60 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Stifts-Kirchengemeinde beim Konficamp in Wittenberg

Eine Gruppe in weißen Schutzanzügen streift über den Platz. Aufmerksam schauen sich die Gestalten um, dann zückt einer eine Greifzange. „Wir sind die Müllmafia“, erklärt der dreizehnjährige Till aus Schaumburg. „Jemand muss sich ja auch um die Natur kümmern.“ Till ist einer von rund 700 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die sich vergangene Woche auf den Weg nach Wittenberg gemacht haben. Seit Ende Mai fahren abwechselnd Konfirmanden aus 18 Landeskirchen auf das Gelände in der Lutherstadt. Zusammen mit rund 500 Teilnehmern aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist die Gruppe aus der hannoverschen Landeskirche die elfte und letzte. Dann werden die insgesamt 160 Zelte wieder abgebaut und der Platz renaturiert.

Zum Auftakt des Konficamps am Mittwoch hatte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister die Jugendlichen in Wittenberg willkommen geheißen. Unter ihnen waren auch Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Stifts-Kirchengemeinde. „Ich bin überwältigt“, sagt Meister beim Blick über das Gelände inmitten der Natur. „Als ehemaliger Pfadfinder habe ich schon unglaublich viele Lager gesehen. Hier merkt man sofort, wie viel Know-How drinnen steckt!“ Nach einem gemeinsamen Essen und dem Auftaktabend war sich der Landesbischof sicher, „dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden den Spirit dieses Lagers mitnehmen, sich noch lange an diesen Sommer erinnern und sich dann vielleicht auch selbst in der Kirche engagieren wollen.“

Insgesamt haben seit Ende Mai fast 12000 Jugendliche die Konficamps in Wittenberg besucht. Dazu kommen noch Volunteers und Teamerinnen und Teamer, die zum Teil den ganzen Sommer in Wittenberg mitgeholfen haben. „Von den Helfern kommen mehrere aus unserer Landeskirche“, freut sich Landesjugendpastorin Cornelia Dassler. „Es ist toll zu sehen, dass sie ihre Talente auch hier einsetzen können.“ Eine von ihnen ist Katharina (17) aus Hannover. Fünf Wochen hat die Schülerin insgesamt als Teamerin Workshops betreut und in der Organisation mit angepackt. „Als im Frühjahr nach Helfern gesucht wurde, habe ich mich sofort gemeldet“, erzählt die Schülerin. „Ich finde, das Campfeeling hier ist etwas ganz besonders.“

Auch die Konfirmanden teilen die Begeisterung: "Ich war ja erst skeptisch, aber es ist echt cool hier!" Immer mehr der Stifts-Konfirmanden lassen sich anstecken und spielen am Ende mit Begeisterung das "Schüttelspiel" in der Fußgängerzone von Wittenberg.

„Trust and Try“ ist das Motto der Konficamps. „Es geht um Vertrauen und Handeln“, erklärt Miriam (28). „Vertrauen zu Gott und zu sich selbst. Und Handeln entsprechend der eigenen Werte.“ Die Projektmanagerin aus Berlin koordiniert die 55 Volunteers, die seit April am Projekt mitarbeiten. Ihre größte Herausforderung war es, aus so vielen Einzelpersonen ein Team zu schaffen, das „den Sommer über durchhält“. „Die Arbeit hier ist nicht ohne. Vor allem der Aufbau hat richtig weh getan. Das hat viele von uns körperlich an die Grenze gebracht.“ Doch das habe die Gruppe erst richtig zusammengeschweißt. Auch die Aufteilung in Spezialgruppen und der Verzicht auf hierarchische Strukturen haben geholfen. „Jeder übernimmt hier mal eine Schichtleitung“, erklärt Miriam. „Unsere Volunteers tragen Verantwortung und merken: Hier werde ich gebraucht.“ Je nach Interesse und Talent entscheiden sich die Jugendlichen dann für eine Spezialtruppe, wie etwa die Infrastrukturgruppe „BauTec“, das Infopoint-Team oder das Bühnenteam.

Auch inhaltlich sind die Volunteers gefragt. Viele ihrer Ideen sind in die Programmgestaltung und das Workshopangebot eingeflossen. Jeden Tag können die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus 50 sportlichen, kreativen, inhaltlichen oder kulturellen Angeboten wählen: zum Beispiel die Müllmafia aus dem umweltpädagogischen Bereich. Allerdings ist das Tagesprogramm insgesamt sehr dicht. Neben den Workshops am Nachmittag stehen vormittags gemeinsame Arbeitsphasen zu den Themen Vertrauen, Identität und Handeln auf dem Programm. Außerdem fährt jede Gruppe ein Mal in die Innenstadt, um die Originalschauplätze der Reformation zu besuchen. „Den Konfirmanden werden hier viele unterschiedliche Impulse geboten“, erklärt Andreas Behr aus dem Religionspädagogischen Institut in Loccum. Er ist Teil des Leitungsteams. „Das durchgeplante Programm hilft ihnen, sich zurecht zu finden.“

P. Thomas Gleitz: Ich war beeindruckt von der hohen Professionalität der Campleitung und der sprühenden Lebensfreude der Volunteers, die auch nach 14 Wochen noch mit viel Engagement und sprühender Lebensfreude für die Konfis da waren. Im Lager war zu spüren, was christliche Freiheit ausmacht. Unter dem Motto "Trust and Try" - Vertrauen und Ausprobieren konnten unser Konfirmanden Erfahrungen fürs Leben machen. Beim Abschlussabend konnte ich dann Teilnehmer aus Wunstorf auf der großen Bühne erleben, denen ich einen solchen Auftritt vor 1400 Menschen vorher nicht zugetraut hätte. Hier ist Selbstbewusstsein und Lebenssicherheit gewonnen worden.

Eine Weiterführung der Konficamps in den folgenden Jahren schließen die Organisatoren nicht aus. Vor allem Gemeinden mit kleinen Konfirmandengruppen würden von dem Konzept profitieren. Dazu kommt, dass der Festivalcharakter die Jugendlichen sehr anspricht. „Wenn es wieder so cool ist, würde ich auf jeden Fall noch einmal herkommen“, bestätigt Till. Auch die Wunstorfer Konfirmanden, die größte Gruppe einer Einzelgemeinde im Camp, überlegt, wie eine Fortsetzung aussehen kann.

Am Sonntag 18. September wird es im Anschluss an den Jugendgottesdienst in der Stadtkirche einen Bilderabend vom Konficamp geben. Interessierte sind herzlich willkommen!
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