Barmherzigkeit, nicht nur im Advent! Lukas 6,36 - 9.12.17

Eine Wunstorfer Initiative – unterstützt von Sponsoren - lädt bedürftige Menschen zu einem vorweihnachtlichen Essen in ein feines Restaurant ein. Was es gibt, ist eine Überraschung. Wieviel es gibt, steht fest: Genug für Alle ! Dann werden die Bedürftigen freundlich und zuvorkommend bedient, die es sich im Laufe des Jahres eben nicht leisten können, mal eben zum Griechen um die Ecke oder zum Italiener am Marktplatz zu gehen.

Dieses alljährliche Weihnachtsessen ist ein Zeichen von gelebter Solidarität, ein Zeichen der Barmherzigkeit mit denen, die trotz Sonderangeboten in Supermärkten wahrscheinlich nur von einer Gänsekeule träumen oder manchmal auch mit knurrendem Magen in die Nacht gehen. Zumindest aber Solidarität mit denen, die den Euro einmal mehr umdrehen und betrachten müssen, eben anders, als die Mehrheit unserer Mitbürger.

Jesus hat vor knapp 2000 Jahren zu den Menschen gesagt: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Ich frage mich, was hätte er wohl zu dieser Aktion gesagt? Eine Aktion, von der ich wünschte, dass sie noch mehr Unterstützer und Nachahmer findet.

So wie bei Doris M. .Sie ist Rentnerin und Montags und donnerstags ist Ihr Tafeltag. Da schleppt Doris M. Kisten, sortiert und putzt Lebensmittel und bereitet sie „fürs Auge“ auf. Pünktlich um 14 Uhr öffnet sich die Tür im Tafelladen und die Schlange der bereits wartenden Menschen setzt sich ins Ladeninnere in Bewegung. Eines ist den Menschen gemein: sie leben vom finanziellen Minimum. Sie kommen aus einer ungewissen Vergangenheit und leben in einer ungewissen Gegenwart. Doris M. hat Not im eigenen Leben erfahren – damals als ihre Eltern nach dem Krieg als Flüchtlinge neu haben anfangen müssen und hier in Wunstorf aufgenommen wurden. Am Anfang war das nicht leicht, gerade für die Flüchtlingskinder…. aber die Menschen haben sich arrangiert. Doris M. hat nicht vergessen, dass sie und ihre Familie damals auch Hilfe erfahren haben, zum Überleben, zum Einleben und vor allem zum Weiterleben. Deshalb ist sie dabei, jede Woche ...solange es ihr Rücken zulässt.  Und sie weiß, dass ihre Hilfe wichtig ist für Menschen, die es wirklich brauchen. Sie hat ihre gestärkte Schürze schon rausgelegt. Für das Essen auf weißen Tischdecken. Mit Kerzen. Und mit Bedienung. Und immer mit einem freundlichem Lächeln im Gesicht!

Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, hat in seinem kurzen Leben eindringlich zur Barmherzigkeit aufgerufen. In der Stille höre ich ihn sagen: „Nehmt einander an, so wie ich euch angenommen habe. Helft einander. Schaut auf die, denen es nicht so gut geht. Zeigt Eure Solidarität mit den Bedürftigen. Gebt denen, die weniger haben als ihr selbst….. und nicht nur zu Weihnachten.“ 

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin in der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf