Andachten 2016

Wochenandachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2016.

Unser Leben verstehen wir oft wie eine Jahres-Zugewinn-Gesellschaft: Noch ein Jahr kommt dazu und noch ein Jahr und noch ein Jahr. Und die Summe aller Jahre: Das bin Ich? Wir wissen, dass unser Leben nicht endlos währt. Doch Worte und Taten fallen auseinander. Uns fehlt der Blick für das Besondere. Dabei kann uns der Jahreswechsel helfen. Was war das Besondere an diesem zu Ende gehenden Jahr 2016. Was hebt es heraus aus der Kette all der anderen Jahre? Was war einmalig? War es etwas Schweres oder etwas Erhebendes?

Im täglichen Einerlei fällt es uns schwer, das Einmalige zu erkennen. Eine Flatrate-immer-noch-einmal-Stimmung ergreift uns. Dieses Immer-wieder und Immer-noch-einmal-haben-wollen ist wie zu einer Religion geworden. Wir glauben, dass es mit unserem Alltagimmer so weitergeht. Aber das Leben denkt anders. Es ist einmalig. Es wird nicht wiederholt. Es gibt keine Neuauflage. So wie wir das Lebenmit unseren Körpern, unseren Worten und unseren Taten gestalten, so wird es einmalig bleiben. Es istnicht die Menge der Jahre, es ist die Qualität der Jahre, die uns den Sinn unseres Lebens erschließt. Diese Qualität unseres Lebens ist voller Spannungen und Widersprüche. Sie reicht von Tod, Schmerz, Angst und Schrecken bis hin zu Glück, Geburt, Errettung und Heilung.

Der christliche Glaube sagt: in all diesen Qualitäten wohnt Gott. Er ist bei uns gegenwärtig im Schönen wie im Schweren. Uns fällt es leichter, Gott im Schönen zu glauben. Angst und Schrecken können wir nur ganz schwer in unserem Leben annehmen. Die biblische Jahreslosung 2017 lautet. „

Ob leicht oder schwer, ob lang oder kurz – Gott hat unser Leben für die Ewigkeit bestimmt. Aus dieser Quelle empfangen wir unsere verschiedenen Lebenslose. Diese Quelle sprudelt weiter Hoffnung für uns empor. Vor Gott können wir ohne Verbitterung und ohne Selbstgefälligkeit bestehen. So lasst uns nun geh’n und treten in dieses neue Jahr! Mit Singen und mit Beten! Denn Gott ist immer da!

Pastor Tilman Kingreen

"Freut Euch in dem Herrn!" - Gaudete - ist der Name des morgigen Sonntags für die lutherischen Christen im Land und war es für andere christlichen Konfessionen am vergangenen Wochenende. Was für eine Aufforderung! In Syrien gibt es rund um und in Teilen von Aleppo eine Waffenruhe. Menschen können den Kampfzonen entkommen. Ein Grund zur Freude!?! Was kann, was wird daraus entstehen? Wie wird sich das Leben der Menschen verändern? Wird Frieden werden? "Freut Euch!" wird uns zugerufen, die wir hier  in Frieden leben. Schätzen wir das nicht gering. Der Friede ist keine Selbstverständlichkeit und er ist es nie gewesen – weder bei uns noch irgendwo auf der Welt. Gründe zur Freude gibt es überall. Wir leben in einer Welt, in der uns vieles selbstverständlich scheint. Ganz viele in unserem Land haben alles, was sie zum Überleben und meist auch was sie zum Leben brauchen. Jedenfalls werden viele das so sehen. "Freut Euch!"

"Freut Euch!" Die Zeit des Wartens geht zu Ende. Erwachsene hetzen durch die Zeit. Manche nehmen sich Zeit. Schauen auf den Trubel und Treiben auf den Weihnachtsmärkten und in Geschäften. Manche wünschen vielleicht, die Zeit möge endlich vorüber sein - mit dem ganzen schnulzigen Gesinge in den Kaufhäusern und auf den Märkten. Manche sehnen sich insgeheim vielleicht nach nichts mehr, als genau nach dem, was da gesungen wird – Friede auf Erden! Freude! Bald nun ist Weihnachtszeit! Durchatmen!

Ein Kind kommt in unsere Welt. Wir freuen uns über neues Leben - mitten im Dunkel. “Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch!” Warum tun wir uns oft so schwer damit uns zu freuen? Kindern fällt das ganz offensichtlich leicht. Das Strahlen ihrer Augen verrät es, selbst wenn sie nicht wissen, wie sie ihre Freude in Worte kleiden sollen. Auf mich wirken ihre Freude und ihr Lachen ansteckend. Andere werden vielleicht melancholisch, weil ihr Leben, weil das Leben von ganz vielen Menschen, eben nicht so fröhlich, so ungezwungen ist.

"Freut Euch!", da kommt jemand in die Welt, mit dem wird alles anders. Er kann das Leben verwandeln. In seinem Angesicht können wir Neues gestalten und unser Leben neu ausrichten. Nutzen wir die Zeit, die vor uns liegt. Hoffen wir voller Freude auf das, was kommen wird. Ein Mensch erblickt das Licht der Welt. Er hat sie in den vergangenen Jahrhunderten von Grund auf verändert, überall da, wo Menschen ihm vertraut haben und tut es bis heute. Lassen wir uns anstecken von der großen Freude und nutzen die Gunst der Stunde, dass mit einem neuen Leben immer auch für andere Neues beginnt. "Freut Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Der Herr ist nahe!" Gott kommt in diese Welt. Er will bei einer und einem jeden von uns einziehen. Schaffen wir ihm Platz.

Diakon Heinz Laukamp

Weihnachten! Unsere Seele macht sich auf den Weg. Sie verlangt nach Heimat. Sie sucht ihr Zuhause. Wo gehöre ich hin? Alle Jahre wieder ergreift uns diese Sehnsucht. Wir fragen: Wer gehört zu mir? Stirbt ein Mensch, den wir liebten, so gibt es beim ersten Weihnachtsfest nach seinem Tod den Brauch, aus dem eigenen Weihnachtsbaum einen großen Zweig herauszubrechen. So unersetzbar bist du. Du hinterlässt eine Lücke. Sie wird bleiben.

Weihnachten nimmt unsere Seele neu Maß. Sie durchmisst Himmel und Erde. Sie gewichtet alle Orte: Wer trägt die Lebenden und die Toten? Unser Getragensein hat ein Woher: Den Mutterleib, die Herkunftsfamilie mit den Generationen vor uns. Und ein Wohin: Das Grab und eine Erinnerung bei den Nachfahren. Und vielleicht mehr! Wir verstehen nicht allzu viel von dem, was uns alles vorausgetragen worden ist. Noch viel weniger verstehen wir, was uns nachgetragen werden wird und wohin wir getragen werden nach dem Tod. Am ehesten verstehen wir etwas vom Getragensein zwischen Aufwachsen und Sterben. Wenn brauchen Tragfähiges in unserer Gegenwart.

Der Glaube kann zu etwas sehr Tragfähigem werden. An ihn kann ich mich hängen. Doch nur ein Glaube, der ergriffen wurde, kann sich selbst begreifen. Eine Kraft von außen muss unsere Seele berühren. Dann erwacht Glaube. Dann wächst er als innere Kraft in uns. Die Weihnachtslieder in unseren Gottesdiensten, die biblischen Worte, unsere Gebete, für die Augen die Krippe, für die Ohren die Predigt! Welch großer Reichtum ergießt sich zu Weihnachten über uns und unsere Seele! Vielleicht stimmen wir ja zaghaft mit ein in den Engelsgesang „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Evangelist Lukas, Kapitel 2, Vers 14) Wo Glaube erwacht, kommt der Himmel auf die Erde. Wir feiern die Geburt unseres Glaubens. Alle Jahre wieder soll es Weihnachten werden. Unsere Seele kehre ein zu dem, der Anfang und Ende allen Lebens ist.

 

Lächelnd nimmt sie die Papiertüte aus dem Küchenregal. Da steht sie noch vom letzten Advent. Sofort erinnert sie sich daran, wie sie sie geschenkt bekommen hat: Sie war gerade vom Treffen mit Kollegen auf dem Weihnachtsmarkt nach Hause gekommen, saß am PC, um schnell noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu bestellen - und dann musste sie auch schon wieder weiter zur Fußballweihnachtsfeier der Kinder. Stress pur - nichts Neues zu dieser Zeit. Da klingelt es an der Tür. „Wer ist das denn?“, schießt es ihr durch den Kopf. „Haben die nichts Besseres zu tun, als spontan vorbei zu kommen?“ Genervt öffnet sie die Tür. Vor ihr steht eine Freundin. „Die wollte ich dir nur kurz bringen. Eine gute Zeit damit.“ Und schon ist sie wieder weg. Verdutzt schaut sie auf die Papiertüte in ihrer Hand, mit Sternen und einer Gebrauchsanleitung verziert: 15 Minuten Advent: Tee zubereiten, Kerze anzünden, Geschichte  lesen, dabei Tee  und Gebäck genießen. Allein das Lesen bringt sie runter. Oh ja, nichts lieber als das, am liebsten gleich. Sie spürt auf einmal ihre Sehnsucht nach einer schönen Tasse Tee, Gemütlichkeit, Ruhe. Advent sei was anderes als dieses Gehetze um Termine und Geschenke, das sie hier gerade veranstalte, gesteht sie sich ein. Und „15 Minuen Advent“ - das hört sich gut an, verheißungsvoll, dichter dran an dem, was Advent doch eigentlich bedeutett: Sich besinnen auf Gott und darauf, dass er zu den Menschen auf die Erde kommt. 15 Minuten Advent: Das täte ihr gut!

Ein paar Mal hat sie es dann auch hingekriegt letztes Jahr. In diesen 15 Minuten hat sie sich gemütlich zurückgelehnt, innegehalten, kleine Geschichten zum Nachdenken gelesen. Das hat diese Zeit zu einer besonderen gemacht. Und das eine oder andere Mal war es ihr, als würde sich dabei eine innere Tür öffnen.

15 Minuten Advent: Das will sie auch in diesem Jahr wieder machen. Jeden Tag, das wird nicht hinhauen. Aber so oft es geht.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!“ Evangelisches Gesangbuch, Nr. 1

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen

Er leuchtet wieder! – „Freut ihr euch auch so darüber?“ Fragte ich in die Runde. „Was meinst du denn überhaupt? – Ach so, den Stern im Kirchturm…Na, der ist doch ziemlich schwach zu sehen… Nein, ich habe noch nicht darauf geachtet…Ich auch nicht, aber ich freue mich drauf.“ --Für mich ist er ein wunderbares  Zeichen für das Advents-Geschehen. Nicht sehr auffallend und doch weithin  leuchtet der Herrnhuter Stern von da oben, nun wieder bis Epiphanias. -- In den Herbstferien kamen Hortkinder, um unsere Kirche zu erkunden. Natürlich ging es auch nach oben in die Glockenstube, den ehemaligen kleinen Festsaal unserer Kirchen-Erbauer-Familie Voigt. Alle fieberten dem Läuten der Glocken entgegen. Plötzlich rief ein Junge „Ach, da hängt der also, wenn er unten leuchtet, habe ich schon oft überlegt, von wo da oben eigentlich?“ Er hatte etwas angeschoben, denn nun ging es los:“Ist der jeden Abend an?…Nee, Mensch, das ist doch nur in der Adventszeit, sonst frisst der zuviel Strom…Stimmt gar nicht, das soll eigentlich der Stern von Bethlehem sein und die Geburt vom Jesuskind ankündigen…Ja, sein Bettchen habe ich eben beim Hochgehen schon gesehen, bestimmt liegt der da bald wieder drin…Ach, du meinst die Krippe, ja, die fiel mir auch auf, mit Heu und Stroh vollgestopft…Ich freu mich schon darauf, wenn sie wieder unten vor dem Tannenbaum steht.“-- Nun ist es wirklich so weit, auch über der Kanzel hängt ein ähnlicher Stern und erfreut uns mit seinem hellen Strahlen. Seinen Ursprung hat er in Internatsstuben für Missionarskinder der Herrnhuter Brüdergemeinden, Anfang des 19.Jahrhunderts. Ein Stern gegen das Heimweh wurde in Mathe-Stunden berechnet, gebastelt und mit Freude über den Internatsbetten aufgehängt. Sie waren ein kleiner Trost und ein Symbol für die Weihnachtsgeschichte, denn in der Adventszeit sehnten sich die Kinder besonders nach ihren Eltern, die in den Missionsgebieten unter schwierige Verhältnissen lebten. Ein Stern als Trost, als Begleiter, als Ankündiger, als Licht in das Dunkel bringender...Er leuchtet wieder, der „Stern über Bethlehem! Zeig uns den Weg zur Krippe hin, zeig, wo sie steht. Leuchte du uns voran, bis wir dort sind…Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind!“

Ursula Wiebe, Lektorin in Schloß Ricklingen

so haben wir vor wenigen Wochen bei der Trauerfeier für die Großmutter meiner Frau gesungen. Voller Hoffnung hat Dietrich Bonhoeffer im Gestapo-Gefängnis vom Wiedersehen mit seinen Angehörigen gedichtet.

Morgen werden in den Gottesdiensten wieder Kerzen für die Verstorbenen des vergangenen Jahres entzündet. Gezielt wurden die Familien aller Verstorbenen zu diesen Gottesdiensten eingeladen. Alle Namen werden Morgen noch einmal vor Gott gebracht.

„Ist das wirklich nötig? Jetzt, nachdem wir die Trauer gerade überwunden haben?“ so fragte mich dazu eine Angehörige. Ja, ich denke schon. Niemand ist vergessen. Nicht in den Gemeinden, nicht in den Familien. Trauer und Abschied brauchen Zeit. Und sie brauchen Rituale, die von der Hoffnung reden.

Das Entzünden von Kerzen zum Gedenken ist solch ein Ritual. Den ganzen Tag werden sie in der Stiftskirche brennen und von der Hoffnung auf ein Wiedersehen in einer anderen Welt erzählen. Weil wir als Christinnen und Christen auf eine Zukunft bei Gott vertrauen, müssen wir unsere Toten nicht einfach vergessen. Wir können die Erinnerungen an Vergangenes festhalten und gleichzeitig darauf vertrauen, dass Zerbrochenes bei Gott neu zusammengefügt wird. Dass Leiden ein Ende hat.

Die erneute Erinnerung im Gottesdienst kostet Kraft. Gerade, wenn der Tod schon länger her ist. Doch die bewusste Auseinandersetzung mit Sterben und Tod gehört zum Leben dazu. Die erneute Nennung der Namen, die erneute Fürbitte der ganzen Gemeinde macht deutlich, dass niemand mit der Trauer allein gelassen wird. Eingebettet in die Verheißungen der Bibel und der Lieder dürfen wir auch angesichts des Todes auf das Leben sehen. „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug leben!“, heißt es im 90. Psalm. Auch wer nicht unmittelbar Abschied genommen hat, kann Morgen Kraft für das Leben tanken und etwas vom Klang der unsichtbaren Welt Gottes hören.

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Es gibt sehr wenige Menschen, die den November mögen. Dunkel, nass und kalt ist dieser Monat, der uns auch immer wieder an den Tot erinnert. Morgen ist Volkstrauertag, nächsten Mittwoch der schon fast vergessene Buß- und Bettag und dann kommt noch Ewigkeitssonntag, wo alle Gemeinden an die Verstorbenen des letzten Jahres erinnern. Es ist der Monat im Jahr, der verzweifeln lässt und der uns jegliche Freude raubt. Morgens geht es im Dunkel zur Arbeit, abends im Dunkel wieder zurück.

Diese Situation umkehren zum Licht, zum Kerzenlicht, ist die schöne Seite von November. Wenn am Monatsbeginn besonders die Katholiken auf den Gräbern die Ewigkeitslichter anzünden, kann man sich nicht mehr zurückhalten: Vor und auch in den Häusern werden auch die Kerzen entzündet. Ein wunderbares Licht, bis heute durch kein elektrisches Licht zu ersetzen, sorgt für eine wohlige Atmosphäre - nur noch zu steigern durch einen Kamin. Einer Flamme kann man lange zuschauen, dem Farbverlauf folgen oder auch die Wärme spüren, die gefühlt viel tiefer geht als die Wärme der Heizung an der Wand oder im Fußboden.

„Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht.  Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“ Ein Lied als Gebet in dunkelster Zeit, geschrieben im zweiten Weltkrieg: Von guten Mächten wunderbar geborgen. Auch den Verfasser können wir beim Volkstrauertag beklagen: Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 auf ausdrückliche Anweisung Adolf Hitlers hingerichtet.

„Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen“ ist auch eine Einladung: Sich mit Mitmenschen treffen, reden, trösten, diskutieren, zuhören, lachen. Die menschliche Nähe ist das beste Gefühl in einer Zeit der Dunkelheit, des Regens und der Kälte. Und wenn Sie oder Ihr Nachbar niemanden haben: Eine gemeinsame Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch bedürfen keiner großen Vorbereitung, um miteinander eine gute Zeit zu verbringen.

Jörg Mecke, Prädikant aus Idensen

Ist es Ihnen schon mal aufgefallen? Sie fliegen auch nachts – die Zugvögel! Freu ich mich schon tagsüber, wenn ich ihr Rufen höre und sie dann bei guter Sicht am Himmel entdecke, so finde ich ihr Fliegen in der Dunkelheit noch erstaunlicher. Unbeirrt ziehen die Burschen da oben ihre Bahn, ganz gleich ob es taghell oder aber stockfinster ist. Sie kreuzen wohl unsere Wege, aber anders als wir sind sie nicht gebunden an Straßen, Brücken oder Pässe. Und selbst große Hindernisse wie hohe Gebirge oder weite Meere werden geschickt von ihnen „umschifft“. Unbeirrbar ziehen sie ihren Weg einem inneren Kompass folgend. Und dabei rasen sie nicht etwa, sondern gleiten Stück für Stück ihres langen Weges durch die Lüfte, bis sie dann nach Wochen am Ziel ankommen.

Auch wenn das erstmal merkwürdig klingen mag: In gewisser Weise ähneln wir Menschen den Zugvögeln. Wir mögen zeitlebens sesshaft auf ein und demselben Stück Scholle leben – wir sind aber letztlich alles andere als sesshaft! Den Zugvögeln gleich ziehen auch wir ausdauernd Stück für Stück voran – und zwar durch die verschiedenen Phasen unseres Lebens. Von der Kindheit geht es in die Jugend, von der Jugend ins junge Erwachsenensein, von dort ins „Mittelalter“. Dem folgt das Alter des jungen Seniors, danach der Senior und am Ende der betagte Senior. Es ist ein stetiges Wandern durch die Gezeiten des Lebens. Und dabei „durch-schiffen“ auch wir sowohl Helles wie Dunkles in unserem Leben.

Dieselben bleibend, werden wir auf dieser Wanderschaft doch andere. Und wenn es gut geht, dann reifen wir dabei - werden weiser.

In einem biblischen Wort (Psalm 39,5) schreibt der Autor den kantigen Satz: „Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.“

Worte wie diese sind für mich - im guten Sinne - „Stolpersteine“. Sie helfen, grade weil sie über den Tellerrand des Augenblicklichen schauen und daran erinnern: Gleich dem Weg der Zugvögel hat auch unser Lebensweg – ganz egal welche Haken wir geschlagen haben – ein Ziel, zu dem hin wir wachsen. Es ist die Begegnung mit ihm, dem EINEN, von dem wir kommen, der uns jeden Augenblick, jeden Herzschlag und Atemzug schenkt.

Pastor Claus-Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf

 

 „Ich suche ein Buch, das trösten kann“, sagt die Kundin im Buchladen in unserer Szene für den Familiengottesdienst. Die Buchhändlerin empfiehlt ihr die Bibel mit dem Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Schon viele traurige und verzweifelte Menschen hätten in diesen Worten Trost gefunden.

„Wo finde ich die Geschichte von einem Hirtenjungen, der später König wird?“ Diesem Kunden zeigt die Buchhändlerin in der Bibel, wo er den Aufstieg des Hirtenjungen David zum König von Israel nachlesen kann. Und sie fügt hinzu, dass bei Gott nicht immer der Größte auch der Stärkste ist, schließlich hat der kleine David den großen Goliath besiegt.

Und welches Buch bekommt die Kundin, die das Zitat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ bei Schiller oder Goethe vermutet? Natürlich - auch hier verweist die Buchhändlerin auf die Bibel.

Die Bibel – das ist das Buch für ein ganzes Leben, für ganz verschiedene Lebenssituationen und Gelegenheiten. Die Bibel steht im Guinnessbuch der Rekorde, weil kein anderes Buch häufiger verkauft oder so oft verfilmt worden ist. Im Jahr 2001 lagen Bibeltexte in 2.287 Sprachen vor und gegenwärtig wird weltweit an 672 Übersetzungen gearbeitet.

Auch heute wünschen sich viele Menschen eine Bibel in der eigenen Sprache, um endlich Gottes Wort selbst lesen zu können. Wir feiern am Montag, am 31.Oktober Reformationstag und erinnern an Martin Luther, der die Bibel schon vor etwa 500 Jahren in die deutsche Sprache übersetzt hat.

Nehmen Sie doch diesen Tag zum Anlass und lesen nicht nur in Psalm 23 von Hirten und Schafen oder entdecken welche anderen Worte von Jesus berühmt geworden sind. Die Bibel hält viele „dufte“ und „duftende“ Worte für uns bereit, wie Martin Luther es beschrieben hat: „Die Bibel ist wie ein Kräutlein: je mehr man daran reibt, umso stärker duftet es.“ 

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Die Überraschung ist gelungen: Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr an den Musiker Bob Dylan. Die Entscheidung der Jury mag man gut oder unpassend fnden. Tatsache ist, dass Dylan mit seinen Liedtexten Millionen von Menschen berührt hat. Ihm ist etwas gelungen, wovon viele träumen.

Auch Schriftsteller möchten Andere mit ihren eigenen Texten errreichen, es vielleicht sogar mit einem Roman oder Krimi auf die Bestsellerliste schaffen. Aber die Konkurrenz ist groß. Allein im deutschen Buchhandel erscheinen jährlich zehntausende neue Titel.

Auf der Frankfurter Buchmesse wird an diesem Wochenende eine Neuauflage der Lutherbibel präsentiert. Kein anderes Buch hat unsere Sprache so sehr geprägt: Manchmal stehen uns „die Haare zu Berge“ (Hiob 4,15), wir „prüfen etwas auf Herz und Nieren“ (Psalm 7,10) oder sind „ein Herz und eine Seele“ (Apostelgeschichte 4, 32). Diese und viele andere Redewendungen stammen allesamt aus der Bibel.

Für mich ist sie ein faszinierendes Buch, weil in ihren Erzählungen etwas von der ganzen Bandbreite des Lebens deutlich wird: Es geht um Geburt und Tod, um Liebe und Hass, um Schuld und Vergebung. Wie viele Menschen vor mir haben wohl schon in der Bibel gelesen und gespürt: Diese Worte geben mir Kraft, sie trösten und stärken mich.

Einer dieser Menschen war meine Oma. Zu ihrer Trauung im Jahr 1937 hat sie gemeinsam mit meinem Opa von ihrer damaligen Kirchengemeinde eine Bibel mit Widmung geschenkt bekommen. Als sie einige Jahre später aus ihrer Heimat Ostpreußen vertrieben wurde, konnte sie nur das Nötigste mitnehmen. Für sie gehörte ihre Bibel dazu.

Heute steht dieses alte Buch in meinem Regal. Es erinnert mich nicht nur an meine Oma, sondern auch daran, wie wichtig das Wort Gottes für uns Menschen sein kann. Dass es Halt und Orientierung zu geben vermag, Zuversicht und Hoffnung.

Kein Wunder also, dass die Bibel zum Bestseller geworden ist.

Andrea Dorow, Pastorin in Steinhude

 

Ist Erntedank noch aktuell? Bei Ernte denken viele an Landwirtschaft. Aber sie trägt heute starke industrielle Züge. Fast alles erscheint planbar – vom Wetter abgesehen. Wozu dann noch danken? Oder wie vor wenigen Tagen in Schneeren: ein Gottesdienst zum Erntedank in einem Kuhstall. Und die Kühe schauten zu. Danken – dabei zehrt der zu niedrige Milchpreis an der Substanz vieler Betriebe. Manche haben die Milchviehhaltung schon aufgeben müssen. Wieviele Betriebe werden es in den nächsten Monaten sein? Kann man dafür danken?

Dafür danken, das geht nicht. Aber für anderes: für das gute Leben, für Erfolge in der Arbeit, für die Gesundheit auch im Alter, auch für Zuversicht und Freude. Danken setzt nicht voraus, dass alles gelungen ist. Danken setzt Nachdenken voraus, Nachdenken über das eigene Leben, über das, was wir nicht uns selbst verdanken. So schwierig das Leben für Einzelne auch sein mag, es gibt immer Gründe zu Danken.

So bleibt Dank, auch Erntedank, aktuell. Wir danken Gott für all, was wir zum Leben haben. So wie es ein alter und bekannter Choral ausdrückt:  „Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden.“  (Evangelisches Gesangbuch Nr. 321)

Noch etwas: Erntedank lässt uns bewusster wahrnehmen, was wir essen. Wenn ich für Nahrungsmittel danke, fällt es mir schwer, wie wegzuwerfen, weil ich zuviel eingekauft habe oder weil sie einfach nicht mehr haben. Das soll ja vorkommen. Vor allem aber mache ich mir Gedanken über die Herkunft und die Transportwege der Nahrungsmittel und werde hoffentlich beim nächsten Einkauf bewusst regional erzeugte Produkte kaufen.

Übrigens macht Danken auch fröhlich und zuversichtlich.

Ich wünsche Ihnen fröhliche Gedanken zum Danken

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

Oh, da fliegen wieder 2, wie schön! Schon seit den 1. warmen Tagen im Jahr tummelten sich bunte Schmetterlinge in unserem Garten, in herrlich leuchtenden Farben, bis jetzt und vielleicht noch ein bisschen länger. Sie steuern nicht nur den Schmetterlingsbusch an, nein, sie rasten manchmal auf dem Rasen oder fliegen von Blüte zu Blüte. Auffallend oft sind es 2, die miteinander spielen und tanzen. Einmal, ich saß gerade mit einem Kaffee auf der Terrasse, landete ein hübscher kleiner Kerl auf meinem Arm. Das war doch ein Tagpfauenauge, wie schön gezeichnet! Ganz nah konnte ich sein Pumpen betrachten, bis er seinen Irrtum bemerkte. Er hatte sich ein wenig verhakt. Ich half ihm, abzuheben, bis er dann leicht und elegant davon flatterte. Würde er in die nächste Falle tappen oder wäre noch Zeit, bevor er in einer Baumhöhle verschwände? Welch ein Wunderwerk der Natur hatte bei mir gerastet! Was lag hinter ihm, bis er zu einem solch filigranen Wesen wurde? Aus dem Ei schlüpfen, Raupe sein, zur Puppe in harter Schale werden, Kokon abstreifen: Verwandlung, Neuanfang – Gottes wunderbare Schöpfung, Symbol der Auferstehung! Plötzlich dachte ich an das Bild mit dem Schmetterlings-Alphabet, das ich neulich geschenkt bekommen habe. Welchen Buchstaben hatte mein Besucher auf seinen Flügeln? Zu spät, er war auf und davon. Ich holte das Bild trotzdem und freute mich wieder an diesem Werk, für das der schwedische Fotograf 24 Jahre auf Entdeckungsreise gegangen ist. Er fotografierte Schmetterlingsflügel aus aller Welt, um darauf Muster und Linien zu entdecken, die unseren Buchstaben gleichen. Das Alphabet, bunt aneinander gereiht, eine überraschende Vielzahl an Formen und Farben, die zusammengesetzt Mill. von Wörtern und Texten ergeben, wie z.B. „Herr, wie sind deine Werke so groß und so viel. Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Das sind Worte des Psalmbeters, der den 104. Psalm verfasste und darin Gott für so vieles in der Natur dankte. Schließen wir uns dem an?  

W U N D E R   

Noch immer seh ich Knospen schwellen,

noch immer taumeln Falter in dem Wind,

aus der Erde brechen immer neue Quellen,

immer wieder schreit ein neugebornes Kind.

Die Sonne hört nicht auf, zu sinken und zu steigen,

Spätsommer birst in Fülle – so wie jedes Jahr.

Ich singe, juble, schrei – wie könnt ich schweigen?

Noch leb ich ja, und das ist wunderbar!

(Verfasser mir unbekannt)    

Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

In meiner Vikariatszeit war ich mit meinem Kurs zusammen auf Studienfahrt in Rumänien. Ein wunderschönes Land – südeuropäisch und doch ganz anders als Italien oder Spanien. Mit vielen orthodoxen Kirchen. Und auch Kirchenburgen – also Gotteshäusern mit einer Stadtmauer rings herum. In Trappold haben wir einen Tag auf so einer Kirchenburg verbracht.

Ihre alten Mauern sind moosbewachsen, abgetretene Stufen an einem steilen Hang führen zu ihr hinauf. Der erste Eindruck: Das ist eine Ruine.

Doch wenn man den alten Torbogen durchquert, erhebt sich die imposante Kirche zwischen Burghüterhaus, altem Pfarrgebäude und Torturm. Die Luft riecht nach alten Mauern und Sonne. Man wird wie in die Vergangenheit katapultiert: Wie viele Menschen auf diesen alten Pfaden wohl schon gestanden und gegangen sind?

Die Gemeinde um die Kirchenburg herum besteht gerade einmal aus 100 Gemeindegliedern. Verstreut über mehrere Dörfer. Gottesdienst findet immerhin noch einmal im Monat statt.

Dass diese Kirche überhaupt noch steht, hat die Gemeinde einem gebürtigen Berliner zu verdanken: Sebastian Bethge hat sich auf einer Rundreise durch Rumänien in die Burg verliebt. Als gelernter Maurer und Tischler lebt und arbeitet er heute dort, im Wettlauf gegen die Zeit, um die Burg vor dem Verfall zu retten.

Aber er ist nicht allein. Immer wieder kommen engagierte Menschen auf die Burg. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, die Kirche zu erhalten. Landschaftsarchitektinnen aus Dresden verbringen ihren Urlaub in Siebenbürgen und gestalten den Garten um die Kirche neu. Ein Orgelbauer verbringt auch seine Freizeit in der Werkstatt, um so viel wie möglich von dem alten Instrument zu retten.

Meine Vikariatskollegen und ich sind Paten für eine Orgelpfeife geworden.  

Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther: So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. Ihr alle seid der eine Leib Christi, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.

Seit dem 1. August bin ich mit einer vollen Stelle an der Ev. IGS. Ich freue mich darauf Sie und Euch in Wunstorf (besser) kennen zu lernen. Und ich bin gespannt, wie wir gemeinsam Gottes Gemeinde weiterbauen.

Pastorin Franziska Oberheide

Es ist nochmal richtig Sommer, endlich! Warme, ja heiße Tage, laue Nächte oder kühle, klare haben wir gerade. Die Landwirte freuen sich, dass die Ernte voranschreiten kann, auf den Feldern nichts verfault oder nach der Ernte getrocknet werden muss. Die Erdbeeren schmecken phantastisch und das Obst kann reifen.

Zu wenig Regen, der Boden trocknet aus und der Rasen wird braun, im Garten muss man gießen, damit nicht Blumen und Gemüse vertrocknen. Die Tage sind merklich kürzer; es wird Herbst.

Der Spätsommer gibt uns die Chance noch einmal aufzutanken. Die Erntefeste auf den Dörfern haben begonnen. Zelt- und Festgottesdienste in den Kirchen gehören in vielen Gemeinden dazu. Woher kommt das alles, was wir zum Leben nötig haben? Machen wir das selber? Vieles können wir heute schon – Gemüse wird in großen Hallen auf mehreren Etagen gezüchtet. Das Wetter spielt kaum eine Rolle. Maschinen beregnen, halten die Luftfeuchtigkeit, sorgen für Wärme und das Licht wird, wo nötig, künstlich erzeugt. Die Sorge ums Wetter ist man los. Allerdings haben wir ein Energieproblem mehr. Alles schei-nen wir nicht haben oder machen zu können. Die Nutzpflanzen verändern sich und Schädlinge finden Wege gegen genmanipulierte Pflanzen. Auch unsere Begabungen haben wir nicht in der Hand. Manchmal denken wir vielleicht: „Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich, was wird morgen sein?“ Was kann ich tun in dieser Welt?

"Alle Eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch." (1. Petrusbrief 5, 7) Der Vers steht über der kommenden Woche, die in unserer Landeskirche der Diakonie und ihrer vielfältigen Arbeit gewidmet ist. Ich wünsche uns die Erfahrung, dass es möglich ist, etwas von unseren Sorgen los zu lassen und in Liebe und Vertrauen miteinander leben zu können. "All Eure Sorge werft auf ihn," auf Jesus. Viele erleben ihn als einen, der Sorgen wegnimmt und das Leben begleitet. Ich erwarte von ihm ein Leben in Fülle, in Vielfalt und Stärkung, wenn es mal sehr schwer wird. Ich wünsche uns, dass wir seine Kraft und Hilfe erfahren und uns als Beschenkte erleben können.

Diakon Heinz Laukamp

Der Papst feiert den Reformationstag – jenen Tag, an dem evangelische Christinnen und Christen des epochalen Aufbruchs Martin Luthers gedenken. Der 31. Oktober steht für die reformatorischen Veränderungen, die zur Entstehung der evangelischen Kirchen, aber leider auch zur Spaltung der westlichen Christenheit führten. Der Papst begeht den Reformationstag und das zusammen mit den Lutheranern. Ist so etwas denkbar?

Vor 100 Jahre, ja selbst vor 20 Jahren hätte wohl keiner davon zu träumen gewagt, selbst wenn er ein noch so eingefleischter Ökumeniker gewesen wäre. Und doch: Lutherischer Weltbund, die Gemeinschaft von 145 lutherischen Kirchen in 98 Ländern, und Vatikan laden gemeinsam für den 31. Oktober 2016 nach Lund und Malmö ein, um dort mit einem Gottesdienst der Reformation zu gedenken und in die gemeinsame Zukunft zu blicken. Geleitet wird der Gottesdienst von keinem geringeren als Papst Franziskus selbst sowie dem Präsidenten und Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. Kirchengeschichtlich ein einmaliges Ereignis, das durch den geduldigen und intensiven Dialog der beiden Kirchen in den letzten 50 Jahren möglich wurde. 500 Jahre nach Beginn der Reformation ist es heute möglich, sich an vielen kirchlichen Erneuerungen des  16. Jahrhunderts gemeinsam zu freuen und für die Schuld aneinander, wie etwa in den Konfessionskriegen, um Vergebung zu bitten. In einer anschließenden Großveranstaltung in Malmö wird dann deutlich werden, dass unser gemeinsames christliches Zeugnis uns auch zum gemeinsamen Dienst in aller Welt ermutigt und verpflichtet. Die bereits bestehende internationale Zusammen­arbeit, z.B. im Bereich der Flüchtlingsarbeit und dem Klimaschutz, wird vorgestellt und vertieft werden.

Lund am 31. Oktober 2016 wird deutlich machen: In einer Welt, in der viele Gespräche abgebrochen werden, bezeugt das gemeinsame Reformationsgedenken den hohen Stellenwert des Dialogs. In einer Welt, die durch Gewalt und Kriege beherrscht wird, erzählt es die Geschichte von überwundenen Konflikten. In einer Welt, die sich über die Bedeutung von Glauben und Religion im Unklaren ist, berichtet es von der verwandelnden Kraft unseres gemeinsamen Glaubens, der uns zu mitfühlendem Dienst befähigt.

Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf

Mehrere Gewalttaten haben unser Land in den vergangenen Wochen erschüttert. In München hat ein einzelner, kranker Mann eine ganze Großstadt lahm gelegt. Die Sicherheitskräfte haben mit einem Großaufgebot reagiert und innerhalb weniger Stunden nicht nur die eigentliche Bedrohung sondern auch die Gerüchteküche in den Griff bekommen. Danke! Das weckt Vertrauen. Dennoch: Die Angst vor Gewalt und Terror ist vielen geblieben. Beeindruckt hat mich die große Hilfsbereitschaft der Anlieger. An vielen Stellen öffneten sich Wohnungstüren, um wildfremden Menschen einen Zufluchtsort zu verschaffen.

Nun wird darüber gesprochen, wie man solche Vorfälle verhindern kann. Noch mehr Überwachung, noch mehr Polizeipräsenz würden das zerstören, was sie bewahren sollen. Wir würden damit unsere freiheitliche Gesellschaft preisgeben.

Als Christen haben wir einen anderen Umgang miteinander gelernt. Trotz aller Fehlerhaftigkeit fordert Gott uns auf, vertrauensvoll aufeinander zuzugehen. In München ist das mit den offenen Türen geschehen, in Norwegen vor fünf Jahren mit dem Apell als Gesellschaft noch freier, noch demokratischer zu werden.

Jesus lehrt: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Gewalt erzeugt nur neue Gewalt. Diesen Kreislauf können wir zurzeit in der Türkei beobachten.

Angemessen wäre es, endlich Produktion, Verbreitung und Besitz von Waffen zu reduzieren. Auch damit werden sich Kriminelle und verwirrte Einzeltäter nicht aufhalten lassen. Aber eine Grundhaltung der Nächstenliebe und des Vertrauens macht unsere Gesellschaft stärker. Wer Angst schürt, erhöht die Unsicherheit. Letztlich fördert das unbesonnene Reaktionen. Ich bin vor Jahren in Israel in ein fröhliches Volksfest geraten. Bei Feuerwerk und gegenseitigem Abschlagen mit Luftballons wurde in der Altstadt von Jerusalem viel gelacht. Am nächsten Morgen sind mir dann im Hotel übernächtigte Mitreisende begegnet, die die ganze Nacht nicht geschlafen haben, weil sie die Vorhänge zugezogen und das Feuerwerk für einen Angriff gehalten haben. Vertrauen ist nicht risikofrei - aber es ist Kern unserer Kultur.

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

Sommerurlaub am Meer. Ich spüre wie meine Füße im Sand versinken und mir der Wind durch die Haare fährt. Kinderstimmen vermischen sich mit dem Geschrei der Möwen - es riecht nach Sonnencreme. So ein Tag am Meer folgt seinen eigenen Regeln: Nicht der Stundenzeiger auf meiner Armbanduhr gibt den Takt an, sondern der Stand der Sonne. Morgens geht es mit dem Licht des Tages raus an den Strand und erst wenn die Sonne im Wasser versinkt, werden die Handtücher zusammengerollt und die Kühltasche zurück ins Ferienhaus getragen. Noch am Abend merke ich, wie sich das Salz des Meeres anfühlt. Es ist überall – auf der Haut, in den Haaren und sogar noch als ganz leichter Geschmack auf meiner Zunge.

Mir schießt ein Satz aus der Bibel in den Sinn. „Ihr seid das Salz der Erde!“ (Matthäus 5, 13). Diese Worte hat Jesus zu Menschen gesagt, die nichts Besonderes zu sein schienen. Fischer, einfache Leute, Frauen mit zweifelhaftem Ruf. Auch Salz wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Nicht bunt und schillernd, sondern schlicht und einfach weiß. Nicht groß und stark, nur winzig kleine Körner. Vielleicht kommen wir uns manchmal so klein und unbedeutend wie ein Salzkorn vor. Was kann ich schon ändern? Lohnt es sich überhaupt, mich für etwas zu engagieren? Jesus fragt genau andersherum: „Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“ Die Kraft des Salzes entfaltet sich erst, wenn es eingesetzt wird. Es gibt dem Essen Geschmack und Würze.

Ich glaube, so ähnlich ist es auch im Leben: Es macht einen Unterschied, ob wir uns und unsere Kräfte einbringen oder nicht. Das hat weniger mit rauschendem Erfolg zu tun als vielmehr mit Spuren, die wir im Alltag hinterlassen. Wenn sich immer mehr und mehr Menschen als Salz dieser Erde einbringen, dann verändert sich im Laufe der Zeit doch etwas und das Leben bekommt einen anderen Geschmack.

Andrea Dorow, Pastorin in Steinhude

„Sonnenschein und Ferienzeiten, Koffer packen und verreisen, freut euch mit, es ist so weit: Wir haben freie Zeit, Hey!“ an dieses Kinderlied von Elisabeth Hammer muss ich in jedem Jahr zu Beginn der Ferien denken. Denn seit 13 Jahren heißt es nicht nur Koffer packen sondern Materialkisten für die Kinderfreizeiten packen. Immer zu Beginn der Sommerferien fahren wir mit über 40 Kinder auf Freizeit in den Solling. Für die Kinder eine freie Zeit, für das Mitarbeiterteam heißt es weinig freie Zeit, denn sie bereiten vor und gestalten das Programm.  Aber die Kinder genießen das Programm, toben, singen, spielen, malen, schneiden, wandern, klettern und  erleben viel in dieser gemeinsamen Zeit. Jedes Jahr tauchen sie ein in das jeweilige Thema und schon am zweiten Tag ist das Freizeithaus ihr zweites zu Hause geworden. Die Gruppe lebt ihren neuen, spannenden und mit vielen Erlebnissen gespickten  Alltag und Schule ist schon ganz weit weg. Bewundernswert, denn wir Erwachsenen tun uns oft so schwer. Bevor der Urlaub kommt ist noch so viel zu erledigen und es fällt schwer, wenn die freie Zeit denn da ist,  den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen. Mir selbst geht es oft so, dass ich am liebsten in den ersten zwei Tagen nur schlafen würde, keine neue Aktion oder neue Aufgabe und ich brauche Zeit um aus dem „alten Trott“ raus zu kommen und die freie Zeit für mich neu zu füllen. Und jedem tut es gut die freie Zeit zu nutzen,  um in eine andere Welt einzutauchen, den Alltagstrott zu verlassen, Raum und Zeit für Neues zu haben. Keine Uhr die uns vorgibt wann was erledigt sein muss oder wir einen Termin haben. Zeit – freie Zeit, die jeder für sich einteilen und bestimmen kann, ganz ohne Vorgaben, von eigenen Interessen und Wünschen bestimmt. Wir nehmen uns und unsere eigenen Bedürfnisse neu war und geben ihnen Raum. Es ist nicht nur eine Zeit für Neues sondern auch um uns selbst wieder zu entdecken, wenn wir im  Arbeitsalltag mit seinen Aufgaben untergegangen sind. „Entschleunigung“ heißt das Zauberwort, damit wir mal wieder bei uns selbst landen können. Vielleicht auch, um einmal Zeit zu haben eine kirchliche Veranstaltung zu besuchen, weil ja im Alltag die Zeit dafür nicht reicht. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete freie Zeit, mit viel Raum für Neues und dass diese Erlebnisse einen Platz im Alltag finden können, damit die Freude über diese freie Zeit nachklingen kann und im Anschluss an den Urlaub nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Beate Degener, Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt- Wunstorf und Diakonin in der Kirchengemeinde Luthe für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Manche Menschen verwechseln Gott mit einem Fahrkartenautomaten. Wenn ich bei einem Fahrkartenautomaten ein bestimmtes Ziel anwähle und den dafür vorgesehenen Betrag bezahle, erwarte ich, dass die entsprechende Fahrkarte herauskommt. Das ist bei einem Fahrkartenautomaten selbstverständlich. Geschieht dies nicht, ist er defekt.

Gott ist aber kein Fahrkartenautomat, in den ich in Form eines Gebetes einen bestimmten Wunsch, eine Bitte einwerfe. Und wenn die Bitte nicht erfüllt wird, dann sage ich, es gibt keinen Gott. Denn wenn es einen Gott gäbe, dann hätte er….-.

Nein, einen solchen Gott gibt es nicht, der quasi auf Knopfdruck alles erfüllt.

Die Verbindung zu Gott ist das Gebet. Die entscheidende Grundlage hierfür das Vertrauen, das Vertrauen zu Gott. Aus diesem Vertrauen heraus erwächst das Wissen, dass ich ihm alles anvertrauen kann, was mich bewegt. Schweres, Trauriges aber auch Fröhliches.

„Lobe den HERRN, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“  Diese Worte aus dem 103. Psalm erinnern mich daran, dass ich das Danken nicht vergesse.  Denn dass ich morgens aufwache, meinen Tag gestalten kann, es ist nicht selbstverständlich. Dass wir hier in Deutschland seit über 70 Jahren in Frieden leben, auch das ist nicht selbstverständlich. Danke zu sagen bedeutet auch bewusster zu leben. Nicht nur mich zu sehen.  Im Gespräch mit Gott hat auch die Fürbitte eine besondere Bedeutung.  In der Fürbitte vertraue ich Gott Menschen an. Ich bitte Gott, dass er ihnen nahe sei, dass er sie beschützt. Und ich darf Gott auch um die Menschen bitten, mit denen ich mich schwer tue. Ich kann Gott alles sagen, was mich bewegt. Und ich kann es spontan tun.  Entscheidend aber ist, dass ich es Gott überlassen, wie er mit meinen Gebeten umgeht. Selbst wenn es manchmal schwer fällt, ihn zu verstehen. Wer meint, Gott müsse  in einer bestimmten Weise reagieren, der bemerkt gar nicht, wenn Gott auf andere Weise auf unsere Gebete antwortet. Vertrauen  wir darauf, dass er uns antworten wird  -  so wie er es für richtig hält! Mit Gott im Gespräch zu bleiben, es gibt mir immer wieder Kraft und Zuversicht.

Marlene Richter, Prädikantin, Stiftskirchengemeinde Wunstorf

Wir sind da. Gott sei Dank! Mein Mann und ich sind froh, unser Ziel im Norden Dänemarks ohne Stau, Unfall oder Autoschaden nach knapp 700 kmFahrt auf regennasser Straße erreicht zu haben. Auf 2 Urlaubswochen freuen wir uns. Und dann das:  Das Haus ist nicht sauber, Dreck, Spinnweben und die Hinterlassenschaften der Vormieter erwarten uns. Also: Fakten schaffen. Saubermachen, auspacken und ignorieren! Nein, das habe ich nicht geschafft. Am nächsten Morgen fahren wir an einer kleinen, weißen Kirche vorbei. „Halt doch mal an…“. Ich brauche etwas, was mich wieder aufbaut und ICH weiß, wo ich das finde. Es hat grad der „Gudstjeneste”, der Gottesdienst, angefangen. Die “Præsterin“ mit der weißen „Halsranden” auf dem „Præstekjole” nickt mir – als  Zuspätkommerin – von der Kanzel freundlich zu und dann wird gesungen. „Love den Herre…“. Im Gesangbuch sind keine Noten abgedruckt, nur der Text. Und ich singe, wie es der hier übliche stimmgewaltige Vorsänger im Chorraum vorgibt, mit. Manch ein Wort ist vielleicht nicht richtig, aber „Lobe den Herren“ ist mir doch von Melodie und Text bekannt. Dem „Herre sei med deg“ kann ich antworten: „…und mit deinem Geist“. Der Aufforderung zum „Bede“ kann ich ebenfalls folgen. Gott wird doch wohl auch hier hören, was ich ihm antrage. Und dann kommt die Predigt. Ich verstehe kaum ein Wort, nur: „Hellige ånd” –Heilige Geist-, Apostel, Jesus Christus, Testament, …. Amen. Dann stehen alle auf und sprechen die Worte, von denen ich in meiner „Heimatkirche“ immer sage, sie uns mit den Christen dieser Welt verbinden. Auch hier kann ich folgen und bekunde meinen Glauben, wie ich es gelernt habe. Beim Abendmahl orientiere ich mich an den anderen. „Christe Krop“ und „Christe Blod“ bekräftige ich mit „Amen“, wie meine Nachbarn auch. Das „Vaterunser“ erkenne ich am Klang und spreche es mit den mir vertrauten Worten mit. Nach weiteren Liedern, die ich –wie begabt– aus dem skandinavischen Gesangbuch mitsinge, kommt mir auch der Segen vertraut vor. Am Ausgang wünscht mir die Presterin „Glædige Pinse“ zu, ich antworte mit „Frohe Pfingsten, ich bin Urlauberin aus Deutschland“. „Wie schön, dass Sie da sind, ich wünsche Ihnen einen erholsamen  Urlaub“. Sie spricht Dänisch, aber „man“ versteht sich ja… Es überrascht mich - und auch wieder nicht-  aber der christliche Glaube verbindet uns tatsächlich überall auf der Welt.

Die Urlaubs-, Ferien und Sommerzeit steht an. Ich möchte Sie ermutigen, in Ihrem Urlaubort im In- und im Ausland doch auch einmal die Kirche dort aufzusuchen. Zu erkennen, zu erleben, mitzumachen und zu spüren, was uns verbindet. Auch wenn die Sprache uns trennt, die Melodie der Lieder und die überall auf der Welt gesprochenen Worte des christlichen Glaubens geben auch im Urlaub das Gefühl, Teil der großen Gemeinschaft Christie zu sein. Und auch wenn wir nicht jedes Wort verstehen: ER ist da. IHM können wir ÜBERALL klagen und danken und bitten. In jeder Sprache, in jedem Land, zu jeder Zeit. Gute Erholung. Hier und Dort!

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin in der Stifts-Kirchengemeinde Wunstorf

„Nur noch wenige Meter,“ dachte sie, „dann habe ich es geschafft.“ Die beiden Koffer waren einfach zu schwer: Sie wollte doch im Urlaub mit den Enkelkindern für alle Wetter vorbereitet sein. An kleinen Geschenken sollte es auch nicht fehlen. Nun machte ihr jeder Schritt Mühe. Jetzt hatte sie das Gleis erreicht. Sie hob den Blick zur Bahnhofsuhr: Gleich würde ihr Zug einfahren. Die Treppe zum Bahnsteig lag noch vor ihr! Da wurde sie von der Seite angesprochen. Sie verstand die Worte nicht, sah nur die dunkelhäutigen Hände, die nach ihren Koffern greifen wollten. Hatte die Tageszeitung nicht gemeldet, dass ausländische Taschendiebe gefasst worden waren? Ein bärtiges Gesicht tauchte links, dann rechts von ihr auf. Vor Schreck sah sie das freundliche Lächeln nicht. „Kommen Sie?“, wandten sich die beiden Geschäftsmänner ihr zu und wiesen die Treppe hinauf. Erst als sie atemlos mit ihrem Gepäck im Zugeingang stand, lies ihr Herzklopfen nach. Wie hatte sie die aufmerksamen Messegäste so verkennen können? Das mache man bei ihnen so. Zu helfen, sei selbstverständlich, hatten sie ihr in gebrochenem Deutsch zum Abschied erklärt. Zwei Koffer, ein Missverständnis, ein Vorurteil. Am Ende habe ich mit der Dame erleichtert schmunzeln können, als sie mir davon berichtete. Mich hat ihre Erzählung nachdenklich gemacht: Wie oft mache ich mir unnötige Mühe, schleppe ich mich ab, weil ich meine, selbst für alle(s) sorgen zu müssen, weil ich übersehe, wer mir zur Hilfe eilt? Was verpasse ich, weil ich nicht ein Angebot eingehe, das mir auf den ersten Blick unverständlich ist, fremd vorkommt?

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen,“ (Gal 6,2) schrieb Paulus an die Gemeinde der Christinnen und Christen in Galatien – in der heutigen Türkei. Der Apostel Paulus denkt in seinem Aufruf zur Unterstützung gerade an die, die an ihren Erfahrungen schwer zu tragen haben, denen ihre Fehler immer wieder zum Verhängnis werden, die so sich selbst zur Last werden. In solchen Lebenssituationen zu unterstützen, braucht mehr als Pflichtgefühl: Vertrauen. Es gelingt, wenn sich beide öffnen. Es ist nicht leicht, aber es erleichtert, wenn wir von Herzen helfen oder uns helfen lassen. Dann sind wir gemeinsam unterwegs zur Kultur des Miteinanders im Sinne Christi.

Dr. Vera Christina Pabst, Pastorin in Bokeloh und an der Stiftskirche

"Die Mischung macht´s!", lautete das Motto des Landesjugendcamps in Verden (03.-05.Juni). Gut 2.000 Jugendliche aus der Landeskirche versammelten sich mit Gästen aus Ländern wie Brasilien, Dänemark, Südafrika und Indien im Alter von 13 - 21 zu diesem Treffen.

"Die Mischung macht´s!", das kennen wir aus vielen Lebensbereichen. Egal, ob es die Schorle, der Cocktail, der Schlaf- Wachrhythmus, oder die Zeiten von Sonne und Regen sind: Wenn die Mischung nicht stimmt, dann schmecken Dinge zu lasch oder zu stark, man macht Fehler, Gesätes und Menschen verdursten oder ertrinken, Menschen müssen fliehen. Bei uns selbst merken wir schnell, wenn die Mischung von Entspannung und Anspannung nicht mehr stimmt, wir nicht mehr schlafen, immer unter Strom stehen oder aber die Müdigkeit uns überfällt, wenn wir es nicht brauchen können, wir Fehler machen und der Körper und unsere Seele ihr Recht auf Ruhe einfordern.

"Die Mischung macht´s!" Wissen wir immer, was für uns die richtige Mischung ist im Leben bei der Auswahl zwischen all den Dingen, die uns "vorgesetzt" werden an Nahrung, Freizeitbespaßung und Arbeitsnotwendigkeiten? Worauf verlassen wir uns in der Wahl dessen, was wir im Leben kombinieren oder getrennt halten, was wir haben oder nicht haben wollen? Auf den Zufall, eigene Entscheidungsspielräume, unser Bauchgefühl? "Die Mischung macht´s", vielleicht auch hier.

Oder wir halten es mit dem großen König Israels, David, der in seinem Leben immer wieder schwere Situationen durchlebte und der, gegen alle schweren und bitteren Erfahrungen seines Lebens, die guten stellte und Gottes Lob sang: "Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, … der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht..." (Ps. 103) Vielleicht haben auch wir in diesen sonnigen und sommerlichen Zeiten Gelegenheit zum Auftanken und Sammeln guter Erfahrungen, damit die Mischung der Erfahrungen unseres Lebens im Gleichgewicht bleibt oder wieder dahin kommt. Das wünsche ich Ihnen.

Diakon Heinz Laukamp, Idensen

 

Eine Rechenmaschine hat er erfunden. Der bekannte Knusperkeks ist nach ihm benannt. Studierende in Hannover gehen zur gleichnamigen Uni. Er war Physiker, Diplomat und Jurist: Vor 370 Jahren erblickte der Hannoversche Denker Gottfried Wilhelm Leibniz das Licht der Welt. Das gesamte Jahr über gibt es in Hannover Veranstaltungen und Ausstellungen über und zu dem Universialgenie.

Zum Beispiel hier: An einem Baum im Herrenhäuser Garten. An seiner Rinde hängt ein Bild. Ein Schüler hat darauf drei Bäume gemalt. Zwei große mit kräftigen Stämmen und Gesichtern in der Krone, das eine Gesicht lacht, das andere schaut traurig drein. Zwischen ihnen ein kleiner Baum mit grünen Blättern. Das Bild trägt die Überschrift: „Bäume haben auch ein Leben und Gefühle. Bis November präsentieren 300 Schülerinnen und Schüler an 300 Bäumen quer durch Hannover ihre so genannten „MitdenkKunstwerke“ zum 300sten Todestag von Leibniz. Die Jugendlichen wollen darauf aufmerksam machen, dass Bäume auch Lebewesen sind, die wir schützen und mit Respekt behandeln sollten. Sie knüpfen damit an den Gedanken von Leibniz an: „Es gibt nichts Totes!“ oder anders gesagt „Alles lebt!“

Doch Leibniz war nicht nur Universalgelehrter dessen letzte Ruhestätte die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover beherbergt. Er war auch ganz Mensch. Er lebte in einer Zettelwirtschaft – so die Legende. Unaufhörlich füllte der Langschläfer und Nachtarbeiter Blatt um Blatt mit seinen Einfällen. Über seine Arbeitsweise sagte er selbst einmal: „Mir kommen manchmal morgens, während ich noch eine Stunde im Bett liege, so viele Gedanken, dass ich den ganzen Vormittag, ja mitunter den ganzen Tag benötige, um sie mir durch Aufschreiben klar werden zu lassen.“

Auf handgeschöpftem Papier notierte Leibniz alles nacheinander und über alle Fächer der Wissenschaften hinweg: Eben noch schrieb er eine Idee zur Mathematik auf, eine Zeile später war er bei der Philosophie oder Theologie.

Die Zettelwirtschaft wird gerade von Fachleuten geordnet.

Seine Einfälle sind bis heute entscheidend: Der von ihm erfundene Binärcode ist Grundlage für komplizierte Rechenaufgaben in Computern. Wie hilfreich. Passend dazu sein Lebensmotto: „für das öffentliche Wohl zu arbeiten, ohne mich zu sorgen, ob es mir jemand dankt. Ich glaube, dass man damit Gott nachahmt, der sich um das Wohl des Universums sorgt, ....“

Marcus Buchholz ist Pastor an der Liebfrauenkirche in Neustadt.

Es war ganz leise in der Kirche. Alle konnten diese Worte von Nadine gut verstehen. Sie stand dicht neben ihrem Florian. Sie im weißen Kleid, einen leichten Schleier in die Haare gesteckt. Er im schwarzen Anzug, sichtlich gerührt als er den Ring seiner Nadine an den Finger steckte. Dann knieten sie nieder und empfingen den Segen – ein bewegender Moment auch für mich als Pastorin.

Ich freue mich, wenn junge Menschen ihre Hochzeit mit einer kirchlichen Trauung feiern und sich dabei ein großartiges Versprechen geben, wenn ich frage: Nadine Schneider, willst du Florian Walter, den Gott dir anvertraut, als deinen Ehemann lieben und ehren und die Ehe mit ihm nach Gottes Gebot und Verheißung führen - in guten und in bösen Tagen – euer Leben lang, so antworte bitte: Ja, mit Gottes Hilfe!

In diesem Jahr feiern wir in Kolenfeld einige grüne Hochzeiten und mehrere Traujubiläen. Diese Paare haben mit Leben gefüllt, was sie sich vor 50, 60 oder 65 Jahren zugesagt haben mit den Worten: „Ja, mit Gottes Hilfe“. Man kann ihnen ansehen, dass Sie gute und böse Tage erlebt haben. Sie wissen, wie gut es tut, einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben. Sie haben viele Veränderungen in der Familie, im Beruf, im Umfeld gemeinsam gemeistert. Wie oft haben sie zusammen gelacht, wie viele Tränen haben sie auch geweint, wie häufig sich Mut zugesprochen, Streit ausgetragen und Versöhnung gesucht. Wie viel gemeinsam gelebtes Leben!  Wie oft mögen sie um ihr Trauversprechen gerungen haben. Wie wunderbar, wenn zwei Menschen nach so vielen Jahren sagen können: „Ja, wir haben gerne gemeinsam gelebt und haben Gottes Hilfe dabei erfahren.“

Je länger ich als Pastorin Grüne und Goldene Hochzeiten begleiten darf, desto tiefer verstehe ich diese Worte: „Ja, mit Gottes Hilfe“. Es ist ein großes Geschenk, dass Gott uns seine Hilfe für unser ganzes Leben durch alle Veränderungen hindurch verspricht. Ich weiß, dass nicht jede Ehe 50 Jahre hält. Gottes Beistand gilt auch, wenn zwei Menschen sich trennen. Aber vor allem finde ich es wunderbar, dass ich mit dem Segen den jungen und den alt gewordenen Paaren Gottes Zusage mit auf ihren gemeinsamen Weg geben darf: „Ja, ich will euch helfen“.

Ihre Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Die ersten anhaltenden, wärmenden Sonnenstrahlen, das leuchtende Grün der Bäume und die blühenden Obstbäume haben uns alle ins Freie gelockt. Wir haben die T-Shirts wieder aus den Tiefen des Kleiderschrankes befreit. Es macht einfach Spaß bei diesem herrlichen Wetter Zeit im Garten, auf dem Balkon oder im Eiscafe´ zu verbringen. Die Veränderung der Natur lässt uns aufatmen, etwas Neues beginnt. Jetzt ist die dunkle Jahreszeit endlich überwunden. Wir sehen vieles im neuen Licht und gehen viel positiver in den  Alltag.

Ich habe ein neues  Frühlingslied von Udo Lindenberg entdeckt. Wie ich finde, ist das Lied „Durch die schweren Zeiten“   ein echter Mutmacher. Auch und gerade wenn wir an die Wunder nicht mehr glauben, uns allein gelassen fühlen, die Sonne hinter dunklen Wolken verschwunden ist und Gott ganz weit weg scheint. „ Ich trag dich durch“ singt nicht nur Udo Lindenberg. Auch die Bibel beschreibt mit den gleichen Worten die Zusage Gottes an uns. Die Nähe Gottes bekommt  in diesem Lied ein ganz neues Bild: „Wie ein Schatten werd ich dich begleiten“. Der eigene Schatten neben uns, den  die Sonne sichtbar gemacht hat: Gott steht direkt neben dir. Plötzlich wird diese Nähe Gottes sogar sichtbar! Die Sonne bringt es an den Tag. Sie lässt dich neue Kraft tanken. Gott hat dich seine Nähe mit wärmenden Sonnenstrahlen spüren lassen. Egal ob Lernblockade im Abitur, Frust am Arbeitsplatz, Enttäuschung oder Verletzungen in der Beziehung, Verlust eines liebgewonnenen Menschen… Die Frühlingssonne lädt jeden ein,  wieder neuen Mut zu fassen und durchzustarten. Lass wir uns doch alle anstecken von ihrer Fröhlichkeit, Zuversicht und Wärme. Die Sonne hat nicht nur die Natur zu neuem Leben erweckt.  Mach dich auf den Weg die Sonne  zu genießen und du wirst sehen, dass Gott wie ein Schatten neben dir steht.

Aber was machen wir wenn die Sonne nicht da ist und das Tief wiederkommt?  Selbst darauf hat Udo Lindenberg eine Antwort: „Lass zusammenhalten und dann kommt die Sonne durch“. Es ist die Gemeinschaft mit Freunden, Familie, im Verein, mit Gott, die die Sonne wieder in unser Leben bringt, wenn alles Dunkel ist. Die Gemeinschaft trägt uns durch, wenn es nicht geradeaus läuft im Leben.

Ich wünsche jedem einzelnen die Gewissheit der Nähe Gottes, auch dann, wenn wir  den Schatten nicht sehen.

Beate Degener, Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf und Diakonin für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Kirchengemeinde Luthe

Liebe Leserinnen und Leser,

was könnte an Pfingsten wichtig sein?

Für viele sind es vermutlich die zwei freien Tage.   

Ich lade Sie ein zu einer kurzen Entdeckungs- oder Erinnerungstour zu Pfingsten.  

Pfingsten kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „fünfzigster Tag“ (gemeint ist: nach dem Osterfest). Das klingt anders als das Wort Weihnachten („geweihte Nacht“). Abgesehen davon gibt es für das christliche Pfingstfest im Wesentlichen nur eine Quelle: Die Geschichte von der Ausgießung des Heiligen Geistes (in der Apostelgeschichte Kapitel 2). Beschrieben wird, wie die Apostel in Jerusalem vom Geist Gottes erfüllt wurden. Viele Auswärtige hörten auf die Predigt von Petrus und ließen sich taufen. Denn plötzlich konnten sie die Apostel in ihrer eigenen Muttersprache verstehen. So wurde Pfingsten zum Gründungsdatum der ersten christlichen Gemeinde.

Darum wird noch heute Pfingsten als der Geburtstag der christlichen Kirche bezeichnet.

Das Pfingstfest ruft nicht nur das damalige Geschehen im Jerusalem in Erinnerung, es weckt auch Sehnsucht nach dem Geist Gottes. Christen glauben zwar, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt sind. Aber der Geist Gottes ist kein Besitz, er ist und bleibt unverfügbar. Wir können ihn nicht steuern, wir können ihn bitten, in uns zu wirken. 

Diesen Geist Gottes ersehnen Christen für die christlichen Kirchen, für neue Gedanken und neue Lieder, für eine breite Erneuerung. Nicht, dass wir Menschen keine Erneuerung hervorbringen können, aber die kann dann recht gekünstelt und angestrengt wirken.

Alte wie neuere Lieder drücken diese Sehnsucht aus: „O heilger Geist, kehr bei uns ein“ (EG 130, von 1640) oder „Komm heilger Geist, setz die Herzen in Brand“ aus dem Lied „Herr, das Licht deiner Liebe“ (von 1988).

Diese Sehnsucht nach dem Heiligen Geist hält wach und wirkt über jedes Pfingstfest hinaus – und ist viel mehr als nur zwei freie Tage.

Eine fröhliche Sehnsucht nach dem Geist Gottes

wünscht Ihnen

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

 

Zwischen den Zeiten: Im Kindergarten Abschied gefeiert, nun aufgeregtes Warten auf die Einschulung nach den Ferien. Die letzte Abi-Prüfung geschrieben, bis zum Studium oder der Ausbildung dauert es noch ein paar Monate. Die Operation überstanden, in der Reha muss es sich aber erst noch erweisen, ob das Knie wieder wie früher wird.

Zwischen den Zeiten – das wäre auch ein passender Titel für den morgigen Sonntag. Der auf­erstandene Jesus hat sich an Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedet und ist zum Vater zurückgekehrt. Der Heilige Geist ist noch nicht ausgegossen, Pfingsten hat noch nicht stattgefunden. „Zwischen den Zeiten“ bedeutet: Abschied und Warten auf Neues; Vertrautes loslassen, ohne zu wissen, was kommt; Freudiges Erwarten und Angst vor dem Unbekannten.

Einfach wird es nicht, das hat Jesus seinen Jünger angekündigt. An ihnen wird Anstoß genommen. Ja, sie werden verfolgt werden. Doch er lässt sie nicht allein. Damit sie Kraft und Zuversicht behalten, verheißt er ihnen „den Tröster“, den er vom Vater her senden wird. Jesus weiß: Damit sie in all den Anfechtungen Kraft und Zuversicht behalten, brauchen sie einen Beistand, einen Fürsprecher in Sprachlosigkeit und Anwalt in Not. Der Tröster, den Jesus verheißt, wird dafür sorgen, dass es weitergeht. Durch ihn wird Jesus weiter wirksam und auf neue Weise in ihren Herzen nahe sein.

Auch wir leben unser Leben und glauben unseren Glauben nicht selten in solchen Zwischen­zeiten. Drei Lebensbespiele sind anfangs genannt. Drei Glaubensbeispiele seien hinzugefügt: In diesen Tagen feiern viele Jugendliche Konfirmation. Der Konfi-Unterricht hat Spaß gemacht, aber nun stellt sich die Frage, ob die Gemeinde auch zukünftig eine Glaubensheimat bieten wird. Die Geburt des erstens Kindes ist eine Zeit des Umbruchs, auch religiöse Themen brechen vielleicht neu auf: Was bedeutet es für meinen Glaubensweg, wenn wir unser Kind taufen lassen? Und schließ­lich: Der Verlust eines geliebten Menschen bringt erst einmal alles aus den Fugen. Der Zweifel nagt, ob ich mich noch auf Gottes gute Führung verlassen kann.

Zwischen den Zeiten – im Leben und im Glauben – ist uns ein Tröster und Beistand ver­sprochen. Wo Liebe unser Handeln prägt, ist dieser Geist Gottes bereits spürbar. Aber auch dort, wo wir verzweifeln, bringt er unsere Not vor Gott und ist uns tröstend nahe.

Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf

April – die Natur ist zu neuem Leben erwacht. Ich erlebe dies täglich in meinen Garten. An den Bäumen und Büschen, die vor Wochen noch kahl und leer waren, ist das erste Grün sichtbar. Die verschiedenen Ziersträucher stehen in voller Blüte, wie auch der Kirschbaum. Perlhyazinthen, Narzissen und Tulpen leuchten in den jeweiligen Farben. Der Frühling ist da. Neues Leben beginnt. Eine kleine Blüte signalisiert: das Leben hat gesiegt. Es erinnert mich an eines meiner Lieblingslieder, „Freunde, dass der Mandelzweig...“.Zu finden ist es im Evangelischen Gesangbuch. Der jüdische Schriftsteller und Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin, hat es 1942 in einer der schwierigsten Zeiten seines Lebens geschrieben. Es lautet: Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht eine Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.

Geschrieben hat Schalom Ben-Chorin diese Zeilen in Jerusalem, als sich die Schreckensmeldungen über den Krieg und die Vernichtung seines Volkes häuften. Der Mandelzweig als "Zeichen für des Lebens Sieg". Ein Zeichen gegen alle Hoffnungslosigkeit "Ein bisschen meschugge, ein bisschen verrückt ist das ja: ein zarter Blütenzweig als Protest gegen den Druck von Hoffnungslosigkeit." So soll Schalom Ben-Chorin es selbst Jahrzehnte später gesagt haben. Ein blühender Mandelzweig als Zeichen, dass das Leben siegt.. Das Leben siegt nicht durch Gewalt und immer mehr Macht, sondern wie ein „Blütensieg, der leicht im Winde weht.“ Jesus hat es uns vorgelebt, Er hat in seinem Leben auf die Liebe gesetzt. Und in ihm ist für uns die Liebe Gottes greifbar geworden. Diese Liebe ist es, die stärker war als der Tod. Es siegte das Leben. Wer Christus vertraut, wird leben. Das ist die Botschaft der Hoffnung, die von Ostern ausgeht.

Marlene Richter, Prädikantin, Stiftskirchengemeinde Wunstorf

„Darf ich Dir mal erzählen, was mir passiert ist?“ fragte mich gestern ein Freund. Er schien zu merken, dass ich in Eile war. „Zwei Minuten, nicht länger.“ Darauf mochte ich mich einlassen.

„Als ich neulich nach dem Einkaufen meine Sachen ins Auto lud, wurde ich von einem Fremden angesprochen. „Geld“ sagte der Mann. Die gängigen Klischees liefen bei mir ab: Wer so etwas sagt, so gekleidet ist und dann auch noch Ausländer ist, der bettelt. Ich winkte energisch ab. „Nein, ich nix Geld, Du, kommen!“ sagte der Mann mich am Ärmel ziehend. Nun wurde ich doch allmählich neugierig. Ich verstaute meine Einkäufe zügig im Fahrzeug und folgte dem drängelnden fremden Mann in den Markt zurück.

Beinahe ziellos lief der Fremde mit mir im Schlepptau durch die Gänge zwischen den Regalen entlang. Eine absurde Situation. Mein Begleiter schien etwas zu suchen. Wohl fühlte ich mich nicht in meiner Haut. Was wollte der Fremde ausgerechnet von mir? Warum war er so überzeugend? Am Kühlregal hielt der Mann zielstrebig auf einen Einkaufswagen zu. Er wollte etwas herausnehmen. „Hey, Finger weg, das ist mein Wagen“ schnauzte ein elegant gekleideter Herr unwirsch von der Seite.

Der Fremde ließ sich nicht beirren, griff in den Wagen unter eine Zeitung und holte ein Portemonnaie hervor. Zu meinem Erstaunen erkannte ich die Börse als meine eigene. „Wie kommt mein Portemonnaie in Ihren Wagen?“ fragte ich. Keine Antwort des Herren, nur eine nüchterne Erklärung des Fremden: „Er genommen“.“

Mein Freund beendete sein Erlebnis mit den Worten: „Von der Angst vor Fremden wird ständig gesprochen. Von der zweifellos auch bestehenden Hilfsbereitschaft ausländischer Menschen jedoch nur sehr selten. Bestehlen wollte mich ein anscheinend reicher Landsmann, geholfen hat mir ein armer Ausländer.“

Niemals darf ein Mensch eine Gruppe Anderer, sei es mit anderer Religion, anderer Staatsangehörigkeit, anderer Hautfarbe, oder was auch immer anders sein mag generell verurteilen. Dazu sind wir alle, Gott sei Dank, zu sehr Individualisten.

Gunner Linde-Göers, Wunstorf

Ein Datenleck in einer Kanzlei hat diese Woche Finanzgebaren von Politikern, Sportlern und Kriminellen offengelegt. Gezielt lassen sich Briefkastenfirmen durch darauf spezialisierte Agenturen in Steueroasen einrichten. Ich muss nicht einmal selber dorthin fliegen. Nach Presseangaben haben mehrere deutsche Banken gerne bei der Vermittlung geholfen.

Eigentlich überrascht das niemanden. Dass Menschen ihr Geld gerne vor dem Zugriff des Staates schützen, ist nicht neu. Trotzdem ärgere ich mich darüber. Ganz selbstverständlich wird der Staat und damit die Gemeinschaft aller Bürger, herangezogen, um kriselnde Banken zu retten. Wenn es aber darum geht, für die gemeinsamen Aufgaben zu bezahlen, dann verschieben einige ihr Vermögen in Briefkästen.

Wie anders könnte diese Welt aussehen, wenn sich alle solidarisch an den Lasten beteiligen. Wenn man vom Erhalt der christlichen Kultur nicht nur redet, sondern diese im eigenen Leben spürbar werden lässt. Dazu gehört auch, dass jede und jeder nach Kräften zur Solidargemeinschaft beiträgt. Übrigens, auch im Islam ist die Barmherzigkeit einer der fünf Grundpfeiler des Glaubens.

Jesus war kein Freund des Geldes. Mehrfach warnt er vor der Gier, die es leicht mit sich bringt. Ganz pragmatisch kann er dann aber auch sagen: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Geld!“ (Lukas 16, 9).

Geld - oder in älteren Übersetzungen der Mammon - sind aus dieser Welt nicht wegzudenken. Neu denken lässt sich aber der Umgang damit. Ich kann mich vom Geld bestimmen lassen oder ich kann es als Werkzeug einsetzen, um ein Stück der Vision einer gerechten Welt umzusetzen. Geld in den Briefkästen von Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ oder „Misereor“ schafft mehr Wert als in einem Briefkasten in Panama. Wertschöpfung in Form von zwischenmenschlichen Werten erreicht mehr als Wertschöpfung durch Steuervermeidung. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Geld!

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Da sehe ich sie vor mir: die Jungen im Anzug und die Mädchen im Kleid – alle ganz schick für die Konfirmation. Zwei Jahre sind wir uns immer wieder begegnet: zum Konfirmandenunterricht, beim Gottesdienst und Konfirmandenferienseminar – eine intensive Zeit, die mit der Konfirmation feierlich abgeschlossen wird.                                   

Erwachsen sehen die Jungen und Mädchen am Tag der Konfirmation aus – die Kleidung spricht für sich. Erwachsen sind die 14-jährigen noch nicht. Es ist gut, dass sie noch Zeit haben, sich auszuprobieren, neue Erfahrungen zu machen und ins Leben hineinzuwachsen - in ihr persönliches aber auch in ihr Leben als Glied unserer Gesellschaft. Wie wird sich Deutschland in 10 Jahren verändert haben, wenn die jetzigen Konfirmanden und Konfirmandinnen 24 Jahre alt sind und ihren Weg ins Berufsleben gehen? Wie wird die Welt in 30 Jahren aussehen, wenn sie mit 44 Jahren mitten im Leben stehen sollen? Welche Erfahrungen werden sie in 50 Jahren geprägt haben, wenn sie als Gruppe vielleicht ihre Goldene Konfirmation gemeinsam feiern? Welche Ratschläge würden sie dann jungen Menschen für den Lebensweg mitgeben?

Konfirmation ist für mich ein wichtiges Fest auf dem Weg zum Leben als erwachsene Menschen - gerade in einer Zeit, in der sich im eigenen Leben, in unserem Land und in der ganzen Welt vieles verändert und zu großen Unsicherheiten und Ungewissheiten führt.  Konfirmation – das Wort kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet: Stärkung, Bekräftigung.

Es ist schön, dass diese jungen Menschen gestärkt durch Gottes Segen zu ihrer Konfirmation weiter ins Leben gehen können. Ich hoffe, dass sie den christlichen Glauben als sichere Grundlage für ein gelingendes Leben kennen gelernt haben. Ich wünsche ihnen die Erfahrung, dass unser Gott sie durch alle ungewissen Zeiten des Lebens führen kann. Ich freue mich, wenn diese Mädchen und Jungen ihr Handeln am christlichen Glauben orientieren und damit zu Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft und in der Welt beitragen. Es ist klasse, manchen wieder zu begegnen, wenn sie sich in der Kirche engagieren.

Auch wenn viele Konfirmierte sich freuen, sonntags auszuschlafen und nicht zum Gottesdienst gehen zu müssen, hoffe ich, dass sie die Verbindung zu Gott nicht abbrechen oder einschlafen lassen.                                                                                                     

Sicher bin ich mir, dass unser Gott diese Jungen und Mädchen auch weiter liebevoll im Blick behält und sie mit seinem Segen begleitet. Und so feiere ich gerne mit ihnen ihre Konfirmation, ihre Stärkung fürs Leben! 

Christa Hafermann, Pastorin in Kolenfeld

Wollen nicht alle Menschen schön sein? Sicherlich! Wir unterscheiden uns in unseren Geschmäckern. Und vielleicht ist der eine auch eher praktisch veranlagt, die andere wirkt verspielter. Aber die Braut im weißen Kleid, die Dame im eleganten Kostüm oder der KfZ-Mechaniker im grauen Kittel mit Bügelfalte, sie alle bezeugen ein Leben in Würde, Reinheit und Vollkommenheit. Auch Künstler verschiedener Epochen gestalten ihre Werke zur Auferstehung der Totenstets mit schönen Menschen. In Farbwahl, Duktus und Räumlichkeit setzen ihre Kompositionen das Schöne ins Bild. Man sieht reine Haut, verklärte Blicke, entspannte Körper. Nur bei Jesus ist dies anders. Er scheint sich gegen ein Schönheitsideal zu wehren. Hände, Füße und die linke Seite seines Körpers zeigen aufgerissene Wunden. Nägel und Lanzenstich als Zeichen seines gewaltsamen Todes haben ihre Spuren an seinem Körper hinterlassen. Auch nach der Auferstehung sieht man ihm alles Erlebte, Durchlittene an. Wir alle bringen unsere persönliche Geschichte mit in den Himmel. Gerade diese Vorstellung hat den Menschen früher Angst gemacht. Zu übermächtig war die Sorge, dass sie mit ihrem Leben vor Gott nicht bestehen könnten. Denn größer als die eigenen Wunden sind doch jene Wunden, die wir anderen zugefügt haben. So kam die Hölle ins Spiel. Ein Blick auf den auferstandenen Christus mit seinen Wundmalen will aber zeigen: im Himmel findet jede Leidensgeschichte Gehör. Alle Gewalt hat hier ein Ende. All die Geschundenen und Geflohenen dieser Welt werden erhört werden, und auch jene, die sich um ihren Besitz, ihre Heimat oder ihr persönliches Fortkommen sorgen. Was hier nicht zusammenpasst, wird dort eins werden. Das Unverträgliche wird versöhnt. Alles Leben wird aufgenommen in die vollkommene Schönheit Gottes. Wir werden sein wie neu geboren. Kann dieser Osterglaube in unseren Alltag hinein wirken? Vielleicht so: Keine Dissonanz zwischen Menschen, kein politischer oder persönlicher Streit können so wichtig sein, dass sie den Tod des anderen billigen oder rechtfertigen. Einander das Recht auf Leben zu ermöglichen, bedeutet Ostern im Alltag. Und dazu hilft es, wenn wir im anderen vor allem das Schöne wiederentdecken.

Tilman Kingreen, Pastor in Wunstorf und Hannover

Der 19-jährige Steinhuder Weber Johann Heinrich Bühmann webte 1728 ein Meisterstück: Ein Hemd in einem Stück - ohne Naht und keine Spur von einer Nähnadel! Weber Bühmann kombinierte verschiedene Webtechniken – so hat man es neuerdings herausgefunden. Aber auch Experten können es sich nicht wirklich erklären, wie er das Kunstwerk herstellen konnte. Es bleibt ein Geheimnis. Zu damaliger Zeit versuchten auch andere Weber, ein Hemd ohne Naht anzufertigen. Es gibt nur noch wenige Exemplare in Europa. Bühmanns Kostbarkeit  wird ganz in unserer Nähe in Steinhude im Webermuseum gezeigt. Neulich stand ich tief beeindruckt davor. Übrigens hatte der junge Weber zwei  Hemden aus einem Stück gewebt. Das zweite erhielt der  Graf zu Schaumburg-Lippe, der es dann dem König von Portugal vermachte. Ein Königsgewand also.

 Jesus  hatte auch ein solch kostbar gewebtes Gewand.  Die Soldaten am Kreuz erkannten das Wertvolle daran, und jeder wollte davon ein Stück haben. Schließlich würfelten sie darum, um  es nicht zu zerstören (Joh. 19, 23 u. 24). Morgen ist Palmarum,  der letzte Sonntag  in der Passionszeit vor dem Osterfest. Wir denken an den Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus reitet auf einem Esel. Die Menschen winken ihm mit Palmenzweigen zu und legen sie ihm jubelnd  zu Füßen. „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe“,  rufen sie und feiern ihn als König Israels. Ich stelle mir vor, dass Jesus das besondere Gewand, das eines Königs würdig ist, trägt. Die Gegner Jesu hetzen das Volk auf, und so wird nur ein paar Tage später aus dem „Hosianna“ ein „Kreuzigt ihn!“  Wie dicht liegt beides nebeneinander. Keine Woche im Kirchenjahr zeigt uns dieses Spannungsfeld so deutlich wie die nächste. Mich macht dieser Gegensatz nachdenklich. Lass ich mich auch vom Jubel oder den Buhrufen der Masse beeinflussen? Ich möchte davor bewahrt bleiben und dem folgen, der im Königsgewand den Leidensweg für uns zum Kreuz geht.

Der 19-jährige Steinhuder Weber Johann Heinrich Bühmann webte 1728 ein Meisterstück:               Ein Hemd in einem Stück - ohne Naht und keine Spur von einer Nähnadel! Weber Bühmann kombinierte verschiedene Webtechniken – so hat man es neuerdings herausgefunden. Aber auch Experten können es sich nicht wirklich erklären, wie er das Kunstwerk herstellen konnte. Es bleibt ein Geheimnis. Zu damaliger Zeit versuchten auch andere Weber, ein Hemd ohne Naht anzufertigen. Es gibt nur noch wenige Exemplare in Europa. Bühmanns Kostbarkeit  wird ganz in unserer Nähe in Steinhude im Webermuseum gezeigt. Neulich stand ich tief beeindruckt davor. Übrigens hatte der junge Weber zwei  Hemden aus einem Stück gewebt. Das zweite erhielt der  Graf zu Schaumburg-Lippe, der es dann dem König von Portugal vermachte. Ein Königsgewand also.

 Jesus  hatte auch ein solch kostbar gewebtes Gewand.  Die Soldaten am Kreuz erkannten das Wertvolle daran, und jeder wollte davon ein Stück haben. Schließlich würfelten sie darum, um  es nicht zu zerstören (Joh. 19, 23 u. 24). Morgen ist Palmarum,  der letzte Sonntag  in der Passionszeit vor dem Osterfest. Wir denken an den Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus reitet auf einem Esel. Die Menschen winken ihm mit Palmenzweigen zu und legen sie ihm jubelnd  zu Füßen. „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe“,  rufen sie und feiern ihn als König Israels. Ich stelle mir vor, dass Jesus das besondere Gewand, das eines Königs würdig ist, trägt. Die Gegner Jesu hetzen das Volk auf, und so wird nur ein paar Tage später aus dem „Hosianna“ ein „Kreuzigt ihn!“  Wie dicht liegt beides nebeneinander. Keine Woche im Kirchenjahr zeigt uns dieses Spannungsfeld so deutlich wie die nächste. Mich macht dieser Gegensatz nachdenklich. Lass ich mich auch vom Jubel oder den Buhrufen der Masse beeinflussen? Ich möchte davor bewahrt bleiben und dem folgen, der im Königsgewand den Leidensweg für uns zum Kreuz geht.

Angelika Dömland, Prädikantin

Neulich las ich Worte eines Rabbis: „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe.“ Spontan sang ich leise „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn.“ Ein Enkelkind hörte das und meinte vorwurfsvoll „Aber dazu macht man doch Bewegungen, Oma!“ Nun ging es los mit dem Heben der Arme, um die aufgehende Sonne zu begrüßen und weiter mit dem Bücken, um den Niedergang zu begleiten und dazu fröhliches  Klatschen, um Gott zu loben. Wunderbar, diese Begeisterung, der kleine Kerl strahlte. Plötzlich war es für mich ein besonders schöner Lobgesang, der so richtig mitten ins Leben passt. Der Lauf der Sonne umspannt unser Tages-Geschehen, auch den heutigen Tageslauf. Und das tut sie auch, wenn sie manchmal gar nicht zum Vorschein kommt. Sie geht jeden Morgen neu für uns auf und erfreut uns mit ihrem Licht und bald auch wieder mit ihrer Wärme. Am Tagesende zieht sie sich wieder zurück und versinkt am Horizont. Im 113. Psalm ist das schön beschrieben: „Es ist wunderbar, Gott zu loben. Wir wollen deine Knechte sein, lieber Gott, deine Mitarbeiter, Menschen, denen du deine Arbeit anvertraust. Du bist wie die Sonne, über uns und in uns, du bist bei uns und um uns. Du stehst hinter uns und stehst uns bei. Keiner ist so wie du, der Höhen und Tiefen umschließt.“ Inzwischen saß der kleine Enkel auf meinem Schoß und fragte „Wie ist das eigentlich, wenn die Sonne untergeht? Ich weiß, dass die wiederkommt, aber wo bleibt sie denn so lange, wenn es bei uns dunkle Nacht ist? Scheint die dann beim lieben Gott? Ach nee, das geht ja gar nicht, wenn sie in eurer Leine oder in unserem Kanal verschwindet. Ich hol mal ein Buch, da steht das glaub ich drin.“ Es kann viel geschehen zwischen dem Auf-und Untergang: Wiederkehrendes, das uns Halt gibt, die Mahlzeiten, die Zeit der Arbeit und der Ruhe. Wir erleben Freud und Leid, Angst und Hoffnung, Nähe und Einsamkeit u.. Wie gut, dass wir zu Gott singen und beten können. Er versteht uns. Unter seinem Licht dreht sich die Erde, Tag und Nacht.             

Ursula Wiebe Schloß Ricklingen

"Freut Euch!", ist der Name des morgigen Sonntags. Was für eine Aufforderung! In Syrien gibt es eine Waffenruhe. Was kann, was wird daraus entstehen? "Freut Euch!" wird uns zugerufen, die wir hier leben, in Frieden, in unzerstörter Umgebung, in einem großen Land. "Freut Euch!" Die Zeit des Fastens, des Verzichtes geht zu Ende.

Kinder ertasten sich am Anfang ihres Lebens alles. Sie fassen an, suchen Halt, ziehen sich hoch, wollen aufstehen, gehen. Anstrengend ist das. Wir freuen uns an jedem kleinen Fortschritt und die Kinder auch. Allen Menschen fällt Neues schwer. Die wenigsten lernen alles wie von selbst. Allein alles zu können, gelingt keinem Menschen. Wir brauchen einander. Manchmal wollen wir es nicht wahr haben. Noch weniger gefällt uns vielleicht, was andere alles können und ihnen scheinbar locker von der Hand geht. "Freut Euch!", an dem, was ihr könnt, an dem, was ihr habt, an dem, was euch geschenkt wird. Achtet es nicht gering. Die Aufforderung sich zu freuen, mag in unseren Ohren schräg klingen. Sich zu freuen, kann mir niemand befehlen, mögen sie denken. Nein, das kann auch niemand. "Freut Euch!", ist die Aufforderung seine Einstellung ganz tief zu ändern. "Freut Euch!" Manche Tage ist das schwer, weil unser Leben nicht ohne Verletzungen, Niederlagen, Scheitern, Tod und Trauer ist. Die Aufforderung nimmt darauf keine Rücksicht. Sie hat einen völlig anderen Blick auf das Leben. Sie stellt die Freude in den Gegensatz zu allem Leid und aller berechtigten Trauer und Angst in der Welt. Die feste Überzeugung jenes Boten, der von Gott alles erwartet obwohl er selber Leid und Elend erfährt und um sich herum sieht, ist, dass wir Barmherzigkeit und Trost empfangen und weitergeben können. "Freut Euch!", seid nicht ohne Hoffnung, gebt ab von euren guten Erfahrungen, setzt euch für das Leben ein, für Liebe zum Leben, für ein Miteinander. Wartet nicht, dass Andere es tun, sagt auch nicht, dass es nicht geht; beweist, dass alles möglich ist für Den und Die, die den Mut nicht verlieren und die die Chancen ergreifen, die sich bieten.

"Freut Euch!", wir können Neues gestalten! Nutzen wir sie im Vertrauen auf den, der alles Schwere angenommen hat und der die Grundlage unserer Freude ist, der Bote war und uns zu Boten berufen hat. "Freut Euch!", neues Leben wird Wirklichkeit. An Ostern werden wir das feiern – die Auferstehung Jesu und die Tatsache, dass Leid, Hass, Elend und Tod überwunden werden können. "Freut Euch!", bald ist Ostern. Das Leben trägt den Sieg davon.

Diakon Heinz Laukamp

Christinnen aus Kuba lehren uns das Beten

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: In ökumenischen Frauengruppen wird der Weltgebetstag vorbereitet. Er steht unter den Worten Jesu aus Matthäus 18: „Nehmt Kinder auf, und ihr nehmt mich auf.“ Kubanische Christinnen verschiedener Konfessionen haben ihren Glauben in Lied und Text zum Ausdruck gebracht und laden ein zum Mitfeiern für den kommenden 4. März. In 109 Ländern der Welt folgen frau und man dieser Einladung, auch in Deutschland. Doch zur selben Zeit, da viele Menschen in unseren Ortschaften über den Tellerrand der eigenen Konfession hinweg schauen und sich auf die Begegnung mit einer ungewohnten christlichen Kultur einlassen, stellen sich fremdenfeindlich eingestellte Menschen – unter ihnen sicherlich auch Christen – vor Flüchtlingsheime und -busse, beschimpfen und attackieren Flüchtlingskinder.

Was steckt dahinter? Neben anderen Motiven vermute ich, dass es die Scheu vor dem Fremden ist: die Sorge, etwas von seiner eigenen Identität zu verlieren, wenn so viele Menschen mit einer ganz anderen kulturellen Prägung in meinem gewohnten Umfeld auftauchen.

Den Weltgebetstag feiern wir seit vielen Jahren. Besonders Frauen im ländlichen Bereich, die großen Wert auf ihre eigene Identität legen, die überzeugte Katholikinnen und engagierte Protestantinnen sind, haben Freude an diesem ökumenischen Aufeinandertreffen. Und haben Lust darauf, einmal eine fremde Art des christlichen Gottesdienstes mitzufeiern. Nach Ägypten und den Bahamas ist es in diesem Jahr Kuba, bevor es dann in 2017 auf die Philippinen geht. Vielleicht werden kubanische Tangorhythmen uns am kommenden Freitag die Botschaft von Jesus Christus nahe bringen. Und im Anschluss an den Gottesdienst werden den Gästen stets typische Speisen aus dem jeweiligen Weltgebetstagsland serviert.

Das Fremde raubt mir nicht meine Identität. Im Gegenteil: Ich kann sie viel deutlicher erkennen. Und das Feiern des Weltgebetstages bereichert meinen eigenen Glauben in einer intensiven Weise – das liegt eben genau daran: an der Begegnung mit dem Fremden. Ich wünsche uns hier im Wunstorfer Bereich und in unserem Land Mut, gegen Fremdenfeindlichkeit anzugehen, und Offenheit für einen Austausch zwischen uns und Menschen anderer Religionen und Kulturen. Mit dieser Haltung bewegen wir uns auf christlichem Fundament.

Susanne v. Stemm, Schulpastorin am Höltygymnasium Wunstorf

Wenn wir heute ganz ohne Bezug zu Gott oder Kirche davon sprechen, dass uns etwas „auf der Seele brennt“, dann möchten wir dieses unangenehm bedrängende Gefühl, das an unserem Innern nagt, nur zu gern wieder loswerden.

„Zu dir, HERR, trage ich, was mir auf der Seele brennt.“ (Psalm 25,1)

Hier wendet sich ein Mensch Gott zu und hält ihm hin, was gerade für ihn so sehr zermürbend ist. Er vertraut es Gott an und trägt es Gott vor.

Was er erhofft ist Linderung seines Schmerzes. Was genau sein Schmerz, sein Brennen ist, das erfahren wir nicht. Und eben dies macht die Worte auch heute noch so stark und so offen für eigene persönliche Erfahrung, die ein eben solches Gefühl hervorrufen kann, eine solches Verlangen nach Heilwerden erzeugen, ein solches Brennen auf der Seele.

 „Was mir auf der Seele brennt“ ist für uns heute oft das, was heraus muss, was in Worte gekleidet und gesagt werden muss. Gern wenden wir uns damit an die allerbesten Freunde, vielleicht auch an die Eltern, in der Hoffnung von ihnen immer noch am besten verstanden zu werden. Schön, wenn im Gespräch dann Klärung stattfindet, Trost erfahren wird und Verständnis.

Was aber, wenn unsagbar ist, was einen Menschen quält? Wenn wir uns nicht trauen zu sagen, was ist, weil es uns zu schlimm erscheint, weil es uns zu sehr beschämt und schier einem anderen nicht zumutbar ist? Müssen wir es dann mit uns allein ausmachen oder es einem Psychologen oder Pastor anvertrauen?

Dies wäre sicher eine Möglichkeit und die letzten beiden Varianten nicht die schlechtesten, um nicht darüber krank zu werden.

Wir dürfen aber auch Gott unmittelbar an seine Barmherzigkeit und Güte erinnern und auf sie vertrauen, wenn wir ihm sagen, was uns bedrückt. Der kommende Sonntag trägt den Namen „Reminiscere“ (Psalm 25,6) und da rufen wir zu Gott „Gedenke!“. Und wir können dabei auch an Jesus Christus denken, der uns diesen Frieden mit Gott gestiftet hat ein für alle Mal (Römer 5,1) und uns erinnern, dass sein Herz für uns brannte in Liebe.

Pn Anke Orths, Idensen

In der Fastenzeit die Pfunde purzeln lassen!“ „In 40 Tagen zum Nichtraucher!“ „Heilfasten mit Spaß und Begeisterung!“ „Lesen statt Fernsehen!“ –  Solche und ähnliche Aktionen finden in den kommenden Wochen bis Ostern regen Zulauf. Und warum auch nicht? Seinem Körper Gutes tun, körperlichen Ballast abwerfen und sich freuen, endlich frei zu werden von alten Lastern – herzlichen Glückwunsch allen, die sich dafür entscheiden und sieben Wochen lang durchziehen! Millionen Menschen lassen sich so jährlich mit „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche, aus dem Trott bringen.

Die Tradition des Fastens ist in unseren christlichen Kirchen fest verankert. Sie wurde und wird aber, wie gesagt, ganz verschieden verstanden. Für die einen ist die Fastenzeit eine Zeit der Besinnung – sowohl auf das eigene Leben, als auch auf Gott. Für andere ist es eine Zeit der Buße und Umkehr – in welcher der bewusste Verzicht dabei helfen soll, sich neu zu orientieren. Wieder andere nehmen die Fastenzeit zum Anlass, um sich selbst, dem eigenen Körper und Geist, etwas Gutes zu tun. Sie verzichten deshalb auf Alkohol, Nikotin, Kaffee, Fleisch …, eben auf das, was das eigene Leben gerade beschwert. Bei allen diesen Verschiedenheiten gibt es eine große Gemeinsamkeit. Die Fastenzeit ist immer eine Zeit der Vorbereitung.

Die Zeit vor Ostern, die Passionszeit, ist die bei uns bekannteste Fastenzeit. Sie dient  der Vorbereitung auf eben dieses Fest. Ostern, das ist das Fest der Auferstehung, das Fest des Lebens. Und so wird die Fastenzeit, die vor uns liegt, zu einer Zeit der Vorbereitung auf das Leben. Worauf müssen Sie sich aber im Moment vorbereiten? Vielleicht stehen Sie vor einer neuen beruflichen oder familiären Herausforderung, vor einem Umzug oder dem Ruhestand. Was auch immer uns im Leben an Veränderungen bevorsteht, es ist hilfreich, darauf vorbereitet zu sein. Die Fastenzeit lädt ein, jetzt ab Aschermittwoch die sieben Wochen bis Ostern zu nutzen, um sich auf das Leben vorzubereiten. Sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es im Leben ankommt. Sie beginnt in diesem Jahr am 10. Februar und endet am Ostersonntag, den 27. März. Dieses Jahr steht die Fastenaktion unserer evangelischen Kirche unter dem Motto: „Großes Herz! – Sieben Wochen ohne Enge“. Dazu gibt es entweder – ganz klassisch – einen Kalender, wöchentliche Fastenmails oder eine „7 Wochen Ohne“ App fürs Smartphone. Egal wie – ich wünsche uns viele neue und  inspirierende Erfahrungen mit dieser alten Tradition des Fastens!

Superintendent Michael Hagen

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

„Wie erkläre ich meiner Tochter, wie wir im Himmel aussehen?", fragte mich letzte Woche eine gute Freundin. Ihre fünfjährige Tochter Martha war mit dieser Frage aus dem Kindergarten nach Hause gekommen. „Haben wir im Himmel auch Hände und Füße?", wollte sie von meiner Freundin wissen. Ein Kindergartenkind hatte ihr wohl erzählt, dass man dort we­der Hände, Füße, noch Arme oder Beine hat. Und Martha fragte sich, wie das denn wohl sein kann. Und wie man dann im Himmel Eiscreme essen soll.

Nicht nur für Martha ist die Vorstellung von dem, was uns nach dem Tod erwar­tet, spannend. Was geschieht mit uns, wenn wir sterben? - Das fragen sich Menschen jeden Alters. Wir brauchen Vorstellungen davon, wie es nach unse­rem Tod weitergeht.

Auch die Gläubigen in der Gemeinde in Korinth scheinen sich diese Frage gestellt zu haben. Denn Paulus versucht sie in seinem ersten Brief an die Korinther zu beantworten. (l. Kor 15,35-49) Dafür braucht es Bilder, denn nur in solchen können wir uns Vorstellungen vom Him­mel machen. Und so erzählte ich Marthas Mutter von dem Bild, welches Paulus dafür benutzt. Er unterscheidet darin zwischen unserem Ich auf der Erde und im Himmel.

Unseren irdischen Körper vergleicht er dafür mit einem Samenkorn. Bloß und unscheinbar, kann es in die Erde ge­pflanzt werden. Und doch, steckt in ihm schon das Besondere. Ob eine Rose, eine Tulpe oder ein Grashalm, all dies ist be­reits in ihm angelegt. Aber damit es zum Vorschein tritt, so erklärt Paulus, muss das Samenkorn erst sterben. So nannte man zu seiner Zeit die Verwandlung des Korns in einen Keim. Die Rose, Tulpe oder der Grashalm, der daraus entsteht, ent­spricht unserem himmlischen Ich. Wie wir im Himmel sein werden, das ist bereits zu Lebzeiten in uns angelegt. Und es ist nicht nur die Seele, die vom Körper gelöst wird und eine irdische Hülle zurücklässt. Diese philosophische Vorstellung vom Tod teilte Paulus nicht. Der ganze Kör­per wird verwandelt, wenn er zu einem himmlischen Ich wird. Und doch behält jeder Mensch seinen Charakter, das was ihn ausmacht. Wie aus dem Samen einer Rose nur eine Rose erwachsen kann, so unterscheiden wir Menschen uns auch im Himmel voneinander. Darum müssen wir auch unser irdisches Ich hinter uns lassen. Denn im Gottes Reich gibt es keinen Tod mehr, dieser ist dort für immer besiegt. Deshalb braucht es für jenen Ort ein himmlisches Ich, das nicht mehr sterben kann. Martha hat Blumensamen auf dem Fen­stersims ausgesät und wartet gespannt, was sie hervorbringen werden. Dass es im Himmel Eiscreme gibt, steht für sie fest. Die isst sie dann in ihrer himmlischen Gestalt.

Pastorin Marit Ritzenhoff, Luthe

Auf dem Weg zur Schule. Ich freue mich auf den Religionsunterricht mit meiner 5. Klasse. Für religiöse Themen sind die Schülerinnen und Schüler nämlich sehr aufgeschlossen: Ihre Unterrichtsbeiträge geben mir selbst oft zu denken, denn sie finden auf Glaubensfragen oft originelle und niemals dumme Antworten. Darum kann ich auch gut verstehen, was Jesus einmal dazu bewog zu sagen: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird niemals hineinkommen.“

Ich fahre durch die Schneelandschaft. Vor mir am Horizont beginnt es zu dämmern. Die Welt um mich herum ist wunderschön. Ein Geschenk – ein geschenkter Moment.

Eine Nachricht im Radio lässt mich aufhorchen: Im Jahr 2050, so eine Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung, werden die Weltmeere mehr Verpackungsmüll enthalten als Fische, wenn die Müllproduktion nicht reduziert wird. „Willkommen in der Realität“, sage ich zu mir selbst, „und du willst im Unterricht heute über den Menschen als Gottes Ebenbild sprechen?“ Denn wie können wir angesichts dessen, was wir sowohl einander als auch den Tieren und der Natur – kurz der gesamten Schöpfung Gottes antun, so grundlegend positiv über das Wesen des Menschen sprechen? Meine Fünftklässler sahen das dann ein bisschen anders. Nach einem Gespräch über den Bibeltext 1 Mose 1 und seine Bedeutung schrieb ein Mädchen diesen Gedanken auf: „Gott will uns damit ein großes Kompliment machen, dass wir sein Ebenbild sind. Aber wenn wir uns nicht anstrengen, dass wir uns auch so verhalten, wie es sich für Gottes Ebenbild gehört, dann glaube ich, dass wir uns irgendwann gar nicht mehr über das Kompliment freuen können. Wir fühlen uns dann nicht mehr wertvoll.“

Die Worte des Mädchens zeigen mir bei aller Unübersichtlichkeit und Kompliziertheit heutiger Probleme, dass mein persönlicher Umgang mit Gottes Kompliment nicht kompliziert sein muss:

Dankbar – wenn auch zögerlich – kann ich dieses Kompliment annehmen und daraus Selbstvertrauen und Lebensfreude ziehen. Zugleich nehme ich auch die Herausforderung an, die darin steckt. Ich schiebe meine Resignation über den Zustand der Welt und meine eigene Ohnmacht beiseite und versuche, ganz im Sinne der Liebe und Verantwortung, welche Gott für seine Schöpfung trägt, zu leben und zu handeln. Denn selbst in meinem – und in deinem – „kleinen“ Leben kann es gelingen, dass Gottes Ebenbild aufscheint.

Susanne v. Stemm, Schulpastorin am Höltygymnasium Wunstorf

Was mich so froh gestimmt ein neues Jahr begrüßen lässt ist dieses Lebensgefühl: Da liegt so viel vor mir, und es ist noch alles offen, fast wie eine unberührte Schneelandschaft. Ob ein bisschen neblig trüb oder sonnenstrahlenklar – es ist vieles noch bedeckt, nur zu erahnen.

Ich weiß, unter dem Schnee regt sich schon was, die Narzissen hatten schon angefangen auszutreiben. Ebenso steht schon manches im Kalender, ist in Vorbereitung.
Ich weiß: Ich kann es anpacken, mitgestalten dieses neue Jahr. Geschenkte Zeit, soviel davon.

Ein bisschen müde beginnt es meist, aber dann will ich auch raus, an die frische klare Luft, und die Weite erspüren. Ich versuche dieses Gefühl zu behalten, mindestens bis zum T6. Januar, dem Tag der heiligen drei Könige.

Auf meine ersten Wege nehme ich die Jahreslosung mit. Ein Bibelwort vom Propheten Jesaja, das uns Christen in 2016 begleiten wird: „ Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“

Das sagt mir was, mütterlicher Trost ist mir in guter Erinnerung. Sie hat mich immer bestärkt und gesagt: „Nimm nicht alles einfach so hin. Und vor allem: Lege die Hände nicht in den Schoß!“ Ich habe es in der Hand. Ich bin nicht (nur) Opfer der Mächte, Spielball der Zeiten, sondern kann im Rahmen meiner Gaben und Fähigkeiten vieles tun, zum Guten, hoffentlich. Ich weiß, das neue Jahr wird nicht einfach nur gut werden.

Was da in Köln geschehen ist, aber auch schnellen Urteile vieler im Internet lassen mich verzweifeln.

Aber ich weiß mich ‚von Guten Mächten wunderbar geborgen’ (Bonhoeffer). Ich weiß um Probleme und Schwierigkeiten, die vor mir und uns stehen, auch in diesem Jahr. Aber ich weiß auch: Wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft hat schon verloren!

Eine offene, tolerante Gesellschaft für alle sollten wir uns erhalten und uns vor allen Extremen verwahren.

Vor allem weiß ich: ich gehe nicht allein in dieses Jahr. Es hat mit dem Läuten der Kirchenglocken, mit der Einladung zum Gebet begonnen: Ich habe dann immer wieder ein sehr altes Neujahrsgebet vor Augen: Aus dem Jahr 1883 von Hermann Kappen,

Pfarrer von St. Lamberti zu Münster:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen – und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen – und auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort – und erinnere die Männer an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit – und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Gib den Regierenden gute Deutsche und den Deutschen eine gute Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen – aber nicht sofort. Amen

Seien Sie Gott befohlen! Ein gesegnetes 2016-!

Ele Brusermann, Pastor im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

 

Nichts wie weg hier! Das könnten die drei Weisen gedacht haben, als sie kurz Station machten  im Königspalast. König Herodes hatte Ihnen jedoch keine befriedigende Antwort auf ihre Frage geben können. Er hatte seine Seher nachlesen lassen, wo der neugeborene König zu finden sei. Die Antwort fanden die höfischen Propheten im Buche Micha: „Doch dir, Bethlehem, lässt der Herr sagen: So klein du bist unter den Städten Juda, aus dir wird der Mann kommen, der künftig Israel führen wird.“ (Mich 5,1) 

Getrieben von unendlicher Sehnsucht waren sie aufgebrochen, von wo ist nicht überliefert. Auch der Zeitpunkt ihres Reiseantritts ist nicht verbürgt. Aber der Grund ihrer Suche ist beschrieben: Sie waren unterwegs, den neugeborenen König zu finden. Den, der durch eine junge Frau geboren werden sollte. Den, der die Krankheiten und Schuld aller auf sich nehmen sollte. Den, auf dessen Schultern die Herrschaft der Welt ruhen sollte. Der aber „wuchs auf wie ein kümmerlicher Spross aus dürrem Boden. So wollte es der Herr. Er war weder schön noch stattlich, wir fanden nichts Anziehendes an ihm.“ (Jes. 53,2)  Die drei weisen Männer aus dem Orient waren einem Stern gefolgt. Kein Globus, kein Atlas und schon gar kein Navi hatte ihnen den Weg gezeigt. Ein Stern wie viele Sterne, die auch heute für viele Reisende bei Nacht wegweisend sind.  Aber dieser besondere Stern hat sie schließlich zu einem besonderen Ziel geführt. Nur kurz waren die drei Getreuen von ihrem Weg abgewichen. Und nur, weil sie dachten, ein König müsse auch in einem Palast geboren werden. Der Stern führte sie zu dem Stall, in dem sie den fanden, von dessen Ankunft sie gehört hatten. Der, „über den viele Völker staunen werden, sogar ihren Königen wird es die Sprache verschlagen. Was niemals zuvor geschehen ist, das erleben sie jetzt; wovon sie noch nie etwas gehört haben, das sehen sie mit eigenen Augen.“ (Jes. 52,15)  Ein solches Staunen wünsche ich allen, die ihrem Leitstern bis zum Ziel folgen.

Helga Kaiser

„Abba!“ Die meisten von uns denken dabei wahrscheinlich zuerst an die berühmte Popgruppe aus den 70ern. Mit „Dancing Queen“ und „Waterloo“ mischten die Schweden damals die Charts auf. Und  letzte Woche erklangen die Hits von Abba bei der Musical-Night auf der Bühne des Stadttheaters.
Abba ist aber mehr als nur der Name dieser Popgruppe, sondern auch das hebräische Wort für Papa: So wie ein deutsches Kind zu seinem Vater „Papa“ sagt, spricht ein israelisches Kind seinen Vater mit „Abba“ an. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer, dass wir Gott genauso ansprechen dürfen: „Abba“, „Papa“. Paulus ist davon überzeugt, dass Gottes Geist uns möglich macht im Gebet mit Gott wie mit einem Vater oder einer Mutter zu sprechen. Weil ihr Kinder Gottes seid, so seine Argumentation, dürft ihr Gott genauso ansprechen wie ein israelisches Kind seinen Vater: „Abba! Papa!“ Paulus macht ihnen klar, dass sie Gott genauso vorbehaltlos vertrauen dürfen wie ein Kind seinem Vater. So, wie sich ein Kind bei seinem Vater anlehnt, sich an seiner Hand festhält, mit allem zu ihm kommt, was es freut oder bedrückt, dürfen ihr euch an Gott wenden. Wie ein Kind unbegrenztes Vertrauen hat, dass der Papa ihm aus jeder Notlage helfen kann, wie es deshalb gern zu ihm sagt: „Hilf mir, Papa!“ – so dürft ihr Gott ansprechen.

Jesus selbst hat es so auch gehalten: Im Garten Gethsemane betet er mit den Worten: „Abba, mein  Vater, alles ist dir möglich“. In seiner Todesangst vertraut sich Jesus im Gebet seinem himmlischen  Vater an. Es ist ein großes Geschenk, Gott genauso vertrauensvoll ansprechen zu dürfen wie Jesus selbst!  Gott ist für uns Christen nicht ein fernes und abstraktes Wesen, sondern wie ein Vater für uns da und uns so ganz nah! Diese bildhafte Vorstellung beschreibt das Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen.  Sie öffnet einen Verstehenshorizont, der an die eigenen Kindheitserfahrungen anknüpft und ihn zugleich ausweitet. Es ist ein wunderbares Bild um die liebe- und vertrauensvolle Beziehung zwischen Gott und uns Menschen erfahrungsnah und zugleich offen zur Sprache zu bringen!

Michael Hagen, Superintendent

„Im neuen Jahr werde ich gesünder essen und mich mehr bewegen!“ So oder so ähnlich werden gestern viele von Ihnen das neue Jahr gedanklich begonnen haben. Mit dem Wechsel von einem Kalender zum nächsten ziehe ich Bilanz. Was war gut? Was ist weniger gelungen?

Und mit der Bilanz beginnt dann der Blick nach vorne. Das junge Jahr ist eine Chance, neu zu beginnen. Jetzt am Anfang habe ich es in der Hand. Ich kann mit einer besseren Bilanz in das neue Jahr starten. Noch ist nichts daneben gegangen. Die Ratgeber in den Medien empfehlen kleine realistische Schritte. Das, was auch klappt. Lieber jeden Tag zehn Minuten als gleich auf den großen Durchbruch zu setzen. Am besten so, dass ich jeden Tag einen kleinen Erfolg sehen kann. Mit dem langen Wochenende zum Jahresstart wird es mir in diesem Jahr leichter gemacht. Meine Vorsätze müssen sich nicht sofort im Alltag bewähren.

So wie mich das neue Jahr mit einer makellosen Bilanz empfängt, so will Gott das ganze Jahr begleiten. Mit der Taufe sagt er mir Vergebung zu. Tag für Tag kann ich neu beginnen. Tag für Tag versuchen, seinem Bild von einem gelingenden Leben näher zu kommen. Mit dieser Zusage ist jeden Tag Neujahr. Gute Vorsätze müssen nicht scheitern. Auch wenn mir schon am zweiten Tag alles misslungen ist: Ich darf mich auf seine Liebe verlassen. Ich darf am dritten Tag neu beginnen - Ich darf jeden Tag neu beginnen. Nicht Gebote und Regeln stehen im Vordergrund sondern Gottes Zusage: „Ich bin dein Gott, der dich erlöst hat!“

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf