Bei Gott gibt es kein Soll - 11.8.18

Für Familien mit schulpflichtigen Kindern hat in unserem Bundesland wieder der Alltag begonnen.  Noch sind die Abläufe eher mühsam, rechtzeitiges Aufstehen, der Weg in die Schule, die Zeit der Konzentration und die Hausaufgaben.

Für die Kinder, die an diesem Samstag eingeschult werden, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie erleben eine neue Welt, werden lesen, schreiben und rechnen lernen. Das ABC wird wichtig und später das kleine Einmaleins. Die Schulanfänger wollen etwas leisten. Und es wird auch von ihnen erwartet. Leistung ist gefragt, eigentlich schon von Anfang an. Kleine Kinder sollen möglichst schnell laufen und sprechen lernen.

So lernen Kinder früh, wie wichtig Leistung ist. Leistung ist zumindest ein sehr wichtiger, für manche der wichtigste Wert im Leben. Den Leistungsanforderungen genügen, denen der Lehrer, der Firmenchefs, aber auch den eigenen Erwartungen, ist angesagt.

Wenn die körperlichen und seelischen Kräfte noch einen großen Vorrat haben, dürfte die geforderte Leistung kaum ein Problem sein. Aber dann können Zeiten kommen, in denen Leistung (im Beruf) mühsamer wird. Der Kraftaufwand wächst. Dann sinkt hoffentlich die Leistungsanforderung – sonst scheidet man aus oder wird in Rente geschickt, notfalls vorzeitig mit Abzügen.

Fordert Gott auch Leistung?

Natürlich kennen viele die Botschaft: Gott nimmt jeden Menschen an, unabhängig von den eigenen Fähigkeiten oder von der eigenen Leistung.

Aber ist da nicht von den Kanzeln zu hören: der Glaube soll sich im Alltag bewähren. Ist das keine Leistungserwartung?

Nein, Gott erwartet keine bestimmte Leistung. Bei ihm gibt es kein Soll, das jeder erfüllen muss. Natürlich soll der eigene Glaube sich im Alltag auswirken. Das ist aber eine Auswirkung, keine Leistung, Nichts, was wir von uns heraus bewirken, sondern was Gott an uns und in uns tut.

In einer Welt von lauter Leistungsauforderungen, in der der Wert von Menschen nach ihrer Leistung gemessen wird, tut Gottes Ermbarmen gut. Er nimmt jeden Menschen so an, wie er oder sie ist. Aber er lässt uns nicht so, er verändert uns in sein Bild. Wir sollen ihm ähnlich werden. 

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren