Bestseller - 22.10.16

Die Überraschung ist gelungen: Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr an den Musiker Bob Dylan. Die Entscheidung der Jury mag man gut oder unpassend fnden. Tatsache ist, dass Dylan mit seinen Liedtexten Millionen von Menschen berührt hat. Ihm ist etwas gelungen, wovon viele träumen.

Auch Schriftsteller möchten Andere mit ihren eigenen Texten errreichen, es vielleicht sogar mit einem Roman oder Krimi auf die Bestsellerliste schaffen. Aber die Konkurrenz ist groß. Allein im deutschen Buchhandel erscheinen jährlich zehntausende neue Titel.

Auf der Frankfurter Buchmesse wird an diesem Wochenende eine Neuauflage der Lutherbibel präsentiert. Kein anderes Buch hat unsere Sprache so sehr geprägt: Manchmal stehen uns „die Haare zu Berge“ (Hiob 4,15), wir „prüfen etwas auf Herz und Nieren“ (Psalm 7,10) oder sind „ein Herz und eine Seele“ (Apostelgeschichte 4, 32). Diese und viele andere Redewendungen stammen allesamt aus der Bibel.

Für mich ist sie ein faszinierendes Buch, weil in ihren Erzählungen etwas von der ganzen Bandbreite des Lebens deutlich wird: Es geht um Geburt und Tod, um Liebe und Hass, um Schuld und Vergebung. Wie viele Menschen vor mir haben wohl schon in der Bibel gelesen und gespürt: Diese Worte geben mir Kraft, sie trösten und stärken mich.

Einer dieser Menschen war meine Oma. Zu ihrer Trauung im Jahr 1937 hat sie gemeinsam mit meinem Opa von ihrer damaligen Kirchengemeinde eine Bibel mit Widmung geschenkt bekommen. Als sie einige Jahre später aus ihrer Heimat Ostpreußen vertrieben wurde, konnte sie nur das Nötigste mitnehmen. Für sie gehörte ihre Bibel dazu.

Heute steht dieses alte Buch in meinem Regal. Es erinnert mich nicht nur an meine Oma, sondern auch daran, wie wichtig das Wort Gottes für uns Menschen sein kann. Dass es Halt und Orientierung zu geben vermag, Zuversicht und Hoffnung.

Kein Wunder also, dass die Bibel zum Bestseller geworden ist.

Andrea Dorow, Pastorin in Steinhude