„Dass der Mandelzweig...“ - 23.4.16

April – die Natur ist zu neuem Leben erwacht. Ich erlebe dies täglich in meinen Garten. An den Bäumen und Büschen, die vor Wochen noch kahl und leer waren, ist das erste Grün sichtbar. Die verschiedenen Ziersträucher stehen in voller Blüte, wie auch der Kirschbaum. Perlhyazinthen, Narzissen und Tulpen leuchten in den jeweiligen Farben. Der Frühling ist da. Neues Leben beginnt. Eine kleine Blüte signalisiert: das Leben hat gesiegt. Es erinnert mich an eines meiner Lieblingslieder, „Freunde, dass der Mandelzweig...“.Zu finden ist es im Evangelischen Gesangbuch. Der jüdische Schriftsteller und Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin, hat es 1942 in einer der schwierigsten Zeiten seines Lebens geschrieben. Es lautet: Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht eine Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.

Geschrieben hat Schalom Ben-Chorin diese Zeilen in Jerusalem, als sich die Schreckensmeldungen über den Krieg und die Vernichtung seines Volkes häuften. Der Mandelzweig als "Zeichen für des Lebens Sieg". Ein Zeichen gegen alle Hoffnungslosigkeit "Ein bisschen meschugge, ein bisschen verrückt ist das ja: ein zarter Blütenzweig als Protest gegen den Druck von Hoffnungslosigkeit." So soll Schalom Ben-Chorin es selbst Jahrzehnte später gesagt haben. Ein blühender Mandelzweig als Zeichen, dass das Leben siegt.. Das Leben siegt nicht durch Gewalt und immer mehr Macht, sondern wie ein „Blütensieg, der leicht im Winde weht.“ Jesus hat es uns vorgelebt, Er hat in seinem Leben auf die Liebe gesetzt. Und in ihm ist für uns die Liebe Gottes greifbar geworden. Diese Liebe ist es, die stärker war als der Tod. Es siegte das Leben. Wer Christus vertraut, wird leben. Das ist die Botschaft der Hoffnung, die von Ostern ausgeht.

Marlene Richter, Prädikantin, Stiftskirchengemeinde Wunstorf