Andachten 2018

Andachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2018

Wissen sie schon, was sie sich schenken? Zu Weihnachten? Seit zwei Wochen schon hängen sie bei uns in der Küche am Pinnbrett: Die Wunschzettel. Von jedem Kind einen. So bunt und so voll, dass der Schlitten des Weihnachtsmanns ganz sicher überladen zusammenbrechen wird. Nun habe ich meinen dazu gehängt. Ich bin gespannt…

Mir gefällt das, wenn ich wünschen darf. Es beflügelt meine Fantasie, macht mich erwartungsfroh. Und es erinnert mich daran, dass da noch etwas Größeres ist als das, was mein Leben jetzt ausmacht. Und doch gibt es offenbar Wünsche, die über das Ziel hinausschießen.

In dem Märchen „Von dem Fischer un synner Fru“ erzählen uns die Brüder Grimm davon. Während der arme Fischer wunschlos glücklich ist mit seiner Hütte, hat seine Frau, die Ilsebill, jede Menge Wünsche – ohne Ende! Ein schönes Haus reicht nicht. Ein Schloss muss her. Einmal auf den Geschmack gekommen, wünscht sie immer weiter: König, Kaiser, Papst. Zum Schluss will sie sogar sein wie Gott. Damit ist der Bogen überspannt – und sie landet wieder in ihrer kleinen Hütte am See.

Also lieber bescheiden bleiben und nichts auf den Wunschzettel schreiben? Dietrich Bonhoeffer sagt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Das ist gut zu wissen, wenn es anders kommt, als wir uns das gewünscht haben – auch in unserem Leben. Und es öffnet das Herz für das eine, große Geschenk zu Weihnachten: Das Kind in der Krippe! Die Geburt des Christkindes war das allererste Weihnachtsgeschenk der Welt. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“ – so beschreibt es der Apostel Paulus (Gal 4,4). Weihnachten als Lösegeld für die Vielen, die Jesus als ihren Retter annehmen. Und die offen sind für den Reichtum von so ganz anderer Qualität als alles, was es in dieser Welt an wünschen können.

Pastor Volker Milkowski, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

…sehet die zweite Kerze brennt. Gerne möchte ich in diesen Tagen die Zeit anhalten. Wirklich zur Ruhe kommen und abschalten. An vielen Stellen meines Lebens ist es längst Weihnachten: Süßigkeiten überall, jedes Produkt in den Läden ist „das ideale Geschenk. „Stille Nacht“ in Dauerschleife.

Jahr für Jahr nehme ich mir vor, die Adventszeit als Vorbereitungszeit zu nutzen. Wie die Passionszeit vor Ostern sind die Wochen vor Weihnachten ursprünglich eine Fastenzeit. Allenfalls an den lila Altarbehängen in den Kirchen kann man das noch erahnen. Sonst hat sich auch in dieser Zeit die Ungeduld durchgesetzt. Vorgezogene „Weihnachtsfeiern“ in Firmen, Kindergärten und Schulen. Keine Begegnung ohne den „süßen Teller“.

Welch einen Schatz bietet da unsere Tradition: Vier Wochen bewusste Zurückhaltung, damit am Ende das Fest besonders hervorstechen kann. Adventsnachmittage mit Plätzchen backen, die anschließend sorgfältig verschlossen werden. Der Duft als Vorgeschmack auf das Kommende. Stille Abende am Schreibtisch, an denen Briefe voller Liebe und Hingabe geschrieben werden - persönliche Zuwendung statt Konsum oder dem Hin- und Herschieben von Geldscheinen.

Je ungeduldiger ich die Gestaltung der Weihnachtsfeier in den Alltag nach vorne ziehe, desto weniger kann ich mich am Ende über das Fest freuen. Alles Besondere liegt ja dann schon hinter mir. Das eigentliche Fest wird zu einer Wiederholung, das die Erwartungen nur enttäuschen kann. Der Advent dient der Vorbereitung. Ein schönes Zeichen sind da die verschiedenen „Lebendigen Adventskalender“, die Menschen in die Begegnung führen. Kleine kurze Auszeiten. Gespräche und gemeinsames Hören auf das Besondere dieser Tage. Jesus spricht: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21, 28)

Termine in Wunstorf: https://kirche-neustadt-wunstorf.de/?q=adventskalender

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Wann sind wir endlich da? Sicher kennen viele diese Frage von kleinen Kindern. Sie möchten gerne schneller ankommen, weil sie sich auf den Besuch bei der Oma oder auf die Kusine, die sie bei der Geburtstagsfeier treffen, freuen.

Wann sind wir endlich da? Ich kann mir auch vorstellen, dass sich Maria und Josef diese Frage gestellt haben als sie wegen der Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem gehen mussten – zumal es damals vor 2000 Jahren noch nicht unsere heutigen schnellen  Verkehrsmittel gab.

Im Familiengottesdienst bei uns in Kolenfeld darf die Handpuppe Pelle am 1. Advent die Krippe auspacken. Der Stall, die leere Futterkrippe, auch die Schafe und die Hirten – die sind alle schon da. Maria und Josef aber muss er erstmal auf den Weg schicken. Sie brauchen ja Zeit für den Weg bis sie in Bethlehem ankommen. Wann sind sie endlich da? Für die Krippenfiguren, die unsere Handpuppe auf den Weg schickt, ist das natürlich klar: am 24. Dezember, wenn wir Weihnachten feiern, dann sind auch Maria und Josef da – in Bethlehem,  an dem Ort, wo ihr Sohn geboren werden sollte. Und Heiligabend sind dann auch viele Menschen da – in unseren Kirchen, sehen die Krippenfiguren und hören die Worte: es begab sich aber zu der Zeit…

Wann sind wir endlich da? Diese Frage finde ich auch für uns lohnend in diesen Adventswochen, in denen wir uns auf die Ankunft von Jesus vorbereiten. Und welche Vorbereitungen helfen uns, dass wir wirklich bei Gott ankommen? Drei Wochen haben wir in diesem Jahr Zeit, um uns auch innerlich auf den Weg zur Krippe zu machen. Es gibt viele Möglichkeiten für eine gute Ankunft: Musik und Konzerte, Gottesdienste und Weihnachtsfeiern, Begegnungen beim lebendigen Adventskalender oder ein Kalender mit Texten zum Nachdenken. Für mich ist es in diesem Jahr auch unsere  Krippenausstellung, die wir in Kolenfeld vorbereitet haben: dieser Blick auf einen selbstgebauten Stall, auf Maria und Josef, die sich in ungewissen Zeiten ganz auf Gott verlassen haben, auf die Hirten, die völlig unerwartet bei ihrer Arbeit Besuch von Gottes Engel bekamen, auf die Weisen aus dem Morgenlande, die in diesem Kind den neuen König für diese Welt erkannt haben. Sie alle sind da – bei Gott angekommen. Und in Gedanken stelle ich mich gerne dazu und freue mich darüber, dass Gott so nah und menschlich in diesem Kind für mich, für alle da ist. 

Gott ist da. Seit dem ersten Weihnachtsfest ist er immer für uns da. Er wartet auf uns und fragt uns: wann seid ihr endlich da?

Mit den besten Wünschen für eine gute Ankunft –

Ihre/Eure Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld. 

Ein kräftiger Windstoß weht den Kragen hoch, mein Blick geht zum Horizont: die Nordsee in der Ferne. Ich stehe in Harlesiel an der ostfriesischen Küste.

Ein denkwürdiger Ort: „Brücke der Hoffnung“ genannt. Auf Holztafeln viele hundert Metallplaketten mit Namen und Positionsangaben. Erinnerungen an Menschen, die auf See bestattet sind. Ein Reeder hat diesen Erinnerungsort am Hafen in Harlesiel anlegen lassen. Obwohl es diese Einrichtung erst seit einigen Jahren gibt, sind schon etliche hundert Namensplaketten angebracht worden. Ein Ort der Erinnerung an einen geliebten Menschen, einen Moment verweilen, vielleicht ein Gebet sprechen - und die Schiffsglocke läuten.

Es ist jedes Jahr ähnlich: mit dem November werden wir an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert, und damit an den Abschied von geliebten Menschen.

Dabei gehen die Empfindungen und Gedanken in gegensätzliche Richtungen: wo soziale Beziehungen nur schwach ausgeprägt sind, spielen die Namen der Verstorbenen und deren Bestattungsort eher eine geringe Rolle. Andere suchen noch Jahrzehnte nach dem letzten Krieg Spuren ihres Angehörigen in fernen Ländern.

So verstehe ich auch den Wunsch, eine Erinnerungsstätte an Menschen zu haben, die auf See bestattet worden sind. Dort gibt es schließlich – anders als auf einem herkömmlichen Friedhof – keinen Ort, der betreten werden kann.

Hier zeigt sich, wie wichtig der Name ist. Der Name steht für unser Leben, für unsere Identität.

Darum können wir aufmerken, wenn Hoffnung auf Auferstehung im Neuen Testament so  beschrieben wird: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lukas 10,20)

Diese Zusage hat Jesus seinen Freunden gegeben. Im letzten Buch der Bibel wird dieser Gedanke mit dem Bild vom Buch des Lebens ergänzt. In diesem Buch stehen die Namen. Ein tröstlicher Gedanke in diesen Tagen des Gedenkens an die Verstorbenen. Unser Name ist bei Gott wichtig. Bei ihm gibt es keine Zahlen-Codes, sondern unser Name ist ihm wichtig. Er behält ihn in Erinnerung  über dieses Leben hinaus. Das ist christliche Hoffnung auf das Leben bei Gott in seiner Dimension.

Ich wünsche Ihnen Kraft aus dieser Hoffnung

Ihr Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Wer nach langer Zeit wie­der einmal in die Stadt kommt, in der er früher viele Jahre gelebt hat, mag sich fühlen als würde er wieder nach Hause kommen. Man geht durch die Straßen, spaziert durch die alten Gässchen. Hält einen Moment inne an der Stadtkirche, schlendert weiter durch die Fußgängerzone,  kommt vielleicht am alten Wohnhaus vorbei – und auf einmal ist alles wieder da. Die Ge­fühle, die Gerüche, die Stimmungen aus der vergangenen Zeit. Heimat – d.h. nach Hause kommen.

Gott als Begleiter auch in neuen Lebensräumen, dafür wirbt Paulus im 2. Korintherbrief im 5. Kapitel: „Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird, dass wir aber einen Bau haben, von Gott erbaut, der ewig bleibt“.  –  Wir sind Vorübergehende. Wir sind Weiterziehende, das bringt die Übersetzung Lu­thers hier zum Ausdruck. Im Süden Brasiliens sind wir zurzeit als Reisende und Botschafter des evangelischen Kirchenkreises Neustadt- Wunstorf unterwegs. Dort begegnen wir Paulo.  Im Hunsrücker Platt erzählt der 85 jährige von „Dei(u)tschland“, das er nur aus Erzählungen seiner Eltern und Großeltern kennt. Er freut sich über echte Gäste aus Deutschland. Heimat findet Paulo in seinem Glauben, da ist Trost und Geborgenheit.

„Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird“, weil Veränderungen sich nicht aufhalten lassen. Ein Rückweg in eine vermeintlich bessere Vergangenheit, in eine verlorene Hei­mat ist nicht möglich. Vielmehr führt ein Weg nach vorn, in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Ort – an dem Gottes Geist zu Hause ist und zum Bleiben in eine geistige Heimat einlädt. Die meisten Menschen verlassen ihre Heimat nicht freiwillig. Sie sind auf der Suche nach einem Ort, der zu einem Zuhause werden kann.

Morgen ist Volkstrauertag. Ein Tag der kollektive Trauer für die Opfer von Terror, Gewalt, Krieg  und Vertreibung als Folge der Weltkriege bis heute. Ein stiller Gedenktag – und ein Tag der besonderer  Aufmerksamkeit für die Heimatlosen und Heimatsuchenden.

Pastorin Dagmar Brusermann, theologischer Vorstand der Diakonischen Altenhilfe in Wunstorf

Der 9. November ist es ein geschichtsträchtiges Datum. Es steht für den 9. November 1918, als vor 100 Jahren Philipp Scheidemann die Republik ausrief und für den Berliner Mauerfall vor 29 Jahren. In diesem Jahr jährt sich aber auch zum 80. Mal die Reichspogromnacht: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Tausende Juden geschlagen, verhaftet oder sogar ermordet. Jüdische Geschäfte wurden zerstört und fast in jeder Stadt brannten die Synagogen. Der grausame Weg zum Holocaust war hiermit vorgezeichnet. An diese Ereignisse erinnert der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf mit einer Reihe von Veranstaltungen. Dazu gehört auch die Plakataktion „Farbe bekennen“. Schüler, Konfirmanden oder Jugendliche haben dazu Entwürfe erstellt. Eine Jury hat zehn Entwürfe ausgewählt. Inzwischen sind sie auf 17 Plakatwänden in Neustadt und Wunstorf zu sehen. Eins davon ist das Plakat „Meine Nationalität?- Mensch!“ Dieser Entwurf stammt von Svenja Wöhler und Laura Henke aus Bordenau. Sie wollen mit ihrem Plakat deutlich machen, dass das Entscheidende menschlicher Identität das Menschsein ist. Sie macht die Würde eines jeden Menschen aus. Sie macht das Leben jeden Menschen wertvoll und einzigartig.

Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben uns dies nach der Katastrophe des dritten Reiches ins Stammbuch geschrieben. Grenzen und Andersartigkeit haben für die Menschenwürde keine Bedeutung: Egal welche Religion und Bräuche Menschen haben oder welche Sprache sie sprechen, die Würde jedes Menschen sollte geachtet werden. Auf dem Plakat haben die vielen verschiedenen Figuren alle andere Hautfarben und bunte Kleidung an, aber gleichzeitig fast alle die gleiche Silhouette.  Damit wollen die beiden Bordenauerinnen zum Ausdruck bringen, dass alle friedvoll miteinander umgehen und leben können bzw. sollten!

Auch 80 Jahre nach der Reichsprogramnacht ist es wichtig an die Ereignisse zu erinnern, damit sich solche Geschehnisse nicht wiederholen. Vor Kurzem erschütterte uns der Anschlag auf die jüdische Synagoge im amerikanischen Pittsburgh, bei der elf Menschen starben. Solche Taten rufen uns dazu auf, Farbe zu bekennen. Gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung aufzustehen. Das können wir mit einer Plakataktion machen oder indem wir im Alltag für Menschen einstehen, die diskriminiert werden.

Michael Hagen

Es kommt immer sehr plötzlich. Eigentlich alles, was wichtig ist: Geburtstage von Freunden und Familienangehörigen, Silvester, Weihnachten, der Advent; aber auch das Ende des Kirchenjahres. Im Jahreskreis der Kirche kommt eigentlich nichts plötzlich oder gar unerwartet. Alles bewegt sich auf etwas hin. Lediglich der eigene Schwerpunkt der Ausrichtung kann sich verschieben: Was ist mir am Wichtigsten in meinem Glauben? Auferstehungshoffnung, Vergewisserung, immer neu beginnen zu können?

Im letzten Monat des Kirchenjahres geht alles auf das Ende zu; hin auf die Fragen von Angst, Hoffnung, Tod, Sterben, Trauer, Gestaltung des Lebens und Zusammenlebens.

Gott – Menschen, Menschen – Menschen, Staat – Gesellschaft – Mensch.

Das ist das Thema für die 4.-letzte Woche im Kirchenjahr: Gestaltung von Gesellschaft, Macht, Verantwortung. Wie leben wir so zusammen, dass das gelingt, was den Menschen zum Guten dient? Wie kann ein gerechtes und friedliches Miteinander gelingen? Wie gibt es einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen von Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen, Ansprüchen und Interessen. Wer schaut darauf, dass niemand zu kurz kommt und alle in ihrem Recht unverletzt bleiben? In ihrem Recht als Geschöpf Gottes, als liebenswerter Wesen angesehen zu werden und als Mensch unter Menschen geachtet?

Wie organisieren wir den Ausgleich so vieler unterschiedlicher Ideen und Gedanken zu Wirtschaft, Ökologie, Gerechtigkeit, Verhältnismäßigkeit, den Ausgleich zwischen Arm und Reich, Schutz der Lebensgrundlagen für künftige Generationen, … Womit fangen wir an und was ist das, was die meisten Menschen bewegt? Oder gibt es Dinge, die hier gar nicht viele bewegen, die aber sehr drängend sind? Gibt es Wege die alle mitgehen werden und wie kann Politik, wie können gesellschaftliche Gruppen, Wege finden ein Miteinander zu erzeugen, in dem auf jeden Fall nichts liegen bleibt und aus dem Blick gerät, was sonst morgen oder übermorgen allen auf die Füße fallen würde? Der Weg zu einem friedlichen Miteinander ist nicht leicht – nicht in einer Familie, nicht in einem Ort, nicht in Schulen und Städten oder gar größeren Zusammenhängen wie Staaten und Gemeinschaften, wie der EU, ja noch nicht einmal in Kirchengemeinden ist es eine Selbstverständlichkeit.

Natürlich nicht; denn auch da leben ja nur Menschen miteinander und sind auf dem Weg und noch nicht am Ziel.

Schon Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi: „Lebt nicht wie die, die sich ihre eigenen Ansprüche und Gedanken zu ihrem 'Gott' gemacht haben und nichts anderes tun als sich um sich selbst und ihr Wohl zu sorgen. Sie sind gierig und werden untergehen. Ihr sollt leben wie Christus: Achtet einander, setzt euch Einer für den Anderen und die Andere ein, schaut auf das, was dem Miteinander dient. Wer so lebt kann getrost von Gott alles erwarten.“

Heinz Laukamp, Diakon im Kirchengemeindeverband der Region Südland im ev. - luth. KK Neustadt-Wunstorf

Der Herbst ist der beste Monat für uns Windsurfer: viel Wind aus West, viel Platz auf dem Steinhuder Meer. Mit dicken Neoprenanzügen und Hauben auf dem Kopf versuchen wir unsere Tricks auf dem Wasser zu stehen. So wie diesen: 1000 mal geübt, 1000 mal ist nix passiert. Doch auf einmal habe ich den Sprung gestanden: den Spock. Ein unter Windsurfern bekanntes und kompliziertes Fahrmanöver: Bei hoher Geschwindigkeit springt der Surfer mit dem Heck aus dem Wasser, dreht das Surfboard einmal im Kreis und schwingt das Segel auf die andere Seite. Hört sich leicht an, sieht super aus, verschlingt aber hunderte von Übungsstunden.

 Da gilt: dran bleiben, nicht aufgeben, das Ziel vor Augen haben. Denn das Gefühl, wenn man zum ersten Mal das Manöver gestanden hat, ist phänomenal. Und dann auch noch da draußen auf dem Wasser, im Einklang mit der Natur. Tatsächlich geht es am Anfang aber nicht um das Gefühl, sondern ums Verstehen und Analysieren: Wie muss ich abspringen? Welche Fehler mache ich? Was muss besser werden?

Mit dem Glauben ist das auch so: Erstmal muss man verstehen, worum es eigentlich in der Bibel geht, dazu gehört Diskutieren über Glaubensfragen: Warum beten alle Christinnen und Christen auf der Welt das Vater Unser? – Weil Jesus es schon gebetet hat. Warum gibt es die 10 Gebote? – Damit es in der Welt Regeln fürs Zusammenleben gibt. Das zu verstehen, ist manchmal ziemlich zäh.

Wenn es aber einmal Klick gemacht und der Groschen gefallen ist, dann kann Glaube im eigenen Leben auch wie ein gestandener Move beim Surfen sein: Einfach Wow.

Pastor Marcus Buchholz, Liebfrauenkirche Neustadt

Wer nach langer Zeit wie­der einmal in die Stadt kommt, in der er früher viele Jahre gelebt hat, mag sich fühlen als würde er wieder nach Hause kommen. Man geht durch die Straßen, spaziert durch die alten Gässchen. Hält einen Moment inne an der Stadtkirche, schlendert weiter durch die Fußgängerzone,  kommt vielleicht am alten Wohnhaus vorbei – und auf einmal ist alles wieder da. Die Ge­fühle, die Gerüche, die Stimmungen aus der vergangenen Zeit. Heimat – d.h. nach Hause kommen.

Gott als Begleiter auch in neuen Lebensräumen, dafür wirbt Paulus im 2. Korintherbrief im 5. Kapitel: „Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird, dass wir aber einen Bau haben, von Gott erbaut, der ewig bleibt“.  –  Wir sind Vorübergehende. Wir sind Weiterziehende, das bringt die Übersetzung Lu­thers hier zum Ausdruck. Im Süden Brasiliens sind wir zurzeit als Reisende und Botschafter des evangelischen Kirchenkreises Neustadt- Wunstorf unterwegs. Dort begegnen wir Paulo.  Im Hunsrücker Platt erzählt der 85 jährige von „Dei(u)tschland“, das er nur aus Erzählungen seiner Eltern und Großeltern kennt. Er freut sich über echte Gäste aus Deutschland. Heimat findet Paulo in seinem Glauben, da ist Trost und Geborgenheit.

„Wir wissen, dass unser irdisches Haus, diese Hütte, ab­gebrochen wird“, weil Veränderungen sich nicht aufhalten lassen. Ein Rückweg in eine vermeintlich bessere Vergangenheit, in eine verlorene Hei­mat ist nicht möglich. Vielmehr führt ein Weg nach vorn, in die Zukunft. Auf der Suche nach einem Ort – an dem Gottes Geist zu Hause ist und zum Bleiben in eine geistige Heimat einlädt. Die meisten Menschen verlassen ihre Heimat nicht freiwillig. Sie sind auf der Suche nach einem Ort, der zu einem Zuhause werden kann.

Morgen ist Volkstrauertag. Ein Tag der kollektive Trauer für die Opfer von Terror, Gewalt, Krieg  und Vertreibung als Folge der Weltkriege bis heute. Ein stiller Gedenktag – und ein Tag der besonderer  Aufmerksamkeit für die Heimatlosen und Heimatsuchenden.

Pastorin Dagmar Brusermann, theologischer Vorstand der Diakonischen Altenhilfe in Wunstorf

Das Wetter lässt den Herbst angenehm erscheinen. Bäume, die einen Teil ihres Laubes in der Trockenheit verloren haben, lassen weiter Blätter fallen. Die Sonne bestrahlt letzte Blüten in den Gärten. Die Zeit der Erntefeste ist auf ihrem Höhepunkt angelangt.

In vielen Kirchengemeinden fand am letzten Sonntag der Gottesdienst zum Erntedank statt. In Schneeren wurde dieser Gottesdienst draußen in einem halboffenen Stall gefeiert, dort, wo sonst Maschinen stehen. Ein großer Strohballen diente als Ernte-Altar, unmittelbar dahinter waren Kühe untergebracht. Sie verfolgten den Gottesdienst auf ihre Weise, neugierig, ruhig und zufrieden.  Und draußen schien warm die Sonne.

Erntedank einmal anders. Dabei ist gerade in diesem Sommer klar sichtbar geworden, dass Erträge in der Landwirtschaft nicht planbar sind wie in der Industrie. Die Abhängigkeit vom Wetter ist erheblich. In diesem Jahr sind die Erträge deutlich niedriger ausgefallen, aber abhängig von der Bodenqualität. Es gibt Gebiete in Norddeutschland, in denen sich die Dürre noch stärker ausgewirkt hat als rund um das Steinhuder Meer. In anderen Gegenden hat es im September kräftig geregnet, es ist noch möglich, weiteres Winterfutter zu gewinnen. Wohl sind Wetterbedingungen grundsätzlich ein betriebswirtschaftliches Risiko, aber eine solch lange Trockenheit war bisher nicht zu erwarten.

Klar, unsere Erträge und Erfolge sind nicht nur Folge unserer Bemühungen. Gesundheit und Leistungskraft sind nicht selbstverständlich. Wir haben Grund, Gott zu danken. Aber was haben wir davon?

Eigentlich nichts. Allerdings: das Danken bringt uns Gott in den Blick. Durch seine Gaben hindurch schauen wir auf Gott, der fern ist und doch nahe. Der sich uns Menschen zuwendet.

Erntedank geht es ums Danken, es geht um noch mehr, um Gott.

Darum: „Dankt dem Herrn, denn er ist gut zu uns, seine Liebe hört niemals auf.“ (Psalm 106,1; Gute Nachricht)

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Unzählige Generationen vor uns! Menschen haben mit ihren zupackenden Händen und ihren ideenreichen Köpfen daran gearbeitet, den Früchten des Feldes gerecht zu werden. Dadurch wurden sie satt und konnten leben. Das Korn auf dem Feld bildete die größte Herausforderung. Wie kann dieses Geschenk des Himmels zur täglichen Nahrung werden? Als ein Nadelöhr vor dem Gelingen dieser Aufgabe stand das Dreschen, das Brot-fähig-machen der Ernte. Was wurde dazu benötigt? Schon die Bibel beschreibt das Werkzeug. Eine Tenne gehört dazu. Ein fester Platz, auf dem das Korn durch das Bearbeiten mit den Dreschflegeln von der Spreu getrennt wird. Möglichst gehört ein kräftiger Wind dazu, der die Spreu gleich nach außerhalb des Dorfes befördert, wo sie gut aufgehoben ist. Dazu braucht man die Wurfschaufel, um das Durcheinander von Spreu und Weizen in die Luft zu werfen, solange, bis der Wind seine Arbeit getan hat. Spreu und Weizen muss man trennen. Denn von der Spreu wird niemand satt. Zum Dreschen und Trennen brauchte man auf der Tenne zupackende Mitmenschen, die ihr Handwerk verstehen. Benötigt werden qualifizierte Erntehelfer. Und damit sie ihre Werkzeuge handhaben, braucht es einen entschiedenen Willen. Die Menschen waren von dem Willen getrieben, gemeinschaftlich leben zu wollen. An diesen Dreiklang des Lebens erinnert das jährliche Erntefest, das die Kirchen an diesem Wochenende feiern. Wir alle besitzen Gaben. Wir bringen sie ein. So können wir gemeinschaftlich leben. Es gibt den gemeinsamen Willen zu leben. Doch nicht alles dient dem Leben. Wir müssen zu unterscheiden lernen. Spreu oder Weizen! Beides geht nicht. Spreu steht für eine leere Hülle. Für Form ohne Lebensinhalt, für eine Konvention, die ihren Sinn verloren hat, für eine Vergangenheitsorientierung ohne Zukunftsvision. Das Korn dagegen steht für Leben und Substanz, Vitalität und Kraft, für die Herausforderung, aus allem im Leben etwas zu machen, Neues zu schaffen. Von Jesus heißt es: „Er hat die Wurfschaufel in der Hand. Er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“(Matthäus 3,12) Er steht mit der Wurfschaufel in der Hand. Nicht mit Krone auf dem Haupt und dem Zepter in der Hand. Kein Gestus des Rechthabens oder der Überlegenheit. Jesus arbeitet. Er ist der Erste unter den Erntehelfern. Er arbeitet sich durch unser Spreu und Korn, unsere Torheit und Klugheit hindurch. Er will, dass die Liebe mehr und unsere Bosheit weniger wird. Dazu rüttelt und schüttelt er uns. Alles, was wir mit Liebe tun, sammelt er wie in eine Scheune. Davon werden wir geistlich satt. Alles andere jedoch, wo bei uns berechnende Missgunst im Spiel ist, wiegt vor ihm leicht, ist wie Spreu. Der Wind fegt es dahin. Davon lasst ab!

Pastor Tilman Kingreen

Ende September und Anfang Oktober gibt es um uns herum überall Erntefeste und Erntedankfeiern. Die Erntefeste werden gerne zur gemeinschaftlichen Vernichtung hopfenhaltiger Getränke genommen und die Erntedankfeiern gelten manches Mal an Relikt vergangener Zeiten. Heutzutage in einer Zeit der Arbeitsteilung kennen wir den Bauern, der unser Getreide anbaut, nicht. Bei dem Obst und Gemüse zeigt uns das Herkunftsland wenigstens die Himmelsrichtung. Mehr aber auch nicht. Und dann bleibt noch die bange Frage: Was hat der Landwirt alles gemacht? Mit zu viel Dünger das Grundwasser belastet oder mit Glyphosat sogar meine Gesundheit beeinträchtigt? Wie viele Insekten sind den Chemikalien zum Opfer gefallen? Ich weiß es nicht. Naiv kann ich es ausschließen und hysterisch kann ich alles annehmen. Aber dafür danken? Da macht doch nur jemand seine Arbeit und bekommt noch Subventionen.

Das ist alles zu kurz gesprungen. Wie viele Menschen gibt es, die ihren Boden und ihre Pflanzen beobachten und pflegen, damit es ihnen gut geht! Menschen, die schonend mit den anvertrauten Ressourcen umgehen und sehr intelligent und nachhaltig wirtschaften. Zur Ernte kann man ihnen genauso danken wie auch die Schöpfung bewundern, die uns eine Vielfalt im eigenen Garten und auf den Teller zu Hause serviert. Erntedank ist ein Moment des Innehaltens, gerade bei uns in Deutschland, wo wir im Überfluss leben und jeden Tag zig Tonnen Lebensmittel wegschmeißen.

Nichts ist selbstverständlich, auch keine gute Ernte und eine garantierte Versorgung. Der Super-Sommer 2018 hat es gezeigt: Jeder Mensch hat nur begrenzte Möglichkeiten. Die Werke von Händen, durch die noch Erdkrumen rieseln und die das Obst von Bäumen holen, sichern unser Leben. Oder wie es in der Bibel im Buch Sirach steht: Wer einen Acker fleißig bebaut, vermehrt seine Ernte; und wer dem Mächtigen gefällt, kann Unrecht gutmachen.

Einen Dank haben sie alle verdient: Die fleißig Erntenden und der Mächtige, der unser Leben begleitet.

Jörg Mecke, Prädikant, Idensen

Öffne ich die Terrassentür, ist sie da. Arbeite ich im Garten, verfolgt sie mich trippelnd. Sitzen wir draußen, kommt sie heran und hört uns zu, unsere treue Amsel. Oft erfreut sie uns mit ihrem Gezwitscher. Sie war es, die mich an Franz von Assisi erinnerte. Ich hatte schon manches über diesen Heiligen gelesen, diesen Einsiedler, gläubigen und heiteren Menschen, Anhänger von Jesus, Gründer des Franziskaner-Ordens, der sich eins fühlte mit der Natur in seiner ital. Heimat. Besonders die Tiere lagen ihm am Herzen. In einer Legende heißt es: Eines Tages wanderte er mit einigen seiner Brüder, und sie entdeckten auf einem Baum viele Vögel. „Ich will ihnen eine Predigt halten“ sagte Franz, und seine Begleiter schauten sich verwundert an. „Liebe Geschwister“ sagte er „Friede“. Da flatterten sie aufgeregt und ließen sich vor ihm nieder, schauten lauschend zu ihm auf: „Freut euch, denn Gott liebt euch alle. Euer Leben würde mir auch gefallen. Ihr könnt fliegen, wohin ihr wollt, kein festes Haus. Ihr lebt in den Bergen, auf Hügeln, in Felsen oder in Städten und Dörfern. Ihr nistet für kurze Zeit, seid wieder unterwegs. Ihr trinkt aus den Bächen. Obwohl ihr nicht sät, nicht erntet, habt ihr täglich Nahrung. Gott sorgt dafür, seid dankbar und vergesst das Loben nicht!“ Verständnisvoll öffneten sie ihre Schnäbel, flatterten mit den Flügeln und flogen davon, gesegnet mit dem Kreuzzeichen. --Was bringt wohl einen Menschen dazu, den Vögeln von Gott zu erzählen, ihnen zuzuhören und ihren Gesang auch als Predigt zu verstehen? Es waren übrigens nicht nur die Vögel, den Kontakt gab es auch zu anderen Tieren. - Und was bringt einen Menschen dazu, von der Sonne als Schwester, vom Mond als Bruder, von dem Bruder Wind und der Schwester Wasser, dem Bruder Feuer und der Schwester Mutter Erde zu singen, sie wunderbar zu beschreiben und dem Schöpfer dafür zu danken, wie er es in seinem Sonnengesang getan hat? Ein schönes Beispiel menschlicher Poesie? Staunende Freude über die Natur, wenn die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach fließen und der Mond einen lauschigen Sommerabend begleitet?  Bei Franziskus ist damit  auch eine tiefe Erkenntnis verbunden. Er sieht sich selber als Teil der Schöpfung, mit Jesus von Nazareth eng verbunden. Er ist überzeugt, dass er nur ein unbedeutender Teil in diesem großen Gotteswerk`Welt`ist. Eine solche Erkenntnis ist aber nicht nur einem Heiligen vorbehalten, denke ich. Kann sie nicht auch uns dankbar kommen?.

Er gilt als Vorreiter der Tierschützer und eröffnete durch die richtigen Worte seine neue Sicht auf die Welt, die Natur, das Leben und das Glück: Bis heute können wir viel von diesem Mann lernen, der,  so heißt es, der 1. Mensch war, der die Tiere und die Natur unbedingt schützen wollte. Er sah das nicht als Einschränkung, sondern als Lebensgewinn. „Wenn die Menschen auf die Tiere und die Natur Rücksicht nehmen, dann werden sie nicht ärmer, sondern reicher und heiterer und glücklicher!“

Ursula Wiebe, Prädikantin in Schloß Ricklingen

Im Verlauf eines Jahres gibt es viele schöne in meinem Terminkalender. Einer, der mir eine ganz besondere Freude macht ist die Feldrundfahrt mit den Luther Bauern und Jägern. Hinten aufm Treckeranhänger geht es gut zwei Stunden durch die Luther Gemarkungen.

Ich mag diesen Termin auch so gerne, weil ich jedes Jahr viel über die Landwirtschaft in und um Luthe lerne.

Dieses Jahr beherrschte vor allem ein Thema die Gespräche: Die Trockenheit und Dürre, die den Feldern so sehr zugesetzt hat.

Das Getreide ist „taub“ habe ich gelernt. Von außen mögen die Ähren goldgelb und fertig aussehen, doch innendrin ist aufgrund von Wassermangel kaum etwas zu finden. Der Mais bleibt klein und die eigene Silage wird nicht bis zum kommenden Jahr reichen. Doch der Markt ist leer, denn nicht nur bei uns in Norddeutschland war es zu heiß und zu trocken für eine gute Ernte.

Es wird nicht leicht für die Landwirte, das ist klar. Letztes Jahr war es zu nass, die Ernte abgesoffen. Dieses Jahr viel zu trocken, das Getreide taub.

 „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn drum dankt ihm, dankt, drum dankt, ihm dankt und hofft auf ihn.“ – in wenigen Wochen feiern wir Erntedank und vielerorts gehört die Loblied dazu.

Gott loben, während man auf Subventionen hofft, um den eigenen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Was ist bleibt zu loben, wenn die Silos leer sind?

Ich glaube, die schlechte Ernte hat etwas Wichtiges ins Bewusstsein mancher gebracht: Es ist nicht selbstverständlich, dass es uns so gut geht. -  Und das ist, so finde ich, ein guter Grund, um in diesem Jahr Erntedank zu feiern.

Weil die schlechten Ernten eben nur die der letzten zwei Jahre sind, nicht die der letzten zwei Jahrzehnte. Wir leiden hier - zum Glück - noch auf hohem Niveau.

Das soll jetzt nicht heißen, dass wir unserer Landwirtschaft das Klagen mit dem Hinweis darauf verbieten sollen, dass es woanders noch viel schlimmer ist! Klage und Lob gehören zusammen wie Schatten und Licht.

„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herr:n drum dankt ihm, dankt, drum dankt, ihm dankt und hofft auf ihn.“ Im Lob und in der Klage gegenüber Gott liegt derselbe Grund: Das Vertrauen und die Hoffnung in ihn. Darauf, dass er unser Leben begleitet.

Und das ist es, wovon ich den Menschen erzählen mag. Heute, an Erntedank und darüber hinaus.

Ihre Pastorin, Marit Ritzenhoff

Wie viel mag ein Straßenmusiker am Tag einnehmen? Dazu müssen unterschiedliche Kriterien bedacht werden. Wo ist der Auftrittsort? Wenn der Musiker klug ist, wählt er einen Standort, an dem viele Menschen vorbeikommen, wobei vorbei kommen nicht reicht: sie müssen schon in der Lage sein, das Gehörte zu erfassen.  Sicher kommt es auch auf das Auftreten an: Ist jemand nett anzusehen, findet er oder sie bestimmt schneller einen geneigten gebefreudigen Zuhörer. In den USA hatte das weltweit renommierte Mitglied eines Sinfonieorchesters den Versuch gewagt, auf der Straße zu spielen, genauer, in einer U-Bahnstation.  Er, der als Solist Stargagen verlangen konnte, hatte am Abend nicht genug für das tägliche Brot eingenommen. Ein weiterer Faktor für einen Auftritt auf der Straße ist das Repertoire des Sängers oder der Sängerin. Vormittags ist es bestimmt gut, anregende Rhythmen zu Gehör zu bringen. In der Mittagspause vielleicht etwas Beruhigendes. Und am Abend könnte die Musik wohl eher auf die bevorstehende Schlafenszeit einstimmen.

Wann ist wohl das größte Einkommen zu erwarten? Ich glaube, am späten Nachmittag bis in die Abendstunden hinein. Das Tagewerk ist im Allgemeinen vollbracht. Die Passanten hasten nicht mehr ganz so eilig, man bereitet sich auf den Feierabend vor.  Und plötzlich nimmt man einen Fetzen eines bekannten Liedes wahr, noch bevor man den Interpreten gesehen hat. Halleluja – Lobt den Herrn! Einmal nicht in der Kirche, in heiligen Räumen, nein, öffentlich auf der Straße.  In dieses Halleluja, von Leonhard Cohen geschrieben und hier und jetzt von jemand ganz Unbekanntem gesungen, kann ich einstimmen. Ich wünsche es mir noch einmal.  Halleluja, ein Arbeitstag liegt hinter mir. Halleluja, mir geht es gut. Halleluja, ich bin reich beschenkt von meinem Schöpfer. Und mit fünf Euro in den Hut ist das Halleluja bei weitem nicht genügend bezahlt.

Prädikantin Helga Kaiser, Bokeloh

„Unerhört!“ Was löst diese knappe Aussage in Ihnen aus? Für viele ist das wohl ein Ausdruck von Empörung – da gehört sich etwas nicht. Und tatsächlich, wenn wir uns in der Gesellschaft umschauen, ist vieles beklagenswert: Allein Erziehenden fehlt es an Geld und Unterstützung, Kinder wachsen in Armut auf, bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware, Menschen stoßen bei ihren Arbeits- und Ausbildungsbemühungen auf große Hürden…

Empörung ist also durchaus berechtigt. Dass die soziale Ungleichheit wächst, meinen knapp 2/3 der Befragten nach einer repräsentativen Studie der Diakonie. Unter anderem aus diesem Grund hat die Diakonie Deutschland für die nächsten 3 Jahre eine Kampagne mit dem Obertitel „Unerhört!“ aufgelegt. Dabei geht es nicht alleine um den Hinweis auf die soziale Schieflage im gesellschaftlichen Gefüge. Der Begriff deutet auch darauf hin, dass da Menschen in ihrer Situation, mit ihren besonderen Erfahrungen und Fragen nicht gehört, nicht wahrgenommen werden – eben unerhört sind.  

Damit erschließt sich auch der zweite Begriff: Man muss sich Zeit zum Zuhören nehmen, um genau erfassen zu können, wie es jemandem geht, welche Hoffnungen und Wünsche er hat, was er gerne ändern würde. Erst danach hätten Hinweise und Ratschläge ihren Platz, und es könnten Handlungsschritte geplant werden.

Kontakt und Austausch finden heutzutage vermehrt in den sozialen Medien statt – das Raute-Zeichen (Hashtag) macht deutlich, dass die Diakonie die Diskussion auch auf diesen Kanälen sucht und ihn dort befördern möchte.

Die örtliche Diakonie hat sich dazu entschieden, das Motto „Unerhört! #zuhören“ für die Woche der Diakonie Anfang September zu verwenden. In vielen Veranstaltungen und Gottesdiensten wird es um das Zuhören gehen, um das Wahrnehmen von sozialen Fragen und Nöten. Das wird auf die bewährte „analoge Art“ geschehen, also im direkten persönlichen Miteinander - sicherlich authentisch, viel-leicht hier und da sehr berührend.

Ob analog oder digital, wichtig bleibt die Folgerung, dass es nicht beim Zuhören allein stehen bleiben kann, sondern dass nach guter christlicher Tradition den Worten Taten folgen müssen. Und das wäre dann vielleicht auch schon der Themenkreis für das nächste Jahr…  

Reiner Roth, Kirchenkreissozialarbeiter

Für Familien mit schulpflichtigen Kindern hat in unserem Bundesland wieder der Alltag begonnen.  Noch sind die Abläufe eher mühsam, rechtzeitiges Aufstehen, der Weg in die Schule, die Zeit der Konzentration und die Hausaufgaben.

Für die Kinder, die an diesem Samstag eingeschult werden, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie erleben eine neue Welt, werden lesen, schreiben und rechnen lernen. Das ABC wird wichtig und später das kleine Einmaleins. Die Schulanfänger wollen etwas leisten. Und es wird auch von ihnen erwartet. Leistung ist gefragt, eigentlich schon von Anfang an. Kleine Kinder sollen möglichst schnell laufen und sprechen lernen.

So lernen Kinder früh, wie wichtig Leistung ist. Leistung ist zumindest ein sehr wichtiger, für manche der wichtigste Wert im Leben. Den Leistungsanforderungen genügen, denen der Lehrer, der Firmenchefs, aber auch den eigenen Erwartungen, ist angesagt.

Wenn die körperlichen und seelischen Kräfte noch einen großen Vorrat haben, dürfte die geforderte Leistung kaum ein Problem sein. Aber dann können Zeiten kommen, in denen Leistung (im Beruf) mühsamer wird. Der Kraftaufwand wächst. Dann sinkt hoffentlich die Leistungsanforderung – sonst scheidet man aus oder wird in Rente geschickt, notfalls vorzeitig mit Abzügen.

Fordert Gott auch Leistung?

Natürlich kennen viele die Botschaft: Gott nimmt jeden Menschen an, unabhängig von den eigenen Fähigkeiten oder von der eigenen Leistung.

Aber ist da nicht von den Kanzeln zu hören: der Glaube soll sich im Alltag bewähren. Ist das keine Leistungserwartung?

Nein, Gott erwartet keine bestimmte Leistung. Bei ihm gibt es kein Soll, das jeder erfüllen muss. Natürlich soll der eigene Glaube sich im Alltag auswirken. Das ist aber eine Auswirkung, keine Leistung, Nichts, was wir von uns heraus bewirken, sondern was Gott an uns und in uns tut.

In einer Welt von lauter Leistungsauforderungen, in der der Wert von Menschen nach ihrer Leistung gemessen wird, tut Gottes Ermbarmen gut. Er nimmt jeden Menschen so an, wie er oder sie ist. Aber er lässt uns nicht so, er verändert uns in sein Bild. Wir sollen ihm ähnlich werden. 

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

Ping! – eine Nachricht auf dem Smartphone. Freunde schicken mir ein Foto von ihrem Urlaub auf Kreta, eine traumhafte Unterwasserwelt ist zu sehen. Ich tippe eine kurze Antwort: „Das sieht ja toll aus, viel Spaß und einen schönen Urlaub.“ Dann lege ich das Handy an die Seite und mache mich wieder an die Arbeit.

Ping! – „Wir sind gut angekommen und es ist einfach herrlich hier“ – Ein Foto von den Alpen, etwas verwackelt, aber die gute Absicht ist erkennbar und die hoch in den blauen Himmel ragenden Berge ebenfalls. Wieder tippe ich eine kurze Antwort: „Genießt euren Urlaub.“

Ich sitze am Schreibtisch und sehe mir die Liste der Aufgaben an, die heute noch abgearbeitet werden muss. Mein Urlaub kommt erst in drei Wochen, wenn ich solche Bilder sehe dürfte er gern auch drei Wochen früher anfangen. Ich lehne mich kurz zurück – ja ich arbeitete gern, die Arbeit macht mir Spaß, aber zu sehen, dass andere im Urlaub waren und entspannen, motiviert mich gerade nicht wirklich für die anstehende Aufgaben. Ich wäre auch gern in den Bergen, auf dem Gipfel und würde nach einer anstrengenden Wanderung die Aussicht über das Tal genießen oder am Mittelmeer, bei einem Glas Wein der Sonne zusehen wie sie im Meer versinkt.

Aber da war ich leider nicht. Ich sitze im Büro, der Alltag hat mich noch im Griff, die Tage sind anders getaktet, als im Urlaub. Da stört so viel Entspannung der Anderen ein wenig. Doch - ich gönne ihnen von Herzen den Urlaub, die Zeit der Erholung und des Seele baumeln lassens. Aber ich bin noch in einem anderen Modus. Es gibt eben Zeiten zum Arbeiten und Zeiten zum Ausspannen. Jegliches hat seine Zeit.  Und das ist gut so. Also setze ich mich wieder an meine Arbeit, in dem Wissen, dass es wieder eine Zeit zur Entspannung geben wird, lasse ich mich nicht von den Urlaubsfotos ablenken. Begleitet von dem Wissen: Meine Zeit steht in Gottes Händen.

Vikarin Ann-Karin Wehling, Wunstorf

Wieder ploppt eine Nachricht auf dem Display auf – Fake News oder wahre Story? Wer ist heute noch glaubwürdig? Da wird geschönt, gemobbt und irgendwo dazwischen könnte vielleicht ein Stück Wahrheit sein! Nicht nur bei den täglichen Nachrichten frage ich mich, was denn zutreffend ist oder wo die Darstellung „aufgehübscht“ wurde, um sie spannender zu machen. Es gibt auch Berichte im Freundes oder Familienkreis, wo ich mich frage, „Stimmt das alles so oder fehlt vielleicht auch ein Teil?“ Will der andere vielleicht nur besser dastehen oder vielleicht hat sie gar nicht den Mut mir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen? Wie heißt der Spruch dann häufig: „Ich habe ja nicht gelogen, nur nicht alles erzählt!“ Schade denke ich, dann ist da wohl doch nicht so ein Vertrauen vorhanden!? Nicht den Mut zu haben eine konkrete Situation anzusprechen, bin ich es dem anderen nicht mehr wert, dass ich eine zuverlässige Rückmeldung bekomme? Diese Fragen stellen sich mir im Zeitalter der Fake News immer wieder. Wem glaube ich – welche Nachrichtensendung berichtet objektiv und welcher Freundin kann ich vertrauen, dass sie mir wirklich die Wahrheit über ihre Sicht ins Gesicht sagt?

Wie oft schenken wir Informationen Glauben, ohne deren Wahrheitsgehalt und Fakten genau zu untersuchen. Meine beste Freundin ist für mich immer glaubwürdig, schließlich kenne ich sie schon so lange. Christen seit 2000 Jahren tragen ihren Glauben weiter und doch erscheinen uns auch ihre Aussagen oft nicht glaubwürdig. Manchmal wünsche ich mir auch den Evangelisten Johannes noch mal fragen zu können, wie ich denn bitte so manche seiner Texte in der Bibel verstehen sollte. Auf der anderen Seite glaube ich daran, dass Gott da ist, auch wenn ich ihn nicht sehen kann. Die Berichte der Bibel und von Christen sprechen dafür und unterstützen diese Glaubwürdigkeit. Lasse ich mich nicht eher blenden von äußeren Anfragen und Zweifeln. Im Psalm 139 spricht der Beter zu Gott: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Schon vor Christi Geburt hielt David Gott für glaubwürdig, er hatte es in seinem eigenen Leben erlebt. Und David war nicht immer nur das Vorzeigebeispiel in Sachen Glauben! Aber mit seinem Psalmgebet nimmt er uns mit in seine Erfahrungen der Nähe Gottes: Gott ist einer zum Reden, ein guter Zuhörer, dem niemand etwas vormachen muss, der keine blöden Fragen stellt – einfach da ist und uns in keiner Situation hängen lässt! Es ist wert, diese Botschaft Glauben zu schenken.

Beate Degener, Diakonin im Kirchengemeindeverband SüdLand und Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Geh aus … - ab nach draußen, an die frische Luft, in die Sonne, in die Natur - sehen, was alles blüht und wächst. Nicht drinnen, nicht bei sich bleiben, die eigenen vier Wände und Mauern verlassen, die einen einengen oder auch sicher wohnen lassen.
„Geh aus mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“, schreibt Paul Gerhard. Das Leben blüht auf. Ich freue mich in diesen Tagen an meinem üppig wachsenden, teils blühendem, Obst und Gemüse hervorbringendem, Garten. Manches wächst viel zu schnell; wo Wasser hinkommt, wächst Neues. Die Natur zeigt all ihre Kraft und Schönheit in zahllosen Blüten und im satten Grün der Bäume und Sträucher. Gott hat alles wohl geordnet, heißt es im Lied weiter. Alles und alle kommen zu ihrem Recht.

Ferienzeit, eine Zeit der Leichtigkeit. Wärme und Freundlichkeit sind nicht nur äußerlich vorhanden. Sie durchdringen uns. Das Leben im Sommer – egal ob im Garten, auf der Terrasse, dem Balkon oder in Parks und am Strand, besonders auch im Urlaub – es scheint leichter zu sein als im Rest des Jahres. Wind und Wasser schenken Kühle und Erfrischung und auch der Regen dieser Tage bringt einmal Abkühlung und feuchtet die Erde durch, damit in der Natur wieder auftanken kann und auch wir selber. Sanft steigen Nebel und Wolken auf und das Licht der Sonne zeichnet bizarre Gebirge aus Weiß, Grau und Schwarz am Himmel nach, verleiht den Wolken mit dem Licht Konturen. Selbst am Abend kann man beobachten, wie lange die Dämmerung den Himmel unter der Wolkenkante in Rot, Gold und Orange sichtbar macht.

Die früh reif gewordenen Felder erinnern uns an die Notwendigkeit von Regen, ebenso, wie der eigene Garten, der in diesem Jahr beständig gewässert werden will. Die Freuden der Badegäste an den Seen und am Meer, sie sind schwierig für manche anderen. Alles hat zwei Seiten. Dennoch überwiegt für viele wohl das südliche Lebensgefühl, das uns nach draußen zieht und uns Freude schenkt.

In der Sommerkirche des Kirchengemeindeverbandes der Region Südland ist dieses Jahr das Thema: Kirche mit uns - angelehnt an die gewesene Wahl der neuen Kirchenvorstände. Kirche mit einem Blick voll Liebe, einem Blick für lokale Besonderheiten, auf eine zu stärkende Gemeinschaft an den verschiedenen Orten. Machen Sie sich doch auf den Weg: Gehen Sie hinaus - gemeinsam mit Anderen oder auch allein, wie so viele es getan haben: Mose, das Volk Israel, die Jünger Jesu, Pilgernde aller Zeiten.

Entdecken Sie Neues und Bekanntes und erleben Gottesdienste in Kirchen oder draußen; nutzen Sie Zeit zur Begegnung und um Café, Kuchen und anderes zu genießen oder anschließend noch ein Konzert zu erleben – Gemeinschaft erfahren und die Seele Flügel gewinnen lassen.

Gemeinschaft des Geistes, herzliche Liebe und Barmherzigkeit, Freude, eines Sinnes sein, einmütig und einträchtig zusammenleben – das wünscht Paulus der Gemeinde in Philippi. Machen Sie sich auf um all dem nachzuspüren – und etwas leben zu können von der Gemeinschaft, die sich hier zusammenfinden kann. Die Jugendlichen erleben etwas davon bei diversen Freizeiten; Sie kennen es vielleicht aus ihrer eigenen Jugend.

von Diakon Heinz Laukamp

Es ist nachweislich Sommer geworden. Die lange recht warme Periode lässt den Menschen antriebsloser und entspannter werden. Bei Temperaturen von 25 oder 30 Grad ist es leichter, das leben zu genießen und die Arbeit an sich vorbeiziehen zu lassen. Es gibt jedoch auch einen ganzjährigen Grund, sich von Aufgaben zu distanzieren: Die Angst vor dem Fehler. „Wer Angst hat, etwas falsch zu machen, macht nichts. Und damit den größten Fehler“, so hörte ich es am vergangenen Wochenende. Wohl wahr. Die Scheu davor, eine unbekannte Aufgabe zu übernehmen, verhindert jede Lernkurve, sie verhindert die persönliche Entwicklung. Aber es ist praktisch, weil alles so komfortabel ist. Es ist einfacher zu sagen: „Man müsste mal etwas tun“ als etwas zu tun. Geredet wird viel, gemacht wird wenig. Das ist schade.

Unsere Gesellschaft steht vor so vielen Herausforderungen, dass die einfache Beobachtung der Tagesschau schon fast schmerzhaft ist.  Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die anpacken, die einen Teil ihrer Zeit den Mitmenschen zu Verfügung stellen: Das Ehrenamt. Nicht als Funktion, sondern eher als eine Aufgabe, die man wegen der Sinnhaftigkeit tun und nicht weil es irgendwelche finanziellen Vorteile gibt. Einfach machen, auch auf die Gefahr hin, etwas falsch zu machen. Dafür wiegt die gute Absicht mehr: „Es heißt nicht, dass es besser wird, wenn es anders wird. Aber damit es besser wird, muss es anders werden.“ Das funktioniert nur durch Handeln.

In der Kirche gab es immer wieder Die Aktivitäten, die Worte mit den Werken zu verbinden, das Wort zu leben und auch die Veränderung zur Verbesserung zu schaffen. Auch in der Kirche – egal welcher Konfession gab und gibt einen Tatendrang. Es gibt in jeder Gemeinde einige Aktive, die die Veränderung gestalten wollen, die ohne Angst vor einem Rückschlag reden und das Gesprochene umsetzen. Geleitet von dem Motto aus dem Kolosserbrief: Alles, was ihr tut und was ihr sagt, soll zu erkennen geben, dass ihr Jesus, dem Herrn gehört.

