„Melden macht frei“ - 23.2.19

Ich bin Militärseelsorgerin auf dem Fliegerhorst. Wer schonmal beim Bund war, weiß: Zum Leben in der Bundeswehr gehören Sprüche, z.B., „Wer lacht, hat noch Reserven“, oder „Macht nichts, wenn’s schnell geht“. Ein Spruch, der mir sofort eingeleuchtet hat, ist: „Melden macht frei (und belastet den Vorgesetzten)“. Hier verdichtet sich eine alte Erfahrung: Man kann Probleme, Mißstände etc. an die nächsthöhere Hierarchie-Ebene melden, und damit hat man sie erst einmal vom Tisch, jedenfalls vom eigenen. Der Vorgesetzte darf sich dann damit herumschlagen. Ob das Problem dadurch tatsächlich gelöst wird, ist zwar nicht sicher, aber für einen selbst gilt: Melden macht frei.

Als ich diesen Spruch das erste Mal hörte, habe ich ihn auch auf mich beziehen können, allerdings mit einer etwas anderen Bedeutung. In meiner Arbeit komme ich mit vielen Problemen in Berührung. Bei manchen kann ich helfen, kann z.B. in Konflikten vermitteln, kann auch mal ein Mißverständnis aufklären oder mich bei einem Vorgesetzten für jemanden einsetzen. Aber wenn Angehörige schwer erkranken oder plötzlich sterben, wenn ein Soldat einen Unfall hat und lange ausfallen wird oder wenn die Beziehung zerbricht, dann kann ich für den Soldaten oder die Soldatin da sein, kann zuhören und vielleicht einen weiteren Ansprechpartner vermitteln, aber an der schwierigen Lage selbst ändert sich nichts.

Eines geht allerdings immer: Beten. Das Problem, den Schmerz, die Traurigkeit, die scheinbar aussichtslose Lage an Gott weiter „melden“ und ihn um Hilfe bitten. Das Problem damit meist noch nicht gelöst, jedenfalls nicht sofort – obwohl ich da auch schon erstaunliche Sachen erlebt habe. Aber es gibt so etwas wie einen innerlichen „Melden macht frei“-Effekt. Keiner von uns muss die Lasten allein tragen. Wenn wir für andere beten, bitten wir Gott hinein in die Situation, Gott mit seiner Liebe und seiner Macht und seinem Licht. Und dann wissen wir zumindest eines: Wir sind mit dem Problem nicht mehr allein.

Pastorin Alexandra Dierks