Ausrede oder Ausgrenzung? - 1.2.2020

Viele haben die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in Davos verfolgt. Gleich am ersten Tag gab es ein Fernduell zwischen Greta Thunberg und Donald Trump. Die Kommentare von Beobachtern über Donald Trumps Äußerungen waren verheerend, zog er doch den Kampf von Greta Thunberg für den Klimawandel ins Lächerliche und nannte sie eine „radikale Sozialistin“. Natürlich ist es trivial, mit einem Alter von 73 Jahren über eine 17-Jährige zu urteilen, dass ihr die Erfahrung und ein Blick fürs Ganze fehlt. Im Fall einer vorhandenen Altersweisheit kann man auf Zusammenhänge hinweisen, aber niemals herabwürdigen.

Junge Menschen zu diskreditieren, ist völlig indiskutabel und ausgrenzend. Der daraus resultierende Frust, dass ein angestammtes System nicht wandelbar ist, führt auf Dauer meistens zur Resignation. Denn: Wer will auf Dauer für unfähig erklärt werden? So einen Fall kennt sogar die Bibel bei der Berufung des Jeremias: „Jeremia aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu Jeremia: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ (Jer 1, 6+7)

Sicherlich ist es fragwürdig, Greta Thunberg mit Jeremia vergleichen. Aber das, was passiert ist, ist eine Frage von Kultur. Junge Menschen sind genauso wertzuschätzen, wie ältere Menschen. Der Satz: „Sage nicht: ich bin zu jung“ kann genauso gut heißen „Sage nicht: ich bin zu alt“. Für ein Miteinander in der Gesellschaft zählt nicht das Alter, sondern der Wille, etwas gemeinsam zu bewegen. Das Alter kann keine Ausrede oder Begründung sein. Die Aufgaben, die vor uns als Gemeinschaft liegen, sind generationsübergreifend anzugehen und es zählt jeder Gedanke und jede helfende Hand.

Die einen machen das im Großen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die anderen im Kleinen, in dem sie beispielsweise Menschen in Ausnahmesituationen beiseite stehen. Und das ist gut so, ob 17, 47 oder 77 Jahre alt.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf