Andachten 2019

Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2019

Ich steh in der Kirche und will nach der Mittagsandacht die Türen schließen. Vor der Kirche steht unschlüssig ein lebensälteres Paar. Sie sind nicht von hier, so sagt sie, und sie möchten doch gerne noch einen Blick in unsere Kirche werfen. Natürlich öffne ich die Türen noch einmal. Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre, dass die beiden eine Jugendliebe vereint hat. Dann, vor mehr als 50 Jahren, haben sie sich aus den Augen verloren. Beide haben geheiratet und beide haben ihre Partner wieder verloren. Dann waren sie allein. Aus einer Laune heraus hat SIE in diesem Sommer im Internet nach IHM gesucht. Und so hat SIE ihn wiedergefunden, ihre Jugendliebe. Spontan haben sie sich verabredet. 500 km waren dann für IHN kein Problem. Und dann stand ER vor ihrer Tür. Würde SIE öffnen und IHN hineinbitten, wie würde es sein, nach so vielen Jahren, so habe er sich unsicher gefragt. Und dann:  Ein Blick, ein Wort, ein vertrautes Lächeln. Alles sei wie damals gewesen, so sagen beide und lächeln sich zärtlich an. Sie haben dann auch noch einmal in den gesammelten Liebesbriefen gelesen, die SIE in einem Schuhkarton sorgsam verwahrt hatte. „Alles ist so, wie damals... und ich würde jedes meiner Worte heute wieder so sagen... wie damals“ versichert ER mir. Sie haben sich gesehnt und wiedergefunden. Und die ihnen verbleibende Zeit wollen sie jetzt dankbar gemeinsam verbringen.

Wir Christen warten ja auch... im Advent:  Auf die Ankunft Jesu Christi, dessen Geburt wir an Heilig Abend feiern. Die Wartezeit machen wir uns „schön“ und „gemütlich“... mit stimmungsvollem Kerzenlicht, mit Leckereien, mit Musik, Liedern und Geschichten. Auch die Lebendigen Adventskalender an den Abenden vor den Haustüren tragen zum Verkürzen der Wartezeit bei. Und dann....steht ER vor meiner Herzenstür. Aber, erkenne ich IHN überhaupt? Und..... lasse ich IHN ein? Und...ist dann alles so, wie es einmal war? 

Evangelisches Gesangbuch 152 :Wir warten dein, o Gottessohn, und lieben dein Erscheinen. Wir freuen uns mit kindlichem Verlangen...Was wird geschehen, wenn wir dich sehn`.....?

Nutzen wir die Adventszeit um uns gut vorzubereiten...auf die Ankunft Jesu Christi in unserem Leben. Zeit genug wird uns dafür gegeben... jedes Jahr wieder. Und wenn ER dann vor Ihrer Herzenstür steht, lassen Sie IHN unbedingt herein... und es kann alles so sein, wie es einmal war.

Frauke Harland-Ahlborn, Prädikantin der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

... muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen."

So lautet ein Zitat von Astrid Lindgren.

Der November ist bunt. Jedenfalls für mich. Der Herbst ist für mich einfach die schönste Jahreszeit. Das fängt mit den Blättern in allen Farben an. Alle Farben, nur eben mal nicht grün. Und dann das schöne schräge Licht, wenn die Sonne scheint. Manchmal kommt Nebel dazu. Das sind ganz besonders schöne Momente.

Ja, der November kann auch grau sein und ungemütlich, aber wenn genau dann wieder die Sonne hervorschaut, diese Momente sind ganz besonders. Diese Momente, wo ich diese Farbenpracht ansehe. Da bleibe ich oft stehen und bestaune Gottes wunderbare Schöpfung. Und genau deshalb sind diese Momente besonders, weil ich eben stehenbleibe.

Gerade jetzt. Ab Montag geht ja schon der Adventstrubel los. Viele haben das Gefühl, noch bis Weihnachten viel schaffen zu müssen. Bis dahin oder spätestens zum Jahresende wollen wir noch viele Dinge tun und Sachen erledigen. Ich muss noch dies, ich muss noch das, da kommt einiges an gefühlten Pflichten zusammen.

Da hilft es nicht, schneller zu werden, sondern eher den Alltag zu bremsen. Jetzt fällt mir dazu die Jahreslosung ein: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“ Wie passend, denn ich verstehe das auch so: Suche den inneren Frieden und nimm dir dafür Zeit.

Einfach langsamer machen, besser noch stehenbleiben, anhalten. Unwichtiges weglassen. Neues zulassen. Altes Loslassen. Vielleicht spazieren gehen. Oder einfach mal einen Moment innehalten: am Fenster, beim ersten Schluck Kaffee am Morgen, im Büro oder an der Werkbank und zu denken: „Jetzt und hier ist es schön.“ Und vielleicht auch: „Danke, lieber Gott!“

Der November ist schön, ich lasse mich da nicht beirren. Eine gute Zeit, anzuhalten. Und wenn Sie jetzt vor einer To-Do-Liste sitzen, was die nächsten Wochen noch erledigt werden muss und fragen: So viel zu tun und ich soll jetzt anhalten? Ja, nur für einen Moment. Das reicht schon.

Karin Puy, Lektorin der Kirchengemeinde Luthe

Wer trauert und worüber? Ich glaube nicht, dass „unser“ Volk, “das“ Volk noch trauert oder die Jugend morgen Trauer trägt - bestenfalls Groß- oder eher Urgroßeltern. Warum sollten Jugendliche von heute Trauer tragen? Leben sie nicht in dem Überfluss, den die Generation nach dem Krieg immer mit: „Ihr sollt es mal besser haben.“, gemeint hat? Geht es ihnen und uns nicht gut?

Rühren uns die Toten und das Leid vergangener Generationen und das Leid der Kriegsflüchtlinge, deren Machthabern wir die passenden Waffen geschickt haben? Die Öffentlichkeit setzt die Flaggen auf Halbmast. Die schwindende Zahl der Zeitzeugen kommt zu Wort. Wer hört zu? Wer liest die Texte? Wer sorgt dafür, dass wir uns ermahnen lassen, dass es so weit nie wieder kommen darf – hier nicht und nirgendwo auf der Welt?

Einer erhebt seine Stimme. Sein Name gilt als Synonym für schlechte Nachrichten: Hiob. Es sind die Nachrichten, die er erhält, die schwer zu ertragen sind. Er selber mit seinem Leben kann zeigen, was wir Menschen zu ertragen im Stande sind. Am Ende, ganz am Ende von Hiobs Geschichte, ist alles wieder gut. Dazwischen: Leid, Unglück, Schicksalsschläge, tiefe Traurigkeit. Allen, die Leid in dieser Welt erfahren, die Krieg in ihrem Leben erlebt oder von den Folgen etwas mitbekommen haben; alle, die nur zu gut noch wissen, wie es vor 74 und bald 75 Jahren in diesem Land war und an anderen Orten dieser Welt bis heute ist; alle, die auch heute als Soldatinnen und Soldaten in Kriegs- und Krisengebieten der Welt unterwegs sind oder waren, die wissen, warum an diesem Wochenende der Toten von Kriegen und Diktaturen, den Opfern von Gewalt und Terror gedacht wird: sie tragen Traurigkeit oder Trauer in sich. Vielleicht haben sie auch große Freude – Freude darüber selber mit dem Leben davon gekommen zu sein, und hindurchgetragen worden zu sein durch alles Leid.

Wenn an diesem Wochenende in vielen Orten Gedenkveranstaltungen stattfinden, sind die meisten Teilnehmenden wohl wieder Amtsträger und Menschen, die den Krieg bei uns noch miterlebt haben, oder Jugendliche, die in der Schule sich grade mit dem Thema befassen.

Wo aber sind die, die den Frieden genießen und die in Freiheit leben und an denen es liegt, dafür Sorge zu tragen, dass Krieg nie wieder sein wird?

Wer sagt, dass der Friede, den wir für selbstverständlich halten, von ganz alleine bleiben wird? Gibt es einfach zu viel Ablenkung, als dass wir auf das Hier und Jetzt schauen und wie unsere Welt friedlicher werden kann – in den Familien, Gemeinschaften, Kirchengemeinden, auf den Dörfern und in den Städten? Hiob sagt: „Der Mensch, von einer Frau geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe. Er geht auf, wie eine Blume, verwelkt und nichts bleibt von ihm.“ Dann wäre doch aber alles sinnlos, denken Sie jetzt vielleicht?

Doch dann kommt´s: „Trotzdem erhebst Du, Gott, Dein Angesicht und schaust auf uns.“ Sollten wir nicht auch auf unser Miteinander und unsere Mitmenschen schauen und es für Wert erachten den Frieden zu wahren, in dem wir uns daran erinnern lassen, wie es war und auch heute wäre ohne ihn?

Diakon Heinz Laukamp, Idensen

In 6 ½ Wochen ist Weihnachten. Das Fest der Liebe. So sagt man. Unendlicher Friede in den Familien, Harmonie, die Seele kommt zur Ruhe. Spekulatius, Tannenbaum, gediegene Musik. Es wird gelacht und gegessen. Theoretisch. Wäre es denn nur vorher und nachher auch so friedlich. Würde an Weihnachten nicht alles nur mit dem „Mantel der Liebe“ zugedeckt werden. Es ist klar: Was vorher zwischen den beteiligten Personen brodelte, wird nicht zu Weihnachten aus dem Weg geräumt, sondern nur verkniffen. Es ist somit nur scheinbar ein Fest der Liebe, für den Fall, dass ein Streit offen ist.

Christen wird häufig nachgesagt, sie können gar nicht streiten, weil sie angehalten sind, sanftmütig zu sein. Das stimmt, denn Sanftmut und Demut sind große Werte – für alle Religionen. Aber darf man deswegen nicht streiten? Es ist eine schwierige Frage, denn meistens hat ein unterdrückter Streit mehr etwas mit Harmoniesucht und der unendlichen Hoffnung auf ein „Es-wird-irgendwie-schon-wieder“ zu tun, als mit Sanftmut und Demut. Ist es Sanftmut, dem Streit aus dem Weg zu gehen oder ist es Sanftmut, den Streit zu führen, damit das sprichwörtliche „reinigende Gewitter“ das Zusammensein umso wertvoller macht? Eine Streitkultur bedeutet auch, streiten zu können. So ein Streit kann emotional werden, was kein Problem ist. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig hinterher die Hand reichen kann und mit der Erkenntnis aus dem Streit eine Verbesserung herbeiführt.

In dem Buch „Grundrechte“ von Ulrich Schaffer heißt es:

Du hast das Recht, unzufrieden zu sein

und nicht dem Status quo zuzunicken.

Du hast das Recht, aufzubegehren

Und auf Missstände zu deuten […]

als jemand der teilhat

an den Missständen dieser Welt

und sie verändern will

mit dem Einsatz des eigenen Lebens.

Wir haben noch 6 ½ Wochen bis Weihnachten. Vielleicht genug Zeit, den Streit zu führen, die Klarheit herbeizusehnen und so vorzugehen, dass die menschlichen Beziehungen unzerstreitbar bleiben. Für ein friedliches Miteinander, das unter dem Streit nicht zerbricht, sondern wächst.

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

Es war eine unerwartete Begegnung in der Dämmerung:

„Hey, da bist du ja schon. Ich habe dich noch gar nicht bemerkt. Schmal siehst du aus. Geht es dir nicht gut?“

„Na, wie soll es mir schon gehen. Ich bin nicht der beliebteste unter uns Zwölfen. Das zehrt an meinen Kräften.“

„Das stimmt. Ich merke auch, dass viele Menschen gleich nach dem warmen Sommer zur gemütlichen Winterstimmung übergehen wollen - sowas mit Tee, Kerzen und Spekulatius. Igitt, das geht doch gar nicht zu meiner Zeit. Da gibt es erstmal Flammkuchen und Federweißen. Aber – hey – weißt du, was ich dann mache: Ich puste sie mit meinem Oktoberwind kräftig durch.“

„Ja, das bist du. Meine Aufgabe besteht doch darin, die Menschen zum Nachdenken und Erinnern zu bringen. Das kostet mich immer mehr Kraft.“

„Wie meinst du das?“

„Na, in meine Zeit fallen so viele Gedenktage.“

„Ach ja, den St. Martin auf seinem Pferd und die Kinder mit Laternen schaue ich mir gerne an. Danach lege ich mich meist schlafen.“

„Das ist typisch. Es geht doch nicht nur um die Laternenkinder. Was dieser Martin getan hat, daran sollen sich die Menschen erinnern und heute genauso mit offenen Augen die Menschen erkennen, die ihre Hilfe benötigen. Wer mag schon teilen in dieser Zeit, in der alle alles für sich alleine und sofort haben wollen. Mir fehlt bald die Kraft, die Menschen an all das zu erinnern, was in meiner Zeit wichtig ist.“

„Bist du deswegen so schmal geworden? Und Dein Grau fällt auch kaum auf. Aber ich habe gehört, dass sich in diesem Jahr ganz viele Menschen zum Erinnern treffen wollen. Das sollte dir Hoffnung geben.“

„Das klingt gut, erzähl mir mehr davon.“

„In Halle gab es einen Anschlag auf die jüdische Synagoge. Jetzt wollen viele Menschen ihre Solidarität zeigen bei Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen“.

„Das ist eines meiner Themen. Ich erinnere am 9. November an die furchtbare Zerstörung der jüdischen Gotteshäuser durch die Nazis 1938. Oft gibt es Gottesdienste und Veranstaltungen, aber viele übergehen diese Tage einfach.“

„Du hast recht. Dafür brauchen wir dich und deine Zeit. Es ist falsch, wenn Menschen getötet werden nur weil sie einen anderen Glauben haben oder anders aussehen. Krieg im Kleinen als Streit in den Familien oder im Großen zwischen Völkern und Staaten, das bringt nur Leid und Tränen. Und davon hatten wir mehr als genug. Warum denken die Menschen nicht daran?“

„Ja, meine Tage sollen sie erinnern: St. Martin an das Teilen, der 9. November an den falschen Hass gegenüber der jüdischen Religion, der Volkstrauertag an den kostbaren Wert des Friedens und der Ewigkeitssonntag an alle Menschen, die gestorben sind und an Gott, der unsere Zeit in seine Ewigkeit münden lässt.“

„Das ist wirklich eine Aufgabe, die an den Kräften zehrt. Weißt du was, ich schicke noch einen frischen Wind, damit die Menschen  ihre Köpfe frei haben für deine großen Themen von Versöhnung und Frieden. Ich finde es klasse, dass wir zwölf so verschieden sind. Das ist doch eine große Bereicherung.“

Und schon war er unterwegs, seine letzten Worte waren durch den Wind kaum noch zu hören: „Ich sag dem Dezember, dass er nicht so drängeln soll.“

Christa Hafermann, stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld

Wie schnell ist es geschehen: da stehe ich draußen vor der Haustür und will die Tür aufschließen. Ein Griff in die Jackentasche: kein Schüssel. Auch in der anderen Jackentasche ist der Schlüssel nicht.  Was nun? Ohne Schlüssel lässt sich die Tür nicht öffnen, und das geht nur mit dem richtigen Schlüssel. Im Notfall kann der Schlüsseldienst weiterhelfen, allerdings hat das seinen Preis.

Nur mit dem richtigen Schlüssel lässt sich die Tür öffnen. Nicht selten geht ein wichtiger Schlüssel verloren, weil er irgendwo verlegt worden ist. Ein Schlüsseldienst kann eine teure Angelegenheit werden, immerhin kann dann die Haustür geöffnet werden.

Der Schlüssel schließt auf und schließt zu. Das kann auch ein Code oder ein Passwort sein. Wer am PC oder Laptop arbeitet, benötigt viele Passworte. Bei Internetanwendungen macht es häufig keine großen Umstände, wenn man mal das Passwort nicht zur Hand hat. Dann können wir ein neues Passwort anfordern oder einen Link, um selbst ein neues Passwort anzulegen. 

Im Leben ist das anders. Da kann es Konflikte geben, für die sich kein Schlüssel finden lässt. Die Tür zum anderen ist verschlossen. Es gibt keine Möglichkeit, einen Schlüssel zu finden.

So mag es manchen auch mit Gott gehen. Als seien alle Wege zu ihm verschlossen.

Es gibt einen einfachen Schlüssel, den Gott uns Menschen geschenkt hat: das Gebet. Wir können Gott bitten, dass er uns begegnet. Dass er uns für sich und für unsere Mitmenschen öffnet. Es kann sein, dass wir warten müssen. Dass der „Schlüssel“ Gebet nicht so einfach funktioniert wie unsere Schlüssel im Alltag. Das Gebet als Schlüssel ist eine Einladung, keine Macht. Gott möchte uns begegnen, dafür hat er uns das Gebet gegeben. Dazu heißt es in der Bibel: „Bittet, und ihr werdet bekommen! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und es wird euch geöffnet!“ (Matthäus 7,7).   

Jesus lädt damit zum Beten ein, er hält den Schlüssel bereit.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

lieben Sie – Gott? Auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Frage. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es Gottes vornehmste Aufgabe ist, uns lieb zu haben. Er geht uns nach. Er vergibt uns, wenn wir hinter seinen (und oft auch unseren) Ansprüchen zurückbleiben. Er nagelt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er ermöglicht etwas Großartiges: neu anfangen zu können. All das tut er, weil er uns lieb hat – erst einmal so, wie wir sind. Und wir?

Aus menschlichen Liebesgeschichten wissen wir – und so mancher kennt es schmerzvoll, dass einseitige Liebe wenig beglückend und meist auch einfach ziemlich unbefriedigend ist. Und selbst wenn es anfänglich schmeichelt, wird es irgendwann zu viel, ja fast lästig. Liebe lebt vom Schenken und Beschenkt-Werden; und wenn es Phasen großer Unterschiedlichkeit gibt, braucht es doch irgendwann wieder  einen Ausgleich, einen Gleichklang.

Ganz so einfach ist die Liebe zwischen Menschen nicht auf das Geschehen zwischen Gott und Mensch zu übertragen. Aber ich bin fest überzeugt: Auch wenn Gottes Liebe zu mir (und auch zu Ihnen!) ungleich größer ist als die meine zu ihm, so will sein Geschenk doch erwidert werden – siehe oben.

Ich erkenne immer wieder Spuren der Liebe Gottes in meinem Leben. Ich bin dankbar für meine Familie. Ich freue mich an meinem Beruf. Ich habe meine Sturm- und Drangzeit ohne große Schäden überstanden. Manches Mal ist mir Bewahrung widerfahren.  Für mich: Spuren der Liebe Gottes.

Wie sieht eine adäquate Antwort aus? Zum Beispiel darin, einfach mal Gott Danke zu sagen. Und auch darin, den Blick zum Menschenbruder zu wenden und zu fragen, wie ich ihm helfen kann. Eigentlich ganz einfach – und ganz beglückend. Mein Dank hat einen Adressaten – und wenn es nötig ist, meine Klage auch. Gott sei Dank!

Ich gebe gerne die Einladung Gottes an Sie weiter – sich lieben zu lassen und auch Gott zu lieben. Sie werden sehen: Ihr Leben wird reicher!

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich

Ihr Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher des Diakonischen Werks evangelischer Kirchen in Niedersachsen

 

Die Sonne scheint! Wie wunderbar ist das denn! Man hat das Gefühl, die Natur aalt sich in den Strahlen, der Wärme, dem Licht, nach den differenten Wetterkapriolen der letzten Wochen.

Und schon wieder folgen so schöne Tage! Wir genießen die Sonne, die Wärme, den Sommer! Lange Abende im Freien, gefühlte Freiheit!

Unsere Freude nimmt kein Ende! Seit einer Woche strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen, ideal für das Schwimmbad, wenn nicht so viele andere denselben Gedanken hätten. Gitarre, Lagerfeuer, gepflegte Freundschaften. Das Wetter macht es uns einfach. Wirklich?

Die Experten sprechen schon jetzt von einem Jahrhundertsommer. In meiner Erinnerung war der grad‘ letztes Jahr. Es bleibt weiter warm. Im letzten Jahrhundert ein Jahr in Deutschland mit einem Tag mit mehr als 40⁰ Grad Celsius, in diesem Jahrhundert 3 Jahre mit wenigstens einem so heißen Tag. Und: trocken bleibt es.

Die Stimmung kippt. Die Medien schreiben von Rekorden, als wäre die Situation bombastisch. Noch vor einem halben Jahr hat der bornierte Stammtisch-Präsident der USA gesagt: „Wir brauchen etwas mehr von unserer guten alten Erderwärmung!“. Nur weil es im Winter in einigen US-Bundesstaaten kälter als normal war.

Immer mehr Wissenschaftler sprechen von globaler (nicht lokaler) Erwärmung. Unumkehrbar? Wir Menschen sind die Schuldigen! Und neben dem übrigen Leben auch die Opfer. Die Erde wird uns sicher überleben. Einiges Leben wird aussterben, sich anpassen und anderes sich neu entwickeln. Wir Menschen sind zu ignorant um einsichtig zu sein. In vielen Religionen heißt es: „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“

Leider sind wir zu selbstgefällig und wir machen es uns einfach. Niemand übernimmt Verantwortung, wir machen so weiter wie bisher. Einen Gott, der wie wir ist, will ich nicht.

Es muss etwas geschehen, wir müssen was machen! Ist Greta Thunberg auf dem richtigen Weg? Ja, aber wir alle, in allen Ländern, müssen etwas tun. Und die Politik sollte Vorgaben machen, sonst ändert sich nichts! Mensch, ändere Dich! Fahr mehr Fahrrad, iss weniger Fleisch, schone deine Umwelt!

Ist es schon zu spät? Wann? Für wen?

Gunner Linde-Göers, Stiftsgemeinde

Wie geht das: ein langes und zugleich erfülltes Leben zu führen? Unsere Lebenszeit ist kostbar. Sie ist aber auch sehr kurz. Wie herrlich blühen gerade noch in Parks und Gärten die letzten Blumen. Äpfel fallen von den Bäumen. Wir sammeln sie in Körbe. In den letzten Sommersonnenstrahlen zieht der Wald sein goldenes Kleid an. „Nutzt eure Jahre“, ruft uns diese Natur zu. „Lebt.“ Wir leben nicht, weil uns glückliche Jahre versprochen wurden. Woher leitet sich dieser Anspruch ab? Wir leben, weil wir geschaffen wurden. Das Leben? Das sind wir. Wir sollen daraus etwas machen. Leben ist unsere Berufung. Leben ist unsere Mission. Leben beschreibt die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen, sondern zu tun, was andere und mich erfüllt. Und wenn es hagelt, schneit und stürmt? Wenn Zeiten kommen, wo die Begeisterung nachlässt, die Erfolge ausbleiben und wo es Enttäuschungen gibt? Dann ist es an der Zeit, sich seiner bisherigen Lebensernte zu erinnern. Sie zu würdigen. Wir können sie nicht größer machen. Wir können aber viel dafür tun, dass sie nicht kleiner wird oder gar verkümmert. Früchte können verderben. Das gibt zu denken. Wir sollen unseren Lebensertrag einsetzen. Ihn mehren und der nächsten Generation zur Verfügung stellen. Damit andere satt werden. Der Apostel Paulus schreibt: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. (Phil 3,13)“ Am Erntedankfest schauen wir nach vorn. Es ist wie ein Fenster in die Zukunft. In großer Dankbarkeit für alles, was ist, leben wir erwartungsvoll. Lasst Eure Sorgen nicht zu groß werden. Das Leben schaut nach vorn. Bis zum Horizont. Dorthin, wo Himmel und Erde sich vereinen.   

Tilman Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover

Wenn Tausende auf den Straßen protestieren und die Forderungen gehört werden, dann ist sie da, die Zeit der Veränderung. Das ist ja nichts Neues, alles ist im Wandel. Aber nun beginnt die Änderung bei mir, mit mir.  Das klingt in manchen Ohren aggressiv: Los, ändere dich, es ist Zeit! In der Bibel heißt es sinngemäß „kehrt um und glaubt an die Botschaft Jesu“ (Mk. 1,15) Ich möchte daher mit Anselm Grün von der Verwandlung sprechen. Ich darf mich verwandeln und zum Vorschein bringen, wie ich eigentlich von Gott gedacht bin. Ich soll dabei nicht ein ganz Anderer werden, sondern so, wie es meiner tiefsten Berufung entspricht. Innehalten in all der Geschwindigkeit um uns herum und uns erleuchten lassen vom Glanz Gottes in uns. Es geht ja nicht nur darum einigermaßen glücklich zu leben, sondern meine Aufgabe in dieser Welt zu entdecken. Eine Frage kann dann sein, ob mein Lebensstil in diese Zeit passt?  Warum lebe ich nicht einfach so, wie ich es schon einige Male in mir gespürt habe, als mir der Gedanke kam: „Eigentlich geht das so nicht, ich lebe auf Kosten anderer, ich bin nicht wirklich im Frieden mit mir selbst und den anderen“. Sie ist nun da, die Zeit der Verwandlung für uns alle, wir sollten für andere Licht sein, vielleicht ist das die energiesparsamste Version, es für andere hell zu machen und die Schöpfung zu bewahren.  Nach uns die Sintflut gilt schon lange nicht mehr, es regnet ja schon.

Diakon Stefan Krüger

Als ich das hörte, sah ich merkwürdigerweise gleich unseren Garten vor mir, meinen Frei-Raum. Wie oft zieht es mich mal eben raus, nicht immer, um da gleich zu arbeiten– nein, um neue Kraft und Energie zu tanken und mich an so vielem, was da wächst und fliegt und kriecht, zu freuen…oder nachzusehen: Ist die Pflanze nun für immer eingegangen, vertrocknet , erfroren oder kann ich sie noch retten? Wird der Rasen wieder grün? Muss ich störende Zweige abschneiden? Brauchen die Tränken frisches Wasser? Warten die Vögel schon auf neues Futter? Jeder Gang macht mir Freude, und oft bin ich unserem Schöpfer für dies kleine Paradies dankbar. `Man ist dem Herzen Gottes nie so nah wie im Garten`. Las ich einmal. Ich könnte mir denken, dass nicht alle Mitmenschen so vom Garten schwärmen. Als früher, besonders nach dem Krieg, die großen, aber auch kleinen Gärten, fast nur Nutzgärten waren und oft die Familie versorgen mussten, gab es viel Arbeit, Mühe, Schweiß, Erfolge und Misserfolge in der Ernte .Alles musste verarbeitet, gegraben, gesät, gehackt, gewässert und gepflegt werden. Manchmal wurde sicher der Winter herbei gesehnt, um die lahmen Knochen wieder ein bisschen zu mobilisieren. In diesem Jahr gibt es noch einen anderen Grund, nicht nur zu schwärmen. Die enorme Trockenheit hat vieles vertrocknen lassen und besonders unsere Landwirte oft zur Verzweiflung gebracht. Jeder Regentropfen wird zur Zeit freudig begrüßt. Ähnlich war es sicher auch im Garten Eden, dem Paradiesgarten, wie er in der Schöpfungsgeschichte beschrieben wird: Als Adam die Augen aufschlägt, hat Gott wie ein umsichtiger, liebevoll gründlicher Gärtner den Garten des Lebens schon angelegt. Bäume, Sträucher, Gras und Blumen, Kartoffeln, Reis, Gemüse, Kräuter und Früchte, was der Körper braucht, ist da – Lebensmittel für Leib und Seele, herrliche Düfte, üppige Farbenpracht…Lebenslust. Das beschriebene Bild von Gott,  ist es übrigens, das mich zu dieser Andacht anregte .1.Mose 2,8 Dann pflanzte der Herr Gott einen Garten in Eden im Osten. Und da hinein setzte er den Menschen, den er gebildet hatte. Eden= Wonne oder Glück. Es wächst miteinander, was Menschen satt und zufrieden macht. In Persien heißen die üppigen Fruchtgärten und Parkanlagen PARDES, darüber wird der Garten Eden in den Sprachen und Träumen vieler Völker zum Paradies.

Ich denke, wir alle haben „unseren Paradiesgarten“ vor Augen. Eden ist kein Wolkenkuckucksheim, sondern ein wirklicher Ort auf der wirklichen Erde, aber auf keiner Landkarte zu finden. Wenn wir im 1.Mosebuch weiterlesen, erfahren wir, warum dieser Garten, den Gott in seiner großen Schöpfung so liebevoll angelegt hat, mit Adam und Eva und dem Sündenfall verschwand. Und doch lohnt es sich, die Erinnerung an den Paradiesgarten wachzuhalten – um des Wassers und der Tiere willen, um der Sprache und um Gottes willen müssen wir die Spuren des Verlorenen in unserer Gegenwart suchen. Lasst sie uns immer wieder finden!

Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Morgen ist in der Region Hannover der Großraumentdeckertag. Das hört sich spannend an und spricht unseren Forschergeist an. Überall um uns herum können wir interessante Orte und Technik erleben. Gleichzeitig findet auch bundesweit der Tag des offenen Denkmals statt. Das hört sich nicht so spannend an, allein schon, wenn man bei Wikipedia liest: „Ein Denkmal ist ein erhaltenes [Kunst]werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt.“ Die Umschreibung führt uns in eine falsche Richtung, ich würde eher sagen: über eine frühere Epoche. Ein Denkmal will dabei auch entdeckt werden, ein Denkmal ist nicht in unter fünf Minuten erfasst: Man braucht Stille zum Erleben oder einen guten Führer. Besonders spannend wird es immer dann, wenn wir sehen, was passiert, wenn die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft.

Viele der Denkmäler sind Kirchen - das gilt ebenso für die 31 morgen geöffneten Denkmäler in der Region Hannover. In ihnen erleben Menschen immer wieder aufs Neue, wie Stille, Enge, Höhe, Weite oder auch der Geruch des Denkmals uns berühren. Die umgesetzten Ideen unserer Vorfahren lassen uns aufmerksam sein und versetzen uns ins Nachdenken: Wie lange überdauern unsere heutigen Werke, unsere Gebäude, unsere Musik und Kunst? Wie nachhaltig ist die Kultur des 21. Jahrhunderts?

Der Tag des offenen Denkmals versetzt uns ins Staunen und macht demütig: Wir sind heute recht schlau, aber die Menschen damals hatten ein immenses Wissen. Wir können davon noch lernen. Denk mal, was ein Denkmal Dir geben kann. Wenn man Kinder ab fünf Jahren beobachtet, ist es sehr offensichtlich: Sie werden von sich aus ganz ruhig und häufig bleibt der Mund offenstehen. Sie sind beeindruckt bis überwältigt.

Überlegen Sie sich mal, was Sie morgen unternehmen wollen. Es könnte das werden, was der zweitkürzeste Psalm der Bibel, Psalm 131, Ihnen rät: Ja, ich ließ meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir. Ist das nicht eine tolle Sonntagsbeschäftigung im Reich früherer Epochen? Lassen Sie gerne Ihre Seele in einem Denkmal still werden, es kann Kraft geben für Vieles, was da kommt.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf
 

Echt stark, mit einem Chef unterwegs zu sein, der sagt: „Du, es ist okay, dass du das nicht packst – ich mach das für dich!“ „Kein Problem! Du hast versagt –na und? Das ist meine Chance, zu zeigen, wie viel Kraft ich habe!“

Echt stark? Wenn diese Worte vor Herablassung triefen, haben Sie ein Problem.

Wenn diese Sätze allerdings von Herzen kommen und Wertschätzung enthalten, dann ist das eine starke Leistung von Ihrem Chef und eine große Entlastung.

Können wir Leistungsgesellschaftler uns das überhaupt vorstellen? So einen Satz im Alltag zu hören?

In der Bibel hat diese Worte so ähnlich der Apostel Paulus gehört, von seinem Chef persönlich:Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,9).

Eine starke Zusage von Jesus für alle die sich schwach, zu klein oder zu ohnmächtig fühlen.

Die erste Schulwoche ist geschafft. Gedanken vom „Klein Sein“, vom Zweifel die richtige Schule gewählt zu haben, von Selbstzweifel bei der hohen Leistungsanforderung, die können schon an mir nagen. „Der Chef war heute Morgen schlecht gelaunt, und ich war wieder schuld daran. Ich schaffe das nicht mehr“.  Im Sport waren wieder alle anderen besser, schneller und weiter als Sie?  Manchmal ist ein Gefühl, manchmal Realität, dass man nicht mithalten kann. Manchmal macht man sich auch selbst klein, weil das ja schon immer so war, die anderen können das alles immer besser. Wer ist da gnädig zu Ihnen?

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, das heißt nicht nur, dass Gott irgendwie dabei ist auf unserem Weg, es bedeutet da ist Kraft. Da ist jemand bei mir und stärkt mich von meinem Innersten heraus. Wenn es zu laut ist, diese Stimme zu hören, dann gehen Sie dort hin wo es still ist und lassen Sie sich stärken, dieser Schritt auf Gott zu, genügt.

Diakon Stefan Krüger

Heute sehen wir sie wieder auf den Straßen – die festlich gekleideten kleinen Schulkinder mit ihren großen bunten Schultüten. Schulanfänger. Es ist Einschulungstag. Begleitet von ihrer Familie und anderen Angehörigen sind sie voller Erwartung auf dem Weg zur Schule. Und manche Fragen bewegen die Gedanken an diesem Tag: Wie wird sie werden, die neue Zeit? Wird es eine gelungene Zeit?

Viele Familien besuchen noch vor der Feier in der Schule einen Einschulungsgottesdienst, um diesen Tag und den Anfang der Schulzeit unter Gottes Segen zu stellen.

Es ist gut, einen neuen Abschnitt im Leben mit Gottes Segen zu beginnen – und das nicht nur beim Schulanfang. „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen...“ singen wir anderen zum Geburtstag. Aber was ist Glück denn eigentlich anderes als Segen? Segen haben wir für unsere Kinder im Sinn, wenn wir sie auf eine lange Reise verabschieden. Oder wenn wir im Krankenhaus einen Besuch gemacht haben - wir heben die Hand, ein kurzes Zuwinken, so als wollten wir Gutes hinüberschicken: Viel Glück – mach`s gut.

Jedes Glück ist nichts anderes als Segen. Jedes Gelingen, jede Freude, jedes Verstehen mit anderen ist Segen. Doch wie gefährdet ist dieser Segen! Wieviel Unverständnis, Misstrauen, Ablehnung, Streit oder Hass türmen wir uns auf.

Segen muss gehegt werden, muss ersehnt werden, erbeten werden. Denn wir können nicht selbst segnen. Segen kommt allein von Gott. Aber wir können Gott bitten, dass er uns segne – und als Beschenkte anderen selbst zum Segen werden.

Schon das erste Wort Gottes an die Menschen ist ein Segen (1. Mose 1, 28). In der Bibel erfahren die Menschen Gottes Segen vor allem an den Wendepunkten ihres Lebens – Ruhe, Schutz, Geborgenheit, Frieden werden verheißen. In den Kirchen stellen wir uns am Ende jedes Gottesdienstes und Bginn der neuen Woche unter die biblischen Segensworte: „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ (4. Mose 6, 24)

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Das klingt vielleicht noch etwas nach Urlaub, nach Wind und Weite, Meer und Sonne, Wärme und Helligkeit, salziger Luft, salzigem Wasser und salziger Haut. Ohne Salz und Licht ist das Leben dunkel und trist: fad. Zu viel von Beidem läßt uns verdursten und raubt uns den Schlaf.

Salz und Licht: Mit dem Salz würzen wir Speisen, machen Dinge haltbar. Das Licht der Sonne, wie das von Kerzen, machen das Leben hell und warm, geben unserer Seele Kraft, unserem Immunsystem Stärke, schenken ein wohliges Gefühl. Wir sollen beides haben für unser Leben und beides für andere sein: Kraftquelle, Wärmespender; Menschen, die das Leben anderer hell machen, Freude und Freundlichkeit schenken; dem Leben Würze geben, Reibungs-fläche bieten, in Frage stellen, ihm einen guten Geschmack verleihen. Wenn man das Haltbarmachen des Salzes nimmt, gehört für mich dazu, andere zu stärken, ihnen hilfreich zu sein.

Christus spricht: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Beides seid ihr, wenn ihr den Menschen von mir, von Euren Erfahrungen mit Gott und Eurem Glauben erzählt. Haltet damit nicht hinter dem Berg, stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel, nicht unter ein Holzmaß, durch das nichts hindurch-scheint und unter dem die Flamme nur klein bleibt und schließlich erlischt.

Haltet nicht verborgen, wieviel Euch Euer Glaube schenkt, wieviel Freude Ihr an der Gemeinschaft mit mir und untereinander habt. Weist auf die Quelle Eurer Stärkung und Zufriedenheit hin. Lasst andere teilhaben an der Kraft der Versöhnung mit mir, Eurem Retter. Gebt den Frieden weiter, den ihr selber empfangt durch die Liebe Gottes zu Euch: Wenn ihr das tut, dann ist es kein Problem, die Vorhersagen, die Prophezeihungen von Micha und Jesaja, de-nen, die große Zeugen des Glaubens für das Volk Israel waren und sind, wahr werden zu lassen, in denen es heißt: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Wenn in diesem Jahr sich die Erinnerung an den Mauerfall zum 30. Mal jährt, dann kommt dieser Vers mir in den Sinn, der Vers, mit dem die Evangelische Jugend in der DDR ihren Widerstand begründet hat und den sie seit Beginn der 80ziger Jahre unter schwierigen Bedingungen nach außen trug, damit aneckte, Salz der Erde war und Menschen Kraft gab, ihrer Oppo-sition gegen den Staat eine Form zu verleihen. Kerzen und Gebet, Gebete für Frieden in der Welt und im eigenen Land, in den Kirchen haben sie nach draußen auf die Straßen getragen. Sie haben sich darauf verlassen, dass der den Frieden bewirkt, der uns die Versöhnung mit sich anbietet, der, der sich verschenkt und seine Liebe - Christus. Wir Menschen leuchten als Licht der Welt, wenn wir wissen, wer unser Licht ist und von wem wir die Kraft für unser Tun haben. Darum sagt Christus: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Es geht darum, dass Gott und der Glaube Gutes bewirken, nicht wir, weil wir uns in einem guten Licht darstellen wollen, oder meinen besonderes gut zu sein.

Heinz Laukamp, Diakon in Idensen

Der Familienmittagstisch in meiner Kindheit ist mir in guter Erinnerung: 3 Generationen saßen an dem großen Küchentisch. Vater und Großvater einander gegenüber an den Kopfenden. Mutter und Oma den kurzen Weg zum Herd im Rücken. Ich....saß mit dem Rücken zur Wand. Ja, jeder hatte seinen festen Platz. Essen gab es erst, wenn alle (!) da waren.... und mittags waren ALLE da. Es wurde erzählt, immer schön der Reihe nach, und auch innegehalten. Ein „Nun wollen wir mal wieder..“, löste dann die Tischgemeinschaft auf. Für mich ist die Erinnerung deshalb so besonders, weil es eine Zeit spiegelt, in der die Familie (unbeschwert und vollzählig) beieinander war. Austausch, Lachen, Trost und stille Gedanken, alles hatte hier seinen Platz.

Essen und Trinken, Feiern, Teilen und vor allem Gastfreundschaft gehören von je her zum christlichen Miteinander. Jesus Christus hat die Tischgemeinschaft mit seinen Jüngern intensiv gepflegt. Er selbst hat Essen und Trinken wertgeschätzt! Denn da wurde neben dem körperlichen vor allem auch der seelische  Hunger durch Wort und Gebet gestillt. Als ein Vermächtnis hat er uns das „Abendmahl“ hinterlassen. Der Überlieferung nach befolgten die Jünger schon kurz nach dem Tod und der Auferstehung Jesu seine guten Tipps fürs Leben und für den guten Glauben, die er nach biblischem Zeugnis bei seinem letzten Mahl seinen Jüngern gesagt hat: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“

Diese enge Gemeinschaft, die Jesu mit seinen Jüngern verband, setzt sich bis heute fort. Über Generationen hinweg treten wir beim Abendmahl  mit dieser ersten Abendmahlsrunde in Verbindung. Wir werden so mit einbezogen in die Tischgemeinschaft all jener, die schon vor uns Gäste und Freunde Jesu sein durften. Es ist doch bemerkenswert: das Abendmahl überdauert nun schon die gesamte Zeit der Kirche. Es verbindet  uns mit denen, die an ihrem Anfang standen. Und mit allen, die seither daran teilgenommen haben. Die christlichen Gemeinden pflegen die Tradition des Abendmahls bis heute. Es wird niemand ausgeschlossen, auch Kinder sind willkommen. Damals wie heute gilt: in Brot und Wein (oder Traubensaft) des Abendmahls ist der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus uns nahe.

„Als sie ... aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,26–28)

Das Abendmahl ist eine Quelle der Kraft und des Trostes für den, der ernst nimmt, was Jesus damals gesagt hat. Als Zeichen für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander ist es vielen Menschen wieder sehr ans Herz gewachsen. Gefeiert wird es mit Wein oder Saft, mit Brot oder Oblaten.

Aber auch darüber hinaus haben unsere Gemeinden ein vielfältiges Angebot um die christliche Gemeinschaft zu erleben und darin gestärkt oder auch einmal getröstet zu werden. Im Mittag-Essen-Miteinander, in Andachtszeiten zu unterschiedlicher Tageszeit, im gemeinsamen Singen und Reden genauso, wie im Schweigen und Zuhören.

An diesem Sonntag (7.Sonntag nach Trinitatis) wird in vielen Gemeinden in den Gottesdiensten besonders an das Abendmahl erinnert. Sie sind herzlich eingeladen, sich an Gottes Wort zu stärken . „Kommt, denn es ist alles bereit, schmecket und sehet, wie freundlich unser Herr ist“. Und....von diesem Brot des Lebens ist genug für jeden da!

Frauke Harland-Ahlborn, Prädikantin der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Die Sonne gehört zum Sommer. Gerade weil der Schlager von Rudi Carell  „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ sich in den siebziger Jahren eingeprägt hat.

Sonne satt und schon zuviel – das ist die Erfahrung auch in diesem Sommer. Einerseits tut die Sonne gut, andererseits  kann sie Sonnenbrand verursachen – und sorgt für zunehmende Trockenheit in den Gärten, auf den Feldern und in den Wäldern. Trotzdem lockt die Sonne morgens nach draußen und sorgt für laue Abende. Wer es möglich machen kann, genießt diese Abende draußen auf der Terrasse oder bei einer Radtour – als kleine Pause im Alltag. Und dabei können Sie dem Zirpen der Grillen lauschen. Und ein positives Gefühl von Sommer erleben.

Wie Paul Gerhardt es in seinem beliebten Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit“ beschrieben hat.

Er hat dieses Lied 1653 gedichtet, als er in Mittenwalde (Mark Brandenburg) als Pastor und Propst wirkte. Er beschreibt die liebliche Umgebung und lädt bis heute dazu ein, mit ihm die Schöpfung Gottes zu betrachten – nach den ersten acht Strophen nimmt er seine Betrachtung der Natur als Bild für das Leben und die Hoffnung als Christen. Insgesamt umfasst sein Gedicht fünfzehn Strophen.

Paul Gerhardt hat seine Worte dem Psalm 104 nachgedichtet. Dieser Psalm beschreibt verschiedene Blicke in Gottes Schöpfung und fasst sie so zusammen: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte.“ (Psalm 104, Vers 24)

Wer nun einwendet, dass die Sonne nun doch zu stark scheint, es zu heiß und zu trocken wird, möge bedenken, dass die Psalmen im heißen Klimas Palästinas aufgeschrieben worden sind. Das staunende Lob Gottes kennt auch Trockenheit, Hitze - und kühlenden Schatten. Und wenn es dann regnet, ist das eine Wohltat.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

   

Als Kind habe ich gedacht, dass Beten sei, als würde man einen Groschen in den Kaugummiautomaten werfen.  Oben wirft man das Gebet ein und unten kommt das erbetene Ergebnis wieder raus. Als würde man Gott beim Beten eine Wunschliste überreichen und der würde, ähnlich wie der Weihnachtsmann, diese dann erfüllen.

Doch wenn ich jetzt bete ist es anders. Ich bete für meine Familie und meine Freunde, und für die, die Schmerz und Leid in der Welt ertragen müssen. So bringe ich vor Gott, was mich bewegt. Aber manchmal fehlen mir auch die Worte.

Ich glaube, dass es im Gebet weniger um das geht, dass wir bekommen wollen, sondern um das, was Gott will. Denn das Gebet ist kein Einzelsport. Wenn überhaupt, dann ist es eher mit einem Staffellauf zu vergleichen. Es ist das, was wir füreinander und was wir für die Welt tun können. Wenn wir beten, halten wir uns und die Menschen, an die wir dabei denken, Gott hin. Man könnte sagen: Wir legen sie Gott ans Herz. Und dann geben wir unser Gebet an die nächste Person weiter, die dasselbe tut. Und diese Gebete, diese Zeiten, in denen wir andere Gott hinhalten, sind wie dünne Fäden, die uns mit Gott, aber auch untereinander verbinden. Wenn wir für jemanden beten, dann werden wir durch Gott mit dieser Person verbunden. Und durch diese Person werden wir wiederum mit Gott verbunden. Vielleicht sind diese dünnen Fäden, die uns untereinander und mit Gott verbinden, Gottes Weg unsere zerbrochene Menschheit wieder zusammenzunähen. Mit jedem Gebet füreinander, spinnen wir einen neuen Faden, der die Verbindung stärkt, zwischen uns und zwischen Gott.

Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe

 

Konfirmation, Gemeindefest, Konfirmationsjubiläen, Einführung zweier neu ausgebildeter Prädikantinnen - die Stifts-Kirchengemeinde hat gerade eine Reihe von Festen zu feiern. Viele Menschen sind jeweils gekommen, nicht nur für Spiel und Spaß und gutes Essen. Auch weil sie erwarten, Antworten auf Fragen ihres Lebens zu finden. eine Konfirmandin sagte mir nach einem der ersten Gottesdienste, den sie im Rahmen des Unterrichts besuchte: „Ich hätte nicht gedacht, dass Gottesdienste so viel mit unserem heutigen Leben zu tun haben!“Mit 50 jugendlichen Teamern haben wir ein Konfirmanden-Ferien-Seminar vorbereitet. 50 Jugendliche, die mit Leidenschaft christliche Werte erzählen und an Jüngere weitergeben. Ein Schatz, der mich für die Zukunft von Kirche hoffen lässt.

Ich freue mich gerade an solchen Beobachtungen. Bei einer Studienreise nach Stockholm und Karlstadt in Schweden habe ich eine Gesellschaft kennen gelernt, die ihre Wurzeln weitgehend vergessen hat. Schulgottesdienste ohne dass von Gott gesprochen werden darf, Konfirmandenunterricht weitgehend als Lebenskunde - Hauptsache die Beerdigung wird gut gestaltet. Kirche hat dort trotz nach wie vor sehr hoher Kirchensteuern ihre Bedeutung verloren. Auch wenn der schwedische Staat ein vorbildlicher Sozialstaat ist und viele Aufgaben, die bei uns von den Kirchen getragen werden selber anbietet, habe ich erlebt, wie die innere Basis wegbricht. Vielleicht ein Grund für das Erstarken von Nationalismus.

Werte wie Nächsten- und Feindesliebe, Chancen auf einen Neuanfang, nachhaltiger Umgang mit der Schöpfung haben ihren Ursprung in der Bibel. Es lohnt, sich immer wieder mit diesem Buch auseinanderzusetzen. Es lohnt, darin zu lesen und Fragen zu stellen. Unsere jüdisch-christliche Tradition hält einen Schatz bereit, den es immer neu zu heben gilt. Vielleicht nehmen Sie Ihre Bibel ja als Urlaubslektüre mit? Vielleicht besuchen auch Sie Kirchen und Ferienangebote der Gemeinden am Urlaubsort und nehmen sich Zeit zum Nachdenken über die eigenen Wurzeln?

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

Liebe Lesende,

gerade habe ich eine Trauerkarte geschrieben und versucht, angemessene, vielleicht sogar tröstende Worte für den zurückgebliebenen Ehemann zu finden. In der Gemeinde, in der ich bis vor gut einem Jahr als Pastorin tätig war, ist eine ehrenamtliche Mitarbeiterin verstorben. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeit der schweren Erkrankung. An das Erschrecken der ganzen Familie und das Entsetzen, selbst betroffen zu sein. Dann kam das Bangen nach der Operation, die Qualen von Chemotherapie und Bestrahlung und im weiteren Verlauf dann der ständige Wechsel zwischen Hoffnung und neuer Hiobsbotschaft. Nun ist das Ende da, der Tod und damit das Gefühl, verloren zu haben – gegen die Krankheit, gegen den eigenen Körper. Mit diesem Verlust einher geht die bittere Erkenntnis, dass es Gegebenheiten im Leben gibt, bei denen wir mit unseren  Möglichkeiten am Ende sind. Der Tod beleidigt das Lebensgefühl des modernen Menschen, alles in der Hand zu haben und immer entscheiden zu können, wie es weitergeht mit mir und meinem Lebensweg. Freiheit und Selbstverwirklichung sind Grenzen gesetzt in solchen Zeiten. Das ist schmerzhaft und manch einer wird bitter darüber. Verständlich! Denn gerade, wenn Krankheit und Tod gefühlt vor der Zeit kommen, stellt sich nicht selten Frage: Warum ich? Warum mein Lebenspartner? Beantworten lässt sich diese Frage nicht befriedigend. Weiter bringt sie auch nicht – aber menschlich ist sie. Wie können wir umgehen mit der eigenen Endlichkeit und der unserer Lieben? Manche probieren es mit Ignorieren - solange es eben geht. Andere halten es mit den Ansätzen der fernöstlichen Religionen -  und hoffen auf ein neues irdisches Leben in anderer Gestalt. Christlicher Glaube bietet die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod an – nicht als Vertröstung, dass es im nächsten Leben schon besser wird, sondern als Perspektive für dieses Leben – in guten, aber eben auch in schlechten Zeiten. Meine ehemalige Mitarbeiterin hat in dieser Hoffnung Trost gefunden im Alltag des Lebens, aber eben auch im Sterben. Sie konnte loslassen und sich fallenlassen in die Hände dessen, von dem sie sich getragen und gehalten fühlte.

„Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“ Evangelisches Gesangbuch 533 – Weiterlesen lohnt sich!

Nikola Lenke, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium

Den Wal loswerden wollte der Prophet Jona. In diesem Wal saß er, weil er den Auftrag Gottes nicht erfüllen wollte, den Menschen in der Stadt zu sagen, dass sie böse sind und nicht nach dem Willen Gottes fragen. Darauf hatte Jona keine Lust, der Ärger war vorprogrammiert und er wusste, dass sie nicht auf ihn hören würden.  Jona wusste, „dass Gott gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte“ ist und die Stadt verschonen würde, dafür hatte er selbst absolut kein Verständnis.  Er würde allein dastehen, um Ninive zu überzeugen.

Und doch, nach langem Nachdenken und Beten, kam Jona zu dem Entschluss, dass er es doch versuchen wolle.  Er würde in die Stadt gehen und die Menschen zur Umkehr aufrufen, er würde ihnen keine Wahl lassen.

Wir haben täglich die Wahl, wir können in Freiheit entscheiden, wie wir unser Leben führen wollen, das ist ein Erfolg der Europäischen Gemeinschaft: Frieden und Freiheit.

Diese Freiheit nutzten die Bewohner von Ninive und lebten ein Leben ohne Gott. Und seltsam, Gott bestrafte sie nicht, denn er wollte niemanden aus „Ninive, der großen Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist“ verlieren. 

Aber Gott geht es nicht um Rache, es reicht, wenn ich erkennbar umkehre und nach seinem Willen frage. Es reicht, mit anderen Menschen Antworten auf die dringlichen Fragen nach dem richtigen Lebensstil zu suchen und danach zu handeln.

Die Menschen in Ninive wählten den Weg mit Gott; den Weg der größten Freiheit, den Weg der Barmherzigkeit, den Weg zur Bewahrung der Schöpfung und den Weg des Friedens.

Wir haben am Sonntag die Wahl. Gehen Sie zur Wahl zum Europa-Parlament. Lenken Sie so den Weg für unser Leben in unserem Land und in Europa. Fragen Sie sich welcher Weg zu Freiheit und Frieden, zu Umweltschutz und Gerechtigkeit führt, werden Sie ihren Wal los und bestimmen Sie mit.

medium_Foto Herr Hagen a.jpg

Wie ein Sturm und ein Feuer kam Pfingsten der Heilige Geist über die in Jerusalem versammelten Jünger. Sie konnten plötzlich mehrere Sprachen sprechen. Und sie waren auf einmal "Feuer und Flamme" weltweit den christlichen Glauben zu verkünden. Dies ist die Geburtsstunde der Kirche.

Der Heilige Geist hat von Anfang an viele Gesichter. Und viele Farben, auch Hautfarben. Der Heilige Geist ist nicht nur evangelisch oder katholisch. Beim ersten aller Pfingstfeste kümmerte sich Gottes Geist nicht darum, auf wen er fiel und wer sich darüber ausgelassen freuen konnte. Wir Christen: „Der Heilige Geist weht, wo er will.“ Genauso ist es. Er bewegt Alte und Junge, Kinder und Greise, Menschen mit und ohne Glauben. Gott ist größer als die Rahmen, in die wir ihn manchmal einpassen. 

 

Diese Erfahrung haben wir gerade auch in der vergangenen Zeit gemacht. Geflüchtete aus den Kriegs- und Krisengebieten kamen in großer Zahl zu uns. Sie fanden auch in vielen Kirchengemeinden Zuflucht. Diese Vielfalt und hat sie bereichert. Dabei engagierten sich auch Menschen, die vorher so nicht oder überhaupt nicht in Erscheinung traten. Ja, der Geist Gottes muss kein Feuer spucken oder Wände einreißen. Er kann auch leise kommen und doch eine große Hilfe sein. Gottes Geist wirkt in denen, sagt Jesus, die in seinem Sinne handeln. Also kommt er auch zu Menschen anderen Glaubens und vermutlich auch zu denen ohne Glauben, die menschlich und einfühlsam sind und bleiben.

 

Wer Menschen achtet, ist vom Geist beseelt. Wer in anderen Menschen Gottes Ebenbilder sieht, hat mehr Heiligen Geist, als ihm oder ihr womöglich bewusst ist. Und wer das Gute im Menschen sieht, wird es auch hervorlocken können. Ob man dabei von Gott spricht oder nicht, ist nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich Gottes Werk erkenne – in dem Heiligen Geist, der Menschen bewegt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Pfingsten

Superintendent Michael Hagen

joergmecle.jpg

Störungen sind so lästig. Sie unterbrechen uns ungeplant bei dem, was wir einfach tun wollen. Sie holen uns raus, fordern die Aufmerksamkeit, weil wir Menschen Störungen vermeiden wollen. Inzwischen ist die Störung in unserem täglichen Handeln so groß geworden, dass wir sie nicht ignorieren können: Die Demos allfreitäglich in den Städten in Deutschland und Europa. Jugendliche setzen Politiker unter Druck, fordern zum Umdenken auf und haben möglicherweise auch die Wahlentscheidungen bei der Europawahl am vergangenen Wochenende beeinflusst. Ob die Störung nun gut oder schlecht war, mag jeder für sich beantworten.

Vor 30 Jahren traf sich die erste Europäische Ökumenische Versammlung in Basel. Erstmals seit über 1000 Jahren trafen sich damals Vertreter der Orthodoxen, Anglikaner, Altkatholiken, Lutheraner, Reformierte, Freikirchen und Friedenskirchen sowie des Rates der römisch-katholischen Bischofskonferenzen Europas. In dem Abschlussdokument von damals lesen wir unter Ziffer 43: „Wir haben versagt, weil wir nicht Zeugnis abgelegt haben von Gottes sorgender Liebe für all und jedes Geschöpf und weil wir keinen Lebensstil entwickelt haben, der unserem Selbstverständnis als Teil von Gottes Schöpfung entspricht. […] Wir haben versagt, weil wir nicht entschieden genug die politischen und wirtschaftlichen Systeme in Frage gestellt haben, […] die die natürlichen Ressourcen der Welt nur zum eigenen Nutzen ausbeuten und Armut und Marginalisierung verewigen.“

Schade, dass diese Erklärung, die von Menschen der zweiten Lebenshälfte abgegeben wurde, heute den Politikern nicht mehr in den Ohren klingt. Die Kirchen haben damals begonnen, sich politisch im Sinne von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu engagieren und tun es vielfältig bis heute.

Es ist gut, diese Störgeräusche zu haben. Denn ein ewiges „Weiter so“ ist zwar sehr komfortabel, hinterlässt aber den nachfolgenden Generationen ein Erbe, dass man eher als Hypothek bezeichnen sollte. Lassen wir uns wachrütteln – auch im Sinne unseres Glaubens.

 

Jörg Mecke

Den Titel eines Liedes werden viele vielleicht kennen, den weiteren Text vielleicht nur wenige. Ist Ihnen schon mal ein Wunder wiederfahren? So viele wie den Titel kennen, kennen bestimmt auch das Wunder von Bern und verbinden damit etwas. Wirtschaftswunderland Deutschland, Fußballwunder, Wunderglaube, wunderschön, wundervoll. In unserer Sprache kommen Wun-der oft vor, aber glauben sie an Wunder? 51% der Deutschen tun das, so konnte man vergangenes Jahr in einer Umfrage nachlesen.

Aber, was ist denn ein Wunder? Die Schönheit der Natur und, dass es unsere Erde immer noch gibt, sagen manche. Andere sagen: Das es in den uns bekannten Galaxien nur bei uns auf der Erde hochentwickeltes Leben gibt. Wieder andere sagen: manche Heilungen sind ein Wunder, selbst die Ärzte hatten mich schon aufgegeben. In der Tat: „Wunder gibt es immer wieder. Heute oder morgen können sie geschehen.“ Werden wir die Wunder wahr-nehmen? Vielleicht gehören sie aber ja auch zu den 49%, die nicht wissen, ob sie an Wunder glauben sollen oder die sagen: „Ich glaube nur, was bewiesen werden kann.“ Wäre ein Wunder, noch ein Wunder, wenn man es sezierte? Von überall betrachtete und erklären könnte? Wahrscheinlich schon, nur weni-ger faszinierend unter Umständen oder auch weniger „Wunder“-schön.

Die Bibel erzählt sehr viele Wunder. Neben denen, von der Heilung von Men-schen kommen ganz andere vor. Das größte unter allen scheint mir immer noch dies: Menschen können einander verstehen oder nicht verstehen – ganz unabhängig davon, ob sie dieselbe Sprache sprechen oder nicht. Menschen können einander verstehen, weil die Chemie stimmt, sie einander riechen kön-nen oder sich sympathisch sind.

Was tun, wenn wir Dinge nicht erklären können, aber doch anderen davon erzählen möchten? Was ist eine Sprache, eine Möglichkeit, sich anderen unabhängig von Sprache mitzuteilen? Viele sagen: Die Musik ist eine univer-selle Sprache, selbst, wenn ich eine Musik nicht mag, kann ich erkennen, ob sie Angst, Verzweiflung, Größe, Schönes, Böses als Gefühl transportiert. Jeder Krimi, jeder Thriller, jede Liebesgeschichte im Film lebt davon, dass das funktioniert.

„Singt dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder.“ – Kantate, Singt! So heißt der kommende Sonntag. Wenn ihr nicht erzählen könnt, was Euch bewegt, fasst es in Musik, teilt es aber auf jeden Fall anderen mit: Gott tut Wunder. Früher hat er sie getan und heute tut er sie immer noch. Es wird nicht aufhören. Also seid fröhlich und singt von Eurem Glauben, von den Wundern, die ihr erlebt, vom Wunder des Lebens, des Überlebens, des unauslöschlichen Lebens. „Wunder gibt es immer wieder. Heute oder morgen können sie geschehen. Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehen.“ Einen wunderbar gesegneten, zum Singen anregenden Sonntag wünsche ich.

Heinz Laukamp, Diakon in Idensen

Wie wird das Klima unserer Erde? Abholzung von Regenwäldern in großem Maßstab; Anstieg des Meeresspiegels; Artensterben. Wie kann die Zukunft aussehen? Schüler und Schülerinnen demonstrieren weltweit für den Klimaschutz unter dem Motto  „Fridays for future“ (Freitage für die Zukunft). Es geht um die Zukunft unserer Erde. Was kann, was muss geschehen? Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: Papier statt Kunststoff verwenden, Öffentlicher Personennahverkehr statt PrivatPKWs, Eisenbahn statt Flugzeug, Fahrrad statt Auto. Wer sich dann intensiver mit der Frage beschäftigt, wie ein Leben aussehen kann, das möglichst nachhaltig ist, merkt, dass es keine einfachen Antworten gibt. Die Umweltbilanz von Papier ist nicht immer besser als die von Kunststoff. Anderes Beispiel: der öffentliche Personen-Nahverkehr im unserem eher ländlichen Raum in der jetzigen Form kann kaum ein Ersatz für private PKWs sein.

Wir haben offensichtlich nicht mehr viel Zeit zum Umsteuern. 

Es ist bemerkenswert, dass es etliche Bibelworte gibt, die den hohen Wert der Schöpfung beschreiben. In Psalm 19 lesen wir: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“

Die Erde wird als Bild betrachtet, in dem sich Gottes Herrlichkeit spiegelt. Die Schöpfung versteht die Bibel als Auftrag an uns Menschen, sie zu bebauen und zu bewahren. Darum ist Klimawandel auch ein Thema in den Kirchen – und damit in dieser Andacht.

Dabei geht es nicht nur um Bewahrung der Schöpfung, sondern ebenso um den Blick zu Gott, zu dem, der sich uns zuwendet und von dem wir leben.

In diesen Wochen werden in den evangelischen Kirchen junge Menschen konfirmiert, sie bestätigen ihr Taufe. Sie haben sich in den zurückliegenden Monaten mit Fragen nach Gott und ihrem Leben beschäftigt – manche von ihnen dürften freitags für Klimaschutz mitdemonstriert haben. Es geht um die Zukunft dieser Welt für die zukünftigen Generationen – mit Gott. Darum lohnt sich jede Mühe für den Klimaschutz.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

Überrascht war ich, wer diesen Satz gesagt hat. Das war kein Schriftsteller oder berühmter Kirchenvater, überhaupt niemand, der uns über Sprache bekannt ist. Leonardo da Vinci hat diesen Satz gesagt. Sein Todestag hat sich gerade am 2. Mai zum 500. Mal gejährt. Leonardo da Vinci - da denke ich an Bilder und Farben, an Stille im Museum - kaum an Worte. Und doch: diese fünf Worte haben es in sich: „Wer wenig denkt, irrt viel“. Ich denke über diese Worte von ihm nach - 500 Jahre später und in einer Zeit, in der es unendlich viele geschriebene Worte gibt und in der Kommunikation über neue Medien ganz anders läuft als es sich Leonardi da Vinci in seiner Zeit wohl jemals hätte vorstellen können. Eigentlich erwarte ich von einem Maler kaum gesprochenes Wort. Und doch - wenn ich darüber nachdenke - scheint mit dieser Satz sehr gut zu einem Maler zu passen. Ich stelle mir jedenfalls vor, dass ein Maler während der vielen Stunden, in denen die Idee für ein Kunstwerk entsteht, die ersten Studien erstellt werden und schließlich das eigentliche Bild entsteht, viel Zeit zum Denken hat. Und diese Gedanken teilt der Maler uns in seiner Sprache der Farben und Formen mit.

Sein berühmtestes Bild - von dem er sich übrigens zu Lebzeiten nie getrennt hat - ist die Mona Lisa, die auch heutzutage täglich von unzähligen Menschen angesehen wird. In besonderer Weise hat Leonardo da Vinci hier die Augen gemalt. Mir zeigt dieser Blick auch: erstmal werde ich gesehen und erstmal kann ich schauen - ganz still, ohne gleich ein Wort zu sagen. Natürlich sagt ein Blick manchmal mehr als tausend Worte. Aber ein Blick kann auch zunächst abwartend, geduldig sein, den anderen Menschen ankommen lassen bevor es ins Zwiegespräch geht. Ein Blick kann auch zeigen: ich schaue erstmal, ich denke erstmal - bevor ich rede. Erst Denken, dann reden. Das ist ein guter Ratschlag - gerade in unserer Zeit, in der follower ohne großes Nachdenken den Daumen heben und Twitternachrichten sich über die ganze Welt verbreiten, bevor der Wahrheitsgehalt geprüft worden ist.

„Wer wenig denkt, irrt viel.“ Der Satz enthält in seiner Schlichtheit eine große Lebensweisheit. Denken braucht Zeit. Denken braucht auch fundierte Information, gute Kenntnisse, Wissen, Hören, Lesen,  Ruhe, Raum. Denken kann auch gut gelingen, wenn ein Team sich austauscht, Argumente abwägt, von verschiedenen Seiten ein Problem betrachtet, um zu einer guten, konstruktiven Lösung zu gelangen. Erst hören, wahrnehmen, genau hinsehen und die Folgen abwägen, dann handeln. Erst denken, dann reden. Und viel denken, um wenig zu irren - was für eine gute Empfehlung über die Jahrhunderte hinweg!   

Der Gottesdienst am Sonntag bietet Zeit, Stille, einen besonderen Raum und Gottes Wort, um unser Denken immer wieder neu anzustoßen und auszurichten.

In diesem Sinne wünsche ich einen gesegneten Sonntag

Christa Hafermann, stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Pastorin in der ev.-luth. Kirchengemeinde Kolenfeld

Frau A. ist verbittert, fühlt sich zu kurz gekommen im Leben und pflegt ihre Vorurteile genauso wie ihre Gewohnheiten. Sie ahnt, dass etwas nicht rund läuft. Aber sie findet die Ausfahrt aus ihrer Verwirrung nicht. Die Menschen um sie herum haben sich im Laufe der Jahre einen Umgang mit ihr angewöhnt, der relativ pflegeleicht ist: Sie überhören ihre Nörgelei und versuchen sie auf die positiven Seiten ihres Lebens hin anzusprechen: „Dir geht es doch gut. Sei doch nicht so unzufrieden. Das wird schon wieder.“ Dann wird sie still – und an ihrer Unzufriedenheit, manchmal auch Verzweiflung, ändert sich nichts.

Eines Tages trifft Frau A. auf einer längeren Busreise auf eine ihr unbekannte Frau. Sie haben den Mut und erzählen sich voneinander. Die andere fragt, warum Frau A. unzufrieden ist. Und sie hinterfragt, wo das Gefühl bei ihr herkommt, zu kurz zu kommen. Die Unbekannte macht keine Beschwichtigungsversuche und sie sagt keine Floskeln. Frau A. hat den Eindruck, dass jemand sie versteht. Sie spürt, jemand hält sie aus mit ihren Schrulligkeiten – wenn auch nur für die Dauer einer gemeinsamen Busreise.

Wieder zu Hause angekommen, entdeckt Frau A. noch andere Seiten in sich, sie kann sich selber besser verstehen. Sie lässt die Begegnung in ihr nachklingen. Bisher hatte niemand aus ihrer Umgebung den Mut, mit ihr auf ihre Schattenseiten zu blicken. Jetzt kann sie einen Schritt weiter gehen. Sie wurde verstanden, ihr wurde zugehört. Ein neues Gefühl. Nun spürt sie, wie eng und eingesperrt sie in den letzten Jahren gelebt hat. Nur ein kleiner Baustein hat ihr zum Glück gefehlt: Dass ihr jemand unvoreingenommen begegnet, mit ihr das Dunkle aushält, ohne gleich Antworten oder gut gemeinte Sätze parat zu haben.

So gut hat sich die Begegnung angefühlt, dass Frau A. beschließt, diesen eingeschlagenen, neuen Weg weiter zu betrachten. Sie denkt darüber nach, wie gut es ihr täte, Gesprächspartner zu haben, die zuhören ohne zu werten. Wie in der kirchlichen Beratung, in der Hoffnung aufkeimen kann und sich der Mensch in seiner Ganzheit sehen und verändern kann.

Diakonin Gunhild Junker, Mitarbeiterin der Lebensberatung für Einzelne, Paare und Familien der Ev.-luth. Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf

Wir wissen wenig. Und wissen genau das nicht. Dass wir wenig wissen. Darum halten wir das wenige, das wir wissen, schon für das Ganze. Wir kennen das Leben. Wir kennen den Tod. Und wir meinen, damit schon alles zu kennen. Der Mensch denkt gern in Kategorien von Plus und Minus. Gut und Böse. Licht und Finsternis. So entstehen Meinungen. Etwa: Mag ich. Mag ich nicht. Daraus erwachsen schnell einfache Urteile. Eine zarte Ahnung aber umweht unser Herz. Gibt es noch etwas anderes? Tiefes Erkennen setzt ein, wenn wir eine dritte Dimension mit hineinnehmen. So wie die Elemente Wasser, Erde, Luft immer drei sind oder die Aggregatszustände Eis, Wasser, Dampf oder unsere Sinneseindrücke Sehen, Riechen, Schmecken. Immer drei! So ist es auch mit unserem Leben. Es gibt das irdische Leben. Es gibt den Tod. Und es gibt eine dritte Dimension. Wir nennen sie das ewige Leben. Der Tod steht also in der Mitte. Er ist nicht Schlusspunkt. Er ist Wendepunkt. Nach ihm kommt etwas, das es vorher nicht gab. Menschen mit Nah-Tod-Erfahrungen berichten von einem großen Licht, das sie sahen. Der christliche Glaube erzählt von einem Menschen, der als Gottes Sohn jenes ewige Leben sah und schmeckte. Sein Grab wurde nach seinem Tod mit einem Stein versiegelt. Dieses Siegel brach. Der Steine verschwand. Der Tote betrat den Weg, der zum Himmel führt. Hinüber ins ewige Leben. Wir nennen ihn Christus. Gottes Sohn. Der hat nicht gesagt: „Ich bin die Antwort“. Er hat gesagt: „Ich bin der Weg“. Christus geht uns voran. Und er nimmt uns mit. Er verströmt diesen Geschmack eines besseren, eines anderen Lebens. Ja, Christus erweitert unsere eingeschränkte Vision. Er hebt die verlorenen Fäden unserer Hingabe wieder auf. Lasst uns diese Welt ein kleines Stück schöner machen. Wer Geld hat, der gebe. Wer Liebe hat, der pflege. Wer Zeit hat, der teile. Wer klug ist, der rede. Schmeckt dieses bessere Leben. Und nehmt es in dieses irdische Leben schon mit hinein. So bricht ewiges Leben heute an. Stellt Euch in diesen frischen Morgen eines erwachenden, strahlenden, ewigen Lebens. Und bis zum Ende dieser Welt bleibt Christus bei uns. Bis der letzte auffahren wird zum Himmel. So wie er. Vor nunmehr schon 2000 Jahren.                 

Pastor Tilman Kingreen

„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.“ Als meine Tochter klein war, wollte sie abends immer dieses Lied hören. Und am schönsten war es, die Gardine zurückzuziehen um den Mond tatsächlich zu sehen---- mal als helle Sichel, mal rund und leuchtend.

Tatsächlich fasziniert das Phänomen Mond die Menschen schon seit vielen Jahrtausenden. Kein anderer Himmelskörper bekommt so viel Aufmerksamkeit, über keinen gibt es so viele Mythen. Mit Ehrfurcht und Bewunderung schauten Menschen schon immer zum Mond , und viele meinen– auch wenn es wissenschaftlich in keiner Weise bewiesen ist-, dass der Mond unseren Schlaf, unsere Gesundheit, das Pflanzenwachstum und vieles andere im Leben regelt.

Sicher ist: der Erdtrabant lädt zum Träumen ein und beflügelt die Phantasie. In Liedern wird er besungen, in Märchen und Gedichten kommt er vor--- und mit seinen immer wiederkehrenden Veränderungen wurde er schon in den alten Kulturen zum Zeitmesser.

„Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen“, heißt es in der Bibel in Psalm 104, einem Loblied für den Schöpfer des Himmels und der Erde. Der jüdische Kalender richtet sich bis heute nach den Mondphasen, und auch unser Kirchenjahr hat dadurch seinen Rhythmus bekommen.

Morgen am Sonntag feiern wir in den Kirchen Palmsonntag. Wir hören dann wieder, wie Jesus bei seinem triumphalen Einzug nach Jerusalem wie ein König begrüßt wird. Doch die Tage seines Leidens und Sterbens stehen bevor: Gründonnerstag, Karfreitag – ein Weg, der schließlich auf Ostern hinführt. Auch dass in diesem Jahr das Osterfest so spät liegt, hängt mit den Mondphasen zusammen.

Der Mond als Zeitmesser- vielleicht sollten wir einfach mal wieder in den Nachthimmel schauen und uns am Dasein des Mondes erfreuen. Im Judentum wird einmal im Monat ein Mondsegen gefeiert. Dabei ist völlig klar, dass nicht der Mond selbst verehrt wird, sondern der, der ihn geschaffen hat, wenn mit Psalm 108 gebetet wird: „Lobet im Himmel den Herrn, lobt ihn in der Höhe! Lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, alle leuchtende Sterne!“

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Jetzt mal ehrlich: Wie viele Schritte haben Sie gestern zurückgelegt?

Der Schrittzähler meiner Schwägerin fasziniert die Kinder. Sie meinen, wenn sie so was am Handgelenk hätten, würden sie zu Sportskanonen mutieren. Und die Schwägerin zeigt stolz, dass sie die 10000 schon um 17 Uhr erreicht hat. „Und das ganz nebenbei, ohne dass ich Extrazeit im Fitnessstudio verloren habe!“

Hm, denke ich, ist Sport verlorene Zeit? Ist ein Spaziergang, an dem ich die frische Luft genieße, herumtrödele und die Vögel singen höre, überholt? Der Trend zur Selbstoptimierung auch im Privaten ist seit einigen Jahren gleichbleibend stark. „Warum auch nicht?“ sagen Sie vielleicht. Viele Menschen fühlen sich einfach besser, wenn sie etwas für ihr Auftreten, ihre Figur, ihr Image tun. Aber wem bringt dieser Trend etwas ein? Der Schönheitsindustrie, Sportindustrie, Ratgeberindustrie. Auch das wäre ja nicht so schlimm, wenn sie mir nicht das Geld aus der Tasche ziehen würden, noch dazu mit dem fiesen Trick, mir einzureden, dass ich so, wie ich bin, nun wirklich nicht in Ordnung bin. Alles auf der rein äußerlichen Ebene.

Warum können wir nicht mal einem Optimierungstrend nachlaufen, der zum Ziel hat, weniger zu konsumieren, sparsam mit Autofahren und Heizen umzugehen oder aufs Fliegen zu verzichten? Wir könnten versuchen, die Größe unseres ökologischen Fußabdrucks zu verkleinern oder den Welterschöpfungstag vom 1.8. auf einen späteren Zeitpunkt zu setzen. Das wär doch mal was! Und als Pastorin kann ich nur sagen: Meine Seele braucht etwas ganz anderes, als nach Leistung oder Aussehen beurteilt zu werden. Sie braucht das Gefühl der Anerkennung ohne Bedingungen.

Ein bisschen reizt mich so ein Schrittzähler ja schon. Vielleicht probiere ich ihn einfach mal aus. Schließlich kommt er schon in der Bibel vor: „Zählt Gott nicht alle meine Schritte?“ Hiob (31,4) ist sich sicher, dass Gott ihn durchs Leben begleitet. Ja, das tut er. Aber ohne 10000 vor 17 Uhr zu erwarten!

Susanne von Stemm, Pastorin in Bokeloh

Nun will ich wieder raus und laufen- heute ganz bestimmt. Ich will am Nordsee-Lauf teilnehmen, der vom Dienst „Kirche im Tourismus“ mit organisiert wird. Ich freue mich schon auf die Andacht auf der Fähre nach Norderney oder am Strand vor dem Lauf. Aber heute fehlt meine Motivation. Das ist schlecht. So werde ich wieder eine Phase im Lauf erleben, in denen die Kräfte schwinden. Die Abschnitte, in denen ich kämpfen muss um den Anschluss zu halten. Bei jeder Strecke kommt der Durchhänger an einer anderen Stelle. Meistens dann, wenn man schon einiges hinter sich hat und das Ziel immer noch weit weg ist. Bei den 5000m ist es vielleicht der vierte Kilometer, in den ein Durchhänger fällt und ich weiß, jetzt entscheidet es sich, ob ich eine gute Zeit laufe. Es gehen einem Gedanken durch den Kopf: Kann ich dranbleiben? Soll ich zurückstecken? Und manchmal passiert es in dieser Phase der äußersten Belastung und Anstrengung, dass es besser läuft, dass es einfach rollt. Der Organismus passt sich an die starke Belastung an, er mobilisiert alle Kräfte, man denkt: das Training hat sich doch gelohnt.   Die Marathonläufer nennen dies einen zweiten Wind.

Mir fällt ein Satz aus der Bibel ein, den viele KonfirmandInnen auswählen: „Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie gehen und nicht müde werden.“ (Jesaja 40,31)

Im Leben sind Durststrecken normal. Da gibt es keinen, der nicht irgendwann einen Durchhänger hat. Bei niemandem läuft alles glatt. Da gibt es Schwierigkeiten in der Familie, Probleme mit dem Chef bei der Arbeit oder in der Schule. Oder es kommt härter: ich falle durch eine Prüfung oder bekomme einen Job nicht.

Beim Laufen hilft es mir, mich an jemanden dran zu hängen, der oder die einen durch die Durststrecken hindurchzieht.  Auch außerhalb der Lauftstrecke brauche ich einen, der mir beisteht. Einen, der auf der Durststrecke am Weg steht, mich anfeuert, einen Becher Wasser reicht und mir neue Kraft gibt, genau so kommt Gott zu uns und macht uns das Angebot seiner Begleitung.

Ziehen Sie nun gerne ihre Laufsachen an und nehmen den Gedanken mit auf den Weg.

Diakon Stefan Krüger

„Oh, guck mal, ein gelber Schmetterling an eurem Busch“ rief ein kleiner Nachbarjunge, der mich im Garten arbeiten sah. Barfuß am 14.Februar 2019! Erstaunt sah ich auf seine Füße „Ach, so kann ich doch die Erde richtig spüren, die ist schon voll mit Frühling. Am liebsten würde ich immer so laufen. Jetzt fliegt da ein weißer Schmetterling, ganz hoch, der will dem lieben Gott bestimmt Danke sagen, weil es schon so warm ist. Fröhlich lief er ihm nach. Bisher hatte ich dankbar bei meiner sonnigen Arbeit Schneeglöckchen, Winterlinge und den ersten Krokus betrachtet und mich an dem Natur-Erwachen gefreut. Doch jetzt schweiften meine Gedanken plötzlich ab, und ich erinnerte mich an den Barfuß-Mann, den ich in einer Reha-Zeit, auch im Februar, kennengelernt hatte. Ich besuchte dort einen Gottesdienst in der Auferstehungs-Kirche. Beim Eintreten fiel mir eine Frau mit dunklen Haaren auf, die ganz aufrecht in der Kirchenbank saß. Bald merkte ich, dass sie zum Inventar gehörte. (Erinnerung an die Ausstellung `Besondere Frauen` in der Stiftskirche) Nach dem Gottesdienst wollte ich sie einmal näher betrachten. Wie interessant müsste es sein, wenn diese Figur von allem um sie herum erzählen könnte! Ganz in Gedanken stand ich davor und hörte plötzlich „Begrüßen Sie gerade unsere treueste Gottesdienstbesucherin?“ Neben mir stand der Herr mit dem langen Wollmantel und den Barfüßen, der mir schon beim Reinkommen aufgefallen war.“Ja, sie gefällt mir, aber noch begeisterter bin ich von dem riesigen bunten Chorfenster hinter dem Altar.“ Er nickte und bestätigte, dass es ein wunderbares Kunstwerk sei. Für mich war das Betrachten in dieser Stunde ein Genuss. Wie eine Predigt wirkte es auf mich: In einer Mandorla der Auferstandene, darunter ein Engel, nach oben zeigend. Über ihm das Lamm, das die Sünde der Welt trägt, ringsum Maria mit Kind, die Kreuzigung und das offene Felsengrab, zusammengefügt aus unzählig vielen kleinen Glasteilen. Hier einen Ostergottesdienst erleben! Während ich mir das ausmalte, hatte ich wohl auf die nackten Füße gestarrt. „Nicht wundern, ich laufe das ganze Jahr über barfuß, genau wie unser Herr auf dem gläsernen Kunstwerk. So bin ich ihm und auch der Erde, seiner Schöpfung, näher und kann ihn spüren.“ An diesem Sonntag konnte ich IHN auch ganz besonders spüren, sogar mit Strümpfen und Schuhen. Viel Freude zum echten Frühlingsanfang!

Ursula Wiebe  Schloß Ricklingen

 

Mein Kind ist ausgezogen. Dadurch wurde es zuhause leiser, ruhiger und leerer.

Der Anlass war allerdings ein schöner. Es hat ein Studium in einem anderen Bundesland begonnen.

Am Anfang war jedoch nichts wirklich einfach. Weder für mein Kind, noch für mich. Das lag nicht an der Wahl eines MINT Faches, das bekanntermaßen nicht leicht ist, sondern am Heimweh meines Kindes.

In den ersten Wochen wurde ernsthaft der Wechsel zum heimatnahen Studium erwogen und diskutiert. Herzzerreißende Nachrichten trafen ein. Ganz allmählich wichen sie aber diversen Fotos der Studentenküche.

Inzwischen kommen nur noch zuversichtliche und positive Informationen. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte meine Ma. Auch sie war, ob der offensichtlichen Unzufriedenheit, unglücklich. Trotz des hohen Alters meiner Eltern, hatten sie den Plan, ihm die Ankunft in der schönen Wohnung in neuer Umgebung zu erleichtern. Dazu packten sie monatlich ein Care-Paket mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Von Nahrung wie Nudeln, Dauerwurst und Keksen über Lernmaterial zu Putz und Reinigungsmitteln. Anfang des Jahres lief die Unterstützung dann aus. Das hatte zwei Gründe: leider sind meine Eltern nicht mehr mobil genug, andererseits ist das erste Jahr vorbei.

Das Ende war dann aber noch ein High-Light. Meine Eltern entließen ihr Enkelkind mit einem kleinen Büchlein, in dem alle besonderen, gemeinsamen Erlebnisse dokumentiert wurden. In den Seiten mit ganz besonders schönen Erinnerungen lagen Geldscheine, damit sich mein Kind zukünftig selbst versorgen kann und mit Liebe an seine Großeltern denkt.

Ausgerechnet nach dem Erhalt des Päckchens mit Shampoo und Putzlappen erhielt ich von meinem Kind folgende WhatsApp Meldung: „Ich dachte immer, ich hab mir tolle Eltern ausgesucht. Wie es aussieht hast du dir noch tollere gewählt...“

Der Alten Krone sind Kindeskinder, und der Kinder Ehre sind ihre Väter. Sprüche (17:6)

Gunner Linde-Göers, Stiftsgemeinde

Wir leben in einer Gesellschaft, die häufig die Freude verlernt hat. Wir gehen besorgt durch unsere Tage, mit Angst um die Gesundheit, die Arbeitsstelle, den Weltfrieden oder die Umwelt. Und alle Sorgen sind berechtigt. Und gleichzeitig leben viele Menschen in dem immerwährenden gleichen Trott, was Arbeitszeit und -ort, Fernsehgewohnheiten und Tagesabläufe anbelangt. Das schafft Sicherheit, führt zu wenig Überraschungen und ist herrlich komfortabel. Aber ist das alles?

Die „Magie“ des Lebens findet dabei nicht statt. Nicht in der Sorge und auch nicht im üblichen Ablauf. Die „Magie“, also bezaubernde Momente, die uns staunen lassen und die uns Impulse geben, ist da, wo wir überrascht werden. Da sind Sorgen für eine Zeit lang vergessen, da wird ein bisheriges Weltbild infrage gestellt.

Es sind diese Momente, die nicht geplant sind, aber ein Lächeln ins Gesicht oder zumindest Glückshormone in den Körper zaubern, die uns überall passieren können: In den Bürohäusern dieser Welt, bei der Straßenmusik in der Innenstadt, am Steinhuder Meer oder auch in unseren Kirchengemeinden. Nur an einem Ort nicht: Zu Hause, wenn man dort allein ist. Da passiert nichts.

Ich bin immer wieder überrascht, wo und wann ein besonderer Moment auf mich wartet und das Großartige daran ist: man zehrt lange davon, erzählt die Erlebnisse und erinnert sich gerne.

Die aktuelle Fastenzeit, die am vergangenen Mittwoch begann, steht wie jedes Jahr unter dem Motto „7 Wochen ohne“. Bewusst Verzicht üben, um bewusst zu erleben. Manche verzichten auf Fleisch, auf Schokolade, auf Alkohol, auf Fernsehen, auf alles Mögliche. Die „7 Wochen ohne“ können uns aber auch verleiten zu „7 Wochen mit“ – 7 Wochen mit offenen Augen, mit neuen, ungewohnten Erlebnissen und mit der Begegnung mit bisher unbekannten Menschen. Fastenzeit als Bewusstseinserweiterung, das ist urchristlich. Nicht umsonst heißt es in einem bekannten Kirchenlied: Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen

Ich bin Militärseelsorgerin auf dem Fliegerhorst. Wer schonmal beim Bund war, weiß: Zum Leben in der Bundeswehr gehören Sprüche, z.B., „Wer lacht, hat noch Reserven“, oder „Macht nichts, wenn’s schnell geht“. Ein Spruch, der mir sofort eingeleuchtet hat, ist: „Melden macht frei (und belastet den Vorgesetzten)“. Hier verdichtet sich eine alte Erfahrung: Man kann Probleme, Mißstände etc. an die nächsthöhere Hierarchie-Ebene melden, und damit hat man sie erst einmal vom Tisch, jedenfalls vom eigenen. Der Vorgesetzte darf sich dann damit herumschlagen. Ob das Problem dadurch tatsächlich gelöst wird, ist zwar nicht sicher, aber für einen selbst gilt: Melden macht frei.

Als ich diesen Spruch das erste Mal hörte, habe ich ihn auch auf mich beziehen können, allerdings mit einer etwas anderen Bedeutung. In meiner Arbeit komme ich mit vielen Problemen in Berührung. Bei manchen kann ich helfen, kann z.B. in Konflikten vermitteln, kann auch mal ein Mißverständnis aufklären oder mich bei einem Vorgesetzten für jemanden einsetzen. Aber wenn Angehörige schwer erkranken oder plötzlich sterben, wenn ein Soldat einen Unfall hat und lange ausfallen wird oder wenn die Beziehung zerbricht, dann kann ich für den Soldaten oder die Soldatin da sein, kann zuhören und vielleicht einen weiteren Ansprechpartner vermitteln, aber an der schwierigen Lage selbst ändert sich nichts.

Eines geht allerdings immer: Beten. Das Problem, den Schmerz, die Traurigkeit, die scheinbar aussichtslose Lage an Gott weiter „melden“ und ihn um Hilfe bitten. Das Problem damit meist noch nicht gelöst, jedenfalls nicht sofort – obwohl ich da auch schon erstaunliche Sachen erlebt habe. Aber es gibt so etwas wie einen innerlichen „Melden macht frei“-Effekt. Keiner von uns muss die Lasten allein tragen. Wenn wir für andere beten, bitten wir Gott hinein in die Situation, Gott mit seiner Liebe und seiner Macht und seinem Licht. Und dann wissen wir zumindest eines: Wir sind mit dem Problem nicht mehr allein.

Pastorin Alexandra Dierks

„Wenn man so will, bist du das Ziel einer langen Reise. Die Perfektion der besten Art und Weise, in stillen Momenten leise, die Schaumkrone der Woge der Begeisterung, bergauf, mein Antrieb und Schwung.“

Mit diesem Lied „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller haben wir die Andacht für den 5. Jahrgang in der ersten Februarwoche begonnen.

Am 30. Januar hatte es Zeugnisse – bei uns an der Ev. IGS Lernentwicklungsberichte – gegeben. Das ist für die Schülerinnen und Schüler immer ein aufregender Moment: Eine offizielle Beurteilung, in der steht, wie ich mich im letzten halben Jahr geschlagen habe. Eine Beurteilung der Leistungen. Schwarz auf weiß.

Eine Beurteilung – und gleichzeitig auch eine Anerkennung für das, was geleistet wurde. Hoffentlich haben alle Kinder und Jugendlichen in ihren Zeugnissen auch Lob gefunden. Und Hinweise darauf, was sie besonders gut gemacht habt.

Lob ist wichtig. Jeder Mensch braucht lebenslang und regelmäßig die Bestätigung von anderen: „Das hast du gut gemacht!“, „Das kannst du so toll!“, „Danke für deine Hilfe!“ Und seien es noch so selbstverständliche Kleinigkeiten: Wir können einander gar nicht oft genug positive Rückmeldung geben. 

Wurden Sie heute schon gelobt?

Das, was jeder Mensch kann und wie er oder sie ist, das ist einmalig und kann kein anderer. Jede und jeder hat eigene Stärken – jede und jeder bringt etwas Eigenes für sein Umfeld mit – in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, in der Gesellschaft.

Haben Sie heute schon jemanden gelobt?

Indem wir uns gegenseitig Komplimente machen und anerkennen, dass der andere etwas besser kann als ich selbst, indem wir das machen, geben wir Segen weiter. Und machen den Segen spürbar. Oder, wie Paulus schreibt: „Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise.“ (Rö 12,12 GN)

Am Ende der Andacht habe ich den 5.klässlern Komplimente mitgegeben – ausgedruckt auf bunte Zettel. Da stand zum Beispiel:

Du kannst gut zuhören! Du bist ein guter Freund! Du hast Humor! Oder: Du bist mir schon mal eine Hilfe gewesen – danke!

Die Schülerinnen und Schüler haben diese Komplimente bekommen – aber nicht für sich selbst. Sondern zum Weiterverschenken. Sie waren aufgefordert, das Kompliment dann hier an der Schule an jemanden zu übergeben. Oder aber mit nach Hause zu nehmen, um dort jemandem etwas Schönes zu sagen.

Segen geben tut gut – dem Nächsten – und mir selbst.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf

Liebe Leserinnen und Leser,

von Jesus wird dieser Satz überliefert: „Eure Rede sei Ja ja, nein, nein; was darüber ist, ist vom Bösen.“  Diese Aussage steht in der Bergpredigt, Matthäus Kapitel 5,  Vers 37. Im ersten Moment klingt dieser Satz selbstverständlich: wie soll es denn auch sonst gehen? Bis vor Kurzem erschien mir dieser Bibelvers so. Verständlich, aber nicht unbedingt wichtig.

In den Medien und in Gesprächen habe ich in den letzten Jahren häufiger von „es soll sein“, „vermutlich“ oder ähnliche Worte gehört, obwohl in der Angelegenheit, um die es ging, beweisbare Fakten vorlagen. Soll in einem solchen Fall die Wirklichkeit verschleiert werden? Oder wird eine unklare Ausdrucksweise gewählt, um sich nicht festzulegen?

Eine solche unklare Ausdrucksweise findet sich auch in Zeitungen, besonders in sozialen Medien. Was steckt dahinter? „Fake-News“, also Falsch-Nachrichten? Oder wird nur das als Wahrheit, als Fakt angesehen, was dem einzelnen Menschen nützt?

Manche mögen einwenden, dass man in manchen Fällen sogar von „sollen“ sprechen muss, wenn es  um Tatvorwürfe gegen Beschuldigte geht, das Gericht die Schuld aber noch nicht festgestellt hat. Das ist hier nicht gemeint.

Es geht um Redeweisen im Alltag. Warum scheint es leichter zu sein, eine Tatsache mit einem „sollen“ zu bezweifeln oder zu verschleiern als sich festzulegen? Ist das ein Ausdruck von Unsicherheit? Oder von Vorsicht, keinen eigenen Standpunkt zu nennen, der angreifbar machen könnte?

Auf unklare Aussagen kann sich letzten Endes niemand verlassen. Darum ist es besser, möglichst wenig – und wenn wirklich überlegt – mit „sollen“ zu beschreiben statt als Fakten zu benennen.

So treffen uns die Worte Jesu. Er erwartete damals eine eindeutige Rede, eine klare Aussage und kein Verstecken. Klar Worte können zum Leben helfen.

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Game of Thrones in der Bibel: David war auf der Flucht vor Saul. Saul war König, aber sein General David war zehnmal so erfolgreich in der Schlacht. Saul schlug tausend, aber David zehntausend, so sangen es die Fans.

Und David floh vor Saul und kam zu König Abimelech. Auf der Flucht vor Saul kommt David zu einem anderen König. Aber der Gesang ist schon vor ihm da.

Die Großen des Abimelech wittern eine Bedrohung für den Thron.

Und was tut David? Er stellt sich dumm. Er stellt sich sogar wahnsinnig. Er tobt. Er rennt gegen den Türrahmen. Er sabbert in seinen Bart.

Als das der König sieht, herrscht er seine Großen an: Ihr seht doch, dass der Mann wahnsinnig ist. Warum habt ihr ihn zu mir gebracht?

Und dann fügt er hinzu, und das ist mein Lieblingssatz der Geschichte: Habe ich denn zu wenig Wahnsinnige, dass ihr mir diesen bringt?

David wäre also in guter Gesellschaft. An Wahnsinnigen mangelt es nicht bei Hofe. Aber er ist nicht willkommen. Und so macht er sich wieder auf den Weg.

Und bei einer Rast setzt er sich hin und schreibt ein Lied. Und darin heißt es: Suche Frieden, und jage ihm nach. (Die Bibel, Psalm 34, Vers 1 und 15) Dieser Satz ist für viele Menschen das Motto für das Jahr 2019, die sogenannte Jahreslosung.

Verrückt. Da hat David doch gerade noch selber gelogen und getrickst, hat Städte erobert und Völker ausradiert und nun schreibt er einen Friedenstext. Ist er tatsächlich wahnsinnig geworden?

Ich glaube: Frieden ist gar nicht anders möglich als mit einer gewissen Portion Wahnsinn. Der Clown in mir ist viel friedvoller als der Vernunftmensch.

Morgen erinnern wir uns an den Wahnsinn des Naziregimes, insbesondere an die Ermordeten der Konzentrationslager. Für manche Menschen ist das nur ein Vogelschiss auf der Deutschen Geschichte. Dieser Art Wahnsinn kann man nicht mit Vernunft begegnen. Vielleicht aber mag es helfen, wenn wir auch verrückt werden. 2019 könnte das Jahr werden, in dem wir den Clown in uns entdecken. So fangen wir den Frieden.

Andreas Behr, Pastor und Dozent für Konfi-Arbeit am Religionspädagogischen Institut Loccum

Liebe Leserin, lieber Leser,

alle Jahre wieder: Im Januar platzt das Fitness-Studio aus allen Nähten. Der Parkplatz voll, Geräte und Kurse gut ausgelastet – die guten Vorsätze zeigen Auswirkungen! Denn für eine bessere Haltung oder ein reduziertes Körpergewicht sind viele Maßnahmen nötig: Weniger essen, schweißtreibende Aktivitäten. Aber um des Zieles willen nehmen wir das auf uns – wenigstens bis März. Dann kehrt der alte Trott zurück. Hängt es also am Ziel, was ich bereit bin, mittel- und langfristig zu investieren?

Was ist das Ziel Ihres Lebens? Mit fortschreitendem Alter merke ich, dass die Ziele übersichtlicher werden. Was ich bis jetzt beruflich nicht erreicht habe, werde ich nicht mehr erreichen. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass auch bei mir Gesundheit ein vergängliches Gut ist. Und bei nüchterner Betrachtung stelle ich fest, dass deutlich mehr Leben hinter als vor mir liegt. Was ist das Ziel meines Lebens?

Die Offenbarung des Johannes stellt uns ein faszinierendes Bild vor Augen: Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Das sind gute Aussichten. Die Verheißung eines Lebens, in dem all das, was Leben und Glauben oft schwer macht, keinen Platz mehr hat. Zu einem solchen Leben lädt uns Christus ein. Wer ihm vertraut und so lebt, wie er es uns vor Augen gemalt hat, der soll Platz haben in dieser neuen Welt.

Ein guter Freund von mir hat sich für dieses Jahr vorgenommen, jeden Tag in der Bibel zu lesen. Er ist nicht auffallend fromm, aber am Glauben interessiert. „Ich lese jeden Tag etwas fett Gedrucktes – und dann nehme ich mir fünf Minuten Zeit um darüber nachzudenken und mich zu fragen, ob das etwas mit meinem Leben zu tun hat und zu welchen Handlungen es mich antreibt.“ Der Einsatz ist übersichtlich: Ein paar Minuten jeden Tag. Und die Ausdauer sollte mindestens genauso gut sein wie bei der Pflege unserer irdischen Hülle. Das Ziel – das sollte überzeugen. Das Leben!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Wege im neuen Jahr – behalten Sie Ihr Ziel im Auge!

Ihr

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen

Am Anfang eines neuen Jahres ticken die Uhren scheinbar anders. Irgendwie ein bisschen langsamer. Zumindest für mich. Es ist ein Innehalten.

Ich hatte das große Glück Urlaub zu haben. Das tat gut. Das sind die viel zu seltenen Momente, wo die Zeit stillzustehen scheint. Da denke ich gerne an das vergangene Jahr zurück.

Zugleich denke ich aber auch an das beginnende Jahr. Womit wird sich die Zeit füllen, die sich vor mir auftut? Womit lohnt es sich, den Kalender zu füllen? Pläne gibt es viele. Die Urlaubstage für dieses Jahr sind mit meinem Chef und den Kollegen bereits abgestimmt. Und wichtige Geburtstage und Ereignisse stehen ohnehin schon darin. Bei Jahresbeginn nehme ich mir die Zeit abzuwägen, wofür ich meine Zeit im neuen Jahr hergebe und wofür besser nicht. Später im Jahr nehme ich mir seltsamerweise kaum die Zeit für solche Gedanken, sondern mache einfach. Dann läuft mir die Zeit oft etwas davon.

Der Jahresanfang ist so etwas wie eine Sitzbank auf einem Weg. Einen kleinen Moment Pause, dann geht es mit neuer Kraft weiter. Mit viel Kraft aus dem Weihnachtsfest, was noch gar nicht allzu lang hinter mir liegt. Da habe ich es wieder gehört, ich darf die Gewissheit haben, dass Gott ganz nahe ist. Er will mich mitten im Trubel des Alltags immer wieder merken lassen, dass er da ist. Er ist es, der mir immer wieder Grund zur echten Freude und Gelassenheit geben will.

Mir fallen dazu Worte aus einem Gedicht von Wolfgang Poeplau ein. Gelesen habe ich es im letzten Adventskalender „Andere Zeiten“:

„Alles ist gut -

wenn das Notwendige getan

und das Überflüssige verworfen,

wenn das Zuviel verschenkt

und das Zuwenig verschmerzt ist,

wenn alle Irrtümer aufgebraucht sind,

kann das Fest des Lebens beginnen.“

Das ist wohl wahr. Wenn ich in meinem Kopf und in meiner Seele quasi aufgeräumt habe, dann bin ich bereit für das, was mir das neue Jahr bringen mag. Möge das Fest 2019 beginnen.

Karin Puy,  Lektorin in der Kirchengemeinde Luthe

 

Friede ist etwas Schönes. Und noch mehr als das: Friede und die damit verbundene Unversehrtheit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Jeder Mensch wünscht sich Frieden – in jeder Größenordnung: Ob zwischen Völkern, Religionen oder auch zwischen Nachbarn und in den Familien. Und auch, wenn wir uns den Frieden herbeisehnen, ist er doch in unserer Realität nicht immer, was unser Ego verlangt. Denn der Friede zwischen mehreren Parteien basiert auf einem Kompromiss und das erfordert Zugeständnisse. Während es beim Konsens um Übereinstimmung geht, gibt beim Kompromiss jeder etwas auf. Und so muss beim Frieden jeder etwas aufgeben. Sind wir immer dazu bereit?

Wir können immer wieder merken, wie der künstliche Friede uns unglücklich macht – zu Weihnachten zum Beispiel. Ein Freund berichtete mir, wie furchtbar der zweite Weihnachtsfeiertag war mit einem enormen Streit mit einem schizophrenen Schwager. Da gibt es das Bedürfnis, zu Weihnachten „gemütlich zu sein“ und es gibt keinen Frieden. Ist das schlimm?

Die Jahreslosung, die uns durch das Jahr 2019 begleiten soll, steht im Psalm 34 und lautet „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Zuerst dachte ich, dass das ein toller Begleiter ist. Aber dann kam die Frage: Will ich den Friede jagen, so wie ich den Begriff jagen verstehe? Was passiert, wenn ich ihn gejagt habe? Wer auf die Jagd geht, erlegt meistens auch. Und das hat mit Frieden so gar nichts zu tun.

Suche den Frieden – das mache ich sehr gerne. Aber um jeden Preis? Ist es nicht manchmal besser, auch Konflikte auszutragen, das, was der Volksmund das „reinigende Gewitter“ nennt? Man kann streiten: enthusiastisch und emotional. Und sich vertragen, weil ich meine(n) Gegenüber wertschätze. So kann ein Streit zum Friedensuchen beitragen, wie auch unser Bundespräsident in der Weihnachtsansprache sagte: „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht ihrer Meinung sind.“ Das weitet den Horizont und schafft Verständnis; das Verständnis führt zu Frieden. Ohne Jagd, sondern ganz unaufgeregt und gut für die Seele. Ein menschliches Grundbedürfnis.

Prädikant Jörg Mecke, Idensen