Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn - 8.9.18

Im Verlauf eines Jahres gibt es viele schöne in meinem Terminkalender. Einer, der mir eine ganz besondere Freude macht ist die Feldrundfahrt mit den Luther Bauern und Jägern. Hinten aufm Treckeranhänger geht es gut zwei Stunden durch die Luther Gemarkungen.

Ich mag diesen Termin auch so gerne, weil ich jedes Jahr viel über die Landwirtschaft in und um Luthe lerne.

Dieses Jahr beherrschte vor allem ein Thema die Gespräche: Die Trockenheit und Dürre, die den Feldern so sehr zugesetzt hat.

Das Getreide ist „taub“ habe ich gelernt. Von außen mögen die Ähren goldgelb und fertig aussehen, doch innendrin ist aufgrund von Wassermangel kaum etwas zu finden. Der Mais bleibt klein und die eigene Silage wird nicht bis zum kommenden Jahr reichen. Doch der Markt ist leer, denn nicht nur bei uns in Norddeutschland war es zu heiß und zu trocken für eine gute Ernte.

Es wird nicht leicht für die Landwirte, das ist klar. Letztes Jahr war es zu nass, die Ernte abgesoffen. Dieses Jahr viel zu trocken, das Getreide taub.

 „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn drum dankt ihm, dankt, drum dankt, ihm dankt und hofft auf ihn.“ – in wenigen Wochen feiern wir Erntedank und vielerorts gehört die Loblied dazu.

Gott loben, während man auf Subventionen hofft, um den eigenen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Was ist bleibt zu loben, wenn die Silos leer sind?

Ich glaube, die schlechte Ernte hat etwas Wichtiges ins Bewusstsein mancher gebracht: Es ist nicht selbstverständlich, dass es uns so gut geht. -  Und das ist, so finde ich, ein guter Grund, um in diesem Jahr Erntedank zu feiern.

Weil die schlechten Ernten eben nur die der letzten zwei Jahre sind, nicht die der letzten zwei Jahrzehnte. Wir leiden hier - zum Glück - noch auf hohem Niveau.

Das soll jetzt nicht heißen, dass wir unserer Landwirtschaft das Klagen mit dem Hinweis darauf verbieten sollen, dass es woanders noch viel schlimmer ist! Klage und Lob gehören zusammen wie Schatten und Licht.

„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herr:n drum dankt ihm, dankt, drum dankt, ihm dankt und hofft auf ihn.“ Im Lob und in der Klage gegenüber Gott liegt derselbe Grund: Das Vertrauen und die Hoffnung in ihn. Darauf, dass er unser Leben begleitet.

Und das ist es, wovon ich den Menschen erzählen mag. Heute, an Erntedank und darüber hinaus.

Ihre Pastorin, Marit Ritzenhoff