Übt Gastfreundschaft - 22.7.17

Wer reist, kann etwas erleben. Immer mehr unserer Bekannten kehren aus einem erholsamen Urlaub zurück. Voller Begeisterung erzählen sie von den Erlebnissen. Von schönen Stränden, einsamen Flüssen, weiten Wäldern. Viele erzählen mir von der Pracht und Schönheit der besuchten Kirchen. Besonders in Erinnerung aber bleiben die Begegnungen mit Menschen. Gerade da, wo man die Hotels und Pensionen verlässt und etwas tiefer in die besuchten Länder eintaucht, fällt die Herzlichkeit der Menschen auf.

Mir ist das zuletzt während der Jugendfreizeit in Norwegen und Schweden so gegangen. Ich hatte den Bus mit dem großen Anhänger voller Boote am Straßenrand einer einsamen Waldstraße geparkt und war zu Fuß unterwegs, um einen geeigneten Zeltplatz für die Nacht und einen Einsatzpunkt in den Fluss zu erkunden. Neben mir hält ein Auto und ein älterer Herr spricht mich auf norwegisch an. Ich verstehe nur wenig von dem, was er sagt. Bald aber ist er klar, er hat die Gruppe Jugendlicher am Auto gesehen und lädt uns ein, an seinem Haus zu zelten und einzusetzen. Er sei immer so alleine dort. Ich bin überrascht - wer traut sich bei uns einem Fremden, auf die Nase zu binden, dass man in einem einsam stehenden Haus allein ist?

Einige Tage später stehen unsere Zelte um Flussufer vor einem Wäldchen. Am Ufer ist ein schmaler Streifen gemäht. Wenig später erscheint ein Herr mittleren Alters auf einem Rasentrecker, um den Streifen zu verbreitern. In Schweden gibt es kaum öffentliches Land. Wir zelten sozusagen in seinem Vorgarten, auch wenn das Haus fast einem Kilometer hinter dem Wald steht. Ich mache mich aufs Einpacken und Weiterpaddeln gefasst und spreche ihn freundlich an. „Was für einen herrlichen Platz zum Zelten ihr gefunden habt. Herzlich willkommen in Schweden!, so seine Antwort“

„Übt Gastfreundschaft!“ schreibt Paulus im Brief an die Römer. „Überwindet das Böse dieser Welt dadurch, dass ihr Gutes tut.“  Ich hoffe, dass viele von Ihnen ähnlich gute Erfahrungen sammeln konnten. Noch mehr wünsche ich den Menschen, die uns besuchen, dass sie auch an unseren Türen willkommen geheißen werden.

Thomas Gleitz, Pastor an der Stiftskirche Wunstorf