15 Minuten Advent - 26.11.16

Lächelnd nimmt sie die Papiertüte aus dem Küchenregal. Da steht sie noch vom letzten Advent. Sofort erinnert sie sich daran, wie sie sie geschenkt bekommen hat: Sie war gerade vom Treffen mit Kollegen auf dem Weihnachtsmarkt nach Hause gekommen, saß am PC, um schnell noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu bestellen - und dann musste sie auch schon wieder weiter zur Fußballweihnachtsfeier der Kinder. Stress pur - nichts Neues zu dieser Zeit. Da klingelt es an der Tür. „Wer ist das denn?“, schießt es ihr durch den Kopf. „Haben die nichts Besseres zu tun, als spontan vorbei zu kommen?“ Genervt öffnet sie die Tür. Vor ihr steht eine Freundin. „Die wollte ich dir nur kurz bringen. Eine gute Zeit damit.“ Und schon ist sie wieder weg. Verdutzt schaut sie auf die Papiertüte in ihrer Hand, mit Sternen und einer Gebrauchsanleitung verziert: 15 Minuten Advent: Tee zubereiten, Kerze anzünden, Geschichte  lesen, dabei Tee  und Gebäck genießen. Allein das Lesen bringt sie runter. Oh ja, nichts lieber als das, am liebsten gleich. Sie spürt auf einmal ihre Sehnsucht nach einer schönen Tasse Tee, Gemütlichkeit, Ruhe. Advent sei was anderes als dieses Gehetze um Termine und Geschenke, das sie hier gerade veranstalte, gesteht sie sich ein. Und „15 Minuen Advent“ - das hört sich gut an, verheißungsvoll, dichter dran an dem, was Advent doch eigentlich bedeutett: Sich besinnen auf Gott und darauf, dass er zu den Menschen auf die Erde kommt. 15 Minuten Advent: Das täte ihr gut!

Ein paar Mal hat sie es dann auch hingekriegt letztes Jahr. In diesen 15 Minuten hat sie sich gemütlich zurückgelehnt, innegehalten, kleine Geschichten zum Nachdenken gelesen. Das hat diese Zeit zu einer besonderen gemacht. Und das eine oder andere Mal war es ihr, als würde sich dabei eine innere Tür öffnen.

15 Minuten Advent: Das will sie auch in diesem Jahr wieder machen. Jeden Tag, das wird nicht hinhauen. Aber so oft es geht.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!“ Evangelisches Gesangbuch, Nr. 1

Pastorin Susanne Sander, Schloß Ricklingen