Jörg Mecke, Prädikant im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

Der Rasen kitzelt die nackten Fußsohlen auf dem Weg über die Wiese. Ich spüre den Sonnenschein warm auf meinen Schultern, fast hat er mein nasses Haar schon wieder durchgetrocknet. Kurz überlege ich, ob ich lieber nach rechts oder nach links abbiegen mag. Rechts ist das Nichtschwimmerbecken mit der Rutsche. Aber links, da ist das große Schwimmerbecken, von dessen Startblöcken es sich so herrlich den Kopfsprung üben lässt.

Ich gehe links und entscheide mich für das Schwimmerbecken. Im Nichtschwimmer war ich vorhin schon und danach mit meiner Freundin Henrike auf dem Spielplatz dahinter. Man hat die Seilbahn wieder repariert, das mussten wir ausgiebig nutzen.

Schnell husche ich über das sonnenheiße Pflaster und lege das noch etwas klamme Handtuch auf die weiße Bank an der Seite. Schon stehe ich auf dem Startblock vorm Schwimmbecken. Das Wasser glitzert verheißungsvoll in der Sonne.

Liebe Leserin, lieber Leser, als Kind bedeute Glück für mich eine Saisonkarte fürs Freibad und Sommerferien, die warm genug waren, um nach Herzenslust schwimmen zu gehen. Und wenn das Wetter so ist wie in der vergangenen Woche - warm und mit wolkenlosem Blau am Himmel - dann brauche ich nur die Augen zu schließen und es ist wieder da, dieses Gefühl von Unendlichkeit und Freiheit.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, heißt es in Psalm 31.

Glücklich ist, wer diese Weite des Raumes spüren darf. Wer sich entscheiden kann, ob sie bzw. er lieber ins Schwimmbad gehen möchte oder den Sommer anderweitig genießt. Ob auf Balkonien, am Meer oder in den Bergen. Der Sommer ist für alle da. Die Sonne macht keinen Unterschied darin für wen sie scheint.

Auch Gott unterscheidet nicht, wessen Füße er auf weiten Raum setzt. Er schenkt uns allen seine Freiheit. Wir können uns entscheiden, ob wir ihm für das was wir erleben danken oder nicht. Diese Möglichkeit zur Wahl gibt unserer Entscheidung Wert. Wer sich für oder gegen etwas entscheidet kann, wer frei wählen darf, dessen Wahl ist von Bedeutung.

Ich mag Gott dafür danken, dass ich dieses Gefühl von sommerlichem Glück kenne. Dass mir der blaue Himmel so viel Freude schenkt, von der ich weitergeben mag. Denn er stellt meine Füße auf weiten Raum.

Mögen auch Sie dieses Gefühl in diesem Sommer spüren können.

Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe

Die Ferienzeit beginnt bald, für viele eine Zeit des Reisens. Da gibt es sicher viele Begegnungen auf den Straßen oder im Zug. Ich hoffe für Sie, dass es besser läuft, als ich es so oft beobachte. Im Stau soll eine Rettungsgasse gebildet werden, aber jemand fährt einfach auf dem Standstreifen zur Abfahrt vorbei. Im überfüllten Zug stehen, wie immer, Taschen auf den Sitzplätzen und ich muss freundlich bitten doch Platz zu machen. In den Innenstädten weicht man sich nicht höflich aus, wenn sich die Wege kreuzen, sondern jede/r zieht gnadenlos seine/ihre Bahn. Ich schlage Ihnen in diesen Situationen einen überraschenden, lauten Zuruf vor: „Take care!“. Nett gemeint bedeutet das „Pass auf dich auf!“, aber auch: „Vorsicht!“. Probieren Sie es aus, der Zuruf drückt ja in jedem Fall Ihre Sorge um den Mitmenschen aus, Sie fördern Achtsamkeit. Sie werden zum leuchtenden Vorbild und denken an sich und ihre Mitmenschen. Warum Sie damit anfangen sollen? Weil Sie auf das Prinzip Hoffnung setzen und Sie wie Jesus, im Matthäus-Evangelium beschrieben, davon ausgehen, dass das Himmelreich schon jetzt und heute beginnen soll. Jesus hat zu seinen Jüngern oft in Gleichnissen geredet. Das zukünftige Himmelreich vergleicht er mit einem Senfkorn, das er als kleinstes aller Samenkörner bezeichnet und aus dem doch ein Baum erwächst oder mit Sauerteig, der unter das Mehl gemischt wird und alles durchsäuert und später ein Brot gebacken werden kann. Der Pädagoge Friedrich Fröbel beschreibt die Hoffnung auf eine gute Zukunft durch ein Aufblühen der Saat so: "Das kleinste Samenkorn trägt das große Ganze in sich. Und es entwickelt es im Zusammenhange mit dem großen Lebensganzen. So trage auch ich als Mensch die ganze Vergangenheit, die Fülle der Gegenwart und den Reichtum der Zukunft in mir."  So tun Sie bald einen kleinen ersten Schritt in die richtige Richtung- gegen den Trend- und wir erleben tatsächlich ein Lächeln in der City, weil Sie auf jemanden Rücksicht nehmen, Sie sehen ein freundliches Blinker- Signal auf der Autobahn, weil Sie jemanden die Vorfahrt gegeben haben, Sie erleben ein gutes Gespräch im Zug, weil da nun ein netter Mensch dort sitzt, wo eben noch Ihre Tasche Platz fand.

Ach wäre das schön! Take care!

Diakon Stefan Krüger

Endlich Ferien! Selbstbestimmte Zeit! Der Sommerurlaub gehört für viele Menschen zur intensivsten Zeit des Jahres. Zeit für die Kinder - Zeit für die Familie - Zeit für sich selbst- vielleicht auch Zeit für Gott. Kaum eine andere Zeit ist so geeignet für viele Stunden in Natur und frischer Luft, Ausflüge und Aktivitäten wie die Urlaubs- und Sommerzeit. Zugleich birgt sie aber auch eine Chance, zur Ruhe zu kommen und unseren tiefsten Sehnsüchten und Bedürfnissen nachzuspüren.

Viele Menschen verreisen in den Sommerferien und verbinden damit allerlei Hoffnungen: auf gutes Wetter, auf eine schöne Unterkunft, auf gastfreundliche Menschen, Erholung vom Alltag oder neue interessante Erlebnisse und Begegnungen. Zum Abschied sagen wir ihnen „tschüss“, „mach´s gut“, „gute Reise“ , „auf Wiedersehen“ und „komm heil zurück“.

Das ist dann schon wie ein kleiner Reisesegen für das Urlaubswagnis. Denn es ist ja nicht von vornherein garantiert, dass es ein gelungener Urlaub wird und dass sich alle Hoffnungen und Sehnsüchte erfüllen.

Wenn jemand Abschied nimmt und eine Reise antritt, begleiten ihn unsere guten Wünsche - aber auch unsere sorgenden Gedanken. Beeindruckend sind die alten irischen Segenswünsche. Aus ihnen klingt eine zärtliche Liebe zur Natur, ein festes Vertrauen und eine dankbare Beziehung zu Gott, dem Schöpfer, und ein Einstimmen in Augenblicke des Glücks. Die irischen Reisesegen formulieren in unnachahmlicher Weise die Wünsche der Zurückbleibenden und sprechen dabei alles an, was die Reisenden nun nach dem Abschied umgeben wird: der Weg, der Wind, die Sonne, Tag und Nacht, andere Menschen- und in Gefahren die behütende Hand Gottes. Sie soll Reisende begleiten, wenn wir mit den Worten eines alten irischen Reisesegens wünschen:

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,

Wind dir den Rücken stärken,

Sonnenschein deinem Gesicht viel Glanz und Wärme geben.

Der Regen möge deine Felder tränken,

und bis wir uns wiedersehen

halte Gott dich schützend in der Geborgenheit seiner Hand.

Erce-Inga Frost,  Lektorin in Wunstorf.

Geh aus mein Herz und suche Freud!

Der sommerliche Mai hat bei vielen schon Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub ausgelöst. In der Sonne liegen, relaxen, Zeit für sich und die Familie. Die meisten freuen sich auf die sommerliche Ferien- und Urlaubszeit. Viele planen Reisen zu sonnensicheren Zielen. Auch wenn die Standards der Hotels immer komfortabler werden, gehört ein gewisses Maß an Reduzierung dazu. Man rückt zusammen, nimmt nur das Nötigste mit. Mancher tauscht die festen Wände der eigenen Wohnung gegen Wohnwagen oder gar Zelt. Neugierig nehmen wir die Kultur und die Sehenswürdigkeiten der Reiseländer in uns auf. Leicht und beschwingt zieht es uns in die Welt. Seit Jahren gelten Deutsche als Reise-Weltmeister.

In den vergangenen Jahren kommen uns aus den Reiseländern immer mehr Menschen entgegen - Geflüchtete, die eine neue Heimat suchen. Das, was bei uns frühsommerliches Wohlbefinden auslöst, bewirkt anderenorts eine Verschärfung der Dürre. Trinkwasser ist knapp. Das wenige Wasser ist oft für die zahlungskräftigen Kunden in den Hotels reserviert. Ein blauer Hotelpool bringt höhere Einnahmen als ein grünes Feld.

So reisen die Einen mit Kreuzfahrtriesen in den Süden, die anderen mit Schlauchbooten in den Norden. Diese ungerechte Verteilung kann man nicht ignorieren. Selbst innerhalb Europas ist zu spüren, dass die Bereitschaft zur Solidarität nachlässt. Vom gemeinsamen Markt mit offenen Grenzen möchten alle profitieren. Die Lasten von Klimawandel und Flüchtlingsströmen sollen hingegen einige wenige alleine tragen.

Ich reise gerne, aber mein Herz reist mit. Mit offenen Sinnen nehme ich wahr, was in der Welt geschieht. Die Bibel spricht von Gott als die Liebe. Von dieser Liebe und Solidarität gerade gegenüber den Schwächsten will ich auch im Sommer erzählen. Ich selber kann und mag nicht ruhn…

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

Zeit bestimmt unser  Leben, ob wir wollen oder nicht. Mit jedem Tag werden wir älter. Mit zunehmendem Alter scheint die Zeit schneller zu laufen. Manchmal scheint uns die Zeit geradezu wegzulaufen – und wir hinterher, um das Leben nicht zu verpassen. Wilhelm Busch hat das so formuliert hat: „Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit.“

Jeder Blick auf eine Uhr erinnert uns an die Zeit. Egal ob es das Smartphone ist oder eine Kirchturmuhr. 

Die Zeit vergeht, mal schneller, auch mal langsamer, abhängig davon, wie wir die Zeit füllen. Da gibt es ein großes Pensum an Aufgaben, dass man sich fragen muss, wo am Ende des Tages die Zeit geblieben ist.

Der Sommer eröffnet eigene Gelegenheiten, die Zeit zu leben. Sei es, dass wir uns im Garten aufhalten oder auf der Terrasse sitzen können. Oder wir können schauen, wie die Pflanzen auf den Feldern heranreifen. Für Landwirte ist der Sommer hektisch, vor allem die Getreideernte. Da gibt es nur wenige Gelegenheiten zurm Ausruhen oder die Zeit „anzuhalten“. 

Es ist gut, Gelegenheiten zu Auszeiten nutzen. Das beschränkt sich nicht auf den Urlaub. Besondere Zeit kann auch schon ein Moment am Ufer des Steinhuder Meeres sein, am besten in der Woche, wenn nicht soviele Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind.

Noch mehr geht es im Urlaub, die Zeit fließen lassen, bewusst atmen, schauen und hören. Mit allen Sinnen den Sommer aufnehmen.

Bekanntlich gibt es zwei verschiedene Zeiten: zum einen die Zeit, die wir mit der Uhr messen, die die Arbeit bestimmt und die Termine. Zeit, die gleichmäßig vergeht und optimal genutzt werden soll.

Die andere Zeit ist nicht minder wichtig; der Moment, der intensiv ist. Wenn es scheint, dass die Zeit still steht. Für die einen kann das ein Schmetterling sein, für andere ein wunderschöner Sonnenuntergang oder die am blauen Himmel dahinziehenden Wolken. Es gibt viele Möglichkeiten, erfüllte Zeit zu erleben. In diesen Momenten läuft die Zeit eben viel langsamer. Wir haben wieder die Chance anzukommen, bei uns selbst – und bei Gott.

Im Alten Testament, in den Psalmen stehen diese Worte: „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ (Psalm 31, 16a). Mit unserem Leben hat Gott hat uns Zeit geschenkt, seine Zeit. 

Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Zeit

Ihr Pastor  Friedrich Kanjahn (Pastor in Mardorf und Schneeren)

…der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Diese Zeilen kennen Sie vielleicht. Sie sind aus dem Gedicht Stufen von Hermann Hesse. Schön oder?

"Bereit zum Abschied sein und Neubeginne", heißt es auch in dem Gedicht.

Neubeginne, das sind Aufbrüche im Kleinen oder auch Großen. Jeden Morgen darf ich neu beginnen, oft sieht dann das, was gestern unlösbar schien, heute schon viel heller aus. Aufbruch kann eine berufliche Veränderung sein, gewollt oder ungewollt. Aufbruch kann ein Umzug sein, in eine andere Wohnung oder sogar in ein anderes Land. Aufbruch, das kann ein runder Geburtstag sein, an dem ich die Ziele in meinem Leben neu überdenke.

Neubeginn ist immer ein Aufbruch. Dafür braucht es Mut. Die Buchläden sind voller Ratgeber, die in solchen Situationen helfen wollen. Oft sind wir mit der Fülle an Tipps überfordert. Wir informieren uns und am Ende gehen wir doch unseren eigenen Weg. Aber dafür brauchen wir Vertrauen und Mut.

Am Sonntag, also am 2. Juni, feiern wir in Luthe um 18 Uhr wieder Abendgottesdienst. Im Vorbereitungsteam haben wir uns zum Thema Aufbruch viele Gedanken gemacht: Wann fängt etwas Neues an? Wenn man es denkt, wenn man es macht oder schon früher? Wer spricht mir Mut zu?

Wer in der Bibel liest, begegnet dort vielen Menschen, die neue, oft sehr aufregende Wege gehen oder sogar gehen müssen. Eine Bibelgeschichte im Alten Testament erzählt, wie Abraham von Gott aufgefordert wird, seine vertraute Heimat zu verlassen und sich mit seiner Frau Sarah auf einen unbekannten Weg zu machen. Zauberhaft klingt das nicht wirklich.

Aber dieser Aufbruch steht unter Gottes Segen. Die Geschichte erzählt auch etwas vom Segen Gottes, der für diesen Neubeginn Vertrauen gibt.

Manchmal können auch wir mit Leichtigkeit in etwas Neues aufbrechen. Oft haben wir aber auch Angst. So wie Abraham und Sarah. In solchen Zeiten tut es gut, wenn wir die gleichen Worte zugesprochen bekommen: 


Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Karin Puy, Lektorin in der Kirchengemeinde Luthe

„Ist dir etwas heilig?“ „Heilig, heilig - ich weiß nicht, was ich mir darunter vorstellen soll. Oder ich weiß es nicht mehr.“ „War das einmal anders?“ „Vielleicht, als Kind, da war Gott und da war Jesus für mich ganz wunderbar, eben heilig. Aber weißt du: irgendwann verliert jeder und jedes Ding die Aura des Heiligen. Nenn' mir eine gute Sache, die von Menschen nicht missbraucht worden ist?“ „Sollen wir deshalb die guten Sachen lassen?“ „Du kannst Fragen stellen! Was ist dir denn heilig?“ „Heilig, heilig, heilig ist Gott. Im ganzen Land genießt er einen guten Ruf!“ „In welchem Land lebst du denn? “ „Ich habe Engel mit sechs Flügeln zitiert, Seraphen. Damals im Tempel von Jerusalem haben sie so kräftig gesungen, dass die Türangeln des Tempels bebten: 'Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr der himmlischen Heerscharen' !“ „Lange her. Und nun?“ „Naja, Jesaja, ein Mensch aus Fleisch und Blut, ist auch mit im Tempel gewesen  - und sich seiner menschlichen Schwächen total bewusst. Trotzdem nimmt er den Auftrag Gottes an.  Dabei ist seine Botschaft wirklich schwere Kost: 'Die Leute werden blind und taub, trotz Augen und Ohren', soll er verkünden. Das will keiner hören. Ein wirklich schwerer Job! Aber er will unbedingt im Auftrag des Herrn unterwegs sein.“  “Warum?“ „Er ist erst in der Krise, dann erschüttert, dann Feuer und Flamme.“ „Komisch, bei der Botschaft!“ „Am Ende der Phase der Blindheit und Taubheit hört er die göttliche Stimme von einem heiligen Samen sprechen.“ „Was soll das sein?“ „Weiter erzählen, was ich von Gott gehört und erfahren habe. Das ist mir heilig. Auch gegen den Augenschein, wo wir auch durch müssen, mainstream egal.  Und der Same geht auf.“  „Heiliger Same - das gefällt mir. Und wer streut ihn aus?“

Wochenspruch zum Sonntag Trinitatis (27.05.2018)   aus Jesaja 6, Vers 3: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Pastor Hartmut Peters (Arbeitsfelder Altenseelsorge in Wunstorf / Mitarbeit z. Zt. in der  Johannesgemeinde Neustadt)

 

Was für ein Fest: 50, Pentecoste=dt. Pfingsten – ein Fest 50 Tage nach Ostern.

Haben sie sich schon mal gewundert? Wundern Sie sich immer noch ab und an? Über sich selbst? Über, das, was Sie mal geschafft haben, wie stark, Sie gewesen oder geworden sind? Körperlich, mental?

Glauben Sie an Wunder? Nein? Also alles leicht erklärbar und unmissverständlich, selbstverständlich? Gibt es in Ihrem Leben nichts wunderbares?

Die Christenheit feiert an diesem Wochenbeginn etwas Besonderes, Wunderbares, zum Staunen anregen-des, schwer fassbares; die Ausgießung des Heiligen Geistes, das Kommen des Trösters, Gott, mitten unter uns. Die wiederkehrende und auf Dauer angelegte Begegnung mit Gott. Komm, Heil'ger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Frieden schafft!

Von Anfang an gibt es die, die sagen: die sind doch alle betrunken, die bilden sich was ein und gaukeln uns was vor. Kann sein, dass die Jünger trunken sind – trunken vor Glück- und überschäumend und ansteckend auf jeden Fall; denn: Es gibt die Anderen, die, die spüren, wir werden verstanden und verstehen. Es gibt große Unterschiede, aber sie dividieren uns nicht auseinander. Das Verständnis füreinander ist prägender, wichtiger, stärker und bringt uns dazu aufeinander zuzugehen.

Das Brausen vom Himmel, die Feuerzungen, der Geist Gottes, sie ergreifen. Aber wie soll man das beschreiben, was da in und mit einem, was zwischen mir und den Anderen passiert? Dinge zu erleben und zu begreifen reicht noch nicht, um davon so erzählen zu können, dass man sich anderen verständlich machen kann. Mathematikunterrichtende können beispielsweise ein Lied davon singen, dass Lernende sie sehr unterschiedlich bis nicht verstehen. Petrus schafft aber genau das. Er spricht und selbst Menschen aus fremden Völkern mit anderer Sprache haben das Gefühl verstanden zu werden und zu verstehen, was da gesagt und getan wird und, dass es etwas mit ihnen zu tun hat, das Reden über Christus, die Ansprache an Dich und mich! Es erfüllt sich, was Jesus an Himmelfahrt verheißen: Die Menschen bleiben nicht allein, nicht fern von Gott, wenn er selbst nicht mehr sichtbar auf der Erde da ist.

Vielleicht gibt es auch für Sie und Euch eine Ansprache, etwas, was ansteckt, Sie und Euch dazu bewegt, sich hinreißen zu lassen, von dem, der sich zu uns wendet und seinen Geist ausgießt, der Frieden, Trost, Zuversicht schenken kann, obwohl diese Welt weit davon entfernt ist friedlich zu sein oder gar das Paradies.

Ich wünsche Ihnen begeisternde Begegnungen, fröhliche Gottesdienste und ein geistreiches, friedliches Pfingstfest - zum Beispiel beim ökumenischen Pfingstmontag im Stift mit Menschen aus ganz vielen unterschiedlichen Gemeinden, Musik, vielen Singenden und anschließender Zeit zu Begegnung, einander Kennenlernen und Austausch - Zeit also, um die Wirkung von Gottes Geist einmal selbst in der Begegnung mit Anderen zu erleben.

Diakon Heinz Laukamp

Es war auf einer der üblichen Dienstreisen. Mein Kollege Frieder und ich hatten einen sozusagen überaus erfolgreichen Vormittag bei einem Kunden verbracht. Wir waren beide aufs äußerste zufrieden.

„Komm, auf diesen Erfolg gehen wir noch angemessen Essen.“ sagte Frieder. „Selbstverständlich“, ich hatte nichts dagegen, es war Mittagszeit und wir hatten einen ziemlichen Weg über unkalkulierbare Autobahnen nach Hause.

Gesagt getan, also suchten wir uns ein Restaurant, das, weil überaus schönes Wetter herrschte, auch draußen bediente. Wir fanden bald einen schönen Biergarten, waren allerdings nicht die einzigen Gäste. Ein Mann an einem großen runden Tisch lud uns ein bei ihm Platz zu nehmen.

Wir hatten gerade unser Essen bekommen, als er einen Espresso und Digestiv bestellte. Ich dachte noch im Stillen: „Der gönnt sich was!“, denn er hatte zuvor wenigstens ein Menü mit mehreren Gängen.

Als ihn kurz darauf die Bedienung bat zu zahlen machte er ein betrübtes Gesicht. „Entschuldigung“ fragte er Frieder, „darf ich Sie bitten, mir 50 Euro zu leihen?“ Meine Gedanken überschlugen sich: ‚die würde doch keiner zurück kriegen‘, ‚ist der unverschämt‘ und ‚das wusste er doch vorher‘ waren nur die Harmlosesten. Frieder blickte mitleidig zu unserem Tischnachbarn und sagte zögernd zu meinem Erstaunen: „Na gut, ich gebe sie Ihnen.“ Der andere Gast bedanke sich und stammelte, er habe sein Auto rechts zu nahe an einem Poller geparkt und sein Portemonnaie wäre für ihn unerreichbar in den Fußraum des Beifahrers gefallen. Das Geld wolle er Frieder, wenn auch wir fertig wären, zurückzahlen.

Ich brauche nicht zu sagen, wie unverschämt diese Worte auf mich wirkten.

Kaum aufgegessen und bezahlt standen wir auf, nicht aber der fremde Gast an unserem Tisch. Er löste die Bremsen seines Rollstuhls und rollte uns den Weg zeigend voran. Es war alles, wie er geschildert hatte. Frieder bekam sein Geld zurück, ich hatte beim Essen den Rollstuhl nicht sehen können. Ich war begreiflicherweise außerordentlich beschämt.

Wir alle sollten einander bedingungsloser vertrauen.

Gunner Linde-Göers, Stiftsgemeinde

In vielen Frühlingsliedern wird er besungen--- der Monat Mai, der alles neu und die Seele frisch und frei macht und ringsum mit Sonnenschein glänzt. Explosionsartig sind in den warmen Tagen die Knospen an Bäumen und Blumen aufgesprungen und haben mit Duft und Farbenpracht die Natur verändert. Igel, Dachs, Hamster, Siebenschläfer wachen aus dem Winterschlaf auf, und wir Menschen fühlen uns so ähnlich. Lebenslust erwacht. Es zieht uns nach draußen, wenn die Sonne wieder auf die Haut scheint. Wir leben auf, könnten förmlich über Mauern springen. Lebenslust – Lebensmut – Lebensfreude: Blumen, Wanderungen durch die Natur in der Sonne oder Abende im Garten unter dem Sternenhimmel, Singen, Musik, Lachen, Freude.

Was bedeutet eigentlich das Wort Wonne? “, so fragte mich kürzlich jemand. Er hatte das Wort in der Bibel gefunden und in Psalm 36 gelesen: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.“

Wonne-- ein altes Wort, bei uns nur noch selten benutzt. In der Bibel kommt es mehrfach vor. Die Worterklärung beschreibt es als einen Zustand höchsten Glücksgefühls, Wohlbehagens, tiefer inniger Freude und Glückseligkeit.

In seinen Versen besingt der Psalmbeter die grenzenlose Güte Gottes und bekennt: In all seiner unendlichen Größe neigt sich Gott jedem einzelnen Wesen zu. Ist es nicht wunderbar und schier unglaublich, dass Gott trotz so viel menschlicher Unzulänglichkeit weiter mit Güte für uns da sein will und dass seine Wahrheit immer noch ein Stück weiter reicht als das, was Menschen anrichten auf dieser Erde?

Ich wünsche uns, dass wir nicht nur im Wonnemonat Mai sondern an jedem neuen Morgen, in jedem neuen Frühling, in jedem Erwachen und Wachsen der Natur die Güte Gottes wahrnehmen und erkennen können.

Erce-Inga Frost, Lektorin in Wunstorf

Eine Richtigstellung bringt eine Zeitung immer dann, wenn es etwas falsch vermittelt wurde. Dann gibt es eine Randnotiz mit der Korrektur. Solche Korrekturen brauchen wir heutzutage vermehrt. Denn irgendwie scheint die Welt aus den Fugen geraten: Selten fühlte sich ein weiterer Weltkrieg so nah an wie im Moment, selten konnte man den Mächtigen dieser Welt subjektiv so wenig trauen wie zu dieser Zeit.

Als Gregor Gysi vor gut drei Wochen in Idensen zu Gast war, sprach er über die wichtige Rolle der Kirchen heutzutage. Eine moralische Instanz bräuchte diese Welt, meinte er und es gibt so niemanden mehr, der diese einnähme. Bei Moral mag manch einer an Wertvorstellungen des Zusammenlebens denken, aber Gysi bezog sich auf Größeres: Wie leben Menschen zusammen, wie interagieren Nationen, wie gehen wir mit den Schwächsten unserer Gesellschaft um?

Die Kirche schweigt, jedenfalls kommt kaum etwas in der Bevölkerung an? Wo ist die Richtigstellung? Warum mischen sich Christinnen und Christen – egal ob hauptamtlich oder einfach nur gläubig – nicht einmal ein? Gysi als Nicht-Gläubiger hat recht. Die Kirche muss mehr tun.

Wir erleben momentan eine Kultur der Vorverurteilungen ohne stichhaltige Beweise. Im Zweifelsfall ist Wladimir Putin schuld. Gibt es einen neuen Computer-Virus? Putin. Ein Agent wird attackiert? Putin. Auch wenn ich Putin vieles zutraue, ich traue anderen Regierungen auch viel zu. Die Isolation von einer Macht verhärten sich nur die Fronten und die Kommunikation wird eingestellt – keine diplomatische Lösung in Sicht.

Die Kirche als „moralische Instanz“ hat hier einen klaren Leitsatz aus dem Matthäus-Evangelium, den sie kundtun sollte: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ Nimmt man die Bibel ernst – und es kann guttun, es zu tun – würde es zu mehr Offenheit in der Diskussion führen.  Und möglicherweise zu mehr Frieden auf der Welt.

Jörg Mecke, Prädikant in Idensen

Wir haben eine Skulptur bekommen!

Der spanische Bildhauer M. Donato Diez hat sie gemacht und sie heißt „Familie“. Sie ist aus einem Walnussholz gearbeitet, es ist eine schlichte Figur, zwei Erwachsene und ein Kind davor. Aus einem Holz und ganz verbunden. Ich lese ein bisschen über den Künstler: „Der Mensch mit all seinen Facetten, wie er ist oder sein will, interessiert den Künstler“ schreibt eine Zeitschrift und: „Auf das Wesentliche, das Typische reduziert“ sind seine Figuren, zeitlose Prototypen.

Familie, dabei denke ich an enge Bindungen. Familie schafft Zugehörigkeit, sie trägt zum Selbstbild bei und sie bildet eine Basis für spätere dauerhaft angelegte Beziehungen. Die Familie, in der wir aufwachsen, prägt uns und unser Leben. Im günstigen Fall finden wir in ihr Geborgenheit, wie auch Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten. Und entwickeln in ihr Vertrauen zu anderen wie auch Selbstvertrauen zu uns.

Erfahrungen von Brüchigkeit von Familie lässt D. Speck in seinem Roman „Bella Germania“ die Hauptdarstellerin so beschreiben: „Familien waren unbeständige Konstrukte auf Zeit, gebaut auf Gefühle, die vergehen, Hoffnungen, die verblassen und Konventionen, die zerbrechen.“ Familie wurde als wackelig erlebt. Man durfte sich nicht auf sie verlassen.

Jesus hat familienkritisch seiner eigenen Familie gegenüber seine Jünger und Jüngerinnen als wahre Familie bezeichnet.

In der Ev. Lebensberatung arbeiten wir mit Familien, mit Paaren und mit Einzelnen. Alle haben eine Familie, aus der sie kommen, eine Herkunftsfamilie. Viele setzen sich in der Beratung auch kritisch mit ihrer Familie auseinander und entscheiden, wie sie ihr eigenes Leben und ihr Familienleben gestalten möchten.

Ich betrachte die Skulptur und empfinde es so: Sie zeigt den Wunsch, Familie zu sein. Das schließt andere Erfahrungen ein. Sie passt zu uns.

Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der Lebensberatung für Einzelne, Paare, Familien / Supervision der Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Grafschaft Schaumburg und Neustadt-Wunstorf.

Mich bedrückt das Geschehen in Münster. Weil ich als Seelsorger weiß, wie schwer es für Angehörige und Betroffene ist, ein solches Schicksal anzunehmen, wenn die Tat so sinnlos ist. Wenn Leben und Gesundheit von Menschen so wenig wertgeachtet werden, jemand so weit geht, um zuletzt die Aufmerksamkeit, die große Öffentlichkeit auf sich zu lenken.

Wir sollten besser miteinander umgehen. Wir sollten mit unserem Mitgefühl an der Seite der Opfer stehen, Ihnen durch Blumen und Worte Trost spenden, aber öffentlich möglichst wenig über die Motive und Lebensumstände des Täters spekulieren, reden und berichten. Das erst schafft eine Aufmerksamkeit, auch für andere.

Erschreckend, wie schnell Mutmaßungen als Gewissheiten gelten, wie Menschen ohne jede Kenntnis von Umständen und Hintergründen Schuldzuweisungen treffen und daraus Forderungen ableiten. Da war sofort wieder von ‚Merkeltoten’ die Rede.

Erschreckend, wie schnell Menschen urteilen, andere verurteilen, ausgrenzen wollen und für alles verantwortlich machen.

Das hilft den Opfern nicht und macht unser Leben nicht besser oder sicherer.

Wir werden nur in Frieden miteinander leben, wenn wir einander als Menschen achten, auch in unserem Anderssein.

Weder Aussehen noch Herkunft, weder Religion noch Tradition dürfen ein Grund sein, andere Menschen zu verachten, ihnen Gewalt anzutun.

In den evangelischen Kirchen feiern wir diesen Sonntag den guten Hirten.  Und Konfirmationen. Der Psalm 23 gehört zum Glauben aller Christen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Darin hat Jesus sich erkannt, weil Gott sich um alle Menschen kümmert, sagt er von sich: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (Johannesevangelium 10, 14+15). Und dann sagt er, seine Zuwendung gelte ebenso den anderen Schafen, die nicht aus diesem Stall sind.

Darum treten wir als Christen mit unserem Leben nicht gegen andere an sondern für andere ein. Suchen, was das Leben und Miteinander aller Menschen fördert und lebenswert macht.

Das Bild von Gott, dem guten Hirten aller Menschen, kann helfen uns nicht über andere zu erheben. Eine verbale Abrüstung im Reden übereinander hat Margot Käßmann gerade gefordert. Sie kann uns zu mehr Respekt und Achtsamkeit führen.

Einen gesegneten Sonntag und (besonders denen, die konfirmiert werden): Herzlich Gott befohlen!

Ele Brusermann, Pastor in Mandelsloh

Jetzt sagen sie wieder Ja. Die jungen Leute, die sich auf ihre Konfirmation vorbereitet haben. Ich bewundere sie oft.

Sie nehmen Kirche ernst. Mehr als das viele Erwachsene tun. Sie haben sich mindestens ein Jahr lang mit Glaubensfragen beschäftigt. Sie sind meistens pünktlich beim Konfirmandenunterricht gewesen. Sie sind mit der Kirchengemeinde weggefahren. Sie haben Gottesdienste besucht und womöglich sogar selber welche gestaltet. Sie haben in der Gemeinde mitgeholfen.

Nun lassen sie sich konfirmieren. Sie sagen Ja zu ihrer Taufe – und gern auch Ja zur Kirche, wenn diese ihnen nicht blöd gekommen ist.

Hier und da werden Jugendliche auch aus der Kirche hinauskonfirmiert. Da, wo sie immer als Störung und nicht als Bereicherung betrachtet wurden. Da, wo man ihnen keine Träne nachweint. Da wollen sie nicht bleiben. Dazu sagt niemand Ja.

Eigentlich komisch. Bei der Konfirmation werden die Jugendlichen besonders gesegnet. Segnen heißt in den alten Sprachen der Kirche – in Hebräisch, Griechisch und Latein – so was wie „Gutes sagen“ oder „loben“.

Wenn ab morgen in den Gemeinden Konfirmationen gefeiert werden, dann wünsche ich den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie dort gelobt werden. Das ist gar nicht so schwer. Auch wenn sie manchmal laut sind oder frech oder unkonzentriert, eigentlich sind Jugendliche leicht zu loben. Alle! Die können was, die wollen was, die haben uns was zu geben: Lebensfreude, Power, Witz und Glauben. Dafür seien sie gelobt, wenn sie morgen oder an einem der nächsten Sonntage „Ja“ sagen. Dann werden sie spüren, dass sie gesegnet sind.

Loben Sie die Konfis! Und wenn es in Ihrer Nähe gerade keine Jugendlichen gibt, die konfirmiert werden? Weil die Jugendlichen gerade nicht im richtigen Alter sind. Oder katholisch. Oder muslimisch. Oder ohne Religion.

Macht nichts. Loben Sie auch diese Jugendlichen. Das kann nicht schaden. Vergessen Sie nicht: Ein Lob legt Segen auf einen Menschen. Wer könnte das nicht gut gebrauchen?

Andreas Behr, Dozent für Konfirmandenarbeit am RPI Loccum

Wir können uns nicht verstecken

vor den Dingen der Zeit

in den Glauben.

Aber auch nicht vor dem Glauben

in die Dinge der Zeit.

Auf dem hellen Eichensarg blinkt ein kleiner Silberlöffel. Zu ihren Lebzeiten hatte die Verstorbene verfügt: „Wenn ich einmal sterben werde, dann legt mir zum Abschied einen Dessertlöffel auf den Sarg.“ „Aber warum einen Nachtischlöffel, liebe Großmutter? Warum keine Blumen?“ Da hatte sie gelacht: „Wisst ihr, immer wenn ich beim Essen den kleinen Löffel vor meinem Teller liegen sah, dann wusste ich: das Schönste, das kommt noch. So ist es auch jetzt, wenn ich sterbe. Das Schönste kommt zum Schluss.“

Vor Tische sieht das Leben oft ganz anders aus. Sitzen wir erst festlich beieinander, so erkennen wir uns ganz neu. Wer bin ich? Und wofür stehe ich? Erzählen wir von dem, was wir erreicht, geschaffen und uns gelungen ist? Oder beklagen wir lieber unser Leid und das der Welt? Nur manchmal erklingt zwischen uns etwas ganz Neues. Es ist wie eine dritte Stimme. Etwas Erhabenes. Es lässt unsere Herzen höher schlagen. Unser Gemüt erhebt unsere Seele. Für Sekunden sind wir frei von Last und Stolz. Dann sind wir nur wir selbst.

„Siehe, das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen.“ (Matthäus 17,5) Gott, der so uns spricht, wirbt um uns und unser Leben. Nicht Ruhm noch Schmach ist ihm verheißen. Sondern ein Platz im Himmelreich. Sich daran zu erinnern, bedeutet Ostern zu feiern.

Pastor Tilman Kingreen, Hannover

Haben sie es schon mitbekommen? Die Vögel zwitschern morgens wieder! Nachdem die Kälte vergangen ist und die Tage langsam wärmer werden, erwacht die Natur schlagartig zu neuem Leben. Im März kommt (endlich!) der Frühling wieder. Dazu gehört es auch, dass man morgens wieder vom Gesang der Vögel geweckt wird. Die Vögel erinnern uns daran: Singen tut der Seele gut! Und es wirkt: Als kleiner Junge bin ich singend in den dunklen Keller gegangen – gegen die Angst. Als Pfadfinder habe ich am Lagerfeuer gesungen – von Träumen und Fernweh. Als Student habe ich im Uni-Chor gesungen – für die Gemeinschaft.

In der Bibel werden wir immer wieder dazu aufgefordert: „Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ (Kol 3,16) Offenbar freut sich Gott, wenn ich singe. Es ist etwas ganz Persönliches zwischen ihm und mir. Musik hilft, meine Gefühle auszudrücken: Bin ich fröhlich, stimme ich ein Loblied für ihn an. Bin ich traurig, lege ich meine Sehnsucht nach Gott ins Lied. Mehr als Sprache es kann, erzählt Musik von der Nähe Gottes. Sie macht Mut, der stärkt. Sie verbreitet Fröhlichkeit, die ansteckt. Sie berührt das Herz – so sehr, dass sie andere Menschen erfasst und verbindet.

Und wenn ich nicht singen kann? Wichtiger als die Töne richtig zu treffen, ist für Gott die Einstellung des Herzens. Wo man singt, da lass dich ruhig nieder – böse Menschen haben keine Lieder. So heißt es im Volksmund und das bedeutet doch wohl: Sänger haben ein gutes Herz! Bin ich mit dem Herzen dabei, wenn ich singe? Dann darf ich auch krächzen. Meine ich ernst, was ich singe? Dann darf ich auch schief singen. Und wenn die Stimme einmal wirklich versagen sollte, dann summe ich still im Herzen mit.

„Singet dem Herrn in eurem Herzen!“ Lassen Sie sich anstiften dazu im aufbrechenden Frühling. Es gibt zahlreiche Gelegenheit: in der Kantorei, in Chören, unter Freunden, am Sonntagmorgen in der Gemeinde. Oder besuchen sie eines der zahlreichen Konzerte in der Stiftskirche oder anderswo und lassen die Seele baumeln beim Lauschen. Sie werden sehen: Es beswingt und erfüllt das Herz mit Fröhlichkeit.

Pastor Volker Milkowski, Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

Schon morgens geht es los. Der Wecker klingelt um halb sieben. Verschlafen dreht sie sich um und denkt sich: „Nein, noch nicht, fünf Minuten sind noch drin.“ Sie findet die Schlummer-Taste und zieht sich die Decke nochmal über den Kopf. Sie hat eine Wahl getroffen, die fünf Minuten Dämmerschlaf heißen auch: fünf Minuten weniger Zeit für das Frühstück oder die Dusche.  

Und das geht den ganzen Tag so weiter. Eine Entscheidung nach der anderen.

Hirnforscher haben festgestellt, dass wir pro Tag rund 20 000 Entscheidungen treffen.

Das beginnt bei den Banalitäten des Alltags: Aufstehen oder liegen bleiben? Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad? Salat oder Currywurst mit Pommes? Nach der Arbeit noch zum Sport oder lieber auf das Sofa? Und noch vieles mehr.

Darüber hinaus gibt es weitreichende Entscheidungen, die wir treffen: Welchen Beruf will ich ausüben? Will ich eine Familie gründen? Wo und wie möchte ich wohnen?

Wir haben die Wahl auf dem Markt der Möglichkeiten – nie zuvor war Auswahl so groß wie heute.

Das führt auch dazu, dass manche Wahl zur Qual wird. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten können uns überfordern, wir wägen das Für und Wider ab, vielleicht holen wir uns einen Rat ein und treffen erst nach reiflicher Überlegung eine Entscheidung.

Aber eine Wahl ist nicht nur eine Qual, es ist auch eine Möglichkeit sich damit auseinanderzusetzen, wofür wir stehen und was uns wichtig ist. Wir dürfen wählen und so uns und unsere Interessen einbringen.

Am Sonntag (11. März) werden in unseren Gemeinden die Kirchenvorstände gewählt. Hiermit möchte ich alle Wahlberechtigten bitten: Geben Sie Ihre Stimme ab und nehmen Sie Einfluss darauf, wer die Kirchengemeinde in den nächsten Jahren leiten wird. So können Sie mitgestalten und sich für die Dinge einsetzen, die Ihnen wichtig sind und den Ehrenamtlichen Ihrer Wahl Ihr Vertrauen aussprechen.

Ihre Vikarin Ann-Karin Wehling, Vikarin der Corvinus Kirchengemeinde Wunstorf

„7 Wochen ohne Kneifen“ – so lautet das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr.

„Zeig Dich!“ Habe ich mir zusammen mit über 20 Schülerinnen und Schülern der Evangelischen IGS Wunstorf vorgenommen. Wir haben dazu im Mittagsband gearbeitet und uns überlegt, wie wir uns bis Ostern zeigen können. Zu den jeweiligen Ideen haben wir entweder Fotos gemacht oder geguckt, welche Bilder aus unserem Schulleben ‚uns zeigen’. Uns Gedankenanstöße geben – und uns sichtbar machen. 

Jeden Tag: Zeig Dich. Immer zu einem anderen Motto. „Zeig Dich – Du bist einzigartig“ ist zum Beispiel ein Plakat. Auf dem Foto sind viele Schülerinnen und Schüler, zu sehen – die in ihrer Verschiedenheit in die Kamera lachen. Und im Vordergrund macht eine Achtklässlerin gerade Handstand.

Ein anderes Plakat zeigt ein Foto, das beim Lebendigen Adventskalender im vergangenen Jahr entstanden ist – und auf dem viele fleißige Hände einen Adventskranz binden. Dieses Foto steht unter der Überschrift: Zeig Dich – bring Dich ein für die Gemeinschaft. Jeden Tag ist im Eingangsbereich der Schule ein neues Plakat zu entdecken. Und nach und nach stellen wir alle Fotos auch im Internet unter http://www.evangelische-igs-wunstorf.de/aktuelles/meldungen/2018-02-14_fastenzeit ein.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. Das war vor ein paar Tagen das Motto in dem Kundenstopper. Und dazu ein Bild vom Weltgebetstagslogo.

Zeig Dich! – Geh auf andere zu. An der Ev. IGS ist das ja sogar Konzept – dass Schülerinnen und Schüler auf einander zu gehen. Dass sie sich gegenseitig unterstützen und sich trauen, sich gegenseitig zu helfen, wenn jemand Hilfe braucht. Aber auch, sich zu melden und zu sagen, wenn sie selbst Unterstützung benötigen.

Zeig Dich - Geh auf andere zu: Am Weltgebetstag haben das viele, viele Menschen in den unterschiedlichen Gemeinden getan. Auch wir in der Schule haben mit einem Gottesdienst im Andachtsraum der Schule an die Menschen in Surinam gedacht, das dieses Jahr das Weltgebetstags-Gastgeberland ist.

Zeig Dich! - Geh auf andere zu. Das tut gut – hier vor Ort, zum Beispiel beim Gottesdienstvorbereiten und -feiern. Und weltweit, indem wir über unseren Tellerrand schauen und uns daran erinnern lassen, dass wir Menschen weltweit eine Gemeinschaft sind, Teil von Gottes Schöpfung.

Franziska Oberheide, Schulpastorin an der Ev. IGS Wunstorf

Erinnern Sie sich noch an die Werbung vergangener Tage, in der eine Frau wahrnimmt, dass die Wäsche nach dem Waschgang immer noch nicht ganz sauber ist und dieselbe Frau schemenhaft aus sich selbst heraustritt – quasi als eigenes Gewissen - und sich selbst fragt: „Hab ich etwa das falsche Waschmittel benutzt?“ Anfang des Jahres habe ich an einer 5-tägigen Schweigefreizeit teilgenommen. Obwohl meine Töchter spotteten, „wie ich das denn ohne zu reden 5 Tage aushalten würde“, muss ich sagen: Das war richtig klasse und erinnerte mich ein bisschen an diese Werbung. Denn es war eine Zeit des „Aus-Sich-Heraustretens“, des „Abstand-Zu-Sich-Selbst-Gewinnens“, in der mich Fragen bewegten wie z.B.: „Wie läuft es eigentlich in Ehe, Familie, Arbeit? Wie packe ich die Dinge an? Was habe ich mir anders vorgestellt? Wo bin ich unzufrieden, verrenne mich grade, was kann ich besser machen?“ und „Was beglückt mich?, Was läuft im Augenblick so richtig prima?“

Diese Zeit war wunderbar und belebt seitdem die Wochen danach. Noch jetzt zehre ich davon, denn so etwas schärft in angenehmer Weise den Blick/die Sinne für das alltägliche „Klein-Klein“.

Diese Woche hat die Passionszeit begonnen. Sie ist zwar keine intensive Schweigefreizeit, lädt aber in ähnlicher Weise dazu ein, mal einen gesunden Abstand zu sich selbst und dadurch neue Kräfte und einen schärferen Blick für den Alltag zu gewinnen. Dies geschieht, indem ich in diesen Wochen ganz bewusst den Blick über den eigenen Tellerrand werfe und auf ihn, den Christus schaue, wie er mit Menschen umgeht, was er sagt, wie er sie behandelt - wie er sein Leben einbringt und genau dadurch Leben freisetzt. Wer sich mit etwas Neugierde und Ausdauer darauf einlässt, der kann entdecken, wie fruchtbar das ist.

Impulse, wie man diese Passionszeit angemessen anpacken kann/ihr Gestalt geben kann, die werden Sie sicher in Ihrer Kirchengemeinde bei Ihrem Pastor/Ihrer Pastorin bekommen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine „belebende“ Passionszeit.

Ihr Pastor Claus-Carsten Möller, St. Johannes/Wunstorf

Thomas GleitzErneut ist die Autoindustrie ins Gerede gekommen. Affen- und Menschenversuche sollten nachweisen, dass Abgase weniger bedrohlich sind, als angenommen. Zu Recht ist die Empörung über solche Versuche groß, zumal außer für PR-Zwecke kein Nutzen erkennbar ist. Eine neue Erkenntnis lässt sich so nicht gewinnen. Die Belastung durch Abgase ist seit Jahren offensichtlich zu hoch. Pflanzen, Menschen und Gebäude sind durch die Lasten unseres Individualverkehrs nachhaltig geschädigt. Die meisten von uns beteiligen sich aktiv an diesem Großversuch. Wenn ich mich an den Stadtgraben stelle und in die vorbeifahrenden Autos sehe, sitzt fasst immer nur eine oder einer darin. Schwere, geräumige Fahrzeuge werden bewegt, um eine Handtasche zu transportieren. Wir alle atmen als Versuchstiere die Abgase ein. „Macht euch die Welt untertan“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Gemeint ist aber nicht die gnadenlose Unterwerfung, sondern die verantwortliche  Fürsorge. Die gescholtene Industrie kann sich solche abscheulichen Versuche leisten, weil die Lobby für das Auto ungebrochen ist.  Wir kaufen und nutzen es weiter, selbst für kürzeste Wege. Wie wäre es darum, die kommende Fastenzeit zu einem anderen Selbstversuch zu nutzen: Sieben Wochen lang das Auto gar nicht oder nur für Strecken ab zehn Kilometern einsetzen? Ein Selbstversuch, der Abgase deutlich reduziert und die eigene Fitness voran bringt. Sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind überschaubar. Vielleicht aber tragen sie dazu bei, dass wir auch in Zukunft das Loblied auf die Schöpfung singen können: „Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.“ Psalm 104, 1

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

1000 Musiker geben ein Konzert: Sie spielen „Learn to Fly“ von den Foo Fighters, eine amerikanische Rockband. Unter dem Titel „That‘s Live“ trafen sich weit mehr als 1000 Musikbegeisterte im Manuzzi-Stadion im italienischen Cesena. Gemeinsam gaben sie die größten Rocksongs der Geschichte zum Besten: Von „Born to be Wild“ bis „Seven Nation Army“, von „Come Together“ bis „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana war alles dabei. Und daraus wird eines deutlich: Wenn mehr als tausend Menschen mit ihren Instrumenten die komplette Arena eines Stadions füllen und dann im absoluten Einklang und mit sichtlich viel Spaß die größten Klassiker der Rockgeschichte spielen, ist Gänsehaut unausweichlich. Ein einmaliges Ereignis – das Organisator Fabio Zaffagnini mit einer starken Botschaft unterstrich: „Bleibt zusammen, keine Konflikte mehr und spielt Rock‘n Roll!“

Mitmachen, etwas zusammen auf die Beine stellen, sich für Frieden und Gerechtigkeit, für das Allgemeinwohl einsetzen – das ist eine wichtige Aufgabe von Kirche. Sie baut auf Christinnen und Christen, die Kirche gestalten, ihre Ideen und Begabungen einbringen und Verantwortung übernehmen. Zusammen einen guten Song spielen.

Am 11. März 2018 werden die Kirchenvorstände in Niedersachsens Kirchengemeinden neu gewählt. Allein in der Landeskirche Hannovers sind 14.000 Ämter neu zu besetzen, bei uns in der Liebfrauen- und Johannesgemeinde mehr als 20 neue Ämter. 

Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher entscheiden über Gebäude und Finanzen ihrer Gemeinde, über Personalplanung, Gottesdienstkonzepte, Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden und Partnern in Kommunen, Kultur, Schulen und Vereinen.

Etwas zu bewirken in Gemeinschaft mit anderen – das ist vielen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern wichtig und wert, ihre Zeit und Kraft einzusetzen.

Alle Wahlberechtigten – und auch die, die erst 14 Jahre sind –  bitte ich: Begleiten Sie die Kirchenvorstandswahl am 11. März als Mitwirkende. Machen Sie Ihre Gemeinde stark, indem Sie die künftigen Akteure mit Ihrer Stimme unterstützen. Das wäre Rock´n Roll.

Pastor Marcus Buchholz, Pastor an der Liebfrauenkirche Neustadt

 

„Der Strohhalm kommt auch in die Vase. Da steht schon einer drin , den ich früher mal aus der Krippe mitnahm. Manchmal streichle ich ihn. Nun habe ich zwei, die mich hin und wieder aufrichten und mir Mut machen.“ Das sagte eine Besucherin beim Verabschieden nach dem Epiphanias-Gottesdienst, und sie war nicht die Einzige mit dem Halm in der Hand. - Im Mittelpunkt des GD hatte noch einmal die Krippe gestanden. Dazu gehörte die Geschichte vom Krippenspiel einer Gemeinde, in dem man die Besetzung von 3 Königs-Rollen vergessen hatte und spontan um Mitmach-Bereitschaft bat. - Bei uns waren nun die 3`Last minute-Könige`an die Krippe heran getreten. Sie kamen nicht mit kostbaren Geschenken, sondern mit leeren Händen und schilderten ihre jeweilige Lebenssituation. Der Erste legte seine Gehhilfe darauf ab und dankte dem Kind in der Krippe für die unerwartete  und so sehr herbei gesehnte Heilung „Ab jetzt sollst du mein Halt sein“. Der Zweite war eine Königin, die das erneute Ja zu ihrem anstrengenden, oft eintönig empfundenen, Familien-Alltag brachte .“Ich möchte dich, Kind in der Krippe, mit hinein nehmen in mein jetziges Leben.“ Der Dritte schilderte sein Leben voller Unruhe und Angst „Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Krippenkind. Mein Herz ist voll Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin gespannt, was du für mich bereit hältst.“ Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königs-Auftritt stand eine fast bedrückende, Sprachlosigkeit im Raum, bis Josef (das wurde bei uns nur erzählt) spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem 3.König in die leeren Hände gab und sagte „Das Kind in der Krippe ist der Halm, an den du dich klammern kannst.“ Weil die GD-Besucher spürten, dass wir alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren, trotz voller Taschen, kam es zu dem vorgeschlagenen Krippen-Gang, sich einen Strohhalm mitzunehmen. Uns allen wurde deutlich, dass es ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung dafür, dass man etwas entgegen nehmen kann. Gott beschenkt uns – und nicht nur zu Weihnachten- auch in diesem neuen Jahr!

Prädikantin Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Aufbruchsstimmung: Das „Gloria“ der Engel zu Weihnachten steht mir noch vor Augen, in den Ohren und im Herzen. Aufbruchsstimmung: Nach knapp zweieinhalb Jahren geht meine Zeit als Vikarin und damit auch meine Zeit in der Region und im Kirchenkreis zu Ende. Umzug und Neuorientierung stehen an: Es geht nach Ströhen und Wagenfeld. Mit der Aufbruchsstimmung geht also auch ein Abschied einher: Ich mag keine Abschiede und doch gehören sie zu einem Aufbruch dazu. Mein Mann und ich packen also unsere Sachen – ich nehme mit: eine Taschenlampe und eine Straßen- und Wegekarte zur Orientierung; warme Decken und einen Tee für die Gemütlichkeit und vieles mehr. Mit im Gepäck auch die Erinnerung an zweieinhalb Jahre Kolenfeld – nach einer langen Wanderung stehen die Israeliten am Ufer des Jordans an der Schwelle zu dem Land, dass Gott ihren Vätern verheißen hatte. Sie waren aufgebrochen und hatten vieles erlebt. Es war streckenweise mühsam und holprig gewesen; andere Male war es fast wie von selbst gegangen. Sie hatten gemeinsam gelacht, aber auch manche Träne geweint. Häufig hatten sie sich gefragt: Wie mag es sein? Was hatten sie nicht alles durchgemacht und überstanden? Auch schöne Momente waren dabei gewesen; Momente der Gemeinschaft und der Geselligkeit. Jetzt standen sie am Übergang: Am Übergang ereilt sie die erneute Beistandszusage Gottes: „Sei nur getrost und unverzagt! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!“ Gott, der sie bis hierher geleitet und begleitet hatte, geht auch weiterhin mit. Er ist da im Übergang und über die Schwelle des Übergangs und des Abschieds hinaus – er ist mit Ihnen und Euch und mit mir im Jahr 2018 und spricht: „Sei nur getrost und unverzagt!“ Im Wissen darum lässt sich selbst ein Abschied leichteren Herzens nehmen. Am Übergang steht der Wunsch: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Ihre und Eure Vikarin in Kolenfeld, Kerstin Wackerbarth