren gibt, sind schon etliche hundert Namensplaketten angebracht worden. Ein Ort der Erinnerung an einen geliebten Menschen, einen Moment verweilen, vielleicht ein Gebet sprechen - und die Schiffsglocke läuten.

Es ist jedes Jahr ähnlich: mit dem November werden wir an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert, und damit an den Abschied von geliebten Menschen.

Dabei gehen die Empfindungen und Gedanken in gegensätzliche Richtungen: wo soziale Beziehungen nur schwach ausgeprägt sind, spielen die Namen der Verstorbenen und deren Bestattungsort eher eine geringe Rolle. Andere suchen noch Jahrzehnte nach dem letzten Krieg Spuren ihres Angehörigen in fernen Ländern.

So verstehe ich auch den Wunsch, eine Erinnerungsstätte an Menschen zu haben, die auf See bestattet worden sind. Dort gibt es schließlich – anders als auf einem herkömmlichen Friedhof – keinen Ort, der betreten werden kann.

Hier zeigt sich, wie wichtig der Name ist. Der Name steht für unser Leben, für unsere Identität.

Darum können wir aufmerken, wenn Hoffnung auf Auferstehung im Neuen Testament so  beschrieben wird: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lukas 10,20)

Diese Zusage hat Jesus seinen Freunden gegeben. Im letzten Buch der Bibel wird dieser Gedanke mit dem Bild vom Buch des Lebens ergänzt. In diesem Buch stehen die Namen. Ein tröstlicher Gedanke in diesen Tagen des Gedenkens an die Verstorbenen. Unser Name ist bei Gott wichtig. Bei ihm gibt es keine Zahlen-Codes, sondern unser Name ist ihm wichtig. Er behält ihn in Erinnerung  über dieses Leben hinaus. Das ist christliche Hoffnung auf das Leben bei Gott in seiner Dimension.

Ich wünsche Ihnen Kraft aus dieser Hoffnung

Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren