Andachten 2015

Wochenandachten im Wunstorfer Stadtanzeiger 2015.

Wir sehen sie am Bahnhof. Sie wohnen in der Nachbarschaft. Sie stehen neben uns an der Kasse im Laden. Was bislang nur durch Fernsehbilder bis zu uns durchdrang, wird nun in unserem Alltag sichtbar. Wir sagen Flüchtlinge zu ihnen. Wir sagen nicht Gäste. Wir sagen nicht Besucher. Wir reden von Flüchtlingen. Damit halten wir in Erinnerung, warum sie kamen und hier sind. Sie kommen aus Angst. Sie kommen aus Not und Schrecken, aus Elend und Furcht. Stimmt das? Manche zweifeln. Werden Notleidende von Halb-Notleidenden auch  als Tarnung genutzt, um nach Deutschland zu gelangen? Doch wer bestimmt eigentlich, ab wann Not Not zu nennen ist? Die Bibel hat uns zu Weihnachten ein anderes Vorbild zum Gedenken gestiftet. Einen knurrigen Gastwirt! Er öffnete seinen Stall hinter dem Haus als Notunterkunft. Dieser Wirt ergriff ungeahnt die Chance seines Lebens. Er lässt Gott bei sich einziehen. Er konnte nicht wissen, dass ihn seine Freundlichkeit weltberühmt machen würde. Hartherzigkeit hingegen vermehrt die Not. Gott bleibt draußen vor. Bundeskanzlerin Merkel hat die Grenzen geöffnet. Unerwartet ist ihr Name Programm. Doch welcher Name steht für das Öffnen unserer Herzen? Es ist doch berechtigt zu sagen: Nur wer ein offenes Herz hat, darf fordern, dass Grenzen nicht nur geöffnet, sondern auch geschlossen werden. Grenzen müssen beides können! Wer aber aus Kaltherzigkeit andere ausschließt, der trägt nichts dazu bei,die Not von Menschen zu wenden. Und dadurch wird er selbst zum Flüchtling. Der Kaltherzige ist auf der Flucht. Er flieht vor den Menschen. Fluchtursachen sind im Kern dieselben. Es ist die Angst. Davon gibt es aber bereits genug in der Welt. Davon brauchen wir nicht mehr. Die Bibel sagt: Versuch’s mal mit der Liebe. Davon gibt es noch nicht zu viel in der Welt. Auch Liebe setzt Grenzen. Aber die Liebe setzt Grenzen, die den anderen leben lassen. Sie weiß, der andere könnte auch ich sein. Der andere, das bin ich. Es gibt ein weltweites Recht auf Leben. So gesehen ist die Herbergssuche, die wir heute erleben, für uns eine große Chance. Zu unseren Lebzeiten noch können wir hier vor Ort Menschen in Not mit unseren Mitteln ein Zuhause geben. Wir können Not wenden.

P. Tilmann Kingreen

2015 – was für ein Jahr! Es lässt die Mehrheit der Bevölkerung sorgenvoll zurück. Zum ersten Mal seit Jahren blicken nach Umfragen die meisten Deutschen eher mit Angst als mit Zuversicht auf das kommende Jahr. In den Zeitungen lesen wir von einer Rückkehr zur Angst und einem Stimmungstief. Als Ursache dafür werden vor allem die jüngsten Terroranschläge und die Flüchtlingskrise genannt. Viele Menschen sind davon beunruhigt. Wen wundert es, dass dabei Waffenhändler Rekordumsätze melden: Bürger in Niedersachsen rüsten sich verstärkt mit Pfefferspray, Signalpistolen und anderen Geräten zur Selbstverteidigung aus. Angst ist aber ein schlechter Berater. Diffuse Ängste und dadurch bedingtes Aufrüsten helfen nicht. Das Fremde macht uns Menschen zwar Angst, aber Kriminalitätsstatistiken bestätigten diese Ängste nicht. Tatsächlich begehen die Flüchtlinge im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung sogar weniger schwere Straftaten! Der Zustand der Welt mag beklagenswert sein. Doch Pfefferspray wird letztlich die Angst nicht kleiner machen.
Die Weihnachtsgeschichte setzt etwas dagegen: „Fürchtet euch nicht“, sagt in ihr der Engel zu den Hirten. Es ist für mich der schönste Satz im Weihnachtsevangelium. Der Engel des Herrn fordert die Hirten, - wir würden wohl sagen, Menschen in sehr armseligen Verhältnissen-, zur Unerschrockenheit auf. Diese Worte kommen wirklich von ganz weit her, vom Himmel zur Erde. Sie blenden dabei allerdings Leid und Kummer in der Welt nicht aus! Das ist für mich entscheidend. Bei den Hirten auf dem Feld, von denen der Evangelist Lukas berichtet, war es kalt und dunkel. Im Stall von Bethlehem gab es reichlich Grund zur Sorge! Jesus wurde in Armut geboren. Der Vater ahnt, dass eine Flucht bevor steht. Die junge Mutter ist allein in der Fremde. Den Hirten sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch eine große Freude.“ Und dann singen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen und Friede auf Erden.“ Das ist ein Kontrastprogramm – hier die Verzagtheit, der Kummer, da die Verheißung. Diese Spannung gilt es auszuhalten, bis heute! Wenn wir die Weihnachtsbotschaft wirklich für uns annehmen und ihr Glauben schenken, dann verliert die Furcht allerdings ihre lähmende Kraft und Macht über uns. Dann können wir sie als einen Teil unseres Lebens annehmen, ihr aber einen Platz nach der Freude zuweisen.
Die Freude gegen alle Furcht, von der der Engel spricht, beschwichtigt nicht, sie hat einen konkreten Grund: Christus, der Heiland der Welt, ist geboren. Gott wird Mensch, kommt in diese Welt und will sie heil machen. Das ist der entscheidende Grund für die Weihnachtsfreude. Gott ist uns nahe, weil er uns liebt, weil er unsere Nöte und unsere Furcht kennt. Wir sind mit unserer Furcht, woran immer sie sich auch entzünden mag, nicht allein. Er ist bei uns.
Christenmenschen glauben, dass in dem Kind in der Krippe Gott selbst Mensch wurde. Weihnachten sagt: Gott ist kein einsamer Himmelsherrscher, sondern mitten unter uns wie ein Freund oder eine Schwester. Er ist wie ein Mensch, der etwas weiß von den Höhen und Tiefen des Lebens, von Liebe und Glück, aber auch von Ängsten und Sorgen.
Die Weihnachtsfreude verändert unser Verhältnis zur Welt nachhaltig: Getrost und zuversichtlich können wir uns den Menschen zuwenden und auch die Fragen und Probleme angehen, die uns vorderhand aussichtslos erschienen und nur Furcht auslösten. Weihnachten bedeutet: Die anfängliche Furcht weicht bleibender Freud. Und so können wir vielleicht auf die zugehen und die einladen, die jetzt gerade auch in diesen Weihnachtstagen bei uns fremd und fern ihrer Heimat sind. In Liebfrauen laden wir so unmittelbar nach Weihnachten alle Flüchtlinge ein, um ihnen zu erzählen und zu zeigen, was und wie wir Weihnachten feiern. Zu den zahlreichen Leckereien, die dann auf den Tisch kommen, gehört sicherlich auch der Lebkuchen. Das Gebäck aus Nüssen, Mandeln und Honig, verfeinert mit kostbaren Gewürzen ferner Länder wie Anis, Ingwer, Nelken, Kardamom oder Koriander, ist auch bekannt als "Pfefferkuchen". Und den ziehe ich persönlich bei der Begegnung mit den Flüchtlingen allem persönlichen Aufrüsten mit Pfefferspray (zur Selbstverteidigung) vor!
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein furchtloses neues Jahr  mit vielen neuen Begegnungen!

Michael Hagen, Superintendent

Etwas schmunzeln musste ich schon, als ich zum Geburtstag kam und der 100-jährige mir seine 71-jährige Tochter mit den Worten vorstellte „Das ist mein Kind“. Dieser Mann bringt mich seit langem zum Grübeln. Immer wenn ich ihn sehe, denke ich: „Wir alle sind auf gewaltiger Wanderschaft.“ Damit meine ich weniger die Frage, ob wir am gleichen Fleck Erde leben, wo wir geboren wurden. Nein, ich denke vor allem daran, wie jeder von uns auf einer großen Wanderschaft durch verschiedene Lebensstationen ist (Kindheit, Jugend, „Junges-Erwachsen-Sein“, „Mittelalter“, junger Senior, betagter Senior). Ständig brechen wir auf in neues, uns bis dahin unbekanntes Land. Und nicht nur das: Mag sein, dass man zeitlebens auf dem selben Stück Scholle lebt - auch um uns herum „wandert“ es gewaltig. Auch die Gesellschaft und unser Land befinden sich in stetigem Aufbruch. Allein – was hat der 100-jährige alles an technischen und politischen Veränderungen im Laufe des Lebens erlebt hat!

Schaue ich nun auf meine eigenen Lebensstationen zurück, dann nehme ich wahr, wie wichtig die „offenen Türen“ waren. Damit meine ich Menschen, bei denen ich willkommen war und zwar unabhängig von meiner politischen und religiösen Überzeugung oder Lebenseinstellung. Menschen, deren Worte, Handlungen oder vielleicht auch nur stille Gesten Wärme und Offenheit ausstrahlten. Menschen, die eben nicht differenzierten nach dem Motto: „Du hast den gleichen Stallgeruch wie ich, deshalb mag ich dich. Hättest du den nicht, dann würde ich mich nicht auf dich einlassen“.

Grad diese Menschen haben mir geholfen, Tritt im Leben zu fassen, in den unterschiedlichen Lebensstationen heimisch zu werden. Das danke ich ihnen sehr, denn ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin.

Und es freut mich sehr bei uns im Ort oder auch in unseren Kirchengemeinden immer wieder Menschen gleichen Schlags zu entdecken, die vielleicht trotz mancher persönlicher Sorge und Not nicht „besetzt“ sind, sondern sich den offenen Blick für den Nächsten bewahrt haben. Ihr Auftreten und Erscheinen erinnert mich an die offene Tür, die Josef und Maria – ebenfalls auf langer Wanderschaft - in einem hoffnungslos überfüllten Ort Bethlehem fanden.

Pastor Claus Carsten Möller, St. Johannes Wunstorf

Morgen ist 2. Advent und Nikolaustag. Wir sind in der heimeligen Zeit mit Kerzenschein, Keks und Punsch schon wieder eine Strecke weit gekommen und mancher wird nervös, weil es mit dem Weihnachtssäckchen für die Lieben noch nicht so weit bestellt ist. Zwei „Weihnachtsmärkte“ habe ich schon besucht. Einen bei uns im Butteramt und einen in meiner Heimat, wo es einst nur einen „Adventsbasar“ gab, zu dem alle kamen und bei dem eine Tombola der Hit war. Reichlich Geld wurde für ein Projekt von „Brot für die Welt“ in der Ferne gesammelt. Es gab Informationen zum Projekt und ich hatte das Gefühl, mit den Menschen dort verbunden zu sein auf wunderbare Weise. Heute läuft das anders. Heute ist die Ferne uns allen ganz nah gekommen. Wir sehen mit eigenen Augen und nicht nur im Fernsehen, dass Menschen unsere Hilfe brauchen. Und viele Menschen unterstützen gern ganz im Geist von Bischof Nikolaus, der im 4. Jahrhundert in Myra in der heutigen Türkei wirkte. Dort leben jetzt noch viel mehr Notleidende Flüchtlinge als hier bei uns. Und nicht nur dort. An vielen Orten in der Ferne sind unzählige weiter angewiesen auf unsere milden Gaben. Der Klimawandel hat dazu beigetragen – das ist Thema - oder die Tyrannei mancher Herrscher, auch die weit verbreitete Korruption. Wie passt dazu die Schlagzeile am Mittwoch, der frisch gebackene Papa und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wolle 45 Milliarden Dollar spenden? Ist er der Nikolaus des 21. Jahrhunderts? Beschämt er uns, die wir nur in kleiner Münze geben? Oder ist das eine neue Spielart des Kapitalismus, der mit Emotionen gelernt hat Geschäft zu treiben? Was mir jedenfalls auffällt ist, dass in unserer Welt die Reichen nicht ärmer und die Armen nicht reicher werden. Und dies beschämt mich wirklich. Dies auszugleichen bleibt eine Aufgabe. Dann könnten alle in geschützten Räumen bei Kerzenschein fröhlich die Ankunft des Herrn erwarten. Doch bis dahin kommen wir diesen Advent wohl nicht mehr. Vielleicht kommen wir aber doch ein Stück weiter voran.

Pastorin Anke Orths, Idensen

Wieder landet eine Fuhre Laub auf dem Grüngut-Hof. Nimmt das in diesem Jahr denn gar kein Ende? Ich leere meine Bottiche, plötzlich fällt mein Blick auf wunderbare Tannenzweige , die gerade frisch abgeladen wurden. Herrlich für die Adventskränze der Familie und die Deko! Beladen fahre ich zurück und summe doch tatsächlich „Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt, und ist für alle da…“Den ganzen Tag über lässt mich der Text nicht mehr los, dabei war mir bisher noch gar nicht nach Advent zumute. Aber das Lied bleibt im Kopf, besonders der Schluss „kommt, dass Friede werde“. Während ich weiter Laub zusammenharke, zieht in meinen Gedanken endgültig Advent ein, Ankunft! Die Bottiche füllen sich wie von selbst, denn jetzt bin ich gerade gedanklich beim letzten Epiphanias-Gottesdienst (Anfang Januar) Sogar im Hochsommer dachte ich an die Fragen: Welcher Glanz ist uns geblieben? Kann Weihnachten für uns weiter gehen, obwohl alles wieder in Kästen verstaut wurde? Und dann beteten wir: Gott, hilf uns, dass wir von der Geburt im Stall nicht nur gerührt sind, sondern uns rühren, uns nicht damit zufrieden geben, dass ER Mensch geworden ist, sondern dass wir für eine menschlichere Welt eintreten. Hilf, dass Weihnachten nicht umsonst war! Nein, es war und ist nicht umsonst! Aber irgendwie anders, denn das vergangene Jahr hat vieles in uns verrückt. Die Bilder der Flüchtlingsströme haben unser Weihnachtsbild verändert, es ist uns näher.- Inzwischen bin ich mit meiner nächsten Laubfuhre unterwegs, und plötzlich schweifen meine Gedanken ab zu unserem Weg nach Bethlehem, den wir im Turmraum unserer Kirche bis zur Sanierung immer zum 1.Advent aufgebaut haben. In dieser Adventszeit hätte er eine viel größere Aktualität: Maria und Josef auf dem beschwerlichen Weg, die Zimmer-Suche und später die geglückte Flucht zu dritt. -  Lasst uns nun im Advent ankommen, freuen wir uns auf die `gute Zeit`! Wir wollen auf Weihnachten zugehen…Rühren wir uns! Es ist nötiger denn je!

Lektorin Ursula Wiebe, Schloß Ricklingen

Es ist November geworden. Kaum ein anderer Monat führt uns so deutlich die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen. Abgestorbene Blätter fallen von den Bäumen, karge Äste ragen in den grauen Himmel. Es ist kalt und manchmal so trüb, dass man kaum glauben mag, dass es jemals wieder hell wird. So empfinden auch viele, die von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten.

Zuerst – kurz nach dem Tod – gab es noch ganz viel zu regeln und zu tun. Freunde und Nachbarn informieren, Unterlagen für Behörden raussuchen, Trauergespräch mit der Pastorin. Dann kam der Tag der Beisetzung und die Anteilnahme der Anderen tat gut. Aber im Laufe der Zeit merkt man: Die Welt dreht sich weiter – aber das eigene Haus ist auf einmal so leer und still geworden. An jeder Ecke tauchen die Erinnerungen auf. Da hängt noch sein Mantel an der Garderobe. Im Badezimmer steht ihr Parfüm. Im Wohnzimmer liegt das angefangene Buch, das nun nicht mehr zuende gelesen wird. Da sind so viele Spuren eines gelebten Lebens, dass man denkt: Gleich müsse doch derjenige, den man so schmerzlich vermisst, wieder zur Tür herein kommen.

Ich glaube, um mit solch einer Trauer leben zu können, brauchen wir Menschen Hoffnung. Morgen werden in unseren Gottesdiensten für die Verstorbenen des letzten Kirchenjahres Kerzen entzündet und ihre Namen genannt. Damit wollen wir an sie erinnern und uns gleichzeitig in der Zuversicht bestärken lassen, dass sie in der Liebe Gottes und seinem Frieden geborgen sind.

Andrea Dorow, Pastorin in Steinhude

ICE Berlin - Hannover. In der Hand halte ich das Bahnmagazin 'mobil'. Titelthema November 2015: "Ihr Einsatz, bitte! Ein Heft für eine bessere Welt." Es geht um grüne Helden: "Was er macht - und was es bringt."
Ich lese die eindrücklichen Darstellungen, wie sich prominente und nicht prominente Menschen für Natur und Mitmenschen einsetzen. Z.B. Stephan Horch: Er fischt Plastikmüll aus der Mosel und mobilisiert viele Nachahmer. Oder Fußballweltmeister Shkodran Mustafi: Er unterstützt Medikids (Verein zur Behandlung von Kindern aus Kriegsgebieten) und ermöglicht zusätzliche medizinische Leistungen. Oder Schauspielerin Hannelore Elsner: Als Schirmherrin von 'Karuna - Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not' hilft sie Straßenkindern eine Heimat zu finden.
Ich bin beeindruckt. Egal, wie sich Menschen einsetzen, mit großen oder kleinen Dingen, das bewegt und bringt etwas für eine bessere Welt. Mir fällt der Spruch ein "Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten können das Gesicht der Welt verändern."
Und ich denke an Anne ein, Sekretärin: Sie begleitet Mutter und Tochter, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Sie hilft ihnen, sich hier in ihrem neuen Alltag zurecht zu finden.
Morgen ist Volkstrauertag. Viele Menschen gedenken der Opfer von Krieg und Terror und bedenken gleichzeitig, wie unsere Welt friedlicher werden kann. Friedenshelden sind nötig. "Ihr Einsatz, bitte!" Die grünen Helden und die vielen anderen Helden in meiner Umgebung ermutigen, sich mit kleinen und großen Dingen für eine friedvolle Welt einzusetzen. „Was ihr einem meiner geringsten Schwestern und Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus. Ein freundliches Wort zum Nachbarn verbessert die Stimmung im Haus. Das Sammeln von Spielzeugspenden für die 'Wunstorfer Tafel' erfreut viele Kinder. Deutschunterricht für Flüchtlinge hilft ihnen hier anzukommen.
Ihr Einsatz, bitte! Egal, was ich, was Sie tun - es bringt etwas! Und es zaubert ein Lächeln auf das Gesicht der Welt. Ihr Einsatz: DANKE!

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen
 

Die Sonne bringt das Laub der Bäume  in den schönsten Farben von Hellgelb über dunkelrot zu hellbraun zum Leuchten. Die Augen können sich kaum sattsehen an diesem Feuerwerk von Farben.  In diesem Jahr können wir die Laubfärbung besonders intensiv erleben.

Allerdings – das Laub fällt nun auch auf die Erde. Dort muss es zusammen gefegt oder geharkt und unter Büsche verteilt oder anders entsorgt werden. Für manche schmälert diese Arbeit die Freude an der Laubfärbung deutlich. 

Noch etwas anderes geschieht: das fallende Laub macht nicht nur Arbeit, es erinnert auch an die Vergänglichkeit des Lebens. Wie Laubblätter sich im Frühjahr entfalten und im Herbst sich verfärben und zur Erde fallen ist auch unser Leben. Gedanken an den eigenen Tod zulassen fällt nicht leicht. Wer möchte schon an die eigene Vergänglichkeit erinnert werden?

Unser Leben möge doch so weitergehen wie bisher auch. Weitgehend jedenfalls. Natürlich ist es nicht gut, nur auf das eigene Ende zu starren oder sich mit Symbolen des Todes zu umgeben.

Gut ist es, sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden und so jeden Tag bewusster zu leben und zu erleben.

So wie es in der Bibel angesprochen wird: „Gott weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“ (Psalm 103, Vers 14). Das ist eine ungeschminkte Beschreibung des Leben von Menschen. Wer möchte schon mit Staub verglichen werden? Wer länger darüber nachdenkt, wird zugestehen müssen, dass dieser Vergleich nicht unpassend ist.

Der Blick auf die Vergänglichkeit des Lebens wird begleitet vom Gedenken Gottes. Wo Menschen nach ihrem Tod irgendwann vergessen werden, bleiben sie bei Gott in Erinnerung. Das ist christliche Hoffnung.

Das bunt gefärbte Laub erfreut unsere Augen. Das fallende Laub erinnern uns an die Endlichkeit des Lebens. Worte der Bibel bezeugen Hoffnung gegen den Tod, begründet durch die Botschaft von der Auferstehung Jesu.

Staunen Sie über die letzten bunten Blätter und leben Sie bewusster

Ihr Friedrich Kanjahn aus Schneeren (Pastor in Mardorf  und  Schneeren)

31. Okt. -  Reformationstag steht in meinem Kalender. Nicht Halloween. Und in einigen Bundesländern wird der Reformationstag auch als gesetzlicher Feiertag begangen. Doch hat dieser Tag leider viel von seinem Festcharakter eingebüßt. Denn wie viele wissen heute noch, warum Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen veröffentlich hat. Thesen, die es in sich hatten.  Nachzulesen sind sie übrigens im Internet, u.a. bei Wikipedia.

Die Zeit in der Martin Luther lebte war  geprägt von einer weit verbreiteten Angst der Menschen durch falsches Handeln, ja durch falsches Christsein in der Hölle, im Fegefeuer zu landen. Durch den Kauf eines Ablassbriefes konnte man diesem entgegen. Und nicht nur sich für selbst, sondern auch für verstorbene Angehörige. Für uns klingt das heute alles sehr fremd.

Auch Luther hatte Angst vor Gottes Zorn. Denn Gott wurde als ein herrischer Übervater, der von den Gläubigen Unterwerfung und Pflichterfüllung erwartete, gesehen. Luther zog sich während seiner Zeit im Kloster oft zurück, um zu beten, zu fasten und in der Bibel zu lesen. Eine Antwort auf die Fragen zu finden: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ - Ein Satz aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer schenkte Luther die Antwort:  Die Gerechtigkeit Gottes wirkt durch das Evangelium Jesus Christus wie ein rettende Kraft, die den Menschen gerecht macht. Martin Luther soll später gesagt haben, nach dieser Erkenntnis fühlte ich mich wie neugeboren.

Der Ablasshandel blühte weiter. Luther war empört.  Mit seinen 95 Thesen, die er als Wandzeitung an die Tür der Wittenberger Kirche heftete, widerlegt er die Legitimation des Ablasshandels.

Die Gerechtigkeit Gottes ist nicht käuflich. Sie ist ein Geschenk. Ein Geschenk aus dem Glauben. Glauben, Vertrauen finden zu Gott. Rechtfertigung erfahren wir, so formulierte es Martin Luther, allein aus Glauben, allein aus Christus, allein aus dem Evangelium, allein aus der Gnade. Es klingt vielleicht altmodisch, aber es ist immer aktuell. Auch wenn die Frage nach dem gnädigen Gott heute kaum noch gestellt wird. Dabei ist Gottes Gnade ein Weg in die Freiheit. Ein Weg gnädig zu den anderen und zu mir selbst zu sein.

Das Reformationsfest ist ein Fest der Erinnerung. Nicht nur der Erinnerung an den Thesenanschlag in Wittenberg, sondern vor allem der Erinnerung an die nicht käufliche Gerechtigkeit Gottes.  Der Gnade Gottes, die mich trägt und hält im Leben. 

Marlene Richter, Prädikantin Stiftskirchengemeinde Wunstorf

Nachdem ich vor Jahren schon dann und wann mal ein winziges Stückchen mit einer Gruppe auf dem Sigwardsweg zwischen Idensen und Minden unterwegs war, wollte ich es jetzt wissen. Wie geht das mit dem Pilgern allein? Nur vier Tage hatte ich Zeit und die haben gereicht. In Idensen ging es am Montag bei sonnigem Wetter schnellen Schrittes los, rauf bis Bergkirchen, dann weiter bis Rehburg und - dort ein Schild übersehend - fand ich mich bei der Heimvolkshochschule Loccum wieder, statt am Kloster. Nervös geworden hatte mir das Navi im Handy schon angezeigt. Trotzdem hat es zur Hora gerade noch gereicht. Drei weiteren Menschen und Abt Hirschler begegnete ich und wurde mit Pilgersegen freundlichst in den Abend verabschiedet. Das tat gut mit wunden Füßen, verschwitzt und im Blick auf das, was noch kommen sollte. Zur Nacht erster Regen mit buntem Bogen am Himmel und wunderbarem Abendhimmel. Dann seliger Schlaf in der liebevoll eingerichteten Pilgerherberge am Ententeich direkt auf dem Klostergelände. Mit Blasenpflaster und Knieschoner eingedeckt ging es am Dienstag dann eine kurze Strecke nach Schlüsselburg, wo es mittags stürmte. Am Nachmittag weiter bis Stolzenau, dann wieder bei stillem Sommerlüftchen. Man sagt, zum Wochenende hin sei endlich die Hauptstraße wieder freigegeben. Was interessiert mich die Straße? Ich gehe zu Fuß, allerdings für meinen Geschmack viel zu viel auf Asphalt. Mittwoch war ein herrlicher Sommertag und ein toller Weg über Nendorf, wo auch das letzte Blasenpflaster auf meine Füße wanderte. Buchholz an der Weser war mein Tagesziel. Hier waren alle gern bereit dafür zu sorgen, dass das Gemeindehaus meines wurde für die Nacht und der Dorfwirt und Ortsvorsteher legte Gegrilltes auf, so dass mein hungrige Magen auch auf seine Kosten kam. Heute dann schließlich kam die letzte Strecke und führte mich der Weser entlang bei drohendem Regen doch noch rechtzeitig nach Petershagen und per Bus und Bahn fix zurück zur Sigwardskirche, wo ich heimisch geworden bin, so wie nun auch auf der Nordroute des Pilgerweges. Es war ein gutes Gefühl allein in der Landschaft unterwegs zu sein und hier und da einen Menschen zu treffen, ein kurzes Schwätzchen zu halten und sich neu dem Weg anzuvertrauen. Versuchen Sie es doch auch einmal.

Pastorin Anke Orths, Idensen

Zielstrebig läuft die kleine Isa auf mich zu. Mit feierlicher Miene überreicht die Tochter einer Freundin mir einen Duplostein.  „Bitte“, sagt sie. „Danke“, antworte ich und nehme den Stein aus ihrer Hand entgegen.

Isa strahlt mich an. Dann wechselt ihr Blick ins Erwartungsvolle.

„Du musst ihr den Stein jetzt zurückgeben“, erklärt mir ihre Mutter, die kaffeetrinkend neben mir sitzt. Also lege ich den Duplostein wieder zurück in Isas kleine Hände. „Bitte“, sage ich zu ihr. „Danke“, antwortet Isa fast schon salbungsvoll und das Spiel beginnt von Neuem.

„Bitte“ und „Danke“ – zwei wichtige Wörter im Umgang miteinander. Nicht nur im menschlichen Miteinander regeln sie, wer sich hier etwas von wem wünscht oder von wem bekommt. Auch im Umgang mit Gott, bitten und danken wir.

Am Anfang jeden Gottesdienstes steht Bitten und Danken. Im „kyrie eleison“ rufen wir zu Gott: „Herr, erbarme Dich.“ Wir bitten ihn, dass er all unsere Sorgen, unsere Ängste und Befürchtungen von uns nimmt. Wir werfen es auf ihn, bitten ihn uns von dem zu befreien, was uns bedrückt.

Und nachdem wir Gott um dies gebeten haben, stimmen wir sogleich in einen großen Lobgesang ein. „Ehre sei Gott in der Höhe“, singen wir. Und danken ihm, dass er unsere Bitte erhört hat. Wir vertrauen darauf, dass Gott so handelt, wie wir ihn gebeten haben. Er nimmt sich unserer Sorgen und Ängste an.

Die kleine Isa spielt „Bitte“ und „Danke“ mit feierlichem Ausdruck, denn sie merkt, wie wichtig diese beiden Wörter im Umgang untereinander sind. Am Anfang jeden Gottesdienstes zu bitten und zu danken, hilft uns mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Wir verlassen uns darauf, dass Gott unsere Bitte erhört. Und dafür danken wir ihm. Denn mit allem, was uns belastet können wir zu ihm kommen. Nicht nur im Gottesdienst, immer und überall hört Gott unsere Bitten und nimmt sich ihrer an.

 

Ihre Pastorin Marit Ritzenhoff

 

Herbst, mal warm und freundlich und voller Farbe, mal regnerisch und neblig, kühl und grau. Wenn die Sonne scheint, kann man noch draußen sitzen, sonst hilft vielleicht eine Tasse Tee beim Wohlfühlen. Grade haben wir Kürbis- oder Erntefeste gefeiert und Dank-Gottesdienste. Die Tage werden merklich kürzer und die Abende schon kühler und die Nächte kalt. Morgens steigt der Nebel über abgeernteten Feldern auf und die Sonne scheint uns direkt in die Augen. Da fällt es manchmal schwer Dinge gut zu erkennen, ebenso im Grauschleier von Regen und Nebel.

Mir kommen zur Zeit öfter Bilder aus Erzählungen meiner über 80-jährigen Eltern klar vor Augen: Bombennächte mit hellem Himmel in Grün und Gelb, Ausgebombte in Ruinen, Vertriebene und Flüchtlingstrecks. Lauter Menschen, die Angehörige und Freunde haben sterben sehen, Bilder von Winter und Menschen, die verletzt sind und um die sich niemand mehr richtig kümmern kann. Ich kann mir zu diesen Bildern nie Sonne oder Wärme vorstellen. Ich bin froh und dankbar, dass ich in einer Welt voll Sonne, Regen und (Heizungs-) Wärme leben kann, in der um mich herum Frieden herrscht.

Im Predigttext des letzten Sonntages antwortet Jesus auf die Frage, was das Wichtigste ist im Leben: "Du sollst den Herren, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deinem Gefühl, Willen und Verstand und mit allen deinen Kräften. Das andere aber ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Es ist kein anderes Gebot größer als diese."

"Weißt Du, was Liebe ist?" Heißt das, dass ich jedem helfen muss, freundlich begegnen soll? Bei Facebook gibt es eine vielfach geteilte Karikatur auf der Jesus zu sehen ist, wie er Menschen zur Nächstenliebe auffordert. Einer aus der umstehenden Menge fragt ihn: "Schwulen und Flüchtlingen auch?" Jesus antwortet mit einer Frage: "Hast Du was an den Ohren?" Das klingt nicht gerade freundlich. Die Botschaft ist zu Jesu Zeiten schon tausende Jahre alt. Die Gebote stehen im 3. und 5. Buch Mose. Und schon Jesus wurde gefragt: "Und wer ist mein Nächster?" Wie es scheint, ist die Frage aktuell. Ich wünsche uns, dass wir in diesen Tagen denen, die zu uns kommen mit Liebe begegnen können und nicht fragen, ob sie unsere Nächsten sind oder ob wir das schaffen alle aufzunehmen. Wir werden nicht allen immer gerecht werden können. Aber vielleicht kann es eine Aufgabe sein, herauszufinden, Wer wo Hilfe geben kann und Wie. Wenn ich mich in meinem Leben zuweilen frage, ob ich alles schaffe, beantworte ich das mit meiner Erfahrung. Die ist bisher, dass ich immer alles geschafft habe. Vielleicht gelingt uns diese Zuversicht. Weißt Du, was Liebe ist? Sich fallen lassen können und glauben; darauf vertrauen können, dass die Liebe und das Miteinander trägt.

Heinz Laukamp, Diakon in der Region Süd Land und im Projekt Ferienfreizeiten

In diesem Jahr hatte es uns heftig erwischt: eine Maus samt Familie hatte sich einquartiert. Sie schienen sich wohl zu fühlen. Die Speisekarte in unserem Garten war auch dank ausreichend Regen und Sonnenschein reichlich. Meine positiven Gefühle hielten sich in Grenzen. Also angefreundet haben wir uns nicht. Es wurden Haselnüsse über den Rasen transportiert und der blühende Garten wohlwollend in Augenschein genommen. Irgendwann fiel mir die Geschichte von der Maus „Frederik“ ein: Während die anderen Mäuse ohne nach links und rechts zu schauen unbeirrt Vorräte für den Winter sammelten, nahm „Frederik“ die Wärme der Sonnenstrahlen, die Lieder der Vögel und die Geschichten, die der Wind erzählte, auf. Im kalten dunklen Winter hat Frederik mit dem Erzählen ihrer bunten Sommererinnerungen die Herzen ihrer Freunde erwärmt und denen so das Überleben gesichert.

Ich habe die üppige Obsternte in unserem Garten, das Gemüse beim Nachbarn, das Getreide auf den Feldern und die unzähligen Blumen und Gräser auf den Wiesen und Äckern ebenfalls wahrgenommen. Selbst wer keinen Garten hat, kann die reiche Ernte im Supermarkt erfahren. Lebensmittel ganzjährig, soweit das Auge reicht . Dafür bin ich von Herzen dankbar. Doch ich weiß auch, dass viele Menschen – auch hier bei uns - eben nicht ausreichend zu essen haben. Ich sehe die Bilder in den Nachrichten und bin betroffen. Lebensmittel in Fülle hier, Hunger und Not dort. Einen Ausgleich zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig schaffen die Tafeln. In der Bibel lese ich „ Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr GENUG daran haben sollt.“ Gott sei Dank.

In den christlichen Kirchen ist es Tradition am 1. Sonntag im Oktober an Gottes gute Schöpfung für uns zu erinnern. Deshalb werden die Altäre in den Kirchengemeinden geschmückt. Mit dem, was Garten und Feld uns vorhalten. Prächtige Blumen, Weintrauben und duftendes Brot werden dabei nicht fehlen. (Die Erntekrone, die in einigen Gemeinden noch gemeinsam gebunden wird, steht dabei als Symbol für Gottes Macht.) Dieser Sonntag ist eine gute Gelegenheit dafür zu danken und sich auch bewusst zu machen, wie viel das Leben auch ohne unser Zutun bereichert und eben nicht selbstverständlich ist. Licht und Regen, die Natur, die zum Durchatmen verhilft, der Kontakt zu einem anderen Menschen, die frohmachenden und auch die schmerzlichen Erfahrungen, die uns allesamt prägen. Vor allem aber auch die Kraft, die uns hilft, zu tragen und zu ertragen.

Die Ernte in meinem Lebensgarten war vielfältig: manchmal war der Wurm drin, manch faulen Apfel und manches Windei habe ich aufgesammelt. Und trotzdem war es eine reiche Ernte. Hier ein Lächeln, da ein Händedruck und immer wieder Zeichen von Liebe und Verbundenheit.

Wie war denn Ihre Ernte in diesem Jahr? Ich wünsche Ihnen, dass Sie von Herzen sagen können : GOTT SEI DANK!

Frauke Harland-Ahlborn, Lektorin aus der Stifts-Kirchengemeinde

Das war ein wichtiger Tag für mein Auto, es muss in die Werkstatt: Vorne rechts funktionierte der Scheinwerfer nicht – er musste ausgetauscht werden. Wie wichtig eine gute Beleuchtung im Herbst ist, weiß jeder, der jetzt abends im Dunkeln mit seinem Fahrzeug unterwegs ist. Man sieht besser und man wird gesehen.

Wie wichtig eine gute Lampe auch fürs eigene Leben ist, erzählt ein Vers aus der Bibel. Im Psalm 119, Vers 5 heißt es: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“

Um sich das Ganze etwas besser vorzustellen, könnte man den Vers auch so wiedergeben: „Dein Wort ist wie die Scheinwerfer meines Autos in einer dunklen Nacht“. Und wer schon mal mit kaputten Scheinwerfern fahren musste, weiß, was es heißt, orientierungslos und hilflos den Gegebenheiten ausgeliefert zu sein.

Wenn die Scheinwerfer an meinem Auto funktionieren, fahre ich sicherer über die Straßen. So ist das auch mit Gottes Wort in meinem Leben: „Dein Wort ist meines Fußes leuchte“, sagt die Bibel. Gott knipst ein Licht in meinem Leben an. Das schafft Sicherheit.

Pastor Marcus Buchholz, Liebfrauenkirche Neustadt.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Flüchtlinge sind das beherrschende Thema in diesen Wochen. Wie können sie untergebracht werden? Wie viele werden noch kommen? Wie gelingt eine Willkommenskultur?

Leuchtende Kürbisse und geschmückte Strohballen erinnern dagegen an die Ernte in der Landwirtschaft. Zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben?  

In Erntefesten erinnern Vorführungen an die Mühen der Ernte vor 50, 60 Jahren. Aber auf diese Weise möchte niemand mehr ernten: im Herbst mit den Händen auf dem Feld Kartoffeln aufsammeln, in Säcke füllen und einlagern. Ernte mit viel Handarbeit ist schon lange Vergangenheit.

Und doch wird geerntet, nicht nur Futter für das Vieh, sondern auch Nahrungsmittel für uns Menschen. Ernte scheint  beherrschbar zu sein, schon lange wird von Tier- und Pflanzenproduktion gesprochen. Als seien landwirtschaftliche Betriebe wie Fabriken, die ihre Produktion genau steuern.

Danke sagen wurde uns in der Kindheit beigebracht: „Was tust du, wenn du ein Geschenk bekommst? Du sagst Dankeschön.“ Folglich danken wir für Geschenke. Gott danken hieße dann, ihm für seine Geschenke danken. Aber was hat Gott uns denn geschenkt? Etwa die Ernte, trotz aller menschlicher Arbeit?

Ja, wer nachdenkt, wird entdecken, dass das Wesentliche im Leben Geschenk ist: unser Leben überhaupt, dass wir denken, reden, die Welt gestalten können. Im Blick auf die Ernte sind es  Wachstumsprozesse. Die können wir beeinflussen, aber nicht machen.

Es tut uns gut, hin und wieder innezuhalten und ins Staunen kommen, in das Staunen über das Leben. Vom Staunen ist es nur ein kleiner Schritt zum Danken.

Und dann entdecken wir auch: wir haben genug, mehr als genug. Wir haben viel, um auch Flüchtlinge an unserem Lebensstandard teilhaben zu lassen. Wer verlässt ohne Not seine Heimat und bezahlt viel für das Unterkommen in einem fremden Land?

Am Ende haben wir viel Grund zum Danken, nicht nur für die Ernte. Danken ist ein Thema, das nie zu Ende ist. Dankbar werden auch für den Arbeitsplatz, für die riesige Auswahl beim Einkaufen, für das eine oder andere mutmachende Erlebnis mit Flüchtlingen.  

In der Bibel stehen diese Worte: „Lobe den Herren, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103, 2) 

Entdecken Sie Gott im Staunen über das Leben!

Das wünscht Ihnen Ihr Pastor Friedrich Kanjahn 

Jedes Jahr findet in Niedersachsen Anfang September die Woche der Diakonie statt. Dies ist immer wieder eine gute Gelegenheit, auf Fragen und Probleme einzugehen, die kirchlich-diakonisch nicht nur tagesaktuell sind, sondern grundsätzlichere Bedeutung haben.

Die Woche der Diakonie steht jeweils unter einem Leitmotiv, dieses Mal lautet es „Zusammen besser leben“. Mich spricht dieses Motto ganz besonders an. Ich finde, dass damit ein Bild zum Vorschein kommt, die uns alle berührt: Ein besseres Leben! Wer wünscht sich das nicht? Ein Leben, das mit anderen gemeinsam gelingen soll, hat jedoch immer wieder auch seine Herausforderungen. Wir müssen unsere eigenen Bedürfnisse mit denen unserer Mitmenschen in Beziehung setzen und vielleicht schaffen wir es, diese in einen guten Einklang miteinander zu bringen. Doch wie weit geht das Verständnis für andere? Wen und was muss ich alles im Blick haben? Gibt es nicht irgendwann auch eine Grenze? Pauschale Antworten kann es zumindest an dieser Stelle nicht geben, aber ich denke, wir sollten ein ehrliches Bemühen als Maßstab heranziehen. Aus christlicher Sicht ist es immer eine gute Option, sich vom Schicksal und den Lebensumständen anderer Menschen berühren zu lassen: Nächstenliebe verknüpft mit Respekt, Einfühlungsvermögen und einem Maß an Unterstützung, das ich in der Lage bin zu geben.

Die Initiatoren haben mit dem Motto der Diakoniewoche noch weitere Gedanken verbunden. „Zusammen besser leben“ bedeutet demnach auch, dass Kirche und Diakonie verstärkt zusammenarbeiten und dabei „ihr“ Dorf oder „ihren“ Stadtteil in den Blick nehmen. Sie sind dabei offen für Kooperationen mit anderen, die vor Ort aktiv sind, also zum Beispiel Vereine, Interessensgruppen oder soziale Einrichtungen. Bei der Beschäftigung mit sozialen Fragen werden betroffene Menschen nicht als Hilfesuchende betrachtet, sondern als Mitgestalter für Lösungswege einbezogen. Hierin liegen große Herausforderungen, die von den Beteiligten Mut verlangen, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen.

Reiner Roth, Kirchenkreissozialarbeiter

Nachdem ich vor Jahren schon dann und wann mal ein winziges Stückchen mit einer Gruppe auf dem Sigwardsweg zwischen Idensen und Minden unterwegs war, wollte ich es jetzt wissen. Wie geht das mit dem Pilgern allein? Nur vier Tage hatte ich Zeit und die haben gereicht. In Idensen ging es am Montag bei sonnigem Wetter schnellen Schrittes los, rauf bis Bergkirchen, dann weiter bis Rehburg und - dort ein Schild übersehend - fand ich mich bei der Heimvolkshochschule Loccum wieder, statt am Kloster. Nervös geworden hatte mir das Navi im Handy schon angezeigt. Trotzdem hat es zur Hora gerade noch gereicht. Drei weiteren Menschen und Abt Hirschler begegnete ich und wurde mit Pilgersegen freundlichst in den Abend verabschiedet. Das tat gut mit wunden Füßen, verschwitzt und im Blick auf das, was noch kommen sollte. Zur Nacht erster Regen mit buntem Bogen am Himmel und wunderbarem Abendhimmel. Dann seliger Schlaf in der liebevoll eingerichteten Pilgerherberge am Ententeich direkt auf dem Klostergelände. Mit Blasenpflaster und Knieschoner eingedeckt ging es am Dienstag dann eine kurze Strecke nach Schlüsselburg, wo es mittags stürmte. Am Nachmittag weiter bis Stolzenau, dann wieder bei stillem Sommerlüftchen. Man sagt, zum Wochenende hin sei endlich die Hauptstraße wieder freigegeben. Was interessiert mich die Straße? Ich gehe zu Fuß, allerdings für meinen Geschmack viel zu viel auf Asphalt. Mittwoch war ein herrlicher Sommertag und ein toller Weg über Nendorf, wo auch das letzte Blasenpflaster auf meine Füße wanderte. Buchholz an der Weser war mein Tagesziel. Hier waren alle gern bereit dafür zu sorgen, dass das Gemeindehaus meines wurde für die Nacht und der Dorfwirt und Ortsvorsteher legte Gegrilltes auf, so dass mein hungrige Magen auch auf seine Kosten kam. Heute dann schließlich kam die letzte Strecke und führte mich der Weser entlang bei drohendem Regen doch noch rechtzeitig nach Petershagen und per Bus und Bahn fix zurück zur Sigwardskirche, wo ich heimisch geworden bin, so wie nun auch auf der Nordroute des Pilgerweges. Es war ein gutes Gefühl allein in der Landschaft unterwegs zu sein und hier und da einen Menschen zu treffen, ein kurzes Schwätzchen zu halten und sich neu dem Weg anzuvertrauen. Versuchen Sie es doch auch einmal.

Pastorin Anke Orths, Idensen

Bunte Farben am Himmel! Ganz kräftig und wunderschön. Über dem Horizont breiten sie ihre Arme aus, so weit ich schauen kann. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Nein, jetzt keinen Fotoapparat holen. Diesen Moment nur genießen. Ich will das Bild mit meinem inneren Auge festhalten. Irgendwann hole ich es wieder zurück,  wenn es mir nicht so gut geht, und ich an etwas Schönes denken möchte.

Ich fühle mich geborgen unter diesem Bogen. Meine Arbeit, meine Gedanken an dies und das haben gerade Pause. Welch ein schönes Schauspiel der Schöpfung!  Ganz umsonst! Ein unverdientes Geschenk! Wie eine Belohnung für das vorangegangene heftige Gewitter. Die dunkle Wand ist noch da, aber sie wird angestrahlt von der Sonne. Alles Bedrohliche verschwindet. Das Schöne vertreibt die dunklen Wolken, meine farblose Zeit.

Hoffnung und Zuversicht verspricht dieses Zeichen Gottes. „Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“, sagt Gott. „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“     (Aus dem 1.Buch Mose, Kap. 8 und 9).

Ich habe eine Melodie im Kopf und summe sie vor mich hin. Ach ja! „Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.“

Langsam verschwinden die bunten Farben. Sie haben mich verändert. Der Blick zum Himmel hat sich gelohnt.

Angelika Dömland, Prädikantin

so pflegte die Großmutter meiner Frau unsere Reisen zu kommentieren. Einige Wochen unterwegs mit Fahrrad oder Kajak und Zelt. Jede Nacht an einem anderen Ort übernachtet. Wenig Gepäck. Noch immer liebe ich es, so zu reisen. Der bewusste Verzicht auf die gewohnte Sicherheit tut mir gut. Whalewatching oder bewachte Badestrände runden das Programm am Wasser ab. Die Kreditkarte und der deutsche Pass in der Tasche machen das einfach. Weltweit kann ich jederzeit das Abenteuer abbrechen und in die behütete Wohlstandswelt zurückkehren. Die vertraute Wohnung lerne ich am Ende neu schätzen: Fließendes Trinkwasser aus allen Hähnen. Ein stabiles Dach. Der geschützte Sonnenplatz auf der Terrasse.

Millionen Menschen in Nahen Osten und in Afrika reisen zurzeit ohne jede Sicherheit. Aus Angst um das nackte Überleben vertrauen sie sich dubiosen Schleusern an. Auf überladenen, defekten Booten werden sie aufs Meer gebracht. Die Boote sollen nirgends ankommen. Sie sollen scheitern, weil Schiffbrüchige aus Seenot gerettet werden. Aus den Lagern folgt dann die weitere Flucht. Nur die reichen Länder im Norden versprechen noch Menschenwürde.

Nur mühsam gelingt es, der Nachfrage nach Aufnahmeplätzen nachzukommen. Immer mehr der Flüchtlinge müssen in Großzelten und Sporthallen untergebracht werden, zusammen mit vielen anderen, meist Fremden. Anders als für uns auf Reisen gibt es für die Flucht dieser Menschen kein Rückfahrticket. Die Heimat ist zerstört oder im Krieg. Wenn mich nach einigen Wochen das Heimweh, oder wenigstens die Sehnsucht nach der vertrauten Umgebung zur Umkehr bringt, dann wächst bei den Flüchtlingen die Erkenntnis, dass ihre Reise kein Ende hat.

Immer wieder erinnert die Bibel an die eigene Tradition in der Fremde: Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen. (2. Mose 22, 20). Wir werden nicht alle diese Schicksale zum Guten wenden, dennoch haben auch bei uns viele der Erfahrung der Flucht gemacht, wissen wie wichtig erste kleine Zeichen des Willkommens sind.

Informationen zur Flüchtlingsarbeit in Wunstorf: http://ak-asyl.kirche-neustadt-wunstorf.de/

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

Bist du etwa noch zu Hause, mein Herz? Du hast doch bestimmt von der Empfehlung gehört: Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit! Vielleicht fragst du dich immer noch, wo Freude zu finden ist. Auf allen Kanälen siehst und hörst du fast nur Horrormeldungen. Aber es gibt auch die anderen Bilder. Unser Fenster zur Welt stellt sie dir vor: Blaues Meer, heller Strand, blauer Himmel. Oder hohe Berge, schneebedeckte Gipfel, blauer Himmel. Merkst du was? Immer ist Himmel dabei. Aber immer geht es in die Ferne, als ob nur da Freude zu finden ist.  

Ich muss dir gestehen, dass ich auch noch nie in New York war. Nach Bier auf Hawaii steht mir nicht der Sinn. Vielmehr denke ich dieser Tage an: Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit. Und dann: Wo wir uns finden … Zugegeben, der Liederdichter mit dem exotischen Namen von Zuccamaglio hat an eine Gruppe von Menschen gedacht. Vielleicht, mein Herz, können auch wir uns finden, uns wiederfinden. Lange habe ich unser Eins-Sein nicht mehr gespürt. Es ist einfach schön, wenn du in dem Takt schlägst, wie es optimal ist für uns beide. Und bei Freude spüre ich das am Deutlichsten. 

Deshalb: Lass uns ausgehen und Freude finden! Jenseits der Haustür wartet vielleicht ein Abenteuer, hinter der nächsten Abzweigung womöglich ein Stück Paradies. Und blauer Himmel ist immer, auch hinter den Wolken. Wir müssen nur genau hinsehen und können dann auch mit Paul Gerhardt singen:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben. (EG 503)

Helga Kaiser, Lektorin

„Guck mal, der sieht aus, wie ein Straßenräuber“ - ich stelle mich neben meine Frau und wir müssen beide lachen über das Kirchenfenster vor uns. Ein Mann ist zu sehen, grimmiger Blick, quer im Mund ein Messer, als wollte er auf den Betrachter losgehen. Über dem rechten Arm hängen bunte Bänder mit merkwürdigen goldenen Gegenständen. In der Hand am anderen ausgestreckten Arm hält er rötliche Sterne. „Eher ein Straßenhändler“, sage ich, „die goldenen Dinger sind bestimmt billige Uhren für Touristen und die Sterne irgend so ein Plastikkram für kleine Mädchen …“. „Aber er hat einen Heiligenschein“, korrigiert mich meine Frau. „Und außerdem ist es ein Kirchenfenster, also ich tippe auf Jesus!“

Wir müssen immer noch beide schmunzeln. Verwegen sieht er aus, der Jesus in einem der Glasfenster der Kathedrale von Bourges.

Wäre ich Pastor in der Innenstadt von Bourges, würde ich jede Woche einmal mit den Konfirmanden in die Kirche gehen und sie raten und phantasieren lassen, was da in den bunten Fenstern zu sehen ist, und vermutlich hätten wir eine Menge zu lachen, wenn die Konfis genauso respektlos herumraten würden wie meine Frau und ich. Und irgendwann würden wir noch einmal in die Bücher der Bibel gucken und entdecken, dass dieser Jesus in Bourges am rechten Arm die sieben Siegel trägt, die alle Geheimnisse der Welt verbergen und in der anderen Hand sieben Sterne für sieben herausgehobene Gemeinden der Christenheit damals.

Vielleicht kämen Konfirmanden, die ja viel mehr bilderverwöhnt sind als ich, auch viel schneller darauf, was da zu bedeuten hat: der Mann, der die Geheimnisse der Welt und des Lebens in seinen Händen hält - nicht um sie sicher zu verwahren, sondern um sie uns zu zeigen und sie aufzulösen in seiner große Liebe und Barmherzigkeit. Dass Menschen dazu befähigt und ermutigt werden, so zu handeln wie er - das ist das einzige Geheimnis, das auf dieser Welt zählt.

„Aber warum das Messer? Sieht ja gefährlich aus?“ Wir gucken noch mal genauer hin: es handelt sich wohl um das Schwert, das Jesus den Menschen abnimmt, damit die den Krieg verlernen und das nun für die Schärfe und die Klarheit seiner Worte steht, an denen wir uns orientieren können. -

Sehen sie sich jetzt in den Ferien mal das eine oder andere Kirchenfenster genauer an. Dazu muss man ja nicht ins Ausland fahren und lassen Sie ihrer Phantasie ruhig ihren - auch mal respektlosen - Lauf.

Pastor Axel Sandrock, Hagenburg

Endlich geschafft! An diesem Wochenende starten viele in die lang ersehnten Sommerferien. Nach einer langen Arbeitsphase sollen die nächsten drei Wochen Erholung bringen. Kraft für Herbst und Winter. Und damit das auch auf jeden Fall gelingt, werden diese Wochen vollgepackt. Aufbruch am ersten Urlaubstag. Anreise mit Auto oder Flugzeug. Am besten gleich am Abend noch ein erster Ausflug in die neue Umgebung, wenigstens in den Hotelpool. Vor dem Schlafen noch schnell das Smartphone auf eingegangene Mails checken. Wer an einem Ort bleibt, hat das volle Animationsprogramm mitgebucht, wer eine Besichtigungsreise macht, eilt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. - Urlaub 2015.

Alles hat seine Zeit, schreibt der Prediger im Tenach, dem ersten Teil der Bibel. Auch Erholung braucht Zeit. Zeit, die ich ganz bewusst frei halte von den Aufgaben und Sorgen des Alltags. Und so haben meine Frau und ich seit Jahren die Zahl der anzufahrenden Punkte im Urlaub reduziert. Ich erlebe mehr, wenn ich mir wenige Dinge richtig ansehe und mich im Anschluss noch zu einer Tasse Tee hinsetze, um das Gesehene verarbeiten und im Tagebuch festhalten zu können. Ich sehe mehr, wenn ich langsam, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Kajak die Landschaft betrachte, als wenn ich mit dem Auto Kilometer abreiße. Und schließlich: Die Sorgen des Alltags lasse ich zu Hause, mein Smartphone bleibt während des Urlaubs ausgeschaltet, oft ganz zu Hause. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Segen für Ihre Reise - kehren Sie gesund und erholt zurück!

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf

Über das Wetter kommt man leicht ins Gespräch, besonders in diesen Wochen. Ist es kalt, beklagen sich die einen darüber, dass sie noch heizen oder warm anziehen müssen. Ist es heiß, tun andere so, als sei die Sonne ihr Feind. Bei Sturm leiden nicht wenige unter Kopfschmerzen. Sich über das Wetter zu beklagen, gehört beinahe zum guten Ton. Ändern können wir ohnehin nichts, da spielt es auch keine Rolle, wie stark sich der Klimawandel bereits auswirkt. Gegenwärtig jedenfalls warten viele auf mehr Wärme. Regnen müsste es auch, am besten nachts.

Ist das Wetter für eine Veranstaltung ungünstig, ist schnell die Rede vom „Wettergott“. Wer ist das eigentlich? Kürzlich wurde ich wieder einmal gefragt: „Haben Sie einen guten Draht zum Wettergott?“

Was ist ein guter Draht? Ich verstehe darunter die Möglichkeit einer Einflussnahme. Bleibt immer noch die Frage nach dem Wettergott. Vielleicht könnte das auch eine Art sein, heute von Gott als dem Unverfügbaren zu reden. Über das Wetter können Menschen bekanntlich nicht verfügen, es ein wenig beeinflussen, das geht schon.

Aber der Gott der Bibel lässt nicht über sich verfügen, sich auch nicht beeinflussen. Hier könnte man das Beten nennen, das Gott beeinflussen will. Aber dabei bleibt er der Unverfügbare. Christinnen und Christen glauben an einen Gott, der Himmel und Erde in seiner Macht hat, also auch das Wetter, das ganze Leben und noch mehr.

So wie Gott in den Psalmen angebetet wird: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!“ (Psalm 104, Vers 24)

Der Gott der Bibel ist kein anonymer Wettergott in einer Gesellschaft, die versucht, ohne Gott auszukommen, sondern wir können ihn persönlich ansprechen – im Beten. Und wir haben immer wieder Grund, über ihn zu staunen.

 

Eine gute Zeit wünscht Ihnen

 

Friedrich Kanjahn, Pastor in Mardorf und Schneeren

„Wahrlich – dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Ganz ruhig spricht Fabio diese Worte, als römischer Hauptmann verkleidet,  und schaut hinauf auf die Bühne zu Leonard, der den leidenden und soeben verstorbenen Gottessohn spielt. Das Gesicht ist noch schmerzverzerrt. Die Klasse hält den Atem an, niemand spricht.

Später im Klassenraum frage ich nach: „Wie kann ein römischer Hauptmann einen Gekreuzigten, den sie wie einen Verbrecher hingerichtet haben, als Gottes Sohn bezeichnen? Was hatte er denn da Göttliches an sich?“ Und Moritz unterstützt mich: „Nein, zwischen Jesus und Gott ist noch ein Unterschied: Jesus war ein Mensch – und Gott ist eben Gott!“ Doch Caroline meldet sich: „Jesus war Gottes Sohn, deshalb bekreuzigen wir uns doch im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Viele stimmen ihr zu, manche Schüler bleiben skeptisch.

Zum morgigen Trinitatisfest bedenken wir dieses schwer zu glaubende Phänomen des einen Gottes, der in drei verschiedenen Weisen auftritt: Für uns Christen ist Gott nicht nur der starke Herrscher, wie er im Buch Jesaja angerufen wird: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ Nein, Gott wirkt ebenfalls im heiligen Geist und im leidenden und sterbenden Jesus von Nazareth, den Leonard so ergreifend dargestellt hat. In ihm spricht Gott zu uns: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ In Jesus Christus erlebe ich Gott ganz nahe bei mir. Fühle mich von ihm verstanden und bei ihm zu Hause. Ich kann meine Sorgen bei ihm abladen. Ich weiß, dass er mich versteht, weil er selbst den ganzen Weg des Menschseins bis in den Todeskampf hinein auf sich genommen hat.

Wem diese Sätze zu pastoral klingen, der kann vielleicht mit Carolines Worten etwas anfangen, die nach dem Rollenspiel ihrer Mitschüler kommentierte: „Der Hauptmann hat’s begriffen, dass Jesus etwas ganz Besonderes hat, was sonst kein Mensch hat. Was viel mehr ist. Dann hat er ihn Gottes Sohn genannt.“

Susanne von Stemm, Schulpastorin am Hölty-Gymnasium Wunstorf

Tilmann Kingreen„Egal, was oben ist, hier unten halten wir zusammen!“. Bergleute leben ein solidarisches Miteinander. Unter Tage rettet Solidarität ihr Leben. Sie sind darauf angewiesen, sich auf den anderen verlassen zu können. Mag man sich unter der Sonne auch streiten, im Dunkel der Erde hält man zusammen – ohne viele Worte. Die Gefahr schweißt die Männer zusammen.

„Wir hätten nie gedacht, dass so etwas jemals passieren würde!“ In Le Vernet in den französischen Alpen schaut eine Frau gen Himmel. Zwischen den Wolken sucht sie nach jener Stelle, aus der das Flugzeug im gesteuerten Sinkflug haltlos  herniederkam. Hinter dem Tal zerschellte es an der Nordwand „ihrer Alpen“. Schmerz und Entsetzen erfüllen ihr Herz. Sie  erzählt, sie seien in jenen zeitlosen Stunden eine große Familie geworden: Franzosen, Schweizer und Deutsche, Retter und Beter, Berichterstatter und Politiker. Sie alle waren beieinander. Doch was sie sahen, ließ sie verstummen. Später entzündete man 150 Kerzen im Kölner Dom. Lichter statt Worte. Ein Licht für jedes Leben, das so unumkehrbar verlosch.

„Vom Himmel kam ein großes Brausen. Und alle hörten plötzlich Wundervolles, jede und jeder hörten es in ihrer Sprache.“ Gott spricht eine Sprache, die jede und jeder versteht? Ist das so? Die Sprache der Angst macht still und stumm. Die der Hoffnung aber beflügelt. Gottes Geist pflanzt in unseren Verstand eine neue Saat. Eine  Idee vom Leben. Dass es ein Ziel beherberge, das bei Gott zu finden ist. Pfingsten wird zu einem Volksfest der Seele. Unsere Zungen sollen locker werden, damit wir Worte der Hoffnung wagen, Perspektiven erkennen und um Frieden ringen.

Wer Angst hat, braucht eine sichere Gemeinschaft. Wer im Gefühl der Freude schwebt, braucht Worte, um seine Freude anderen mitzuteilen. Wir brauchen im Leben beides: Geborgenheit und Worte. Die Kirche vereint beides. Sie bietet eine gemeinsame Sprachschule des Glaubens. 

Pastor Tilman Kingreen

In der vergangenen Woche sind Hunderte Flüchtlinge auf dem Weg von Afrika nach Europa ertrunken. Voller Verzweiflung über die Lebensbedingungen in ihren Heimatländern lassen sich Menschen auf die waghalsige Reise ein. Schleuser verdienen kräftig an der Not. Sie nutzen schrottreife Schiffe, um Seenotsituationen bewusst herbei zu führen. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit steigt die Hoffnung, die Reise überleben zu können und damit die Zahl der Flüchtlinge.

Viele Ältere bei uns können noch von der eigenen Flucht am Ende des zweiten Weltkriegs erzählen. Auch von der bleibenden Sehnsucht nach der Heimat. Niemand verlässt sie freiwillig. Erst wenn die Wahrscheinlichkeit des Überlebens auf einem der „Seelenverkäufer“ größer ist als zu Hause, macht man sich auf einen solchen Weg. Diese Not ist kaum umkehrbar. Der fortschreitende Klimawandel macht weite Teile Afrikas unbewohnbar. Die Last der Flüchtlinge allein den Mittelmeeranrainern zu überlassen, ist zynisch. Was diese Menschen wortwörtlich „ausbaden“, ist auch die Folge unseres maßlosen Umgangs mit Energie und Wasser. Klimaschutzziele werden in den reichen Ländern gerne als zu teuer abgelehnt. Das „Weiter-So“ ist aber nur deshalb so günstig, weil die Rechnungen diejenigen, die die Hauptlast tragen, gar nicht berücksichtigen. Jesus sagt: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Geschwistern nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan!“

Neben der überfälligen gerechten Verteilung der Flüchtlinge auf ganz Europa kann jede und jeder von uns beitragen, die begrenzten Ressourcen in Afrika ganz den dort Lebenden zukommen zu lassen. Regionale und saisonbezogene Nahrungsmittel wären ein guter Anfang. Eine Kennzeichnungspflicht für den Wasserverbrauch von Industriegütern  könnte auch helfen. Die Geschäfte der Schleuser lassen sich nicht oder nur sehr begrenzt durch polizeiliche Maßnahmen unterbinden. Erst wenn die Lebensbedingungen so sind, dass niemand mehr fliehen muss, wird das Problem gelöst sein.

Pastor Thomas Gleitz, Stiftskirche Wunstorf

 

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe gerade die Petition 'Europa darf nicht wegschauen, wenn Flüchtlinge an seinen Außengrenzen ertrinken' unterschrieben und würde mich sehr freuen, wenn ihr Sie mitmachen.

Je mehr Menschen die Kampagne unterstützen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Erfolg hat. Hier können Sie mehr erfahren und unterzeichnen:

https://weact.campact.de/petitions/europa-darf-nicht-wegschauen-wenn-fluchtlinge-an-seinen-aussengrenzen-ertrinken

Vielen Dank!

Thomas Gleitz

Als Jesus einmal mit seinen Jüngern auf einen See hinausfuhr, brach irgendwann plötzlich ein Sturm los und das Boot drohte zu sinken. Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Bei all dem Trubel, der Gefahr und bestimmt auch dem Lärm – schläft er. Und weiß sich aufgehoben in Gottes Hand. Die Jünger gerieten natürlich in große Aufregung und weckten ihn. Sie fragten: „Herr, wir gehen unter! Merkst du das nicht?“ Da stand Jesus auf, bedrohte den Wind und rief in das Toben des Sees: ‚Sei still und schweig!‘ Da legte sich der Sturm, und es wurde ganz still.“ Immer wieder passiert es, dass die eigene Seele aufgewühlt wird. Oder einfach der Lärm von außen, anstatt an uns abzuprallen, in unser Innerstes hinein dringt. Die Umbaumaßnahmen an der Evangelischen IGS, die schon einige Zeit im Gange sind, nehmen viel Raum ein. Und auch durch die Geräusche ist die Baustelle den Menschen, die täglich in der Schule sind – den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen - immer präsent. Mit der BauStille ist dem jetzt etwas entgegen gesetzt. Der neue Andachtswagen bietet einen Ort der Ruhe. Außen mobil – innen heimelig und vertraut. Wenn ich, wie die Jünger, in Hektik gerate und ins Schwanken komme. Wenn das Leben ist wie das Rudern gegen den Wind. Seit dem 13. April ist sie geöffnet. Und sobald alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Religionskursen eine kleine Einführung bekommen haben, wird die BauStille in den Pausen offen sein. Als Ort der Ruhe. Und als Möglichkeit, einfach mal herauszutreten aus dem normalen Schulalltag. Die BauStille ist ein Ort, der zeigt: Gott ist da. ER weiß um unsere Sorgen. Auch ohne, dass wir darüber sprechen. Das finde ich wichtig – für die Kinder und Jugendlichen gleichermaßen wie für die Erwachsenen: Manches im Leben löst sich, indem wir darüber Stille halten. Anderes muss ausgesprochen werden. Für beides ist jetzt Raum: Für das Schweigen. Und in den Sprechzeiten auch für das Reden und Zuhören. Dass wir uns aufgehoben wissen in Gottes Hand.

Von Franziska Oberheide, Pastorin an der IGS Wunstorf

Sie kommen aus Alleinstein, aus Masuren, aus der Nähe von Breslau, Stolp oder dem Glatzer Land. Bei vielen Geburtstagsbesuchen treffe ich Menschen, die diese Orte ihre Heimat nannten, die dort aufgewachsen sind und dort ihr Elternhaus hatten – bis sie am Ende des Zweiten Weltkriegs alles verloren haben. Hier in Niedersachen, in Wunstorf und Neustadt mussten sie neu anfangen. Sie waren Flüchtlinge. Oft waren sie wenig geduldet, hatten Schwierigkeiten hier wieder Fuß zu fassen. Es war nicht leicht, eine neue Heimat zu finden.

Dass Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen, ist nichts Neues. Sie fliehen vor Krieg und Gewalt, Hunger und Diskriminierung, vor Bedrohungen für Leib und Leben. Heute befinden sich weltweit 51 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie noch nie. 16,7 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge.

Für christliche Kirchen spielt der Flüchtlingsschutz eine große Rolle. Unter den biblischen Geboten sind diejenigen zum Umgang mit Fremden und Flüchtlingen am deutlichsten. Schließlich hat das Gottesvolk Israel selbst die Erfahrung gemacht, wie es ist, in einem fremden Land brutal unterdrückt zu leben. Sie konnten „aus dem Sklavenhaus“ flüchten.  Viele Heldinnen und Helden der Bibel müssen fliehen oder mit den Folgen von Flucht umgehen: Isaak ist ein „Wirtschaftsflüchtling“ (1. Mose 26). Rut flieht vor einer Hungers- not und wird als Armutsmigrantin später eine der Stammmütter des Königs David (Rut 4). Derselbe David flieht aus Angst vor dem eifersüchtigen König Saul, der ihm nach dem Leben trachtet (1. Samuel 19-20).

Auch im Neuen Testament wird der Umgang mit den Fremden und Flüchtlingen betont: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen!“, sagt Jesus (Matthäus 25,35)

Durch die  Ankunft vieler Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien kommt stehen wir unsere Städte und Dörfer vor großen Herausforderungen in diesem Jahr – auch wir als Kirche. Darum ist es gut, um die biblische Tradition zu wissen. Denn Flüchtlingen zur Seite stehen, bedeutet eben auch, Christus bei sich aufzunehmen.

Marcus Buchholz ist Pastor an der Liebfrauenkirche in Neustadt und für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf zuständig.

 

2015 begehen die Vereinten Nationen das "Internationale Jahr des Lichts". Dieses Jahr soll an die Bedeutung von Licht als Grundvoraussetzung des Lebens und der Schöpfung erinnern. Schließlich gibt es ohne Licht kein Leben: Ohne Licht wachsen keine Pflanzen, ohne Licht können auch wir Menschen nicht leben und nur wo Licht ist, kann aus Chaos Kosmos werden. Kein Wunder, dass die biblische Schöpfungsgeschichte mit dem Satz „Es werde Licht!" beginnt!  

Das, was die Bibel als Anfang aller Dinge schildert, geschieht Ostern auf noch größere Weise. Gott sagt erneut: Es werde Licht! Und so geht über dem Tod und der Nacht des Karfreitags die Ostersonne auf. Dieses Licht ist Jesus selbt. Er überwindet durch seine Liebe den Tod; er erleuchtet jeden Winkel dieser Welt. Wo dieses Licht herein strahlt, weicht die Dunkelheit.

In  dem Licht der Osternacht leuchtet uns die große Verheißung des Evangeliums: Wir sind erlöst. Der Tod ist nicht das Letzte, der Tod ist nicht das Ende unseres Lebens, unserer Beziehungen, unserer Liebe. Der Tod ist zum Durchgang geworden. In dem österlichen Licht sehen wir alles neu: Unser Leben hat einen Sinn. Wir haben ein Ziel, das über diese Welt hinausreicht und alles Dunkel aufbricht – zu Gott hin! Das ist wirklich ein Lichtblick!

Heute fehlt vielen Menschen das Wissen um den Auferstandenen: Sie haben keine Hoffnung angesichts des Todes. Das ist auch einer der Gründe, warum sich viele nicht mit Vergänglichkeit und Tod auseinandersetzen. Sie verdrängen den Tod lieber an den Rand der Gesellschaft; und anstatt den Tod zu akzeptieren, müssen Ärzte um jeden Preis Leben erhalten und verlängern.

Damit uns die Dunkelheit des Todes nicht weiter erdrückt, brauchen wir in unserer Gesellschaft nichts nötiger als das Licht von Jesu Auferstehung!

Wie aber kann man an das unglaubliche Wunder der Auferstehung glauben? Darauf gab der französische Philosoph Voltaire einmal eine überraschende Antwort. Eine Dame hatte ihn gefragt, wie es möglich sei, dass es überhaupt Menschen gäbe, die an die Auferstehung glauben. Voltaire antwortete: „Madame, die Auferstehung ist die einfachste Sache von der Welt. Der, der den Menschen einmal geschaffen hat, kann ihn auch zum zweiten Mal schaffen.“

Superintendent Michael Hagen